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European Commission - Speech - [Check Against Delivery]

Speech by President Juncker at the Plenary session of the European Parliament on the presentation of the programme of activities of the Bulgarian Presidency

Strasbourg, 17 January 2018

Mr President,

Prime Minister,

Minister,

Ladies and Gentlemen,

Let me start by saying that one of the most pleasing aspects of the Bulgarian Presidency is that I will get to see my good friend Boyko more often than usual.

As I said to him when he hosted the Commission in Sofia last week, this is a special moment. For Bulgaria, of course, because it is the first Bulgarian Presidency of the Council, but also for me personally.

It was under the Luxembourgish Presidency, myself being in the Chair of the President of the European Council, that the decisions necessary to launch the overall enlargement process were taken in Luxembourg in December 1997. President of the European Council once again, I had the honour of signing Bulgaria's Accession Treaty to the European Union in Luxembourg in April 2005.

I remember the year 2005 for so many reasons, in particular, because we signed the Accession Treaty in April. I remember that day like it was yesterday. I remember the emotion that I felt at seeing Europe's history and geography reconcile. I remember what it meant to a proud European nation to join its friends and allies in our Union; the clocks you had installed everywhere throughout Sofia counting down the days until Bulgaria's EU accession is a picture I have always in mind. And I felt a kind of, like the Germans are saying, "Vorfreude", pre-happiness to some extent. The hope and joy we all felt on that day must never fade away.

I even remember some of the words I used. That day I said, I am saying sometimes things like that: "history without truth is like a day without light".

And the truth is that Bulgaria had to come a long way to join our Union. It had to make changes in a handful of years that other countries made in decades. It had to be patient, it had to be determined, it had to be courageous – and it was.

Today it is with great pride but also with great expectation that I look forward to the next six Bulgarian months.

Monsieur le Président,

Mesdames, messieurs,

Je me félicite que la Présidence bulgare se soit particulièrement bien préparée pour ces six mois car ces six mois bulgares seront cruciaux pour l'Union et pour son avenir. J'ai pu constater la bonne préparation de la Présidence la semaine passée lorsque la Commission a visité Sofia.

Pour les Bulgares, pour nous, pour nous tous, il s'agira d'abord de finaliser les travaux sur les grands enjeux pour lesquels une action européenne efficace peut véritablement faire la différence – je pense notamment à la migration, à l'économie numérique et à la sécurité.

Le Premier ministre a fait de la recherche du consensus l'une de ses grandes priorités. C'est toujours, en Europe, un choix judicieux et qui s'impose aujourd'hui plus que jamais.

Depuis novembre 2014, depuis le début du mandat de la Commission, celle-ci a présenté 89 dossiers prioritaires aux co-législateurs dont 29 jusqu'à ce jour ont été adoptés. D'ici au mois de mai, toutes nos propositions auront été mises sur la table des co-législateurs afin de permettre au Parlement et au Conseil de terminer le travail législatif avant les prochaines élections européennes.

La grande priorité, voire l'urgence, des prochains mois sera donc de traduire ces propositions en actes législatifs et de mettre cette législation en œuvre. Car plus le Parlement et le Conseil parviendront à conclure rapidement le processus législatif, plus nos concitoyens ressentiront rapidement les effets positifs de nos politiques dans leur vie quotidienne.

Le temps presse et j'aimerais vraiment que ce travail aboutisse avant que les Européens n'auront leur prochain rendez-vous avec le suffrage universel.

Et puisque le "B" de Bulgarie veut aussi dire "бъдеще" (budeshte), ce qui signifie le "futur", il s'agira également de préparer l'avenir en définissant nos ambitions européennes pour les prochaines années ainsi que le budget qui sera nécessaire pour les réaliser.

Il faudra évidemment faire des choix, décider quels sont les domaines où nous devons dépenser plus et ceux où nous pourrions dépenser moins ou où nous pourrions dépenser différemment. C'est la raison pour laquelle je plaide pour un débat vertueux qui doit d'abord porter sur le fond des choses, sur les priorités, sur le contenu, et puis sur le financement indispensable et pas l'inverse. Ne commençons pas le débat budgétaire en fixant des plafonds, commençons le débat budgétaire en nous mettant d'accord sur les priorités et sur les contenus.

