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Leben im Ausland

Letzter Stand : 31/10/2013

Ihr Krankenversicherungsschutz

Welches EU-Land für Ihre Sozialversicherung einschließlich der Krankenversicherung zuständig ist, hängt von Ihrem wirtschaftlichen Status und Ihrem Wohnort ab und nicht von Ihrer Staatsangehörigkeit. Vergewissern Sie sich, welches nationale Sozialversicherungssystem für Sie zutändig ist. Sie können nicht wählen, welches Land Ihnen Sozialleistungen gewährt!

Wenn Ihnen Ihre Rechte in Bezug auf Gesundheitsversorgung nicht klar sind und Sie sich vor einer Behandlung informieren möchten, können Sie sich an eine nationale Kontaktstelle wenden – die es in jedem EU-Land gibt ­–, um zu erfahren, ob Sie Anspruch auf Rückerstattung haben und welche Obergrenzen dafür gegebenenfalls gelten.

Sonderbedingungen gelten bei

Berufstätigkeit in einem EU-Land, Wohnsitz in einem anderen

In diesem Fall haben Sie auf beiden Seiten der Grenze Anspruch auf medizinische Behandlung.

Sie sollten sich zuerst in dem Land anmelden, in dem Sie arbeiten, und bei Ihrer Krankenkasse das Formular S1 (früher: Formular E 106) beantragen. Mit diesem Formular dürfen Sie und Ihre unterhaltsberechtigten Angehörigen sich in Ihrem Wohnsitzland krankenversichern. Daher werden Sie zwei Krankenversicherungskarten besitzen, für jedes Land eine.

Ihre unterhaltsberechtigten Familienangehörigen genießen dieselben Rechte wie Sie, wenn sich Ihr Wohnort und Ihr Arbeitsort in einem der folgenden Länder befinden:

Belgien

Luxemburg

Slowakei

Bulgarien

Malta

Slowenien

Deutschland

Österreich

Tschechische Republik

Frankreich

Polen

Zypern

Griechenland

Portugal

Lettland

Rumänien

Wohnen oder arbeiten Sie in Dänemark, Estland, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Litauen, den Niederlanden, Schweden, Spanien oder Ungarn, dürfen Ihre unterhaltsberechtigten Familienangehörigen nicht zwei Krankenversicherungskarten besitzen. Sie können sich in dem Land, in dem Sie arbeiten, nur medizinisch behandeln lassen, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:

  • Während ihres Aufenthalts wird eine Behandlung aus medizinischen Gründen erforderlich. Die Art der Behandlung und die voraussichtliche Aufenthaltsdauer sind dabei zu berücksichtigen.
  • Die beiden betreffenden Länder bzw. Behörden haben eine entsprechende Vereinbarung getroffen.
  • Die Krankenkasse in Ihrem Wohnsitzland hat die Behandlung mit dem Formular S2 (früher: Formular E 112) vorab genehmigt.

Pflege kranker Kinder – Wenn Sie als Grenzgänger freinehmen müssen, um ein krankes Kind zu pflegen, erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenversicherung, ob Ihnen Leistungen zustehen. Möglicherweise haben Sie keine Ansprüche, wenn Ihr Kind gemeinsam mit Ihrem Partner in dem Land versichert ist, in dem Sie leben.

Kurzzeitige Entsendung ins Ausland (<2 Jahre)

Als kurzzeitig (<2 Jahre) ins Ausland entsandter Arbeitnehmer können Sie weiterhin in Ihrem Heimatland (dem Land, aus dem Sie entsandt wurden und das für Ihre Sozialversicherungsleistungen zuständig ist) versichert bleiben.

Fordern Sie bei der Krankenkasse Ihres Heimatlandes das Formular S1 (früher: Formular E 106) an. Damit haben Sie und Ihre Familie während Ihres Auslandsaufenthalts Anspruch auf Gesundheitsversorgung. Legen Sie das Formular S1 bei der Ankunft der Krankenkasse Ihres Gastlandes vor.

Ins Ausland entsandte Beamte

Als ins Ausland entsandter Beamter haben Sie in dem Land Anspruch auf medizinische Behandlung, in dem Sie leben. Zu diesem Zweck müssen Sie bei Ihrer Krankenkasse in dem Land, bei dem Sie beschäftigt sind, ein Formular S1 (früher: Formular E 106 – Bescheinigung über den Anspruch auf Gesundheitsleistungen für Sie und Ihre unterhaltsberechtigten Familienangehörigen, wenn Sie nicht in dem Land leben, in dem Sie versichert sind) anfordern und der Krankenkasse in dem Land, in dem Sie arbeiten, vorlegen.

Studierende, Forscher oder Praktikanten im Ausland

Wenn Sie sich zum Studium, für Forschungsarbeiten, ein Betriebspraktikum oder zur Berufsausbildung im EU-Ausland aufhalten, müssen Sie in Ihrem Gastland umfassend krankenversichert sein.

