Chemin de navigation

Left navigation

Additional tools

Autres langues disponibles: FR EN PT RO

Europäische Kommission

Dacian Cioloş

EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Europas Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft

Begleitveranstaltung der GD AGRI und der GD DEVCO: Die Landwirtschaft auf dem Weg zu Nachhaltigkeit und Integration G20 /Rio de Janeiro

21 Juni 2012

Sehr geehrter Herr Minister VARGAS, sehr geehrte Frau Kommissarin TUMUSIIME, lieber Kommissar Piebalgs, sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte Ihnen allen für Ihre Teilnahme an unserer heutigen Diskussion zu einem Thema danken, das uns alle betrifft und das eng mit den politischen Prioritäten der Europäischen Union verbunden ist.

In meinem Vortrag möchte ich auf zwei Fragen näher eingehen, die ich für besonders wichtig erachte:

  • Wie sieht die Vision der Europäischen Union von der nachhaltigen Landwirtschaft aus?

  • Wie können wir durch nachhaltige Landwirtschaft einen größeren Beitrag zur Ernährungssicherheit und zur Armutsbekämpfung leisten?

Doch lassen Sie mich mit einer KERNFRAGE beginnen: Warum in aller Welt ist nachhaltige Landwirtschaft eigentlich so wichtig?

Warum ist nachhaltige Landwirtschaft so wichtig?

40 % der Landflächen auf unserer Erde werden von Land-wirten bewirtschaftet. Landwirtschaft und natürliche Ressourcen sind dabei untrennbar miteinander verbunden.

Für mehr als 25 % der Weltbevölkerung stellt die Landwirtschaft die Haupteinkommensquelle dar, und 65 % der Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern sind in der Landwirtschaft.

Etwa 500 Millionen Kleinbetriebe mit weniger als zwei Hektar Land sichern den Lebensunterhalt und die Nahrungsmittelver-sorgung von zwei Milliarden Menschen in Asien und Afrika. Stellen Sie sich einmal vor, wie sich selbst eine geringe Produktivitätssteigerung, multipliziert mit 500 Millionen, auf die weltweite Ernährungssicherheit auswirken würde!

Aufgrund des ständigen Anstiegs der Nahrungsmittelnachfrage bei bereits jetzt nahezu einer Milliarde unterernährter Menschen stehen die Landwirte vor einer schwierigen Aufgabe.

Bei knapper werdenden natürlichen Ressourcen kann die Landwirtschaft den Unterschied machen – im positiven wie im negativen Sinne. Als politische Entscheidungsträger haben wir die Aufgabe, Landwirten Lösungen und Unterstützung für nachhaltige Landwirtschaft anzubieten.

Ich glaube, dass nachhaltige Landwirtschaft Veränderungen zum Positiven bewirken kann.

Vision der EU von nachhaltiger Landwirtschaft

Nun komme ich zu der ersten Frage, auf die ich näher eingehen möchte: die europäische Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Aus Sicht der EU besteht Nachhaltigkeit in einem Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit, Umweltschutz und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Diese drei Aspekte sind eng miteinander verwoben.

Nachhaltige Landwirtschaft sollte folgende Ziele verfolgen:

  • Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Erhaltung der Regenerationsfähigkeit und des guten Zustands von Böden und Gewässern;

  • Erzeugung qualitativ hochwertiger, sicherer und gesunder Nahrungsmittel;

  • Schaffung ausreichender Einnahmen für landwirtschaftliche Betriebe zur Sicherung ihres Fortbestands;

  • Erbringung von Ökosystemleistungen (Erhaltung von Biodiversität, Genen und wertvollen Lebensräumen);

  • Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Gebieten;

  • Stärkung der Wirtschaft;

  • Beitrag zu einer ausgewogenen Raumentwicklung;

  • Sicherstellung des Tierschutzes.

Dies sind nur einige wenige grundlegende Aspekte nachhaltiger Landwirtschaft, für die wir in der Europäischen Union mit unserer Gemeinsamen Agrarpolitik, der GAP, eintreten.

Substanzielle Veränderungen der GAP

Seit den Anfängen vor 50 Jahren hat die Gemeinsame Agrar-politik substanzielle Veränderungen erfahren.

Wir stützen nun nicht mehr Erzeugnisse, sondern Erzeuger. Die sogenannten „entkoppelten“ Beihilfen tragen sowohl zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Landwirtschaft als auch zum Umweltschutz bei: Es besteht keinerlei Anreiz für Landwirte, über die Marktnachfrage hinaus zu produzieren. Durch die Entkopplung von 92 % der Zahlungen haben wir die Verknüp-fung von Beihilfen und Erzeugung durchbrochen.

