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Volunteering opportunities

Workcamp in Dessau
Workcamp in Dessau © Ulla Bolder-Jansen

Ein internationales Workcamp leiten: Ist das was für mich?

In dem Interview mit Ulla Bolder-Jansen von der Freiwilligenorganisation Service Civil International (SCI) bekommst du einen Eindruck davon, was es bedeutet, ein internationales Workcamp zu leiten.

Ein Workcamp ist ein Kurzzeitfreiwilligendienst, bei dem junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammen leben und gemeinsam an einem gemeinnützigen Projekt arbeiten. Wenn du zusätzlich Interesse daran hast Erfahrungen in Gruppendynamik und Gruppenleitung zu sammeln, dann wäre die Leitung eines internationalen Workcamps genau das Richtige für dich. Im folgenden Interview mit Ulla Bolder-Jansen von der Freiwilligenorganisation SCI (Service Civil International e.V.) erfährst du mehr!

 

Was genau sind denn die Aufgaben eines Campleiters?

Als Campleiter oder Campleiterin bist du hauptsächlich für die Gruppe und die Gruppendynamik zuständig. Und eigentlich befindest du dich in der Mitte von einem Viereck aus Interessen, die du ausgleichst: den Interessen des Projektpartners, den Interessen der Gruppe, des SCI’s und deinen eigenen Interessen.

 

Man ist also eher Vermittler?

Genau man hat eher eine Art begleitende und unterstützende Funktion und sorgt dafür, dass eine gute Gruppendynamik entsteht und dass die Gruppe gut miteinander in Kontakt kommt. Außerdem bist du dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer alle Informationen bekommen, dass die Aufgaben mit dem Projektpartner abgesprochen werden und dass die Gruppe eine Motivation entwickelt für das, was sie da tut.

 

Warum sollte ich überhaupt ein Workcamp leiten? Was ist das Gute daran?

Durch die Campleitung kannst du unglaublich viele Kompetenzen erwerben. Du lernst ein interessantes gemeinnütziges Projekt in Deutschland kennen, triffst engagierte Menschen, die mit großer Mühe ihre Visionen von gewaltfreier Konfliktlösung und einem friedvollen Zusammenleben umsetzen und kannst dich so inspirieren lassen und Ideen sammeln. Außerdem erwirbst du Kompetenzen in der Gruppenleitung, du lernst zwischen Interessen zu vermitteln, Lösungen für Probleme zu finden, kreativ zu sein und du verbesserst dein Englisch. Außerdem lernst du die Praxis und die Probleme eines gemeinnützigen Projektpartners in Deutschland kennen. Das sind alles Kompetenzen, die auch später im Berufsleben, egal was man macht, immer gern gesehen und gefragt sind.

 

Was ist denn die Philosophie, die hinter dem Workcamp-Gedanken steht?

Die Idee geht zurück auf Schweizer Pazifisten, die nach dem ersten Weltkrieg gesagt haben: „Jetzt ist genug mit der Zerstörung. Wir wollen nicht mehr diskutieren. Wir wollen keine Worte mehr verlieren. Wir wollen jetzt Taten sprechen lassen und anpacken.“ Und deren wichtigstes Instrument war der freiwillige, zivile Dienst für die Gesellschaft  in der internationalen Gruppe und die gemeinsame Arbeit. So konnten sie beweisen, dass auch frühere Feinde in der Lage waren, zusammenzuarbeiten und dass das gemeinsame Arbeiten an einem gemeinnützigen Projekt zu einem besseren Kennenlernen, zu Verständigung und Versöhnung führen kann. Heutzutage laden die Freiwilligendienste vor allem dazu ein, mitzudenken, mitzusprechen und mitzuplanen im Sinne einer demokratisch ausgerichteten Grundhaltung.

 

Wo finden denn die Workcamps statt? Und welche Projekte gibt es?

Workcamps finden überall in Deutschland statt und zwar in den unterschiedlichsten Bereichen. Im Bereich Ökologie, Soziale Arbeit, Kinder, alte Menschen, Jugendliche, KZ-Gedenkstätten, Gemeinschaftsprojekte, Kultur, Denkmalschutz – also ganz vielfältig. Und jeder kann seinen Wunsch äußern und ich versuche dann, die Person in ihrem Wunschprojekt zu platzieren. Man kann sich auch gerne zu zweit anmelden, wenn man das gerne mit einem Freund oder einer Freundin machen möchte.

 

Gibt es konkrete Voraussetzungen?

Du musst 18 Jahre alt sein und dich auf Englisch verständigen können. Es muss nicht perfekt sein, aber du solltest Englisch verstehen und dich ausdrücken können. Und auf alle Fälle Interesse am Thema Gruppe und Gruppendynamik haben.

 

Und man muss an einem Vorbereitungsseminar teilnehmen, weil das Vorbereitungsseminar von beiden Seiten nochmal so eine Art Test ist, ob ein Workcamp wirklich das Richtige für einen ist.

 

Wie lange vorher muss ich mich anmelden?

Jetzt [Anmerkung der Redaktion: Mai] wäre die perfekte Zeit, um sich für eine Workcampleitung im Sommer anzumelden. Die Workcamp-Saison geht von Juli bis September und die Vorbereitungsseminare finden im Frühling und Frühsommer statt. Noch gibt es einige Vorbereitungsseminare, für die du dich auch noch relativ kurzfristig anmelden kannst.

 

Was würden denn für Kosten auf mich zukommen?

Für das Vorbereitungsseminar muss eine kleine Teilnahmegebühr bezahlt werden, die aber alles umschließt: Unterkunft, Verpflegung und Seminargebühren. Während des Workcamps sind dann alle Kosten, auch Fahrtkosten, komplett gedeckt und man bekommt zusätzlich eine kleine Aufwandsentschädigung. Außerdem werden die Fahrkosten für einen vorherigen Projektbesuch übernommen.

 

Kann ich mir ein Workcamp auch als Praktikum anerkennen lassen?

Ja, das wird oft so gemacht und ist auch in vielen Fachbereichen möglich. Man muss das natürlich immer mit dem Fachbereich absprechen, aber generell kann die Leitung eines Workcamps als Praktikum anerkannt werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Workcampleitung eine wirklich  intensive und tolle Praxiserfahrung ist.

 


Wenn du jetzt Lust bekommen hast, ein internationales Workcamp zu leiten, dann kannst du dich an eine von vielen gemeinnützigen Freiwilligenorganisationen wenden, die Workcamps anbieten. Die meisten haben sich in der "Trägerkonferenz der Internationalen Jugendgemeinschafts- und Jugendsozialdienste" zusammengeschlossen und eine Auflistung der Mitglieder findest du unter www.workcamps.de.

 

Einen Erfahrungsbericht über die Leitung eines internationalen Workcamps auf Wangerooge findest du hier: http://www.rausvonzuhaus.de/embed/showcontent.asp?ThemaID=4520