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Praxiserfahrungen in einer Fremdsprache: vier Wochen in Genf

Französisch lernen mit Piaget Lehrstellentausch

Für Sprachgrenzen gibt es keine Schlagbäume. Im Zug von Gümligen nach Genf habe ich die Sprachgrenze unbemerkt überquert. Natürlich liessen die Ansagen im Zug und die anderssprachigen Passagiere den Mitreisenden erahnen, dass die Reise Richtung Romandie geht. Was das für mich bedeutet, habe ich aber erst realisiert, als ich in Genf den Zug verlassen hatte: Französisch ist die einzige Sprache, in der ich mich in den nächsten vier Wochen werde unterhalten können. Diese Feststellung war ein kleiner Schock für mich. Doch der Gedanke, dass ich meine Kontaktfreudigkeit auch im Französischen einsetzen kann, hat mich noch mehr dazu aufgemuntert, diesen Austausch erfolgreich durchzuführen. Obwohl mir bewusst war, dass ich viele Fehler mache, habe ich einfach drauflosgeredet.


Die ersten Tage waren allerdings hart: Nicht etwa die strenge Arbeit hat es ausgemacht. Diesbezüglich sind die Romands etwas lockerer drauf, habe ich festgestellt. Aber die vielen unbekannten Eindrücke, zum Beispiel die fremde Umgebung, die Gastfamilie, der andere Betrieb, die neuen Mitarbeiter/-innen, das teilweise andere Sortiment im Gastbetrieb. Das hat mich ziemlich geschafft! Ich war todmüde und habe meine Familie und Freunde sehr vermisst. Am dritten Tag hatte ich die totale Krise und wollte nur noch nach hause.


Ich habe mit meinen Eltern und meinem Lehrmeister telefoniert. Sie sprachen mir Mut zu und ich habe verstanden, dass ich die einmalige Chance des Einblicks in meine Berufspraxis in der anderen Sprache nutzen möchte. Zudem gaben mir meine Gasteltern das Gefühl zuhause zu sein. Das hat geholfen. Ich durfte sie zum Beispiel zu Freundschaftsbesuchen begleiten. Ab und zu bin ich alleine losgezogen und mit dem Velo zum See gefahren. Im Nachhinein bereue ich nicht, dass ich in Genf geblieben bin. Ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiter/-innen im Betrieb haben mich sehr gut aufgenommen, mir den Arbeitsplatz gezeigt, mich in die Pause mitgenommen und gefragt, woher ich komme und warum ich einen Austausch während der Lehre mache. Mit viel Geduld ertrugen sie mein Französisch und korrigierten meine Fehler. Fiese Bemerkungen einer Kundin über meine mangelnden Sprachkenntnisse machten mich traurig, haben mich aber nicht entmutigt. Ich bin heute noch überrascht, wie viel und wie schnell ich durch das Eintauchen in die Sprache gelernt habe. Ich habe grosse Fortschritte gemacht. Das hat mich motiviert und ich profitiere nach meiner Rückkehr aus Genf von meinen Erfahrungen. Zum Beispiel haben sich meine Französischnoten in der Schule verbessert.

Im Betrieb übernehme ich mehr Verantwortung bei der Betreuung französischsprachiger Kund/-innen. Ich bin beruflich und persönlich selbständiger geworden und kann meine beruflichen Ziele konkreter benennen. Ich könnte mir jetzt sogar vorstellen, längere Zeit in einem anderen Sprachgebiet oder auch im Ausland zu arbeiten und zu leben.

 

Veröffentlicht: Mon, 26/05/2014 - 16:08


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