Nach mehreren Reformen der Agrarpolitik ist die europäische Landwirtschaft heute marktorientiert.

Darüber hinaus achten wir auch mehr darauf, wie sich unsere Politik auf die Entwicklungsländer auswirkt. Die düsteren Zeiten, als Ausfuhrerstattungen nötig waren, um Überschüsse abzugelten, gehören der Vergangenheit an – 2011 beliefen sich die Ausfuhrerstattungen auf deutlich weniger als 0,5 % der GAP-Ausgaben (verglichen mit mehr als 11 % im Jahr 1999). Heute existieren sie nur noch als kleiner Teil unseres „Sicherheitsnetzes“ für Landwirte für den Fall einer ernsthaften Krise auf den betreffenden Märkten...

... Es wird Zeit, dass die Kritiker ihre Dateien aktualisieren. Und ihre Quellen...

Mehr noch, die EU führt die mit Abstand meisten Agrarnahrungsmittel aus Entwicklungsländern ein – mehr als Australien, Japan, Kanada, Neuseeland und die USA zusammen.

Förderung nachhaltiger Landwirtschaft durch die GAP

Um Unterstützung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik zu erhalten, müssen die Landwirte eine ganze Reihe verpflich¬tender Kriterien erfüllen. So müssen sie beispielsweise den guten landwirtschaftlichen Zustand des Bodens erhalten und Umwelt-schutzauflagen erfüllen. Wir schaffen Anreize für Landwirte, sich freiwilligen Initiativen zur Verbesserung der Boden- und Wasserqualität, zum Schutz wildlebender Tiere und zur Eindäm-mung des Klimawandels anzuschließen.

Die derzeitige EU-Agrarpolitik ist auf dem besten Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Aber dieses Ziel ist noch nicht erreicht.

Mit der im vergangenen Oktober vorgeschlagenen Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik wird auch noch der Rest des Weges zurückgelegt.

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, unter Beibe-haltung der bisherigen Errungenschaften 30 % der Direktzah-lungen an Landwirte an die Einhaltung bestimmter umwelt- und klimafreundlicher landwirtschaftlicher Praktiken zu knüpfen.

Diversifizierung der Kulturen, Erhaltung von Dauerweide¬flächen, Beibehaltung von im Umweltinteresse genutzten Flä¬chen, für die Bodenqualität günstige Praktiken, Rückhaltung von Wasser und organischen Stoffen, Bindung von Kohlenstoff, Be¬wahrung der Biodiversität und bessere Nutzung der vorhandenen Landschaftselemente.

Hauptziel der Verknüpfung dieser landwirtschaftlichen Prakti¬ken mit den Direktzahlungen sind umfassende, nicht nur örtlich begrenzte oder isolierte positive Auswirkungen. Und dies können wir nur erreichen, wenn wir jeden einzelnen Landwirt in der EU bei der Anwendung dieser Praktiken unterstützen.

Daneben bauen wir auch unsere landwirtschaftlichen Beratungs-dienste aus, um Landwirte bei der Bewältigung neuer Herausforderungen, wie der Anpassung an den Klimawandel, zu unterstützen.

Die Weichen für nachhaltiges Wachstum in der landwirt-schaftlichen Erzeugung können nur gestellt werden, wenn große Anstrengungen bei Forschung und Innovation unter-nommen werden; ein Ziel, dem sich die EU-Kommission ver-pflichtet fühlt. Es genügt nicht, in Forschung zu investieren, wenn die Ergebnisse nicht umgehend in landwirtschaftliche Praktiken umgesetzt werden. Hier liegt eine weitere Heraus-forderung für die GAP in den kommenden Jahren: Zugang zu Wissen für alle landwirtschaftlichen Betriebe, ob groß oder klein.

Die Kosten des Nichtstuns wären zu hoch.

In der EU gehen uns bereits täglich 275 Hektar Land durch Bodenversiegelung und den damit verbundenen Landverbrauch verloren. Dies bedeutet, dass die Landwirtschaft jedes Jahr 100 000 Hektar Nutzfläche einbüßt. Die biologische Vielfalt der Böden ist durch Bodenversauerung gefährdet, wodurch das Ökosystem des Bodens verändert wird und die Ernteerträge zurückgehen. Durch intensive Bewässerung wird – abgesehen von dem Problem der Wasserknappheit – die Versalzung der Böden beschleunigt und somit wiederum die Ertragsfähigkeit gesenkt.

