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Published: 14/10/2013 13:59

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„Wir bekommen immer noch glänzende Augen“

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Ein Jahr lang Kulturarbeit selbst gestalten. Das macht das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur möglich. Wie sein Einsatz aussah und wie das seine Berufswahl beeinflusste, berichtet Frederik, der sich im „Haus der Geschichte“ engagierte.

Frederik

© Eurodesk Germany / Svenja Schumacher

Im Team arbeiten, ein eigenes Projekt durchführen, kulturelle oder künstlerische Ideen verwirklichen, spannenden Menschen begegnen – das ermöglicht dir das Freiwillige Soziale Jahr Kultur, kurz FSJ Kultur. Wenn du zwischen 16 und 26 Jahren alt bist, hast Du die Chance, ein Jahr lang in Vollzeit in einer Kultureinrichtung zu arbeiten. 1.100 Einsatzplätze in Einrichtungen der Kultur, zum Beispiel Theater, Museen, Musikschulen oder Bibliotheken, werden von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) und den ihr angeschlossenen Trägern bundesweit betreut. Du bekommst Einblicke in den kulturellen Arbeitsalltag, bekommst die Chance deine Stärken und Schwächen zu entdecken und dich beruflich zu orientieren.

 

So wie Frederik, der nach dem Abi ein FSJ Kultur beim „Haus der Geschichte“ absolvierte…

 

Wie bist du darauf gekommen, ein FSJ Kultur zu machen?

Ich habe mich in der Zeit rund ums Abitur besonders für Geschichte interessiert. Mit dem Geschichts-Leistungskurs der Schule besuchten wir das „Haus der Geschichte“, ein Museum im Bonner Regierungsviertel. Da keimte in mir die Idee: Vielleicht könnte ich hier arbeiten. Mir war klar, dass ich keinen Wehrdienst leisten wollte und hatte eigentlich vor, Zivildienst zu machen. Also fragte ich einfach beim „Haus der Geschichte“ nach, ob ich auch dort einen Zivildienst absolvieren könnte. Dort erfuhr ich dann, dass das zwar nicht ginge, aber das Museum FSJ Kultur Plätze anbietet.

 

Wie bist du an deinen Platz gekommen?

Nachdem ich erfahren hatte, dass es das FSJ Kultur gibt, informierte ich mich und schickte eine Bewerbung an den Landesträger. Hier musste ich meine Interessen priorisieren, aber mir war ja schon klar, dass das „Haus der Geschichte“ meine Wunsch-Einsatzstelle war. Meine Bewerbung spiegelte natürlich mein Interesse für Geschichte wieder und so wurde mein Wunsch erfüllt. Über den Landesträger landete meine Bewerbung bei dem Museum, ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und nach einem halben Tag Probearbeiten hatte ich die Stelle.

 

Welche Aufgaben hast Du im „Haus der Geschichte“ übernommen?

Ich war im Bereich „Veranstaltungskoordination“ eingesetzt. Das heisst, mit dem klassischen Museumsbetrieb hatte ich gar nicht so viel zu tun. Ich habe gleich gelernt: In einem Museum passiert noch viel mehr, als dass Bilder an den Wänden hängen. In den Veranstaltungsräumen finden zum Beispiel regelmäßig Vorträge oder andere Veranstaltungen von Kooperationspartnern statt. Außerdem organisiert das Museum regelmäßig Wechselausstellungen, zu denen Symposien oder Konferenzen veranstaltet werden. Meine Aufgabe war es hier Termine zu organisieren, Referenten einzuladen, Öffentlichkeitsarbeit zu machen, zum Beispiel Pressemitteilungen schreiben, und bei der thematischen Konzeption der Veranstaltungen zu unterstützen. Natürlich war ich auch oft bei den Veranstaltungen vor Ort und habe dort den Ablauf mitgemanaged.

 

Außerdem hat jeder FSJler ein eigenes Projekt. Ich war für die Organisation einer Fotoausstellung verantwortlich. Mich um alles zu kümmern was da anfällt – von der organisatorischen Planung im Vorfeld, über die Konzeption der Ausstellung, bis zur Planung der Eröffnung – lag in meiner Hand.