  • Wenn Sie in Ihrem Gastland eine Anstellung haben, müssen Sie sich vor Ort um eine Krankenversicherung bemühen.

    Doktoranden können als gebietsansässige Arbeitnehmer gelten und verpflichtet werden, sich dem inländischen Gesundheitssystem anzuschließen oder sich privat zu versichern.

  • Sind Sie nicht angestellt, so ist die Europäische Krankenversicherungskarte eine Möglichkeit, sofern Sie Anspruch darauf haben.
  • Wenn Sie von Ihrer Heimathochschule oder einer Forschungseinrichtung in Ihrem Heimatland vorübergehend an eine Hochschule oder Forschungseinrichtung in einem anderen EU-Land entsandt werden, bleibt Ihr bisheriger Krankenversicherungsschutz für den Zeitraum Ihres Aufenthalts bestehen. Beantragen Sie vor der Abreise die Europäische Krankenversicherungskarte oder das Formular S1.

    Erkundigen Sie sich bei der Krankenkasse oder der nationalen Kontaktstelle in Ihrem Heimatland, ob die Kosten der Gesundheitsversorgung während Ihres gesamten Auslandsaufenthalts übernommen werden!

Solange Ihre heimische Krankenkasse Ihre Gesundheitsversorgungskosten während Ihres Auslandsaufenthalts abdeckt, können die Verwaltungsverfahren mit einer Europäischen Krankenversicherungskarte einfacher sein.

Einige nationale Krankenkassen decken die Kosten in einem anderen Land jedoch nur während eines begrenzten Zeitraum ab. Dies ist oft der Fall bei älteren Studierenden (älter als 28 oder 30) und bei Arbeitnehmern, die im Ausland einer Berufsausbildung folgen. Wenn das auf Sie zutrifft, müssen Sie sich beim staatlichen Gesundheitssystem in Ihrem Gastland einschreiben oder eine private Krankenversicherung abschließen.

Fallbeispiel

Informieren Sie sich über die Sozialversicherungsvorschriften vor Ort

Wim ist Belgier und geht zum Studium in die Niederlande. Er nimmt eine gültige Europäische Krankenversicherungskarte mit, weil er vorhat, während seines Studium Teilzeit zu arbeiten. In den Niederlanden ist man jedoch, wenn man einen Job hat, verpflichtet, sich der nationalen Gesundheitsgrundversorgung anzuschließen, die pro Jahr rund 1 100 Euro kostet – selbst wenn man bereits eine gültige Europäische Krankenversicherungskarte besitzt. Dies macht die Teilzeitarbeit teurer, als Wim vorhergesehen hatte.

Rentner

Gesundheitsversorgung in dem Land, in dem Sie leben

Wenn Sie von dem Land, in dem Sie leben, eine Rente empfangen, sind Sie und Ihre Familie durch das Krankenversicherungssystem diese Landes abgedeckt – egal ob Sie auch Renten von anderen Ländern empfangen.

Wenn Sie keine Rente und kein anderes Einkommen von dem Land, in dem Sie leben, empfangen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Sie erhalten eine Rente von einem anderen EU-Land. Dann fallen Sie unter das Gesundheitssystem dieses Landes.
  • Sie erhalten eine Rente von mehreren anderen EU-Ländern. Dann fallen Sie unter das Gesundheitssystem des Landes, in dem Sie am längsten versichert waren.

In beiden Fällen müssen Sie bei der Krankenkasse des Landes, das für Sie zuständig ist, eine Bescheinigung über den Anspruch auf Gesundheitsleistungen – das Formular S1 (früher: Formular E 121) beantragen.

Dieses Papier bescheinigt Ihren Anspruch auf uneingeschränkte Gesundheitsversorgung in Ihrem Wohnsitzland. Sie müssen es der dortigen Krankenkasse vorlegen.

Grundsätzlich haben Sie und Ihre Familie in dem Land uneingeschränkten Anspruch auf medizinische Behandlung, in dem Sie leben. Einige Länder (siehe nachstehende Liste) bieten jedoch Rentnern, die im Ausland leben, aber ihrem Sozialversicherungssystem angehören, auch in ihrem eigenen Hoheitsgebiet uneingeschränkte Gesundheitsversorgung an.

Fallbeispiel

Informieren Sie sich über das Gesundheitsversorgungssystem Ihres neuen Landes

Nicolas hat stets in Frankreich gelebt und dort fast die ganze Zeit gearbeitet – mit Ausnahme einiger Jahre in seiner Jugend, als er als Kellner in Italien arbeitete.

Nach seiner Pensionierung zieht er nach Italien. Seine Rente setzt sich aus zwei Teilen zusammen – einer italienischen Rente für die Arbeitsjahre in Italien und einer französischen Rente für die Arbeitsjahre in Frankreich.

Da Nicolas in Italien lebt UND vom italienischen Staat eine Rente erhält, gehört er dem italienischen Gesundheitssystem an und nicht mehr dem französischen.

