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"Über die Jugend Europas und ihre Zukunft"

EuroPeers in front of the European Parliament in Strasbourg (© EuroPeers EYE 2014)
EuroPeers vor dem Europäischen Parlament in Strasburg (© EuroPeers EYE 2014)
Marie Jelenka Kirchner, 21-jährige Studentin aus Oldenburg, bloggt auf marieunterwegs.jimdo.com über ihr Leben im Ausland und ihre Meinung über Werte, die Gesellschaft und Europa. Lest hier ihre Bilanz des European Youth Event 2014.

Ich werde seit Jahren nicht müde zu betonen, wie sehr mir die Europäische Union und auch Europa im Ganzen mit ihrem ganzen abwechslungsreichen Angebot am Herzen liegen. Allerdings werde ich langsam derjenigen überdrüssig, die immer und immer wieder versuchen, mich eines Besseren zu belehren und die alles dafür geben um mir meine närrischen Gedanken über ein starkes und vereintes Europa auszutreiben. Es tröstet mich auch nicht, dass sie dabei angeblich nur mein eigenes Wohl im Sinn haben und mich vor einer zerschmetternden Enttäuschung in einigen Jahren bewahren möchten.

 

Glücklicherweise bin ich viel zu stur, um meine Träume und Vorstellungen einfach zerplatzen zu lassen, aber es ist mühsam, immerzu gegen eine feste Wand mehr oder weniger alter Menschen, die – auf ihren eigenen Maximalnutzen bedacht – seit vielen Jahren nicht von ihren einseitigen und lange nicht mehr zeitgemäßen Ansichten abweichen, ankämpfen zu müssen. Da es auf kurze Sicht aussichtslos erscheint zu hoffen, dass diejenigen, die ihre Starrheit  „Pragmatismus“ schimpfen und sie mit veralteten Theorien untermauern, zur Vernunft finden und solidarisch denken und handeln, habe ich es mir zum Ziel gesetzt, Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden, denn es kämpft sich besser im Team.

 

Ich war ungemein erfreut, vom Europäischen Parlament zum European Youth Event in Straßburg eingeladen zu werden. Denn eine Veranstaltung für einige Tausend junger Europäer und Europäerinnen, ausgelegt darauf drei Tage im großen Format zu diskutieren und eine Zukunft für Europa zu skizzieren, wie wir sie wünschen und brauchen, ist genau das, wonach mir der Sinn steht.

 

Es ist inzwischen Sonntagabend, ich sitze in einem ruckelnden Bus und fahre todmüde, aber voller frischer Gedanken durch die Dämmerung von Frankreich nach Deutschland.

 

Bis vor einigen Tagen war ich nie im Europaparlament gewesen, geschweige denn in dem Plenarsaal, der viel größer ist, als er im Fernsehen erscheint. Der erste Eindruck, den ich von dem hellen Gebäude voller Irrwege hatte, war überwältigend, doch hier soll es nicht um die architektonische Imposanz des abseits gelegenen Parlamentsgebäudes gehen, sondern um die beeindruckenden Menschen, die für ein langes Wochenende Plenarsaal und Tagungsräume in Straßburg bevölkert haben.

 

Das European Youth Event wurde dieses Jahr unter dem Motto „your ideas for a better Europe“ zum ersten Mal vom Europäischen Parlament und mit Unterstützung verschiedener Partnerorganisationen organisiert und wenngleich nicht alles reibungslos verlief, so war die Veranstaltung doch eine Bereicherung für wohl alle Teilnehmenden und vor allem auch eine klare Wertschätzung jungen Engagements in und für Europa.

 

Ich selbst habe in den letzten Jahren an zahlreichen Vernetzungstreffen und Konferenzen zur europäischen Jugend und deren Zukunft teilgenommen, doch normalerweise werden diese von Verbänden, NGOs oder allenfalls noch den Nationalagenturen, die als verlängerter Arm der Kommission die Umsetzung der europäischen Jugendprojekte (jetzt Erasmus+) sicherstellen. Nun aber waren wir Europäerinnen und Europäer kurz vor den Wahlen zum Europäischen Parlament (25. Mai 2014) nach Straßburg eingeladen, um uns im gegenseitigen Austausch zu bilden und zu inspirieren, um zu netzwerken und vor allem aber um Raum für unsere Kritik und Verbesserungsvorschläge zu bieten.

 

Es fühlt sich gut an, wahrgenommen zu werden und eine Plattform zur Vorstellung eigener Projekte angeboten zu bekommen.

 

Mir ist in diesen Tagen wieder einmal das existenzielle Problem der EU vor Augen geführt worden. Heutzutage wird die Union politisch und wirtschaftlich nicht nur von einer ohnehin viel zu kleinen Gruppe gestaltet, sondern diese Gruppe besteht zu allem Überfluss auch zum größten Teil nicht aus denjenigen, die Europa in der ganzen Vielfalt genießen und nutzen. Diejenigen, die die Wertegedanken der EU verinnerlicht haben und nach diesem Maßstab leben, lieben und reisen, sind zumeist nicht diejenigen, die Einfluss nehmen (können).