Herr Präsident,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Bulgarien hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass es zu europäischen Kompromissen beitragen kann und Brücken bauen kann – sowohl im Kreise der jetzigen Mitgliedstaaten, als auch hin zu unseren Nachbarn im Westbalkan. Dazu ist Bulgarien geradezu prädestiniert, da es die Region, die Kultur, die Menschen, ihre Eigenarten, ihre Sprachen kennt und selbst erfolgreich durch den schwierigen EU-Erweiterungsprozess gegangen ist.

Wann immer ich nach EU-Erweiterung gefragt werde, verweise ich daher auf Bulgarien, das Großes geleistet hat, unter anderem in Sachen wirtschaftlicher Entwicklung. Die bulgarische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,9% gewachsen, die Beschäftigung entwickelt sich positiv, Bulgarien hat seinen öffentlichen Schuldenstand und seinen Haushalt hervorragend im Griff, besser als viele Mitgliedstaaten der Eurozone. Das sind beste Voraussetzungen dafür, dass Bulgarien dem Europäischen Wechselkurs-Mechanismus II – dem sogenannten ERMII – und in einigen Jahren auch dem Euro beitreten kann. Nominale Konvergenz ist wichtig, aber reale Konvergenz ist es auch – hier bleibt noch einiges zu tun, auch was den Kampf gegen Korruption anbelangt und ich weiß, dass die bulgarische Regierung sehr intensiv in die Richtung arbeitet.

Bulgarien ist eine regelrechte Erfolgsgeschichte, die auch unsere Nachbarn im Westbalkan inspirieren kann und inspirieren wird. Deshalb war es richtig, dass der bulgarische Premierminister den Westbalkan und unsere Beziehungen zum Westbalkan zum Schwerpunkt seiner Präsidentschaft gemacht hat. Am 17. Mai findet ein Westbalkangipfel in Sofia statt; das ist die richtige Adresse, um über den Westbalkan und unsere Beziehungen zu den Staaten des Westbalkans zu reden.

In Bulgarien werde ich auch meine Reise durch die Balkanländer beenden, die ich Ende Februar, Anfang März vornehmen werde; weil ich möchte mich vor Ort erkundigen, wie die Erwartungshaltung der verschiedensten Länder ist, und ich möchte diesen Balkanstaaten auch sagen, was unsere Erwartungen an die Westbalkanländer sind. Ein Beitritt kommt nicht einfach so, er fällt nicht vom Himmel, er muss erarbeitet werden.

Und ich würde hier gerne freundlichst, möglichst freundlichst sagen, dass alle Grenzkonflikte, die es zwischen den Westbalkanländern gibt, vor dem Beitritt geklärt sein müssen. Nicht dass wir wie jetzt in Sachen Kroatien und Slowenien es erleben, dass nach dem Beitritt – Jahre nach dem Beitritt – erst über die anstehenden Probleme geredet wird. Die Probleme, die Grenzprobleme müssen geklärt sein bevor es weitere Beitritte geben wird.

Die Länder des Westbalkans verdienen es, dass man ihnen eine reale europäische Perspektive gibt. Diese Beitritte werden nicht während der Amtszeit dieses Parlamentes und dieser Kommission erfolgen können, weil nicht alle Bedingungen bis dahin erfüllt sein werden. Aber das Ziel muss klar benannt werden. Das Ziel ist Beitritt der Westbalkanländer und diese Beitritte können erfolgen, wenn die notwendigen Reformen in diesen Ländern vorgenommen sein werden. Dann wird der Beitritt sich Stück für Stück nähern. Dann wird der Beitritt Stück für Stück näher rücken.

Wir haben gemeinsame Projekte mit den Staaten in dieser Region – Sicherheitsfragen, Migration, Transport, Digitales, Energie und anderes. Die Rechtsstaatlichkeit gehört zu diesen Projekten, weil die Rechtsstaatlichkeit ist das Fundament auf dem unsere Union, die eine Rechtsgemeinschaft ist, beruht. Sie ist ein so grundlegender Wert, dass nur Staaten, die diese einhalten, beitreten können. Wenn dies vor dem Beitritt gilt, gilt es selbstverständlich – wenn man Mitglied geworden ist – auch nach dem Beitritt.

