Europäisches Jugendportal
Informationen und Chancen für junge Menschen in ganz Europa.

Unser Besuch beim European Youth Event 2018

Group of youngsters at european youth event
EYE 2018; Copyright: EBL (CC BY-NC-ND 2.0)
Was passiert, wenn mehr als 8.000 junge Leute zusammen kommen, um Ideen für die Zukunft Europas zu sammeln? Sarah, Janine und Maxi von der EYP-Jugendredaktion berichten für euch vom European Youth Event 2018 in Straßburg.

Von Maxi Köhler, Sarah Reese, Janine Tillmanns

Zwei Tage im Europäischen Parlament – diskutieren, zuhören, mitreden. Für Sarah, Janine und mich, Maxi, war das Anfang Juni die Wirklichkeit. Als wäre es selbstverständlich saßen wir in Konferenzsälen, in denen normalerweise die Zukunft Europas diskutiert wird und sprachen mit Menschen, bei denen man normalerweise wohl eher nicht so leicht einen Termin bekommt. Wir drei wurden nämlich von Eurodesk eingeladen zusammen mit einer Delegation aus vielen verschiedenen Ländern Europas am European Youth Event 2018 in Straßburg teilzunehmen.

Das European Youth Event (EYE) findet seit 2014 alle zwei Jahre im Europäischen Parlament in Straßburg statt und gibt rund 8.000 jungen Europäer(inne)n die Möglichkeit, die Zukunft Europas durch eigene Ideen aktiv selbst mitzugestalten.

Wir kamen am Donnerstagnachmittag in Straßburg an und mussten als erstes zum Akkreditierungs-Zelt, um uns anzumelden. Dort bekamen wir unsere Bändchen, mit denen wir uns die nächsten beiden Tage frei auf dem Gelände bewegen konnten. Nach kleinen Startschwierigkeiten bei der Anmeldung ging es für uns ins Hotel und danach zum Flammkuchen-Essen mit der gesamten Eurodesk-Delegation. Insgesamt waren wir 47 Menschen von Eurodesk aus ganz Europa.

Am Freitagmorgen begann unser Tag früh, denn vor der Willkommensveranstaltung gab es noch ein Meeting, bei dem wir unsere gemeinsamen Eurodesk-Workshops besprachen. Am Parlament angekommen war das erste Gefühl Ehrfurcht, gefolgt von unglaublicher Vorfreude. Man musste zwei Security-Checks durchlaufen und während man umgeben von vielen Menschen wartete, spürte man die positive Energie, die von allen ausging. Selbst beim Warten in der prallen Sonne war man umgeben von einer tollen Stimmung, während man immer wieder zu dem beeindruckenden gläsernen Gebäude und den 28 Fahnen der Europäischen Union hinaufblickte.

Die tolle Stimmung brach auch abends nicht ab. Im Rahmen des Yo!Fests wurde direkt neben dem Parlamentsgebäude eine große Bühne aufstellt, auf der den ganzen Tag über Konzerte gespielt wurden und als die Sonne untergegangen war, ein DJ auflegte, zu dem fleißig gelacht, getanzt und gefeiert wurde.

Das Yo!Fest

Schon von weitem machte sich bemerkbar, dass an diesen zwei Tagen nicht nur im Parlament etwas los ist, sondern auch davor. Die großen weißen Zelte, zwei Bühnen und zahlreichen Food Tucks ließen Festival-Atmosphäre aufkommen. Allerdings wurde auf dem sogenannten Yo!Fest nicht nur gefeiert, sondern auch gearbeitet. Denn hier sollten mehr als 150 Aktivitäten stattfinden, organisiert von verschiedenen Mitgliedsorganisationen des European Youth Forums. Leider machte das Wetter den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Am Abend vor dem EYE regnete es heftig und einige der Pavillons waren nicht nutzbar. Trotzdem versuchten alle, das Beste aus der Situation zu machen und es fanden mehr Veranstaltungen statt, als zunächst vermutet.

