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Warum soll ich als Frau finanziell weniger wert sein?

BPW Germany (CC BY-ND 2.0)
Mit dieser Frage beschäftigt sich Maxi in ihrem Artikel zum Gender Pay Gap anlässlich des Equal Pay Day – Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich noch immer 21 Prozent weniger Bruttostundenlohn als Männer.

Von Maxi Köhler

 

Am Sonntag, den 18. März 2018 war in Deutschland der Equal Pay Day. Er symbolisiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden (beim Vergleich des Gehaltes). Im Jahr 2017 verdiente eine Frau im Durchschnitt einen 21 Prozent niedrigeren Bruttostundenlohn als Männer. Zum Vergleich: der EU-Durchschnitt liegt bei einem genderspezifischen Lohnunterschied (Gender Pay Gap) von 16 Prozent*. Deutschland ist also eines der Schlusslichter, größer ist der Untschied nur noch in der Tschechischen Repubik und in Estland.

 

Die Gründe

 

Zu drei Vierteln lässt sich die ungleiche Bezahlung auf strukturelle Gründe zurückführen. Frauen arbeiten häufiger in Berufen, in denen geringere Gehälter bezahlt werden, zum Beispiel als Friseurin, Verkäuferin oder als Altenpflegerin. Außerdem arbeiten Frauen öfter in Teilzeit, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen und seltener in Führungspositionen.

 

Doch selbst bei der Bezahlung in gleicher Tätigkeit und mit gleicher Qualifikation gibt es ein Gender Pay Gap von immerhin noch sechs Prozent* weniger Lohn pro Stunde. Warum lassen wir uns das gefallen?

 

Und nun?

 

Zum einen sollte es in Zukunft keine Teilung in reine „Männerberufe“ und „Frauenberufe“ mehr geben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Frauen nicht ebenso gute Ingenieure und Männer nicht ebenso gute Verkäufer sein können. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen, wie zum Beispiel den „Girlsday“ oder den „Boysday“, an dem sich junge Menschen in männer- bzw. frauendominierten Berufen einen Tag lang selbst ausprobieren können. Außerdem gibt es von den deutschen Hochschulen und Universitäten immer mehr Initiativen Frauen für die klassichen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)-Studiengänge zu begeistern.

 

Zum anderen müssen mehr Frauen Führungspositionen übernehmen dürfen. Während 2017 für Aufsichtsräte eine Frauenquote von 30 Prozent eingeführt wurde, saßen in den Vorständen der 200 größten deutschen Firmen 2017 nur acht Prozent Frauen. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigte, dass es allerdings durchaus ökonomische Vorteile für Firmen hätte, würden sie Frauen mehr Verantwortung übertragen. Sie zeigt aber auch auf, dass sich Frauen häufig selbst aus dem Rennen werfen, da sie zwischen 30 und 40 ihre Karriere zugunsten der Familienplanung reduzieren. Nach einer Babypause ist es dann für eine Frau in der freien Wirtschaft nahezu unmöglich wieder dort anzuknüpfen, wo sie aufgehört hat. Der Studie zufolge schaffen es Frauen ohne Kinder dreimal häufiger in Führungspositionen als Männer. Gleichzeitig tickt natürlich auch die biologische Uhr – was soll Frau also tun?

 

Eine Frauenquote auch für Vorstandsposten einzuführen wäre schon mal ein erster Schritt. Denn entgegen vielen kritischen Männerstimmen sind Frauen nicht geringer qualifiziert für einen Vorstandsposten als sie selbst. Der zweite Schritt wäre eine Veränderung in der Firmenkultur, die Frauen entgegenkommen würde, beispielsweise eine Anhebung der Wochenarbeitszeit in Teilzeit von 19 Stunden auf 25, nach dem Vorbild der Schwedinnen, so die BCG. In einigen Medien wurde auch ein Einheitslohn diskutiert, der für alle Beschäftigten gleichwertig gilt, egal ob Mann oder Frau, egal ob Neueinsteiger oder alter Hase im Berufsleben. Eine Kommunikations- und Designagentur in Offenbach hat dieses radikale Bezahlungsmodell eingeführt, mit großem Erfolg. Das Unternehmen hat allerdings auch nur 24 Mitarbeitende.*

 

Fazit

 

Ich finde nicht, dass ich als Frau weniger wert sein soll, nur meines Geschlechtes wegen. Eine wirkliche Verkleinerung des Gender Pay Gaps wird für uns Frauen wohl aber noch eine Weile dauern. Die Boston Consulting Group hat errechnet, dass in Deutschland 90.000 Frauen in Führungspositionen zusätzlich nötig wären, um die Quote weiblicher Führungskräfte zumindest auf EU-Durchschnitt zu hieven.

 

*Quellen:

http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/genderpaygap-103.html

http://www.zeit.de/arbeit/2018-01/gender-pay-gap-gleichberechtigung-feminismus-karriere/seite-3

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/frauen-in-fuehrungspositionen-so-profitiert-die-wirtschaft-a-1066924.html

Publicado: Vie, 23/03/2018 - 14:10


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