Gesundheitsversorgung in dem Land, in dem Sie gearbeitet haben

Wenn eines der folgenden Länder Ihre Rente zahlt, haben Sie und Ihre Familienangehörigen sowohl in dem Land, das Ihre Rente zahlt, als auch in dem Land, in dem Sie jetzt leben (sofern dies verschiedene Länder sind), Anspruch auf uneingeschränkte Gesundheitsversorgung.

Belgien

Luxemburg

Slowenien

Bulgarien

Niederlande

Spanien

Deutschland

Österreich

Tschechische Republik

Frankreich

Polen

Ungarn

Griechenland

Schweden

Zypern

Wenn Sie Beiträge in einem Land entrichtet haben, das nicht in obiger Liste enthalten ist, haben Sie nur in dem Land, in dem Sie leben, Anspruch auf uneingeschränkte Gesundheitsversorgung.

Ehemalige Grenzgänger

Wenn Sie zuletzt als Grenzgänger gearbeitet haben, also in einem Land lebten, aber zur Arbeit in ein anderes Land pendelten, dann gilt für Sie Folgendes:

Fortsetzung einer Behandlung

Sie können weiterhin eine Behandlung in Anspruch nehmen, die in Ihrem früheren Beschäftigungsland aufgenommen wurde – auch nach Ihrer Pensionierung. Dies gilt auch für Ihre Angehörigen, wenn ihre Behandlung in einem der folgenden Länder begonnen hat:

Belgien

Luxemburg

Slowakei

Bulgarien

Malta

Slowenien

Deutschland

Österreich

Tschechische Republik

Frankreich

Polen

Zypern

Griechenland

Portugal

Lettland

Rumänien

Ab 1. Mai 2014 ist dies auch für Behandlungen möglich, die in einem der folgenden Länder begonnen haben:

Estland

Litauen

Spanien

Italien

Niederlande

Ungarn

Um eine Behandlung fortzusetzen, die in dem Land begonnen hat, in dem Sie arbeiteten, müssen Sie den Gesundheitsbehörden des neuen Landes ein Formular S3 vorlegen.

Welche Abdeckung gilt in dem Land, in dem Sie arbeiteten, bzw. in dem Land, in dem Sie leben?

Wenn Sie in den letzten fünf Jahren vor Ihrem Ruhestand mindestens zwei Jahre lang als Grenzgänger gearbeitet haben, haben Sie sowohl in Ihrem Wohnsitzland als auch in Ihrem früheren Beschäftigungsland Anspruch auf Gesundheitsversorgung.

Dies gilt auch für Ihre Angehörigen, wenn sowohl das Land, in dem Sie jetzt leben, als auch das Land, in dem Sie gearbeitet haben, zu dieser Gruppe gehören:

Belgien

Luxemburg

Spanien

Deutschland

Österreich

Frankreich

Portugal

Um sowohl in Ihrem Wohnsitzland als auch in dem Land, in dem Sie gearbeitet haben, eine Behandlung zu erhalten, müssen Sie den Gesundheitsbehörden des Landes ein Formular S3 vorlegen.

Die Gesundheitsversorgungssysteme innerhalb Europas sind sehr unterschiedlich

Den EU-Ländern steht es frei, eigene Regeln für den Anspruch auf Leistungen und Dienste festzulegen. Wenn Sie sich beispielsweise in dem Land, in dem Sie jetzt leben, einer medizinischen Behandlung unterziehen, haben Sie wahrscheinlich kein Anrecht auf die gleichen Leistungen zu demselben Preis wie in Ihrem Herkunftsland.

Informieren Sie sich über das Sozialversicherungssystem in Ihrem Gastland oder erkundigen Sie sich bei der nationalen Kontaktstelle, um möglicherweise ernste Probleme und Missverständnisse zu vermeiden.

Fallbeispiel

Informieren Sie sich über das Sozialversicherungssystem Ihres neuen Landes

Susanne hat immer in Deutschland gearbeitet und ist nach ihrer Pensionierung nach Spanien gezogen. Als sie erkrankte, wandte sie sich an einen privaten Pflegedienst, da es in Spanien keine öffentliche Pflegeversicherung gibt.

Ihre deutsche Pflegeversicherung zahlte einen Teil der Kosten, aber Susannes Anteil war viel höher als das, was sie hätte zahlen müssen, wäre sie in Deutschland geblieben. Dies war eine Folge der Unterschiede zwischen dem deutschen und dem spanischen Leistungssystem.

Unterschiede bei der Einschätzung des Erwerbsunfähigkeitsgrades

Wenn Sie einen Antrag auf Invaliditätsrente stellen, kann jedes Land, in dem Sie jemals gearbeitet haben, eine eigene ärztliche Untersuchung verlangen. Während ein Land Ihnen eine schwerwiegende Erwerbsunfähigkeit bescheinigen kann, gelten Sie in einem anderen Land möglicherweise nicht als erwerbsunfähig.

Mehr über Invalidenrenten in Europa

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