Navigation path

Left navigation

Additional tools

Europäische Kommission - Pressemitteilung

Kommission verstärkt EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder weltweit

Brüssel, 23. Juli 2019

Die Europäische Kommission hat heute eine umfassende Mitteilung angenommen, in der ein neuer Rahmen für Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder unserer Erde dargelegt wird. Wälder beherbergen 80 % der Artenvielfalt an Landlebewesen. Sie bilden die Existenzgrundlage von rund einem Viertel der Weltbevölkerung und sind für unsere Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung.

Mit dem heute vorgestellten stärkeren Konzept wird das Problem sowohl von der Angebots- als auch von der Nachfrageseite angegangen. Es werden Maßnahmen für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit mit den Interessenträgern und den Mitgliedstaaten, die Förderung nachhaltiger Finanzmittel, eine bessere Nutzung von Flächen und Ressourcen, die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze und das Lieferkettenmanagement sowie für gezielte Forschung und Datenerhebung eingeführt. Außerdem soll eine Bewertung neuer Regulierungsmaßnahmen eingeleitet werden, um die Auswirkungen des Konsums in der EU im Hinblick auf Entwaldung und Waldschädigung zu minimieren.

Der für nachhaltige Entwicklung zuständige Erste Vizepräsident Frans Timmermans erklärte: „Die Wälder sind die grüne Lunge unseres Planeten, und wir müssen ebenso auf sie achten wie auf unsere eigene Lunge. Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen, ohne die Wälder der Welt zu schützen. Zwar befinden sich die größten Primärwälder der Welt nicht im Hoheitsgebiet der EU, jedoch wirken sich die Handlungen jedes Einzelnen von uns und unsere politischen Entscheidungen erheblich aus. Heute senden wir ein wichtiges Signal an unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Partner in der ganzen Welt, dass die EU bereit ist, in den nächsten fünf Jahren und darüber hinaus eine Führungsrolle in diesem Bereich einzunehmen.“

Jyrki Katainen, der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Kommission, sagte: „Die globale Bewaldungsdichte nimmt weiterhin in alarmierendem Tempo ab. Mit dieser Mitteilung verstärken wir die Maßnahmen der EU zum besseren Schutz bestehender Wälder und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder. Wenn wir bestehende Wälder schützen und die Bewaldungsdichte erhöhen, dann schützen wir damit auch die Existenzgrundlage lokaler Gemeinschaften und steigern ihre Einnahmen. Die Wälder stehen auch für eine vielversprechende grüne Wirtschaft mit dem Potenzial, zwischen 10 und 16 Millionen menschenwürdiger Arbeitsplätze weltweit zu schaffen. Diese Mitteilung stellt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Schritt dar.“

Der für Umwelt, Meerespolitik und Fischerei zuständige Kommissar Karmenu Vella fügte hinzu: „Trotz der bereits unternommenen Anstrengungen sind die Wälder nach wie vor geschwächt. Daher muss Europa stärker und wirksamer handeln, um die Wälder zu schützen und wiederherzustellen. Die Entwaldung hat verheerende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, das Klima und die Wirtschaft.“

Neven Mimica, EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung, erklärte: „Wir stehen bereit, um mit den Partnerländern beim Schutz und der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder weltweit zusammenzuarbeiten. Dabei geht es um Ernährungssicherheit, Wasserversorgung, Klimawandel, Resilienz und Frieden. Ziel ist, eine nachhaltigere und integrativere Welt zu schaffen.“

Das heute skizzierte ehrgeizige europäische Konzept ist eine Reaktion auf die nach wie vor weitreichende Zerstörung der Wälder der Welt: zwischen 1990 und 2016 ging eine Fläche von 1,3 Mio. km2 verloren. Das entspricht rund 800 Fußballfeldern pro Stunde. Die Haupttriebfeder dieser Entwaldung ist die Nachfrage nach Lebens‑ und Futtermitteln, Biokraftstoffen, Holz und anderen Rohstoffen.

