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Günstige Mode – um jeden Preis?

Kleidung
© Flickr, westpark (CC BY-NC-ND 2.0)
Dass ein T-Shirt für 3€ oder eine Jeans für 10€ nicht unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden kann wird jedem klar sein, aber warum verfallen trotzdem noch immer so viele Menschen dem Prinzip von „Fast Fashion“?

Autorin: Maxi Köhler

 

Laut Definition im Duden ist der Kapitalismus schlicht eine Wirtschaftsform, die durch Privateigentum an Produktionsmitteln und Steuerung des Wirtschaftsgeschehens über den Markt gekennzeichnet ist. Was auf den ersten Blick eher nüchtern klingt, ist jedoch der Grund warum es uns möglich ist T-Shirts für 3€ und Hosen für 10€ zu kaufen ohne dies kritisch zu hinterfragen.

 

Aus der individuellen hohen Schneiderkunst des 20. Jahrhunderts ist eine Modemaschinerie entstanden, die jede Woche neue Trends ausspuckt – immer hübscher, immer schneller, immer günstiger. „Fast Fashion“, also Mode zum Wegwerfen bestimmt den Kleiderschrank von Millionen Menschen auf dieser Welt. Die großen Modeketten begannen das Problem zu bekommen, dass es immer schwieriger wurde Kleidung zu einem günstigeren Preis anzubieten als die Konkurrenz. Was also tun, wenn die Preise sinken müssen, aber die Produktionskosten gleich bleiben? Den Produktionsort verlagern, am besten in ein Entwicklungsland, in dem die Arbeitsrechte so schwach sind, dass Ausbeutung quasi auf der Tagesordnung steht. Der Einsturz des „Rana Plaza“, einem neunstöckigen Fabrikgebäude in Bangladesch, am 24. April 2013 zeigt deutlich, wie weit die Manager der großen Textilfirmen unserer Zeit gehen, um Kunden weiterhin Mode, beinahe so günstig wie Lebensmittel, zu verkaufen. Nach dem Unglück wurde bekannt, dass der Fabrikbesitzer ausdrücklich über den maroden Zustand des Gebäudes in Kenntnis gesetzt worden war, er sich jedoch der Anordnung zur Räumung des Gebäudes widersetzte. Das Unglück forderte 1138 Tode und über 2000 Verletzte. Es war bis heute das schlimmste und größte Unglück der Mode- und Textilindustrie.

 

Das Verlockende an den „Fast Fashion“- Produkten ist, dass man das Gefühl vermittelt bekommt man könne sich viel leisten, weil die Preise der Kleidungsstücke so günstig sind. Die Weltbevölkerung kauft jährlich 80 Milliarden Kleidungsstücke, damit ist der Konsum an Mode im Vergleich zu vor 20 Jahren um 400% gestiegen.

 

Die Wahrheit hinter dem Prinzip der Modeindustrie ist jedoch, dass sich die Preise der Mode für den Alltag direkt proportional zu dem gesellschaftlichen Problem des Rückgangs der Mittelschicht verhalten. Das bedeutet, dass man als Konsument*in der „Fast Fashion“ überhaupt nicht bemerkt, dass man immer ärmer wird, während die Bosse dieser Modefirmen immer mehr Profit aus der menschenunwürdigen Beschäftigung von billigen Arbeitskräften in Entwicklungsländern schlagen können. Mittlerweile werden sogar nur noch 3% der Textilien weltweit in Amerika hergestellt.

 

Doch, wie können wir diese Ausbeutung stoppen? Es wird den Menschen nicht helfen, wenn man Firmen boykottiert. Sie brauchen Arbeit, um für sich und ihre Familien sorgen zu können. Was sie am allermeisten verdienen sind menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen sicheren Arbeitsplatz. Zum Einen helfen Fair Trade Modemarken wie „People Tree“ von Gründerin Safia Minney, die sich für Mode unter fairen Herstellungsbedingungen einsetzen, die trotzdem modisch ist. So wie ihre Firma gibt es einige Weitere, die sich den großen internationalen Modeketten entgegenstellen.

 

Langfristig gesehen müsste man jedoch die Industrie auf der ganzen Welt verteilen, so dass es nicht länger zu einer Monopolbildung kommen kann und sich mehrere Länder an der internationalen Wirtschaft beteiligen können – doch so ein Szenario wäre nur vorstellbar, wenn der Kapitalismus als Wirtschaftsform überwunden wäre. Bis dahin sollen wir uns einfach öfter selbst fragen: befriedigt dieser Konsum von „Fast Fashion“ wirklich all unsere Bedürfnisse?

Veröffentlicht: Die, 31/05/2016 - 17:17


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