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© Flickr, Kevin Cambervelle (CC BY-NC-ND 2.0)
© Flickr, Kevin Cambervelle (CC BY-NC-ND 2.0)

Tierversuche: medizinisch sinnvoll oder grausame Quälerei?

„Tierversuche können Menschenleben retten“ sagen die Befürworter. „Tiere müssen leiden, damit es Menschen gut geht“ werfen ihnen die Gegner vor – ein Pro und Contra zum Thema Tierversuche.

In den Mitgliedstaaten der EU werden jährlich etwa 11 Millionen Tiere für wissenschaftliche Versuche verwendet. Zum Beispiel wird mit Fruchtfliegen oder Mäusen die biologische Grundlagenforschung vorangetrieben, anhand von Ratten oder Meerschweinchen die Qualität von medizinischen Produkten kontrolliert oder an Pferden, Schweinen oder Affen Produkte und Geräte für die Human-, Zahn- und Veterinärmedizin erforscht. 

 

Auf der einen Seite profitieren Wissenschaft und Medizin stark davon – der medizinische Fortschritt wird befördert. Viele Forscher halten das Töten von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken sogar für ethisch gerechtfertigt, da die gewonnenen Erkenntnisse notwendig seien, um die Ursachen von Krankheiten verstehen und neue Heilverfahren entwickeln zu können.

 

Auf der anderen Seite sterben weltweit jährlich etwa 200 Millionen Tiere bei Tierversuchen oder werden anschließend getötet. Auch wenn es für Tierversuche strenge Richtlinien gibt – Versuche an Wirbeltieren sind beispielsweise anzeigepflichtig und müssen genehmigt werden, die Haltung unterliegt strengen gesetzlichen Regeln und es herrschen ebenso strenge Maßstäbe für die berufliche und fachliche Qualifikationen des Personals – Tierversuchsgegner prangern immer wieder unwürdige Versuchsmethoden und Beispiele von Tierquälerei an. Darum steht die ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen definitiv in Frage.

 

Ein weiterer Kritikpunkt an Tierversuchen ist, dass umstritten bleibt, ob die am Tier gewonnenen Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind. In der Geschichte finden sich Belege für beide Auffassungen: Ergebnisse von Tierversuchen haben Forscher schon zu falschen Forschungshypothesen verleitet (z. B. bei der Forschung an Kinderlähmung) oder bei der Prüfung der Produktsicherheit in falscher Sicherheit gewiegt (wie im Fall von Contergan). In anderen Fällen erwiesen sich die im Tierversuch beobachteten Wirkeffekte als auf den Menschen übertragbar.

 

Alternativmethoden

Zunehmend werden auch Alternativmethoden zu Tierversuchen in der Forschung eingesetzt. So werden etwa Experimente an Zellkulturen durchgeführt, die Versuche finden sozusagen "im Reagenzglas" statt. Auch Computersimulationen können dem Ersatz von Tierversuchen dienen, da sie helfen, die Wirkweise von Stoffen im Körper vorherzusagen. Jedoch sind beide Methoden nicht ausreichend erforscht und können Tierversuche (noch) nicht ablösen.

 

Am Ende bleibt ein ethischer Konflikt bestehen: Kann man Wege finden, Krankheiten beherrschbar zu machen und damit menschliches Leid zu lindern, und auf der anderen Seite die Würde und das Leben von Tieren zu bewahren?