Wir beschlossen einfach spontan zu sein. Der Workshop, für den wir eigentlich angemeldet waren, fand zwar nicht statt, aber dafür gab es viele andere spannende Veranstaltungen. Los ging es mit einer Diskussionsrunde zum Thema Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Fünf Experten aus Politik und Wirtschaft diskutierten über bessere Schulbildung, künstliche Intelligenz und höhere Löhne. Ein Vorteil des Yo!Fests waren die kleinen Gruppen. Hier wurde eher vor 30 als vor 300 Leuten geredet. Weiter ging es mit einem Workshop zum Thema Sicherheit im Internet. Mit anderen Jugendlichen überlegten wir, was getan werden kann, wenn es zu Mobbing in Online-Foren kommt oder Erpressung über das Internet stattfindet.  Danach war es Zeit für eine kurze Mittagspause. Das Wetter war gut und so entspannten wir uns auf den zahlreichen Sitzsäcken, die auf einer Wiese neben den Zelten lagen. Gut ausgeruht waren wir danach bereit für einen Crash-Kurs in Gebärdensprache und einer Fragestunde mit einer irischen Parlamentsabgeordneten.  Auch bei diesen Veranstaltungen waren die Gruppen klein und jede/-r, die/der mochte, kam zu Wort.

Aktivitäten im Europäischen Parlament

Europa sicherer und stärker machen – um diesen und viele weitere Aspekte ging es beim EYE 2018. Besonders angesprochen hat uns die Aktivität „Cross Border Crime Scene“. Stattgefunden hat sie in einem der beeindruckenden Sitzungssäle. Dank der anwesenden Dolmetscher/-innen konnten die Teilnehmenden der Veranstaltung auf Französisch, Englisch oder Deutsch folgen.

Das Thema „Organisierte Kriminalität im transnationalen Raum“ schien die Besucher des EYE sehr zu interessieren, denn der Sitzungsaal war so gut wie voll besetzt. Vielleicht lag das auch daran, dass das Thema Jugendliche und Kriminalität meist mit vielen Faktoren, wie z.B. einer schwierigen Kindheit oder traumatischen Erlebnissen, einhergeht. Viele Jugendliche sind selber schon mit dem Thema Gewalt und Kriminalität in Berührung gekommen, oder haben Freunde, die damit Erfahrungen gemacht haben. Wie wichtig es daher ist, die Quellen, die kriminelle Energie schüren, zu finden und einzudämmen, um Europa zu einem sicheren Ort zu machen, das konnte man bei dieser Aktivität mitnehmen.

Dazu waren drei junge politisch aktive Menschen anwesend, die sich täglich mit organisierter Kriminalität auseinandersetzen: Simón Cabrera Ebers, Miranda Patrucić und Sanaz Zolghadriha als „Ideengeber“. Um ihre Ideen zu präsentieren, hatte jede/-r von ihnen eine begrenzte Zeit, deren Einhaltung von Moderatorin Dorothee Haffner vom deutsch-französischen TV-Sender Arte überwacht wurde. Besonders spannend fanden wir den Gedankengang von Simón Cabrera Ebers, der Menschen unterstützt, die in die Spirale der Kriminalität geraten sind und einen Weg hinaus suchen. Ebers vermutet, dass kriminelles Gedankengut dort entsteht, wo das Gefühl der Ausgrenzung herrscht. Um dem vorzubeugen seien drei Dinge essentiell: Man müsse das Vertrauen der Betroffenen gewinnen und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Außerdem sei es wichtig, dass regelmäßig Veranstaltungen an den Orten stattfinden, an denen hohes kriminelles Potential herrscht. Entscheidend sei dann die Einbindung der Menschen in Projekte, um das Gefühl der Ausgrenzung gar nicht erst entstehen zu lassen.

