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„Drum prüfe, wer sich ewig bindet!“

Die Grenzen von 1957 bis 1990 (Wikimedia, de:WikiNight)
Maxi Köhler ist den noch immer währenden Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland auf die Spur gegangen...

Autorin: Maxi Köhler

 

Vor über 25 Jahren haben sich die beiden deutschen Staaten wieder vereint – eine Zeit, in der die ehemaligen Einwohner der DDR und der Bundesrepublik Deutschland lernen mussten miteinander zu leben und sich zu arrangieren, trotz der Vergangenheit in zwei komplett verschiedenen Systemen der Wirtschaft und der Politik.

 

Und doch gibt es noch immer Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern in Deutschland. Zum einen sind es natürlich die unumstößlichen Vorurteile, getragen von Generation zu Generation, die teils wahr aber teils auch völlig überholt sind.

 

Doch erschreckenderweise gibt es auch nach über 25 Jahren gesellschaftliche Unterschiede, die selbst jungen Erwachsenen auffallen, die lange nach der Wiedervereinigung Deutschlands geboren wurden.

 

Die Faktoren Schule und Bildung spielen gerade für junge Erwachsene eine große Rolle – warum sich beispielsweise in Bayern für das Abitur abrackern, wenn man das Abitur in Berlin viel leichter bestehen kann?

 

„Die Schulfächer und Leistungskurse in der gymnasialen Oberstufe, die Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Bundesländern belegen können sind teilweise sehr unterschiedlich“, sagt die 17-jährige Lisa Krahnefeld, die im Osten von Deutschland lebt. „Durch das Zentralabitur in Deutsch, Mathematik und Englisch ist zwar der erste Schritt getan, aber für eine deutschlandweite Abschlussprüfung sollte es auch gleiche Voraussetzungen geben.“

 

Aber auch die Ungleichheit der Rentenhöhe, die in den alten Bundesländern deutlich höher als in den neuen Bundesländern Deutschlands ist, fällt auf. Der 19-jährige Jonathan Thurow wohnt im ehemaligen „Westen“ von Deutschland, hat davor aber auch einige Jahre auf der Ostseeinsel Rügen gelebt, die sich im ehemaligen Ostdeutschland befindet. „Der prägnanteste Unterschied ist mit Sicherheit der Faktor Geld. Auch die Jugend ist sich im Klaren darüber, dass die Löhne im Osten im Schnitt doch deutlich geringer sind als im Westen. Allerdings ist das Preisniveau dafür auch niedriger. Konkret bedeutet das für junge Menschen, dass der Osten gerade für Studierende attraktiv ist.“ Mit einem Bafög-Regelsatz von ungefähr 640 € lebt es sich im Osten von Deutschland deutlich besser als in westlichen Großstädten, was jedoch auch dazu führt dass die Universitäten im Osten oft überlaufen sind, wodurch die Qualität sinkt, so Thurow weiter.

 

„Doch auch nach dem Studium bleibt die Frage: warum sollte man im Osten bleiben, wenn sich die Wirtschaftskraft vor allem im Westen von Deutschland befindet?“

 

Für Menschen, die eine große Karriere anstreben ist es im Osten Deutschlands schwieriger. „Kein einziges DAX-Unternehmen hat schließlich seinen Hauptsitz im ehemaligen Ost-Gebiet“, erzählt Jonathan Thurow weiter – und dass obwohl fast ein fünftel der deutschen Bevölkerung dort wohnt.

 

Woran liegt das wohl? Wie kann man das ändern? Was kann man überhaupt in Zukunft für eine Angleichung des ehemals geteilten Deutschlands tun?

 

„Ich denke, dass der Osten zwar in einigen Dingen noch etwas hinterherhängt und benachteiligt wird und es trotz dieser Unterschiede seit der Wiedervereinigung auch funktioniert hat. Und wenn man sich die Proteste anschaut, die durch die Rentenangleichung momentan entstehen, könnte es in Zukunft schwierig sein, auch andere Konzepte umzusetzen“, denkt Lisa Krahnefeld. Jonathan blickt dabei eher etwas positiver in die Zukunft: „Etwas, dass die "Ossis" den "Wessis" aus meiner Sicht voraus haben, ist eine gewisse "Macher-Mentalität". Die Erfahrungen aus der Ostzeit mit begrenztem Warenangebot etc. zeigen sich immer noch darin, dass viele Menschen die ich im Osten kennengelernt habe, anstatt zu meckern wirklich anpacken! Eine Kollegin meiner Mum hat immer so schön gesagt "Wir konnten aus nix trotzdem ’nen Hut machen!"“

Published: Wed, 10/08/2016 - 15:18


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