Dies alles stellt eine ernsthafte Bedrohung der Ernährungssicherheit dar.

Die Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken durch alle Landwirte in der EU ist eine langfristige Investition in nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Diese Nachhaltigkeitsaspekte müssen in die Wettbewerbs-fähigkeit unserer Landwirtschaft eingebunden werden. Wir können nicht länger eine globale Wettbewerbsfähigkeit aufbauen, bei der Nachhaltigkeitsaspekte nicht in die Produktionskosten einfließen.

Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung

Lassen Sie mich nun zu meiner zweiten Frage kommen: Wie kann nachhaltige Landwirtschaft einen größeren Beitrag zur Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung leisten?

60 % der Bevölkerung in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Landwirtschaft.

Doch die Böden in Afrika sind durch Bodendegeneration schwer in Mitleidenschaft gezogen, so dass die Landwirtschaft nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse der Menschen in Afrika zu decken, von denen 30 % unterernährt sind.

Ich glaube, dass Ernährungssicherheit und Armutsbekämp¬fung in den Ländern, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben, zu einem Großteil davon abhängen, ob sie eine nach¬haltige Erzeugung aufbauen können. Ja, wir müssen neue Technologien einsetzen, doch neue Technologien entbinden uns nicht von unserer Verantwortung gegenüber den in der Land-wirtschaft tätigen Menschen. Durch die neuen Technologien muss der freie Zugang der heutigen sowie der künftigen Land-wirte zu gesunden und erneuerbaren natürlichen Ressourcen gewährleistet werden.

Weltweite Ernährungssicherheit wird vor allem durch steigen¬de Produktion und verbesserte Infrastruktur in Afrika und anderen Entwicklungsländern erreicht werden und nicht durch weitere Produktionssteigerungen dort, wo es bereits eine effi-ziente Landwirtschaft gibt.

Für die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in diesen Ländern gibt es jedoch keine schnellen Lösungen. Es bedarf langfristiger und durchdachter Aktionspläne und Verpflich-tungen, die von den nationalen Regierungen wie auch dem Privatsektor und internationalen Geldgebern kontinuierlich überwacht werden müssen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Maputo-Ziel von 2003, bei dem sich afrikanische Staats- und Regierungschefs verpflichtet haben, 10 % der Staatsausgaben in die Landwirtschaft zu investieren, um jährlich 6 % Wachstum in diesem Sektor zu erzielen. Doch es bedarf weiterer Anstrengungen, um diese Ziele zu erreichen.

Dies bedeutet, dass wir ganz neue agrarpolitische Maßnahmen benötigen, um die lokale Produktion und nachhaltige landwirt-schaftliche Praktiken zu stärken. Kommissar Piebalgs wird sicherlich noch näher darauf eingehen, denn dies ist der Grund-gedanke, von dem wir uns bei unseren Entwicklungsvorhaben leiten lassen.

Ich beziehe mich hier insbesondere auf die Afrikanische Union – wir müssen das Entstehen lokaler Landwirtschaft im Rahmen von Erzeugerorganisationen fördern und die Qualität sowie die Besonderheiten der Erzeugnisse aus Entwicklungsländern entsprechend wertschätzen.

Dies bedeutet mehr staatliche und private Investitionen, die besser auf die Bedürfnisse der ländlichen Gemeinschaften ausge-richtet sind, sowie besseren Zugang zu Krediten, Märkten, siche-ren Grundbesitzverhältnissen, Sozialleistungen, Aus- und Wei-terbildung für alle landwirtschaftlichen Erzeuger, insbesondere Kleinlandwirte und Frauen.

Es bedeutet auch die Weitergabe von Wissen und Innovation sowie bezahlbaren Technologien, auch für eine effiziente Be-wässerung, die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser sowie Wassersammlung und -speicherung.

Doch es gibt auch noch andere Faktoren: wir sollten dabei Lebensmittelabfälle nicht vergessen. Während diese in Europa überwiegend nach der Erzeugung entstehen – beim Einzel¬händler oder beim Verbraucher, was wir zu bekämpfen versu¬chen –, geschieht dies in den Entwicklungsländern bereits vor dem Verarbeitungsprozess auf den Feldern, auf den Straßen und in den Häfen.

Die EU arbeitet eng mit ihren Partnern zusammen, um sie in ihren diesbezüglichen Anstrengungen zu unterstützen.

Nachhaltige Landwirtschaft ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie betrifft uns alle, egal ob wir in Europa oder anderswo auf der Erde leben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Side Bar

Mon compte

Gérez vos recherches et notifications par email


Aidez-nous à améliorer ce site