Nach der Thesenpräsentation der Ideengeber kamen die „Ideennehmer“ zum Zuge, unter ihnen auch Rainer Wieland, einer der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments. Auch ihre Zeit, um auf das Gesagte zu reagieren, war begrenzt, was die Aktivität sehr lebendig und nachvollziehbar gestaltete.

Uns hat diese Aktivität dazu bewegt, uns mit Kriminalität in Europa, aber auch in unmittelbarer Nähe, auseinanderzusetzen und sie zu hinterfragen. Denn jede/-r, die/der in einem Europa leben möchte, das Sicherheit und Stärke gewährleistet, ist dazu verpflichtet ihren/seinen Teil beizutragen.

Die Eurodesk-Workshops

„Du kannst alles sein, wenn du fest genug daran glaubst“, warum also nicht ein Buch?! „Human Library of Mobility Opportunities“ waren Motto und Titel eines der beiden Eurodesk-Workshops zugleich. Die Idee dahinter war ebenso simpel wie genial. Jugendliche aus der Eurodesk-Delegation, die eine Zeit im europäischen Ausland verbracht haben, konnten von Teilnehmenden des EYE „ausgeliehen“ werden und erzählten von ihren Erfahrung und Erlebnissen im Rahmen von Freiwilligendienst, Praktikum, Jugendbegegnung, … Im Anschluss an die Gespräche äußerten viele der jungen Leute den Wunsch nun selbst ins Ausland zu gehen. Die nötigen Infos dafür bekamen sie von Eurodesk direkt mit auf den Weg.

Am Samstagmorgen stand der andere von Eurodesk durchgeführte Workshop zum Thema  „European Values“ auf dem Programm. Zusammen mit ungefähr 30 Jugendlichen setzten wir uns mit der Frage auseinander „Welche Europäischen Werte gibt es eigentlich?“. Dafür arbeiteten die Jugendlichen in kleinen Gruppen zusammen und sammelten erst einmal, was ihnen zur Fragestellung einfiel. Anschließend wurde mit der ganzen Gruppe weiter diskutiert – was bedeutet Menschenwürde eigentlich? Und was sind die Bestandteile einer Demokratie? Dann hieß es, kreativ werden. Die Jugendlichen sollten in kleinen Gruppen einen Wert der EU theatral darstellen. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit wurden die Ergebnisse präsentiert. Und schwer greifbare Wörter wie Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Freiheit waren dank Gedichten, kurzen Sketchen und Monologen plötzlich gar nicht mehr so abstrakt.

Die Abschlusszeremonie

Das EYE endete für uns mit einem Highlight: Der Abschlusszeremonie im Plenarsaal des Europäischen Parlaments. Dass die über 700 Plätze des Saals nicht mit Abgeordneten, sondern mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen besetzt waren, machte sich schon vor Beginn der Zeremonie bemerkbar. Die Stimmung war ausgelassen – eine La-Ola-Welle jagte die nächste, es wird gesungen und geklatscht. Auch der Beginn der Zeremonie war eher unkonventionell – der ganze Saal studierte mit einer A-Kapella-Band ein Lied ein. Natürlich durften bei einer Veranstaltung wie dieser aber auch die Reden nicht fehlen: Politiker/-innen und Mitorganisator(inn)en bedankten sich bei den jungen Leuten für ihren Ideen und ihren Einsatz für Europa. Den Höhepunkt der Zeremonie bildete eine Fragerunde mit einem der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments.  Gut ein Dutzend Jugendliche hatte die Möglichkeit eine Frage zu stellen. Dabei beschäftigten die Jugendlichen Themen wie Flüchtlingspolitik und Brexit aber auch die Frage, wie es mit Katalonien weitergeht. Und dann war das European Youth Event auch schon fast vorbei. Aber nur fast, denn auf dem Yo!Fest wurde noch ein bisschen weiter gefeiert.

 

Veröffentlicht: Do, 05/07/2018 - 09:48


Tweet Button: 

Links zum Thema


Info for young people in the western balkans

Hilfe oder Beratung von Experten

Frag uns!