 

Zur erfolgreichen Entwicklung der EU fehlt zweierlei: Gemeinschaftssinn und mutige Zukunftskonzepte.

 

Das Gute ist, dass die jüngere Generation Europas nicht nur Interesse an einer erfolgreichen europäischen Integration zeigt, sondern auch die passenden Konzepte und Kampfgeist dafür an den Tag legt.

 

Das Blöde ist nur, dass Menschen heutzutage alt werden und sich nicht so schnell aus ihren gemütlichen Sesseln, in dem sie mit Scheuklappen und Tunnelblick Europapolitik betreiben, verjagen lassen.

 

Doch ich bin unverbesserliche Optimistin und die Bekanntschaften der letzten Tage lassen mich frohgesinnt zurück nach Deutschland fahren. Ich habe junge Frauen und Männer getroffen, die Projekte entwickeln oder leiten, die durch ganz Europa reisen und sich überall beheimatet fühlen, die sich mehr über ihr Menschsein als über ihre Nationalität identifizieren und die funkelnde Augen bekommen, wenn es um die Frage geht, wie die Zukunft gestaltet werden muss.

 

Ich habe auch junge Menschen getroffen, die mit Europa bisher kaum etwas am Hut hatten und die sich beinahe schüchtern an das Thema herantasten, um fasziniert die bunte Palette der Möglichkeiten die Europa und insbesondere die Europäische Union uns bietet, zu bewundern.

 

Doch was mich beinahe noch mehr gefreut hat, ist der Umstand, dass ich kaum einer meckernden Person begegnet bin. Wenngleich die Missstände und sozialen Ungerechtigkeiten in einigen unserer Mitgliedstaaten erschreckend sind und vielen Bürgerinnen und Bürgern eine Steilvorlage zur Verurteilung der föderalen Entwicklung in der EU bieten, so wurde das in Straßburg zwar zur Debatte gestellt und in verschiedenen Formaten ausdiskutiert, doch es ging nicht um die Suche nach einem Sündenbock, sondern darum, konstruktive Kritik anzubringen. Kritische Analyse und Reflexion sind Dinge, die uns im Laufe unserer Bildungslaufbahn viel zu wenig vermittelt werden, und das ist eine Schande, denn in meinem Augen sind es die elementaren Grundsteine, um eine Situation, so komplex sie in ihrer Problematik auch sein mag, zwar als Herausforderung, nicht jedoch als unüberwindbares Hindernis wahrzunehmen.

 

Die junge Generation bietet, was der EU fehlt und darüber hinaus noch viel mehr. Das European Youth Event hat mir in vieler Hinsicht gezeigt, dass wir mehr Jugendpartizipation, mehr junge Menschen in signifikanten Positionen und vor allem mehr Möglichkeiten, junge Stimmen zu hören und in die Tat umzusetzen, brauchen.

 

Das einzige Vergehen von uns Jungspunten ist unser Alter. Unser Problem ist, dass wir uns nicht mit Titeln schmücken können und wir in einer Gesellschaft leben, in der Träume als verschwendete Zeit verurteilt werden. Doch es hat sich gezeigt, dass die alten Modelle nicht mehr tragen.

 

Und hier sind wir: kreativ, innovativ und kritisch. Und noch dazu spontan und flexibel, und damit möchte ich nicht einmal auf die einwandfreie technische Kenntnis und mediale Vernetzung eingehen.

 

Am ersten Tag des European Youth Event gab es einige Komplikationen und Chaos, meine Gruppe beschwerte sich, dass das Programm zu strikt und statisch sei und dass nicht genug Raum für Improvisation und Nebenprogramm bestehe. Relativ bald merkten wir, dass wir, wenn wir einfach unser Ding durchziehen, genug Freiräume schaffen konnten und genossen das große Angebot.

 

Wir brauchen kein festes Programm, feste Regeln und auch keine Perfektion, um uns wohl zu fühlen.

 

Alles was wir brauchen, ist ein Ziel vor Augen und die Möglichkeit, Träume und großartige Wunschvision artikulieren zu können, ohne dafür mit einem verächtlichen Blick abgestraft zu werden.

 

Was mir zu Schluss bleibt, ist, neben meinem neu angefachten Tatendrang und der fantastischen Inspiration, die Hoffnung, dass unsere Ideen wie versprochen den neuen  Mitgliedern des Parlaments vorgelegt werden, dass meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit ihrer Energie haushalten können um ihre Projekte verwirklichen ohne sich selbst zu verfeuern – und dass das European Youth Event zur jährlichen Tradition werden wird.  

 

 

Mai 2014

Quelle: http://marieunterwegs.jimdo.com/wir-hier-in-europa/die-jugend-europas-und-ihre-zukunft-european-youth-event-2014/

Publié: Mer., 26/11/2014 - 14:19


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