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Konkurs und Neubeginn

Letzter Stand 05/2011

Unternehmer können möglicherweise einen Konkurs vermeiden, wenn sie sich für Schwierigkeiten rüsten und die finanzielle Lage ihres Unternehmens stets genau im Auge behalten.

Wenn die Konkursanmeldung für einen Unternehmer die einzige verbleibende Möglichkeit bildet, ist es besser, den Schaden zu begrenzen und möglichst schnell das Konkursverfahren einzuleiten, um anschließend mit einem neuen Geschäftsprojekt zu beginnen.

Die EU unterstützt einfache und schnelle Konkursverfahren und setzt sich dafür ein, dass ehrlichen Unternehmern, die gescheitert sind, eine zweite Chance gegeben wird und sie wie andere Unternehmensgründer behandelt werden.

2011 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Bericht einer Sachverständigengruppe mit strategischen Empfehlungen zu den vier Teilbereichen, die ein Konkursverfahren im weitesten Sinne ausmachen:

  • Frühwarnsysteme (Konkursvermeidung),
  • Außergerichtlicher Vergleich,
  • Gerichtsverfahren,
  • Zweite Chance (früher in Konkurs gegangenen Unternehmern einen Neubeginn erleichtern).

Insolvenz

Die EU hat insbesondere für folgende Aspekte gemeinsame Regeln festgelegt:

  •  Gerichte können grenzübergreifende Insolvenzverfahren eröffnen, und die Entscheidungen der Gerichte eines Mitgliedstaats werden EU-weit anerkannt, wodurch vermieden wird, dass insolvente Unternehmer ihre Vermögenswerte übertragen oder Gerichtsverfahren in einem bestimmten Mitgliedstaat umgehen können;
  • Angestellte sind in Insolvenzfällen geschützt ;
  •  Behörden bieten Unterstützung zur Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen an, die in Schwierigkeiten geraten sind.

Einfachere und schnellere Konkursverfahren

Wenn ein Unternehmen nicht durch eine Umstrukturierung oder den Verkauf von Anteilen zu retten ist, kann eine schnelle Entscheidung für eine Konkursanmeldung die Verluste für alle Beteiligten in Grenzen halten.

Wirksame Konkursverfahren berücksichtigen bei der Aufteilung der Vermögenswerte des in Konkurs gegangenen Unternehmens in angemessener Weise die Interessen sowohl des Unternehmens als auch der Investoren, der Angestellten und der Eigentümer und erhalten dabei einen möglichst großen Teil des Unternehmenswertes.

Die EU empfiehlt den nationalen Behörden, Konkursverfahren zu entwickeln, die schnell und einfach ablaufen und höchstens ein Jahr dauern.       

Neubeginn nach einem Konkurs

Da lediglich 4 % bis 6 % der Konkurse auf betrügerisches Verhalten zurückzuführen sind, ist es von großer Bedeutung, dass die Wirtschaft ehrlichen Unternehmern, die gescheitert sind, eine zweite Chance gewährt.

Studien zeigen, dass die Versuche von Unternehmern, die zum zweiten Mal eine Existenz gründen, profitabler sind und zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen führen. Die Unternehmer lernen aus ihren Fehlern und können ihre Risiken und Chancen besser einschätzen.

Die EU fördert Ansätze, die Unternehmer dabei unterstützen, praktische und psychologische Schwierigkeiten anzugehen, wenn sie zum zweiten Mal ein Unternehmen gründen:

  • Für einen Neubeginn sollten ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden;
  • Banken und Finanzinstitute sollten ihre Vorbehalte gegenüber Unternehmern überdenken, die einen Neubeginn wagen;
  • die Namen von Unternehmern, die nicht in einen betrügerischen Konkurs verwickelt sind, sollten nicht in Listen geführt werden, die den Banken als Grundlage für die Verweigerung von Krediten dienen;
  • ehrliche Unternehmer, die Konkurs anmelden mussten, sollten bei öffentlichen Ausschreibungen nicht benachteiligt werden;
  • Unternehmer, die erneut eine Existenz gründen, sollten angemessene psychologische und praktische Unterstützung erhalten;
  • die Unterstützung durch Kunden, Geschäftspartner und Investoren sollte durch Beziehungen zwischen diesen und den möglichen erneuten Existenzgründern verstärkt werden.

In ihrer Mitteilung zur Überprüfung des „Small Business Act“ fordert die EU die einzelnen Länder auf, „Unternehmern eine zweite Chance einzuräumen, indem bis 2013 die Tilgungs- und Entschuldungsfrist für ehrliche Unternehmer auf drei Jahre nach einer Insolvenz begrenzt wird “.

Bereits früher bezog sich einer der zehn Grundsätze des „Small Business Act“ auf Insolvenz und nannte die Möglichkeit, rechtschaffenen Unternehmern, die insolvent geworden sind, eine zweite Chance zu geben. Die EU-Länder werden ersucht,

  •  zu erreichen, dass die Gesellschaft eine zweite Chance für Unternehmer positiv bewertet ;
  •  die Dauer der für die Auflösung eines Unternehmens vorgesehenen Verfahren möglichst auf ein Jahr zu beschränken;
  • zu gewährleisten, dass Unternehmer, die eine Neugründung wagen, gleich behandelt werden wie jene, die erstmals ein Unternehmen gründen (z. B. im Rahmen von Förderprogrammen).

Unternehmer, die Konkurs anmelden mussten, sollten nicht das Selbstvertrauen in ihre Fähigkeit verlieren, einen geschäftlichen Neubeginn zu wagen.

  • Gründung eines neuen Unternehmens

Auf den Webseiten mit dem Titel „Eine zweite Chance als Unternehmer “ finden Sie Informationen über eine frühzeitige Erkennung von Problemen, ein Instrument zur Bewertung der finanziellen Gesundheit eines Unternehmens, goldene Regeln für in Not geratene Unternehmen sowie Berichte aus erster Hand über erfolgreiche Unternehmer, die einen Neubeginn gewagt haben.

Über das Enterprise Europe Network können sich Unternehmer, die Konkurs anmelden müssen oder sich für einen unternehmerischen Neubeginn entscheiden, informieren und beraten lassen.

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