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Ganz persönlich-Werbung im Internet

© Flickr, Pascale PirateChickan (CC BY 2.0)
Werbung auf Webseiten zeigt zunehmend Produkte an, die den Nutzer interessieren. Ein Zufall? Wohl kaum…

Autorin: Merle Bieler

 

Mithilfe von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram kann man sich im Internet präsentieren und Freundschaften pflegen, Suchmaschinen wie Google helfen beispielsweise bei der Hausaufgabenrecherche und mit Amazon und Co ist Shoppen mit einem Klick erledigt. So unterschiedlich all diese Webseiten in ihren Dienstleistungen auch scheinen, eines haben sie gemeinsam: Sie werden vom Nutzer bewusst verwendet. Unbewusst ist dem Nutzer jedoch meistens, dass die Firmen hinter den Webseiten ihn auch "nutzen" und vor allem wie das von statten geht.

 

Äußern tut sich diese „Nutzung des Nutzers“ durch die zahlreichen Werbebanner, die man auf nahezu allen besuchten Webseiten zu sehen bekommt und die zunehmend aus Inhalten bestehen, die man sich zuvor im Internet angeschaut hat. Wenn man zum Beispiel nach Armbanduhren geguckt hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass einem danach bei Facebook und Co Onlineshops angezeigt werden, die auch Armbanduhren anbieten. Aber warum ist das so?

 

Das Stichwort hier heißt „tracking“. Es bedeutet so viel wie „Verfolgung“ und im World Wide Web schlicht und ergreifend, dass das Verhalten des Internetnutzers verfolgt und ausgewertet wird- und dass auf 95% aller Webseiten. Umgesetzt wird das beispielsweise durch Cookies. Auf nahezu jeder Webseite muss man als erstes der Verwendung dieser zustimmen, sonst kann man die Webseite in manchen Fällen gar nicht nutzen. Hat man dann wohl oder übel zugestimmt, so kann die besuchte Webseite den Nutzer verfolgen, denn Cookies sind kleine Dateien dieser Webseite, die auf dem benutzten Rechner abgespeichert werden und den Anwender identifizieren und Informationen, die für die besuchte Webseite relevant sein könnten, speichern können. All diese gespeicherten und gesammelten Daten über das Nutzerverhalten werden von den Konzernen hinter den Webseiten ausgewertet und an Werbefirmen weitergegeben. Google und Facebook haben sogar ihre eigenen Online-Werbefirmen. 2011 entsprang 96% von Googles Gewinn dieser Strategie.

 

Doch es lohnt sich nicht nur für die Konzerne, auch für die Werbefirmen, die die Daten zur Verfügung gestellt bekommen, ist dieses Geschäft lukrativ. Je mehr sie über die Nutzer und seine Interessen wissen, desto gezielter können sie Werbung zuschalten und desto wahrscheinlicher ist es, dass der Nutzer die angezeigten Produkte auch kauft. In der Praxis sieht das dann so aus, dass der Nutzer, nachdem er beispielsweise nach Armbanduhren geguckt hat, auf danach besuchten Webseiten Werbeanzeigen für noch mehr Armbanduhren bekommt. Internetwerbung besteht heutzutage fast nur noch aus dieser personalisierten Werbung.

 

Inzwischen wird sogar daran gearbeitet, mehrere internetfähige Geräte wie Smartphone, Laptop und Tablet ein- und demselben Nutzer zuzuordnen, denn es wird zwar mehr mit dem Handy gesurft, gekauft wird aber immer noch überwiegend am Rechner. Eine personalisierte Werbung für dasselbe Produkt auf Handy und Laptop erhöht logischerweise die Chance, dass der Nutzer es auch kauft und somit würde sich auch der Gewinn der Werbefirmen erhöhen. Deshalb wird mit speziellen Algorithmen gearbeitet, die die personalisierte Werbung noch persönlicher machen soll für mehr Erfolg für die Unternehmen- und den Nutzer natürlich.

 

Welche (vermeintlichen) Vorteile personenbezogene Online-Werbung hat, erfahrt ihr bald im nächsten Teil von Merle Bielers Serie.