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Wer war wer in Hoheneck?

Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg/Erzgeb
Bildquelle: Wikipedia/Oxensepp (CC BY-SA 2.0 de)
Das Gefängnis Schloss Hoheneck in Stollberg gilt als die „Hölle der Frauen“, doch nun gibt es neue Erkenntnisse – die psychische Folter überwog die schlimmen Zustände.

Autorin: Maxi Köhler

Menschenunwürdige Unterbringung, Zellenüberbelegung, schlechte Hygiene und Schikane durch Wachpersonal und Mithäftlinge – so viel ist bereits bekannt über das Schloss Hoheneck, welches in der DDR als größtes Frauengefängnis bekannt war. Der Historiker Sebastian Lindner ist bei den Forschungsarbeiten zu seiner Dissertation aber auf eine Frage gestoßen, die auch die Insassinnen mehr belastete als alles andere: Wem kann ich vertrauen?

 

Die Dresdnerin Irene Schreiber war von Januar 1981 bis Juni 1982 in Hoheneck inhaftiert. Die Anklage: Republikflucht. Zwischen 1950 und 1989 saßen rund 24.000 Strafgefangene in Hoheneck ein, 8.000 allein aus politischen Gründen, wie Irene Schreiber. Die SED-Herrscher fürchteten ständig um ihre Macht, weshalb sie die komplette Bevölkerung der DDR unter Generalverdacht stellten. Insgesamt gab es in der gesamten DDR etwa 180.000 inoffizielle Mitarbeiter für die das Ministerium für Staatssicherheit. Außerdem lockte die DDR-Führung Flüchtige mit hinterlistiger Kartenschreibung in die Falle: Man versetzte die Außengrenzen der DDR auf Karten einfach acht Kilometer ins Landesinnere, was dazu führte, dass sich flüchtige Personen bereits in Sicherheit wiegten, als sie das Land noch nicht einmal verlassen hatten.

 

So erging es auch Irene Schreiber. Sie versuchte im August 1980 gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen über die bulgarische Grenze zu fliehen, wobei sie den stillen Alarm auslösten und in die Fänge der bulgarischen Geheimpolizei gerieten. Es folgte die Ausreise nach Berlin und die Fahrt mit ihrem eigenen konfiszierten Auto, das bereits für ihre Familie bereitstand. Irene Schreiber wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten in Strafgefangenschaft in Hoheneck verurteilt. Ihre Familie wurde ebenfalls verurteilt, jedoch in Gefängnissen weit entfernt von Hoheneck. Ihr 12-jähriger Sohn wurde in ein Heim für schwer erziehbare Kinder gesteckt.

 

Doch auch als die ertappten Flüchtlinge bereits hinter Gefängnismauern saßen, hatten die Oberen der DDR noch immer Angst. Damit die Flüchtigen ihre politische Meinung nicht auf die kriminellen Mitinsassinnen übertrugen, benötigte die Stasi eine möglichst große Anzahl an Spitzeln in Hoheneck. Lindner fand heraus, dass allein im Jahr 1984 insgesamt 24 Informanten in Hoheneck stationiert waren. Dabei zählte die Stasi nicht nur Justizvollzugsbeamte zu ihren treuen Spitzeln, auch Häftlinge wurden gezielt angeworben, um ihre Mithäftlinge auszuspionieren und über sie zu berichten. 1984 waren unter den Informanten sechs Strafgefangene und 15 Bedienstete des Strafvollzugs. Die Insassinnen lebten also mit der ständigen Angst, ob diejenige, mit der sie gerade vertraulich sprachen, ein Spitzel war oder nicht. Zusätzlich verschaffte sich die Stasi vollständige Einsicht in die Dienstpläne des Frauenzuchthauses und reduzierte die Zahl der Zugangsbefugten um zwei Drittel. Ziel war es die Gefahr zu bannen, dass womöglich Informationen nach draußen getragen wurden.

 

Durch Intrigen machte die Stasi den Insassen klar, wie wichtig ihre Diskretion war. Plauderte eine der Gefangenen über ihre Tätigkeit als Inoffzieller Mitarbeiter (IM), wurde ihr soziales Leben innerhalb des Zuchthauses komplett erledigt. Der Basisauftrag eines jeden IM’s war es personenbezogene Daten für die „Wer-ist-Wer“-Aufklärung zu sammeln, die das Herzstück der geheimpolizeilichen Personeneinschätzung darstellte. Letztendlich gab es nichts, was die Stasi nicht interessierte. Irene Schreiber versuchte jedoch die ständige Einwirkung der Stasi und die andauernden Auseinandersetzungen zwischen den anderen Insassinnen zu ignorieren: „Stets habe ich versucht meine Haftzeit möglichst unbeschadet zu überstehen.“

 

Viele IM's erhofften sich durch die Zusammenarbeit mit der Stasi Hilfe bei privaten sowie beruflichen Problemen. Sebastian Linder konnte durch seine Recherche herausfinden, dass bei der Auswahl der Mitarbeiter für Schloss Hoheneck die politische Zuverlässigkeit weit über der Kompetenz für die Justizvollzugsarbeit stand. Im Zweifel zählte also das Parteibuch mehr als die tatsächlichen Fähigkeiten. 

 

Auch in der medizinischen und seelischen Versorgung positionierte die Stasi ihre Spione. Lindner konnte in seiner Dissertation den Fall des Pfarrers Herrn Giebler aufdecken, der die Kirche und das Gespräch der Inhaftierten zu Gott für die Stasi ausnutzte, um an Informationen zu kommen. Er versuchte oft das Vertrauen der Frauen zu gewinnen, die jedoch im Laufe der Zeit immer misstrauischer wurden. Die Inhaftierten waren einer ständigen psychischen Folter ausgesetzt, unter der sie standhaft bleiben mussten. Das geheime Ziel der Stasi war es, die Inhaftierten psychisch zu zersetzen. Im gesamten Gefängnis herrschte eine Atmosphäre des Misstrauens, denn man war sich sehr wohl bewusst, dass die Stasi dort ihr Unwesen trieb.

 

Eine weitere Methode war politisch Inhaftierte mit Absicht in eine Zelle mit Mörderinnen und Gewaltstraftäterinnen zu stecken. Irene Schreiber fand sich ebenfalls in so einer Situation wieder. Sie glaubte nie daran, dass dies ein Zufall war. Jeder wusste, dass die aus politischen Gründen verurteilten Frauen in der Gefängnis-Hierarchie auf der untersten Stufe standen. Sie hatten keinerlei Rechte in Hoheneck und durften keine leitenden Aufgaben übernehmen, aus Angst der Stasi, sie könnten zu viele Informationen erhalten und diese nach dem „Freikauf“-Verfahren in den Westen tragen. Im Juni 1982 kam es auch für Irene Schreiber zu diesem Freikauf. Erst im Westen konnte sie ihren jüngsten Sohn endlich wieder in den Armen halten, da er sie nie im Gefängnis besuchen durfte. „Ich kann dieses Gefühl des Glücks selbst nach 30 Jahren noch immer nachempfinden und spüren“, sagt sie.

Objavljeno: uto, 29/03/2016 - 16:55


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