IP/07/1352
Brüssel, den 18. September 2007
Kommission schlägt globale Allianz zur
Unterstützung der vom Klimawandel am stärksten betroffenen
Entwicklungsländer vor
Die Europäische Kommission schlägt vor,
eine neue Allianz für den Klimaschutz zwischen der Europäischen Union
und den armen Entwicklungsländern, die am stärksten vom Klimawandel
betroffen und am wenigsten in der Lage sind, die Folgen des Klimawandels zu
bewältigen, ins Leben zu rufen. Im Rahmen dieser Globalen Allianz für
den Klimaschutz (Global Climate Change Alliance - GCCA) werden die EU und die
betreffenden Entwicklungsländer bei der Einbeziehung des Klimaschutzes in
die nationalen Armutsminderungsstrategien zusammenarbeiten. Die EU wird
beträchtliche Mittel für Klimaschutzmaßnahmen in diesen
Ländern bereitstellen. Dazu zählen u.a. Maßnahmen zur besseren
Vorbereitung auf Naturkatastrophen, die infolge des Klimawandels voraussichtlich
in Zahl und Intensität zunehmen werden. Mit dem Vorschlag für eine
Globale Allianz wird das bereits im EU-Aktionsplan im Bereich Klimawandel und
Entwicklung verankerte Ziel der systematischen Einbeziehung des Klimaschutzes in
die Entwicklungszusammenarbeit bekräftigt.
Die Entwicklungsländer werden am stärksten vom Klimawandel
betroffen sein. Sie brauchen daher unsere Unterstützung bei der Minderung
seiner Folgen und bei der Anpassung an die bereits jetzt zu beobachtenden
Veränderungen. Neue Technologien sind das einzige Mittel zur Förderung
einer nachhaltigen Gesellschaft ohne Behinderung von Entwicklung und ohne
Einschränkung der Lebensqualität. Die Mitteilung vorgestellt von Louis
Michel, Mitglied der Kommission zuständig für Entwicklungspolitik und
Humanitäre Hilfe, gemeinsam mit Stavros Dimas, Mitglied der Kommission
zuständig für Umwelt und mit Benita Ferrero-Waldner, Mitglied der
Kommission zuständig für Aussenbeziehungen sieht eine breite
Maßnahmenpalette von Dialog und Austausch bis hin zu praktischer
Zusammenarbeit zwischen der EU und den Entwicklungsländern vor.
Nach Prognosen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für
Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) werden
die meisten Regionen der Welt und vor allem die Entwicklungsländer
zunehmend von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Zu den am
frühesten und am stärksten betroffenen Länder werden die armen
Entwicklungsländer und insbesondere die kleinen Inselentwicklungsstaaten
zählen.
Die EU spielt eine Vorreiterrolle bei der Förderung von internationalen
Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Auf seiner
Frühjahrstagung 2007 legte der Europäische Rat konkrete
Vorschläge für ein internationales Klimaschutzabkommen für die
Zeit nach 2012 vor und sagte eine erhebliche Reduzierung der
Treibhausgasemissionen der EU zu. Indem sie die Länder einbezieht, die am
wenigsten zur Erderwärmung beitragen, aber am stärksten davon
betroffen sind, wird die Globale Allianz für den Klimaschutz ein zentrales
Element des auswärtigen Handelns der EU bei der Bekämpfung des
Klimawandels bilden.
Die Unterstützung im Rahmen der Globalen Allianz soll auf fünf
Schwerpunktbereiche ausgerichtet werden: Durchführung konkreter
Anpassungsmaßnahmen, Reduzierung der durch Entwaldung verursachten
Emissionen, Unterstützung der armen Länder bei der Ausnutzung der
Vorteile des globalen Kohlenstoffmarkts, Unterstützung der armen
Länder bei der besseren Vorbereitung auf Naturkatastrophen sowie
Einbeziehung des Klimaschutzes in die Entwicklungszusammenarbeit und die
Armutsminderungsstrategien. Da sich der Klimawandel auf viele Sektoren auswirkt,
müssen Klimaschutzmaßnahmen in die Armutsminderung einbezogen werden,
um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Dazu sind eine
systematische Bewertung des Klimarisikos und die feste Verankerung des
Klimaschutzes in die Entwicklungsstrategien und -programme ("Klimasicherung")
unverzichtbar.
Zur Finanzierung der GCCA hat die Kommission bereits eine Mittelzuweisung in
Höhe von 50 Mio. € für den Zeitraum 2008-10 vorgesehen. Doch um
dem tatsächlichen Bedarf zu entsprechen, sind wesentlich mehr Mittel
erforderlich. Daher wird an die EU-Mitgliedstaaten appelliert, in den kommenden
Jahren einen Teil der bereits zugesagten Aufstockung ihrer öffentlichen
Entwicklungshilfe für Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen des
Klimawandels in den am stärksten gefährdeten Ländern
bereitzustellen.
Die erste Gelegenheit zur Erörterung der Globalen Allianz mit Vertretern
der Entwicklungsländern bieten die Europäischen Entwicklungstage vom
7. bis 9. November in Lissabon, bei denen das Thema Klimawandel und Entwicklung
im Mittelpunkt steht.
In den letzten Jahren ist der Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der
Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse offensichtlich
geworden. Von den zehn tödlichsten Naturkatastrophen der letzten 20 Jahre
ereigneten sich sieben zwischen 2000 und 2006. Allein seit Juli 2007 hat die
Europäische Kommission 24,5 Mio. € für die Opfer von
Naturkatastrophen in Kolumbien, der Karibik, Peru, Kenia, Indien, Bangladesch,
Nepal, Nordkorea und dem Sudan bereitgestellt. Die Globale Allianz für den
Klimaschutz soll dazu dienen, die am stärksten gefährdeten Länder
bei der Verhinderung von bzw. die Vorbereitung auf Naturkatastrophen zu
unterstützen.