Die mit der Entwaldung einhergehenden Treibhausgasemissionen sind die zweitwichtigste Ursache des Klimawandels. Der Schutz der Wälder hat daher auch maßgeblich mit unserer Verantwortung zu tun, den Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens von Paris nachzukommen. Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht bilden die Wälder die Existenzgrundlage von rund 25 % der Weltbevölkerung; sie verkörpern ferner unersetzliche kulturelle, gesellschaftliche und spirituelle Werte.

Die heute angenommene Mitteilung verfolgt ein zweifaches Ziel: die Gesundheit der bestehenden Wälder, insbesondere der Primärwälder, soll geschützt und verbessert und die Dichte der von nachhaltigen Wäldern mit großer biologischer Vielfalt bewachsenen Flächen weltweit erheblich erhöht werden. Die Kommission hat fünf Prioritäten festgelegt:

  • Verringerungen des Flächen-Fußabdrucks der EU und Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten in der EU;
  • partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern zur Verringerung des Drucks auf die Wälder und zur Sicherung der Entwicklungszusammenarbeit der EU gegen Entwaldung;
  • Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um Entwaldung und Waldschädigung zu stoppen und die Wiederherstellung der Wälder zu fördern;
  • Neuausrichtung der Finanzierung zur Unterstützung nachhaltigerer Landnutzungspraktiken;
  • Förderung der Verfügbarkeit und Qualität von Informationen über Wälder und Rohstofflieferketten, Sicherung des Zugangs zu diesen Informationen sowie Unterstützung von Forschung und Innovation.

Die Maßnahmen zur Verringerung des Konsums in der EU und zur Förderung der Verwendung von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten werden im Rahmen der Einrichtung einer neuen Multi-Stakeholder-Plattform für Entwaldung, Waldschädigung und Walderneuerung untersucht, die ein breites Spektrum relevanter Interessenträger zusammenbringt. Die Kommission wird auch strengere Zertifizierungsregelungen für entwaldungsfreie Erzeugnisse fördern und mögliche gesetzgeberische Maßnahmen auf der Nachfrageseite und andere Anreize bewerten.

Die Kommission wird eng mit den Partnerländern zusammenarbeiten‚ um sie dabei zu unterstützen, den Druck auf ihre Wälder zu verringern, und sie wird dafür sorgen, dass die EU-Politik nicht zur Entwaldung und Waldschädigung beiträgt. Sie wird die Partner dabei unterstützen, umfassende nationale Schutzrahmen für Wälder zu entwickeln und zu verwirklichen sowie die nachhaltige Nutzung der Wälder und die Nachhaltigkeit der forstbasierten Wertschöpfungsketten zu verbessern. Darüber hinaus wird die Kommission in internationalen Foren – wie der FAO, den Vereinten Nationen, der G7 und der G20, der WTO und der OECD – darauf hinwirken‚ die Zusammenarbeit bei Maßnahmen und Strategien in diesem Bereich zu stärken. Die Kommission wird weiterhin dafür sorgen, dass die von der EU ausgehandelten Handelsabkommen zum verantwortungsvollen und nachhaltigen Management globaler Lieferketten beitragen und den Handel mit land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht zu Entwaldung oder Waldschädigung führen, fördern. Die Kommission wird auch Anreizmechanismen für Kleinbauern entwickeln, um Ökosystemdienstleistungen zu erhalten und zu verbessern sowie eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft zu fördern.

Um die Verfügbarkeit und Qualität von und den Zugang zu Informationen über Wälder und Lieferketten zu verbessern, schlägt die Kommission die Einrichtung einer EU-Beobachtungsstelle für Entwaldung und Waldschädigung vor, die Veränderungen der weltweiten Bewaldung und der damit verbundenen Faktoren überwachen und messen soll. Diese Ressource wird öffentlichen Einrichtungen, Verbrauchern und Unternehmen einen besseren Zugang zu Informationen über die Lieferketten verschaffen und sie dazu ermutigen, stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Die Kommission wird auch prüfen, ob das Copernicus-Satellitensystem verstärkt zur Überwachung der Wälder genutzt werden kann.

