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Europäische Kommission - Erklärung

Gemeinsame Erklärung zum Internationalen Tag gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen

Brüssel, 5. Februar 2018

Am Internationalen Tag gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen haben die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der Kommission Federica Mogherini, der EU-Kommissar für Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen Johannes Hahn, der Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung Neven Mimica und die Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung Vĕra Jourová das Engagement der EU gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen bekräftigt. Sie erklärten:

 

„Am Internationalen Tag gegen die Verstümmelung der weiblichen Genitalien betonen wir unsere Entschlossenheit, dieser schmerzhaften und traumatischen Praxis, die sich auch langfristig negativ auf die Gesundheit auswirkt, ein Ende zu machen. Fast immer sind Kinder Opfer von Genitalverstümmelung. Es handelt sich um eine grundlegende Menschenrechtsverletzung, um eine extreme Form der Diskriminierung von Mädchen und Frauen.

Doch trotz der gemeinsamen Anstrengungen der Europäischen Union und ihrer Partner wurden die Genitalien von 200 Millionen Mädchen verstümmelt – in allen Teilen der Welt. Schätzungen zufolge läuft bis zum Jahr 2030 dieselbe Zahl von Mädchen Gefahr, ebenfalls Opfer von Genitalverstümmelung zu werden.

Auch in Europa werden heute noch Mädchen dieser illegalen Praxis unterzogen. Die Kommission setzt sich dafür ein, das zu verhindern, indem sie Fachleute wie Richter, für Asylfragen zuständige Beamte oder Ärzte schult, die Kontakt zu gefährdeten Mädchen haben. Wir haben Rechtsvorschriften erlassen, um sicherzustellen, dass es in Europa für dieses verbotene Vorgehen keine Straffreiheit gibt. Die Verstümmelung weiblicher Genitalien ist in allen EU-Mitgliedstaaten eine Straftat. In den meisten EU-Ländern kann zudem eine Person, die Mädchen zum Zweck der Genitalverstümmelung aus der Union herausbringt, strafrechtlich verfolgt werden. Die Opfer dieser Verstümmelungen erfahren in der EU ein hohes Maß an Schutz.

Auf internationaler Ebene haben wir gemeinsam mit den Vereinten Nationen (VN) eine beispiellose Initiative – die Spotlight Initiative – gestartet, um jeglicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein Ende zu machen. Im Zuge der Initiative konzentrieren wir uns besonders auf die Bekämpfung der Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara, einer Region, in der diese Praxis nach wie vor weit verbreitet ist. Durch diese Maßnahmen unterstützen wird die Opfer dieser gefährlichen Praxis ganz direkt und gezielt.

Die Europäische Union wird weiter mit all jenen zusammenarbeiten, die entschlossen sind, die Verstümmelung weiblicher Genitalien abzuschaffen: Eltern, Aktivisten jeden Alters einschließlich junger Mädchen, Ärzten, Lehrern, Mitarbeitern im Gesundheitswesen und Verteidigern von Kinder- und Menschenrechten, Beschäftigten der Justizbehörden, führenden Persönlichkeiten aus Politik und Religion sowie aus den einzelnen Gemeinschaften und Regierungsvertretern.

Darüber hinaus gehen wir weiterhin starke bilaterale und multilaterale Partnerschaften ein. Alle VN-Organisationen und Sonderbeauftragten des VN-Generalsekretärs, alle regionalen Organisationen – insbesondere die Afrikanische Union – und die Zivilgesellschaft sind unsere Partner beim gemeinsamen Bemühen um eine sicherere Welt für Mädchen und Frauen. Das wird zu widerstandsfähigeren, friedlicheren und integrativeren Gesellschaften führen.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der Frauen gewaltfrei leben können – und in der sie die Freiheit haben, die Welt zu verändern.“

Hintergrund

Die Verstümmelung/Beschneidung weiblicher Genitalien hat Folgen für die Gesundheit und das gesamte Leben von Mädchen und Frauen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union – Tag für Tag. Es ist medizinisch belegt, dass diese Praktiken viele normale Körperfunktionen erheblich beeinträchtigen, dass sie die Mütter- und Säuglingssterblichkeit erhöhen und zudem über das körperliche Leiden hinaus lebenslange Traumata verursachen können. Solche Formen körperlicher Gewalt hindern Mädchen und Frauen daran, in gleichem Maße wie Männer konstruktiv am öffentlichen Leben teilzuhaben. Gesellschaften zahlen für die Verstümmelung/Beschneidung weiblicher Genitalien einen hohen Preis.

Für wirkungsvolle Veränderungen braucht es Präventionsarbeit an der Basis. Deshalb unterstützt die EU aktiv den sozialen Wandel vor Ort in den Gemeinschaften und mit regionalen und internationalen Netzen. Wir stellen die Methodik bereit, um die Verbreitung von und die Gefährdung durch Genitalverstümmelung zu messen, und bieten Fachleuten über eine internetgestützte Plattform praktische Hilfsmittel an. Das macht es Interessenträgern – darunter auch Regierungen – leichter, zu den Themen Prävention, Hilfe und Asyl für Opfer und Strafverfolgung Erfahrungen auszutauschen.

Darüber hinaus unterstützt die EU dauerhaft das VN-Kinderhilfswerk UNICEF und den VN-Bevölkerungsfonds UNFPA, um den Wandel in 17 Ländern zu beschleunigen. Dies ist wichtig, um die Partnerländer bei der Verabschiedung nationaler Aktionspläne und Haushaltslinien zu unterstützen, mit denen der Genitalverstümmelung ein Ende zu gesetzt werden soll. Gleichzeitig unterstützt die Union mehr als 1,5 Mio. Mädchen und Frauen, damit diese Schutz und Zugang zu Versorgungs- und Betreuungsmöglichkeiten bekommen, und ermutigt mehr als 3000 Gemeinschaften mit insgesamt 8,5 Mio. Menschen, öffentlich ihre Ablehnung der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen zu erklären.

Wir setzen uns weiter für die vollständige Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ein, die die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen im Rahmen ihres Ziels Nummer 5 für die Gleichstellung der Geschlechter sowie im spezifischen Ziel 5.3 für die Beseitigung schädlicher Praktiken thematisiert.

Weitere Informationen

Um mehr über die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen und darüber zu erfahren, was die Europäische Union zur Beendigung dieser Praktiken unternimmt, siehe die Fragen und Antworten und die Website einer EU-weiten Schulungsplattform. Um die Plattform bekannt zu machen und weiter über das Thema Genitalverstümmelung zu informieren, veröffentlicht die Europäische Kommission heute zwei Videos: eines für Fachkräfte und eines für die breite Öffentlichkeit.

Die Kampagne NON.NO.NEIN (siehe # SayNoStopVAW) zielt auf den Informationsaustausch ab und stellt Erfolgsgeschichten vor, die die wichtige Arbeit in diesem Bereich in der gesamten EU illustrieren.

Die Spotlight-Initiative – eine neue globale Initiative der EU und der VN, die auf mehrere Jahre angelegt ist – konzentriert sich auf die Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

STATEMENT/18/601

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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