Wir befinden uns in einem konstruktiven Dialog mit der polnischen Regierung. Ich habe den neuen polnischen Premierminister in Brüssel empfangen, und beide haben wir uns Mühe gegeben, unsere Standpunkte sich annähern zu lassen. Wir befinden uns nicht im Krieg mit Polen. Wir haben eine Auseinandersetzung mit der polnischen Regierung. Und der Rückgriff auf Artikel 7 (1) des Vertrages ist kein Sanktions-Artikel. Es ist ein Feststellungs- und Warnungs-Artikel. Deshalb sollte man aufhören – auch in Polen – so zu tun, als ob wir wild entschlossen wären, was auch immer geschehen mag, Polen zu sanktionieren. Das ist nicht der Inhalt des Artikels 7 (1). Ich appelliere an den bulgarischen Premierminister, an Boyko Borissov, und an seine Regierung, sich konstruktiv, kompromissvorbereitend an diesem Unternehmen in Sachen Rechtsstaatlichkeit in Polen zu beteiligen. Dies gehört zu den Aufgaben eines Vorsitzes, Kompromisse zu suchen, aber auch gehört es zu den Aufgaben des Vorsitzes, beschlossene Entscheidungen des Ministerrates umzusetzen – jedenfalls zu helfen, damit diese umgesetzt werden können.

Ich möchte diese Rede nicht missbrauchen, um noch einmal einen langen Brexit-Exkurs zu machen. Aber ich konnte gestern nicht alle Fragen, die gestellt wurden, beantworten – vornehmlich die nicht, die unser Kollege, Herr Henkel, gestellt hat. Ich bin der Auffassung, dass es in Sachen Brexit keine Gewinner geben wird. Dies ist eine 'lose-lose-situation', sowohl für die Briten, als auch für die Mitglieder der Europäischen Union und für die Institutionen. Ich empfinde nach wie vor den Austritt Großbritanniens als eine Katastrophe, ja als eine Niederlage, die wir uns alle anheften müssen. Aber die Ursachen für die britische Entscheidung liegen tiefer. Wie Frau May selbst gesagt hat, haben die Briten sich nie wohl gefühlt in der Europäischen Union. Und man hat ihnen auch vierzig Jahre lang nicht Gelegenheit gegeben, sich wohler fühlen zu können, und deshalb trifft die Schuld viele.

Wir haben gestern, Herr Tusk und ich selbst, noch einmal die Hand ausgestreckt und der britischen Regierung bedeutet, dass falls das britische Volk, das britische Parlament, die britische Regierung, sich einen anderen Weg als den des Brexits wünschen würde, dass wir dann bereit sind, darüber zu reden. Wir werfen die Briten nicht raus – wir hätten gerne, dass die Briten bleiben. Und wenn sie das wollen, dann sollten sie das tun.

Aber ich habe gemerkt, dass man in London fast pikiert auf diesen Vorschlag reagiert hat. Sei es drum. Aber auch wenn die Briten einmal ausgetreten sind, nach Artikel 50, gibt es auch einen Artikel 49, der den Wiederbeitritt erlaubt. Und das hätte ich gerne. Und ich hätte gerne, dass wir jetzt vernünftig miteinander umgehen und nicht versuchen, den jeweils anderen ins Abseits zu stellen.

Herr Henkel hat gefragt, ob ich mir wirklich wünschte, in die Geschichte einzugehen als derjenige, der den Brexit zu verantworten hat. Das verlangt eine doppelte Antwort. Erstmal bin ich froh, dass Herr Henkel – und wir begleiten uns seit vielen Jahren – davon ausgeht, dass ich in die Geschichte eingehe. Das wusste ich bislang nicht. Und in Sachen Brexit habe ich gesagt, was zu sagen war.

Ich bin zuversichtlich, dass die bulgarische Präsidentschaft ihre Sache gut machen wird. Premierminister Borissov ist ein ausgewiesener europäischer Demokrat, mit einem festen Willen, und mit Überzeugungen und Überzeugungskraft. Aus Erfahrung wissen wir, dass es nicht auf die Größe des Landes ankommt, sondern auf die Willensstärke, die eine Regierung beseelt. Und in Sachen Borissov und in Sachen Bulgarien ist alles stimmig, damit dieser Vorsitz zu einem Erfolg werden kann.

Благодаря! For those who are less fluent in Bulgarian: that means "thank you". 

SPEECH/18/303


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