Die Kommission wird die Neuausrichtung öffentlicher und privater Finanzmittel in den Mittelpunkt stellen, um Anreize für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und nachhaltige forstbasierte Wertschöpfungsketten sowie für die Erhaltung bestehender und die nachhaltige Sanierung zusätzlicher Waldflächen zu schaffen. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wird die Kommission Mechanismen prüfen, mit denen potenziell grüne Finanzmittel für Wälder mobilisiert sowie zusätzliche und umfangreichere Finanzmittel aufgebracht werden können.

Hintergrund

Die EU verfügt in diesem Bereich über eine solide Erfolgsbilanz in einer weltweiten Führungsrolle. Seit 2003 setzt die EU den Aktionsplan für Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor (FLEGT) um und bekämpft damit den illegalen Holzeinschlag und den damit verbundenen Handel. In einer Mitteilung zur Entwaldung aus dem Jahr 2008 legte die Kommission die ersten Elemente eines politischen EU-Rahmens fest, der unter anderem das Ziel umfasste, den weltweiten Verlust von Waldflächen spätestens bis 2030 zu stoppen und die Bruttoentwaldung in den Tropen bis 2020 um 50 % zu senken. Trotz ihrer Bemühungen ist es unwahrscheinlich, dass die EU die im Jahr 2008 festgelegten Ziele erreichen wird. Daher sind größere Anstrengungen unerlässlich.

Die heutige Mitteilung ist das Ergebnis ausgiebiger Konsultationen der Interessenträger zu Entwaldung und Waldschädigung und zu möglichen Maßnahmen der EU, darunter zwei Konferenzen in den Jahren 2014 und 2017, eine öffentliche Konsultation im Jahr 2019 und drei Studien. Mit der Mitteilung wird auch auf wiederholte Forderungen des Rates und des Europäischen Parlaments nach einem stärker koordinierten Vorgehen, insbesondere bei der entwaldungsfreien Gestaltung der Agrarrohstoffproduktionsketten, eingegangen.

Die Wälder spielen eine wichtige Rolle bei den größten Herausforderungen unserer Zeit in Bezug auf die Nachhaltigkeit, darunter der Rückgang der biologischen Vielfalt, der Klimawandel und das Bevölkerungswachstum. Internationale Abkommen und Verpflichtungen bestätigen, dass ehrgeizige Maßnahmen erforderlich sind, um den Entwaldungstrend umzukehren.

Emissionen aus Landnutzung und Landnutzungsänderungen, die vor allem auf die Entwaldung zurückzuführen sind, sind die zweitwichtigste Ursache des Klimawandels (nach fossilen Brennstoffen), auf die fast 12 % aller Treibhausgasemissionen entfallen und die somit noch vor dem Verkehrssektor liegt. Die Wälder unserer Erde speichern große Mengen CO2, die aus der Atmosphäre gezogen und in Biomasse und Böden aufgenommen werden. Die Eindämmung der Entwaldung und Waldschädigung ist daher für die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung. Die nachhaltige Wiederherstellung geschädigter Wälder und die Pflanzung neuer Wälder können wirksame ergänzende Maßnahmen sein, um die Entwaldung zu stoppen. Wenn sie unter uneingeschränkter Achtung der Grundsätze der Nachhaltigkeit ordnungsgemäß geplant und eingerichtet werden, können solche Aufforstungsflächen zahlreiche Vorteile bieten.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten

Factsheet

Mitteilung über die Intensivierung der EU-Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder in der Welt

Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen zu den Konsultationstätigkeiten


IP/19/4470

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar

Photos