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Integration von Flüchtlingen in die Jugendarbeit

Attendees at the Conference on the World Refugeee Day. ©EYF
Wie könnten Jugendorganisationen mit jungen Flüchtlingen zusammenarbeiten? Das Europäische Jugendforum und die Pfadfinderbewegung organisierten am 20. Juni 2017, dem Weltflüchtlingstag, eine Veranstaltung zum Austausch bewährter Methoden bei der Integration junger Flüchtlinge.

In jeder Minute werden 22 Menschen gewaltsam vertrieben, und ein Großteil der 65 Millionen Flüchtlinge weltweit besteht aus jungen Menschen. Abdedllbaset Alheeshan ist einer von ihnen. Er war Logistik-Teamleiter in Syrien, aber im Jahr 2015 musste er vor dem Krieg flüchten. Als er im speziellen Aufnahmezentrum für Flüchtlinge in Brüssel ankam, musste er „warten, ohne eine Beschäftigung zu haben“.  Da beschloss er, sich als Freiwilliger für die Arbeit in einem Altersheim zu melden, um seine Flämischkenntnisse zu praktizieren. Dann entdeckte er die Tandem-Initiative, die Flüchtlingen dabei hilft, als Freiwillige mit NGOs zusammenzuarbeiten. Nach zwei Wochen Erfahrung als Freiwilliger mit Tandem bekam er eine Stelle in der Organisation selbst. Er ist nun aktiv an einer besseren Integration von Flüchtlingen in die Politikgestaltung beteiligt.

 

Das war auch tatsächlich im Sinne der Vortragenden der Veranstaltung „Time to be welcome: youth work and integration of young refugees“, nämlich die Top-Down-Strategie zu ändern, sodass Flüchtlinge selbst die Hauptakteure in der Integrationspolitik spielen können. Gabriel Almeida, juristischer Mitarbeiter beim Europäischen Rat für Flüchtlinge und im Exil lebende Personen wies auch auf die Faktoren hin, die sich in einigen EU-Ländern negativ auf die Integrationsversuche von Flüchtlingen in die Gesellschaft ausgewirkt haben: schlechte Bedingungen in den Aufnahmezentren, die Inhaftierungspolitik sowie mangelnder Respekt für Grundrechte.

 

Carina Autengruber, Vizepräsidentin des Europäischen Jugendforums, erklärte, es sei „höchste Zeit, dass Politiker und Regierungen ihre rassistische und fremdenfeindliche Rhetorik ablegen und in eine inklusive, nachhaltige Gesellschaft investieren“. Sie verwies außerdem auf die Mobilisierung von „Jugendorganisationen auf dem ganzen Kontinent, um Menschen willkommen zu heißen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten“.

 

Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist die von Andreas Tzekas vertretene Weltpfadfinderorganisation World Organisation of the Scout Movement. Andreas berichtete über seine Erfahrungen als einer der 1500 Pfadfinder, die beim Empfang von Flüchtlingen an den Küsten Griechenlands als Freiwillige tätig waren. „Für jeden jungen Flüchtling, der über die Grenze kam, gab es einen jungen Europäer, der auf ihn wartete, um ihn zu begrüßen.“ Er sprach über das Projekt Time to be welcome, bei dem 53 Freiwillige in vier Flüchtlingslagern in Griechenland mitarbeiteten. Ein wichtiger Punkt für den jungen Griechen war, dass diese „europäischen Freiwilligen als Botschafter des Friedens nach Hause zurückkehren und eine neue Sichtweise verbreiten, zu der sie durch die Flüchtlingshilfe gefunden haben,“.

 

Tanya Basarab von der Partnerschaft zwischen EU-Jugendstrategie und dem Europarat berichtete über die Forschungsergebnisse ihrer Organisation zur Jugendarbeit und zur Integration junger Flüchtlinge in die Gesellschaft. Zuallererst hob sie hervor, wie wichtig es ist, junge Flüchtlinge wegen der erlittenen Stress- und Trauma-Erfahrung sofort bei ihrer Ankunft zu unterstützen. Für Flüchtlinge ist es ein großes Problem, untätig sein zu müssen, während sie auf eine juristische Auskunft über ihren Status warten. Das kann sich negativ auf ihre geistige Verfassung auswirken. Währen dieser „Warterei“ ist es von größter Bedeutung, dass sie von Jugendorganisationen die Chance bekommen, aktiv zu sein und gehört zu werden. Sie wies darauf hin, dass Jugendbetreuer eigentlich humanitäre Hilfe leisteten, und dass diese Veränderung neue Fähigkeiten wie den Umgang mit Trauma und interkulturelle Kompetenzen erfordere.

 

Michalis Moschovakos, Referent der GD Bildung, Jugend, Sport und Kultur der Europäischen Kommission, betonte die Bedeutung der Initiative Europäisches Solidaritätskorps als eine Möglichkeit, um Solidarität mit den Flüchtlingen auszudrücken. Er bemerkte, dass „wir alle in 30 Jahren unsere Haltung in der Migranten- und Flüchtlingskrise rechtfertigen müssen“. Steve Parry vom Britischen Roten Kreuz rief in Erinnerung, dass von den 588 000 Personen, die 2016 nach Großbritannien gekommen waren, nur 6,5 % um Asyl angesucht hatten. „Wir sollten uns auf die Fakten konzentrieren und einseitige Sensationsmeldungen vermeiden, durch die negative Vorurteile verbreitet werden.“ Das war auch der Grund, weshalb die soziale Kampagne #factsnotfear  ins Leben gerufen wurde.

 

Die Europäische Kommission startete vor kurzem das „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige“, ein Hilfsmittel für Personen, die nicht über die EU-Staatsbürgerschaft verfügen, um bei der Arbeitssuche ihren Lebenslauf auf verständliche Weise präsentieren zu können. Es ist in den Sprachen Arabisch, Farsi, Paschtu, Sorani, Somali und Tigrinya sowie in allen EU-Sprachen verfügbar. Der Direktor des Verbindungsbüros des Europarats zur Europäischen Union, Zoltan Taubner, hob die Bedeutung des Aktionsplans zum Schutz von Flüchtlings- und Migrantenkindern in Europa hervor.

 

Jugendorganisationen, deren Aktivitäten jungen Flüchtlingen helfen sollen, können vom Programm Erasmus+ und dem Europäischen Jugendwerk Finanzhilfen erhalten. Weitere Informationen stehen auch auf der Website der Konferenz  Journeys to a New Life Konferenz bereit.

 

Veröffentlicht: Die, 19/12/2017 - 11:56


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