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Relax, es ist nur eine Phobie!

© Laura Lewis (CC BY 2.0)
Aah! Eine Maus! Iiiih! Eine Spinne. Brrr! Ich muss vor vielen Leuten sprechen. Jeder von uns hat Angst vor etwas. Allerdings: laut Statistiken erfährt jeder zehnte von uns Phobien. Wie kannst du damit umgehen?

Der Unterschied zwischen normaler Angst und einer Phobie ist einfach: Angst beeinflusst nicht unser alltägliches Leben. Die Tatsache, dass du keine Mäuse magst und jedesmal kreischst, wenn du eine siehst, heißt nicht, dass du an Musophobie leidest. Wenn du aber garnicht mehr in den Keller gehst oder dich nicht traust, unters Bett zu schauen, weil du Angst hast eine Maus zu sehen, oder dir beim bloßen Gedanken an Mäuse übel wird – dann hast du wahrscheinlich eine Phobie entwickelt.


Große und kleine Ängste
Eine Phobie ist eine irrationale Angst. Laut Psychiatern definiert das eine Phobie: sie ist unsinnig. Bislang haben Forscher 700 verschiedene Phobien identifiziert (eine Liste von Phobien auf Englisch ist unter phobialist.com zu finden). Eine erscheinen etwas albern, z. B. Gamophobia (die Angst vor der Ehe), Limnophobia (Angst vor Seen) oder Dipsophobia (Angst davor Alkohol zu trinken).

 

Aus diesem Grund behandeln Ärzte nicht jede Phobie gleich. Einige machen einem das Leben einfach nur etwas schwerer (eine Person die an Limnophobia leidet, sollte einfach nie die Masuren besuchen), während andere es tatsächlich unmöglich machen, ein normales Leben zu führen. Das ist der Fall bei den häufigsten Phobien-Gruppe, den Agoraphobien (z. B. die Angst vor öffentlichen Plätzen und Menschenmassen). Leute die davon betroffen sind verlassen ihre Häuser manchmal für Jahre nicht.


Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Psychologen teilen Phobien in vier grundlegende Kategorien ein: Agoraphobien, Tier-Phobien, spezielle Phobien und soziale Phobien. Die erste wird manchmal als Hausfrau-Syndrom bezeichnet. Feministinnen würden diese Definition wahrscheinlich nicht so amüsant finden, aber die Wahrheit ist, dass Männer deutlich seltener an irrationaler Angst vor dem öffentlichen Verkehr, überfüllten Straßen oder Einkaufszentren leiden. Diese Angst ist so groß, dass die von Agoraphobie betroffenen, sich nur im eigenen Haus sicher fühlen und es daher nicht gerne verlassen. Eine Person die unter Tierphobien leidet (am häufigsten sind Angst vor Hunden, Schlangen und Spinnen) kann nicht nur nicht im gleichen Raum mit dem gefürchteten Wesen sein, sondern es noch nicht mal ertragen Bilder davon zu sehen oder davon zu hören.

 

Spezielle Phobien bilden die größte Gruppe von Phobien und beinhalten bekannte Phobien wie Flugangst, Angst vor Gewitter, Angst vor Krankheit, Angst vor Verletzung, Angst vor Blut, Höhenangst und die Angst vor kleinen Räumen. Soziale Phobien bilden noch mal eie eigene Gruppe, die sich von anderen unterscheidet; Leute die daran leiden haben nicht vor bestimmten Situationen Angst, sondern eher vor dem eigenen Verhalten in Gegenwart anderer: rot werden, schwitzen, Händeschütteln.

 

Alle Phobien haben ähnliche Symptome: das Gefühl überwältigender Panik, Herzklopfen, Schwindel, Atmennot. Patienten mit einer akuten Phobie erleben ein hohes Maß an Stress in Situationen, die ihre Angst auslösen, oft so krass, dass sie fest davon überzeugt sind, zu sterben oder zumindest wahnsinnig zu werden.


Deine Phobie überwinden
Wie? Das kannst du alleine schaffen. Es gibt eine bestimmte Selbstbehandlung für Menschen, die von Panik heimgesucht werden. Man nennt sie Habituation, und meint, dass man sich an etwas gewöhnt. Psychologen haben längst festgestellt, dass eine Angst in unterschiedlicher Intensität auftreten kann. Je seltener du in Kontakt mit einer Sache, die dich ängstigt, kommst, desto mehr wirst du davor Angst Haben. Paradox? Das scheint nur so. Denk daran: Du kannst nicht vor Angst sterben.

 

Versuche, der Sache vor der du dich so sehr fürchtest "den Zauber zu nehmen". Gewöhn dich daran. Natürlich sind das am Anfang kleine Schritte: Zunächst schau dir ein paar Bilder von Mäusen (Spinnen, Flugzeuge, je nachdem was deine Angst ist) an. Dann schau Filme. Dann beginne mit täglicher Praxis. Nach einer Weile wirst du in der Lage sein, dich dem Objekt deiner Ängste zu stellen. Erst aus der Distanz - wenn du Angst vor Hunden hast, triff Freunde im Park und beobachte einen Hund aus der Entfernung von 100 Metern, dann reduziere den Abstand. Wenn du Angst hast dein Haus alleine verlassen, gehe zuerst ins Treppenhaus, am nächsten zu einem Geschäft mit einem Freund und nach einer Woche gehst du dort auf eigene Faust hin. Lass dich nicht von Rückschlägen entmutigen: Übung macht den Meister.

 

Aber Herr Doktor...
Es ist nicht immer möglich deine Ängst alleine zu überwinden. Eine Selbstbehandlung ist nicht effektiv wenn du an einer akuten Phobie leidest (z. B. wenn du an Agoraphobia leidest und seit Jahren nicht mehr draußen warst). Und sie klappt auch nicht, wenn du eigentlich keine Phobie hast. Manchmal wird sie nämlich mit einer Zwangsstörung verwechselt. Die Phobie vor Dreck ist so eine Störung (Menschen die darunter leiden waschen sich die ganze Zeit und haben Angst etwas mit bloßen Händen anzufassen). Es ist nur vom Namen her eine Phobie und kann nicht auf eigene Fast mit Gewöhnung bewältigt werden. Solche Störungen können aber mit Medikamenten, und sogar in einigen Fällen Operationen, behandelt werden. Depressionen haben manchmal auch ähnliche Symtome wie Sozialphobien oder Agoraphobie. In diesen Fällen und auch bei Leuten mit starken Phobien, bringt eine medizinische Behandlung gute Resultate. Die Entscheidung Mediekamente zu nehmen sollte immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

 

Im Original erschienen auf Englisch, Autorin: Jagna Kaczanowska, Psychologin; Übersetzung: Svenja Schumacher

Veröffentlicht: Fr, 15/01/2016 - 11:26


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