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Bankensektor: Rat stellt Aktionsplan zum Abbau notleidender Kredite vor

Bankensektor: Rat stellt Aktionsplan zum Abbau notleidender Kredite vor

Der Rat hat sich am 11. Juli 2017 auf einen Aktionsplan zur Bewältigung des Problems der notleidenden Kredite im Bankensektor geeinigt.

Er skizzierte eine Reihe von politischen Maßnahmen, die zum Abbau der – in der EU immer noch hohen – Bestände an notleidenden Krediten beitragen und ihr künftiges Entstehen verhindern sollen.

"Notleidende Kredite sind ein Problem für den Bankensektor, und Lösungsansätze wurden bislang überwiegend auf nationaler Ebene erarbeitet", erklärte Toomas Tõniste, der Finanzminister Estlands, das derzeit den Ratsvorsitz innehat. "Wir müssen diese Ressourcen freisetzen, unser Finanzsystem widerstandsfähiger machen und das Wiederauftreten solcher Probleme in der Zukunft vermeiden."

Notleidende Kredite sind Bankdarlehen, die verspätet zurückgezahlt werden oder bei denen die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie nicht ohne die Veräußerung von Sicherheiten zurückgezahlt werden können.

Die Finanzkrise und die anschließende Rezession haben dazu geführt, dass die Banken in einigen Mitgliedstaaten über besonders hohe Bestände an notleidenden Krediten verfügen. Diese können zu negativen grenzüberschreitenden Ausstrahlungseffekten führen und die Wahrnehmung des EU-Bankensektors durch die Märkte beeinträchtigen. Hohe Bestände an notleidenden Krediten können überaus negative Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit und somit auf die Wirtschaft haben.

Ein Abbau dieser Bestände kann hingegen zu einer Verringerung der Finanzmarktfragmentierung und zur Erleichterung der Kapitalströme im Binnenmarkt beitragen.

Ausgehend von einem Expertenbericht hob der Rat hervor, dass Maßnahmen in den folgenden Bereichen ergriffen werden müssen:

Bankenaufsicht

– Reform der Regelungen für Insolvenz und Schuldenbeitreibung

– Entwicklung von Sekundärmärkten für notleidende Kredite

Umstrukturierung des Bankensystems.

Gemäß einem Bericht einer Untergruppe des Ratsausschusses für Finanzdienstleistungen beliefen sich die notleidenden Kredite Ende 2016 auf nahezu 1 Billion €. Das entspricht ungefähr 6,7 % des BIP der EU und 5,1 % der Gesamtsumme der Bankdarlehen.

Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, mit Quoten von 1 % bis 46 %. In einigen Ländern betreffen die notleidenden Kredite überwiegend den Immobilienbereich, während sie in anderen über sämtliche Wirtschaftssektoren verteilt sind.

Anhaltend hohe Bestände an notleidenden Krediten stellen ein Problem dar, da sie

– die Rentabilität der Banken beeinträchtigen, da Verwaltungskosten und höhere Finanzierungskosten für sie anfallen; der Rückstellungsbedarf zehrt an der Eigenmittelbasis der Banken;

– eine Gefahr für die Überlebensfähigkeit von Banken mit einem hohen Anteil an notleidenden Krediten darstellen;

Kapital für die Besicherung unproduktiver Aktiva binden und somit die geldpolitische Transmission und die Finanzierung der Wirtschaft belasten.

Die Banken sind in erster Linie selbst zuständig für die Umstrukturierung ihrer Geschäftsmodelle und die Lösung ihrer Probleme mit notleidenden Krediten. Angesichts ihres derzeitigen Ausmaßes könnten die Bestände an notleidenden Krediten jedoch in einigen Mitgliedstaaten – trotz der wirtschaftlichen Erholung – nicht schnell genug zurückgehen. Der Rat war sich darin einig, dass Maßnahmen zur Bewältigung dieses Problems der EU insgesamt zugute kommen würden. Den Banken sollten stärkere Anreize für einen proaktiven Abbau der notleidenden Kredite geboten werden, wobei jedoch die negativen Effekte von Notverkäufen zu vermeiden sind. Die Maßnahmen sollten sowohl auf den Abbau der aktuellen Bestände an notleidenden Krediten als auch auf die Vermeidung einer künftigen weiteren Anhäufung notleidender Kredite abzielen.

Die Schlussfolgerungen wurden auf einer Tagung des Rates "Wirtschaft und Finanzen" angenommen.

Der Rat kam überein, sich künftig regelmäßig mit dieser Frage zu befassen, um die Entwicklung der notleidenden Kredite in der EU zu überwachen und eine Bilanz der ergriffenen Maßnahmen zu ziehen.

Date: 
Mittwoch, 12 Juli, 2017 - 14:01
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