IP/07/1318
Brüssel, den 12. September 2007
Sicherheit von Spielzeug: EU-Kommissarin
für Verbraucherschutz ermahnt Mitgliedstaaten und Unternehmen, mehr
für den Verbraucherschutz zu tun.
In einer Rede vor dem Europäischen Parlament
erläuterte die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin
Meglena Kuneva heute in Brüssel die Pläne der Europäischen
Kommission für eine auf zwei Monate angesetzte Überprüfung der
Kontrollmechanismen zur Sicherheit von Spielzeug und Verbraucherartikeln. Nach
ihrer Überzeugung „liegt der Schlüssel zum Erfolg von
Rechtsinstrumenten in ihrer konsequenten Durchsetzung.“ Sie forderte die
Mitgliedstaaten und die Unternehmen auf, „bei der Anwendung und
Durchsetzung auf nationaler und lokaler Ebene deutlich mehr zu tun.“ In
Fragen der Verbrauchersicherheit werde es keine Kompromisse geben: „ Die
Regeln müssen in allen Bereichen angewandt werden, vom Montageband bis zur
Ladenkasse. Wenn die Bedrohung dies rechtfertige, werde sie nicht zögern
das gesamte Instrumentarium der EU-Produktsicherheitsvorschriften einzusetzen,
von Stichproben bis hin zu systematischen Kontrollen. In ihrer Rede beschwor die
Kommissarin die Europa-Abgeordneten, für die in den kommenden Monaten ein
äußerst wichtiger Rechtsakt in Sachen Marktaufsicht zur Abstimmung
ansteht (nämlich die Überprüfung der geltenden Rechtsvorschriften
nach dem New Approach), auf keinen Fall Vorschläge zu unterstützen,
mit denen das bestehende System zur Überwachung der Sicherheit von
Verbraucherprodukten geschwächt würde. „Einen Rückschritt
können wir uns jetzt nicht erlauben,“ meinte sie dazu. Dem Kollegium
der Kommissare wird Frau Kuneva im November erste Ergebnisse dieser
Überprüfung präsentieren.
Weltoffen, aber unnachgiebig in Sachen Sicherheit
Kommissarin Kuneva sprach sich entschieden für offene Märkte und
fairen Wettbewerb aus. „Europa hat sich für eine offene Gesellschaft
und eine offene Wirtschaft entschieden,“ erklärte sie. „Daraus
haben sich bisher für die Verbraucher, die Steuerzahler, die Arbeitnehmer
und die Unternehmen in Europaenorme Vorteile ergeben und dies wird auch so
bleiben. In unserer New Economy aber führt der Weg von der Fabrik ins
Supermarkt-Regal häufig um den gesamten Erdball. Deshalb ist wirksames
Regierungshandeln auf dem Gebiet der Verbrauchersicherheit von derart
entscheidender Bedeutung.“ Dann nahm Frau Kuneva diejenigen ins Visier,
die den Verbraucherschutz als Alibi für Protektionismus zu missbrauchen:
„Protektion und Protektionismus liegen nahe beieinander.
Es gibt da ewiggestrige Protektionisten, die sich gerne hinter dem
Schutzmantel der Verbrauchersicherheit verstecken würden. Sie scheinen zu
glauben, dass ein Risiko mehr über seine Herkunft definiert ist als
über die von im ausgehende Gefährdung. In der wirklichen Welt
wäre es naiv zu glauben, dass das eigene Dorf für sich bleiben kann.
Wir können unsere Grenzen nicht dichtmachen. In einer globalen Wirtschaft
ist Europa entweder offen für Handel, oder aber es ist aus dem
Geschäft.“
Weder Selbstgefälligkeit noch Kompromisse in Sachen
Verbrauchersicherheit
Kommissarin Kuneva wiederholte ihre zentrale Botschaft, die sie im Juli
anlässlich ihres Besuchs in Peking den chinesischen Behörden
übermittelt hatte, nämlich dass es in Fragen der Sicherheit der
Verbraucher keine Kompromisse geben könne. „Die Gewährleistung
der Sicherheit der Bürger und Bürgerinnen ist in jedem politischen
System oberstes Gebot.“
„In Sicherheitsfragen darf es keine Kompromisse geben. So etwas wie
eine risikofreie Umgebung gibt es aber nicht.“ Zu der von ihr geplanten,
auf zwei Monate angesetzten Überprüfung der geltenden Vorschriften
erklärte die Kommissarin: „Die entscheidenden Fragen lauten: Besteht
da etwa ein systembedingtes Problem oder ist das eine Frage der
Durchführung von Bestimmungen? Gibt es neue Risiko-Muster? Kollidieren
vielleicht Interessen bei der öffentlichen Verwaltung der Sicherheit? Durch
die nüchterne Beantwortung dieser Fragen können wir zwischen der
Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und der Wirklichkeit
unterscheiden.“
Durchsetzung der Rechtsvorschriften – Mitgliedstaaten, Unternehmen
und Handelspartner
Die Kommissarin betonte, dass ihr jetzt vor allem die Durchsetzung des
Verbraucherrechts am Herzen liege. „Bei der Rechtsdurchsetzung sind wir
nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette. Jetzt geht es darum,
die Teile der Kette dort zu verstärken, wo die Durchführung bzw.