 

Was hat dir besonders gut gefallen? Und was vielleicht nicht so gut?

Das Highlight waren eigentlich die Seminare, bei denen alle FSJKler aus ganz NRW zusammengekommen sind. Vier mal im Jahr fanden über ein Wochenende Workshops statt. Da habe ich dann auch andere FSJKler aus Bonn kennengelernt, in der Runde haben wir uns dann einmal die Woche getroffen. Auf diesen Seminaren habe ich Freundschaften fürs Leben geschlossen. Ich glaube alle hatten vorher ein bisschen Bammel, was oder wer sie da erwartet. Aber dann war dieser Austausch wirklich besonders wertvoll.

 

Ich fand es außerdem eine super Erfahrung nach 13 Jahren Schule regelmäßig zu arbeiten. Die Arbeitswelt kennenzulernen und zu erfahren wie es mir mit einem nine-to-five Job geht. Ein bisschen zu kurz gekommen ist mir die Kreativität in meiner täglichen Arbeit. Ein wenig mehr Abwechslung hätte nicht schaden können. Aber das ist natürlich immer abhängig von der Eisatzstelle.

 

Was hast du über dich gelernt?

Persönlich habe ich natürlich etwas mitgenommen, ich bin offener geworden und es fällt mir leichter auf andere Menschen zuzugehen. Vor allem habe ich aber in der Zeit meine Interessen weiterentwickelt, meine Leidenschaft für Kultur und Literatur entdeckt, und auch gelernt wie und wo ich meine Interessen und auch Stärken beruflich einsetzten könnte. Zuvor war ich irgendwie total auf Geschichte gepolt und in der Zeit habe ich mich dann eher für Kulturwissenschaften begeistert und dann auch entschieden Kulturwirtschaft zu studieren.

 

Also hat das FSJ Kultur auch deine Berufswahl beeinflusst?

Absolut. Hätte ich das Jahr nicht gemacht, sondern gleich nach dem Abitur studiert, hätte ich mich anders entschieden, für einen anderen Studiengang. Wahrscheinlich hätte ich Geschichte studiert und heute bezweifle ich, ob das wirklich das Richtige gewesen wäre. So hatte ich ein Jahr Zeit mir zu überlegen, was ich wirklich machen möchte, wo meine Interessen, und meine Stärken liegen. Und auch zu merken, was ich nicht will.

 

Würdest du das FSJ Kultur weiterempfehlen?

Ja, uneingeschränkt. Man knüpft viele Kontakt, privat, aber auch jobtechnisch, für viele ist es auch ein berufliches Sprungbrett. Ich habe immer noch Kontakt mit anderen FSJKlern und wenn das Thema FSJ zur Sprache kommt bekommen sie immer einen anderen Blick und ganz glänzende Augen. Bei mir ist das nicht anders. Es war einfach eine tolle Zeit.

 

 

FSJ Kultur auf einen Blick
 

  • 12-monatiger Einsatz in Kultureinrichtungen
  • eigenverantwortliches Projekt der/des Freiwilligen
  • mind. 300 Euro Taschengeld, Sozialversicherung, 26 Tage Urlaub, 25 Bildungstage für Freiwillige
  • Zertifizierung der Freiwilligen
  • Begleitung der Einsatzstellen und Freiwilligen durch den Träger

 

  • Bewerbung: Der reguläre Bewerbungszeitraum liegt zwischen 01. Januar und 31. März. Die Bewerbung erfolgt über ein Onlineverfahren.
  • Einsatz // Tätigkeiten: Schauspiel- und Konzerthäuser, Kulturzentren, Museen, Musik- und Kunstschulen, Spiel- und Kinomobile, Bibliotheken und weitere Kultureinrichtungen sind Einsatzstellen im FSJ Kultur.
  • Ablauf: Ein FSJ Kultur beginnt regulär zum 01. September und endet am 31. August des Folgejahres. Ein typischer Ablauf gibt Einblicke und ein Exkurs informiert über eine Besonderheit des FSJ Kultur.
  • Ansprechpartner // Restplätze: Fragen zu konkreten Einsatzstellen oder zu Restplätzen, zu Taschengeld, Sozialversicherung oder Vertrag beantworten die Landesträger.