Umsetzung noch nicht optimal ist. Die Mitgliedstaaten und die Wirtschaft
müssen ihre volle Verantwortung in Bezug auf die Einhaltung der
Bestimmungen zur Verbrauchersicherheit übernehmen.“ Nötigenfalls
werde sie weitere Maßnahmen auf EU-Ebene zur Verstärkung der
Sicherheitskontrollen ergreifen: „Sollte es die Risikosituation erfordern,
werde ich nicht zögern, das gesamte Instrumentarium der
EU-Produktsicherheitsvorschriften einzusetzen, von Stichproben bis hin zu
Kontrollen.“
Bessere Rechtsetzung
Kommissarin Kuneva stellte klar, dass nach ihrer Auffassung das Grundkonzept
der EU-Vorschriften zur Produktsicherheit den Anforderungen gerecht werde.
„Oberste Priorität hat für mich die Anwendung der bestehenden
Rechtsvorschriften wie z. B. der Richtlinie über die allgemeine
Produktsicherheit, und zwar verhältnismäßig, kreativ und mit mehr
Nachdruck auf dem Aspekt der Rechtsdurchsetzung. Reflexartige Handlungen, die
nur Unmengen neuer Regeln zur Folge haben, sind derzeit nicht angezeigt.“
Rückruf von Produkten
Zum Thema Rückrufe erklärte die Kommissarin, „dass
Stillschweigen eher Anlass zur Besorgnis ist als aktives Handeln. Transparenz
schafft Vertrauen. Dass ein global agierender Wirtschaftsakteur wirklich bereit
ist, Produkte zurückzurufen als von einer Rücknahme abzusehen,
bestätigt, dass das System funktioniert. Selbstverständlich bleiben
diesbezüglich noch Fragen offen: Melden z. B. die betroffenen Akteure
Problemfälle schnell genug? Und fassen etwa die chinesischen
Durchsetzungsbehörden bei hundert Prozent der Fälle tatsächlich
nach? Auf diese beiden Fragen möchte ich näher eingehen.“
China
„Die Beziehungen zwischen Europa und China in dem anstehenden Bereich
sollten durch Vertrauensbildung bei den Verbrauchern im Wege von
Zusammenarbeit ausgebaut werden. Grundlage einer solchen Zusammenarbeit
sind eindeutige Meldungen, eine verstärkte technische Kooperation und eine
wirksame Rechtsdurchsetzung. Maßgeblich ist hier der RAPEX-Bericht zum
Meldesystem in China, den die chinesischen Behörden im Oktober vorlegen
sollen, und der Aufschluss darüber geben wird ob unsere Zusammenarbeit
funktioniert.“
Abstimmung des Europäischen Parlaments zur Überprüfung der
Marktaufsichtsvorschriften
Wegen der wichtigen Abstimmung über die Marktaufsicht
(Maßnahmenbündel New Approach), die in den nächsten
Monaten auf der Tagesordnung des Parlaments stehen wird, appellierte Kommissarin
Kuneva an die Europa-Abgeordneten: „Was die Richtlinien nach dem neuen
Konzept betrifft, so hat sich die Kommission ganz klar festgelegt: Mit unserem
Vorschlag möchten wir sicherstellen, dass Interessenkonflikte zwischen
denen, die für die Anwendung und Durchsetzung der Richtlinie über die
allgemeine Produktsicherheit sorgen, und denen, die den freien Verkehr von Waren
nach den New-Approach-Richtlinien regeln, ausgeschlossen sind.
Wir sind fest entschlossen, bei der Marktaufsicht für
Verbraucherprodukte weiterhin strengere Schutzmaßnahmen anzuwenden als dies
bei Industrieerzeugnissen der Fall ist. Ich möchte Sie beschwören, der
Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir können jetzt nicht
das Risiko eingehen, einen Schritt zurück zu tun und bestehende
Verbraucherschutz-Kontrollmechanismen zu untergraben. "
Vollständiger
Wortlaut der Rede in englischer Sprache bei RAPID:
SPEECH/07/521