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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten: Preisobergrenzen für Anrufe und SMS ins EU-Ausland

Brüssel, 13. Mai 2019

Inwieweit werden Anrufe und SMS von einem EU-Land in ein anderes dank der neuen EU-Telekommunikationsvorschriften weniger kosten?

Ab dem 15. Mai 2019 werden Anrufe über Festnetz und Mobilfunk sowie SMS von einem EU-Land in ein anderes mit einer Obergrenze von 19 Cent pro Gesprächsminute (zzgl. MwSt.) und 6 Cent pro SMS (zzgl. MwSt.) gedeckelt. Dieser Preis enthält keine Mehrwertsteuer, die je nach Mitgliedstaat des Betreibers des Anrufers unterschiedlich hoch sein kann – die Mehrwertsteuersätze der EU-Mitgliedstaaten liegen zwischen 17 % und 27 %. (Vgl. Mehrwertsteuersätze der einzelnen EU-Länder.)

Beispiel: Maria lebt in Italien und ihre Tochter arbeitet in Belgien. Gewöhnlich telefoniert sie zwei Stunden im Monat mit ihrer Tochter. Ein Anruf vom Festnetz zu italienischen Tarifen würde 0,89 €/Minute kosten, sodass Maria jeden Monat rund 105 € für Gespräche mit ihrer Tochter ausgeben würde. Nach den neuen Vorschriften würde sie höchstens 0,23 €/Minute (einschl. MwSt.) zahlen, also höchstens 27 € für dieselbe Gesprächsdauer. Dies entspricht einem Viertel des vorherigen Preises und somit einer Gesamteinsparung von 78 € pro Monat.

 

Was ist der Unterschied zwischen Auslandsgesprächen und Roaming?

Von Roaming wird gesprochen, wenn Sie auf Reisen in einem anderen Land Ihr Mobiltelefon benutzen. Seit dem 15. Juni 2017 können EU-Bürgerinnen und -Bürger auf Reisen innerhalb der EU zu Inlandspreisen telefonieren. Die Menschen können ihre Mobiltelefone im EU-Ausland ohne zusätzliche Kosten nutzen. Dieses Roaming zu Inlandspreisen („Roam like at Home“) gilt für Anrufe, SMS und Datennutzung: Die geltenden Tarife entsprechen den Heimattarifen des Nutzers. Über eine angemessene Nutzung der Roamingdienste zu Inlandspreisen hinaus können Roamingaufschläge angewandt werden, damit die Roamingdienste nicht missbräuchlich genutzt werden. Weitere Informationen zu den genauen Bedingungen finden Sie hier.

Anrufe und SMS ins EU-Ausland (also Kommunikation innerhalb der EU) gehen von einem Mobilfunk- oder Festnetztelefon im Heimatland des Nutzers an eine Telefonnummer in einem anderen EU-Land. Beachten Sie, dass es sich bei Anrufen, die Sie vom Ausland aus tätigen, um Roaminganrufe handelt, für die die EU-Roamingvorschriften gelten. D. h., es fällt dasselbe Entgelt wie für ein Inlandsgespräch an, auch wenn Sie eine Telefonnummer eines anderen Mitgliedstaats anrufen.

Beispiel: Marcin lebt in Polen und hat ein Mobiltelefon mit einer SIM-Karte von einem polnischen Betreiber. Wenn er nach Belgien reist, nutzt er Roamingdienste: Dank des Roamings zu Inlandspreisen entspricht der Tarif für alle seine Anrufe nach Polen oder in einen anderen Mitgliedstaat dem Tarif für Inlandsanrufe bei einer polnischer Nummer. Wenn Marcin jetzt von seinem Heimatland aus eine Telefonnummer eines anderen EU-Landes anruft, muss er höchstens 19 Cent pro Gesprächsminute zahlen (zzgl. MwSt.).

 

In welchen Ländern gelten die neuen Vorschriften?

In allen 28 EU-Ländern, also in Belgien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, Finnland, Schweden und dem Vereinigten Königreich.

Für Anrufe und SMS mit Ursprung in Norwegen, Island und Liechtenstein gelten die Vorschriften, sobald sie in das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum aufgenommen wurden.

 

Gelten die Vorschriften für alle?

Die Preisobergrenze ist auf den privaten Gebrauch, d. h. auf Privatkunden, begrenzt. Geschäftskunden sind von dieser Preisregelung ausgenommen, da mehrere Anbieter spezielle Tarife anbieten, die für Geschäftskunden besonders attraktiv sind.

 

Gibt es Beschränkungen in Bezug auf die Gesprächsminuten oder die Zahl der SMS zu günstigen Preisen?

Nein, es gibt keine Beschränkungen.

Beispiel: Maria wird von Italien aus ihre Tochter in Belgien anrufen können, so oft sie möchte, und dabei nur den Höchstbetrag von 19 Cent pro Gesprächsminute (zzgl. MwSt.) zahlen.

 

Werden die EU-Bürgerinnen und -Bürger am 15. Mai über die neuen Preise informiert? Und wenn ja, wie?

Ja. Betreiber, die ihre Dienste in der EU anbieten, sind verpflichtet, ihre Kunden über die neuen Tarife zu informieren. Es bleibt den Betreibern überlassen, wie sie ihre Kunden kontaktieren (z. B. per SMS oder E-Mail).

 

Sind die Preisobergrenzen automatisch anwendbar oder müssen die Bürgerinnen und Bürger etwas tun, um von den günstigeren Preisen zu profitieren?

Die Betreiber müssen standardmäßig Preisobergrenzen für internationale Anrufe und SMS setzen. Daher sollten die Verbraucher automatisch in den Genuss des neuen Tarifs kommen, sobald die Vorschriften in Kraft treten, ohne ihrerseits weitere Maßnahmen zu ergreifen.

 

Was geschieht im Falle von gebündelten Diensten? Wie werden sich die neuen Preisobergrenzen auf diese Angebote auswirken?

Bei Paketen mit einem festgelegten Volumen von Anrufen und/oder SMS ins EU-Ausland zu einem Festpreis, ist die Preisobergrenze nicht anwendbar.

Wenn die Verbraucher jedoch der Ansicht sind, dass ihr Paket nach Inkrafttreten dieser Preisobergrenze nicht mehr das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, können sie jederzeit zu einem Tarif, der sich nach Gesprächsminuten und einzelnen SMS innerhalb der EU berechnet, wechseln.

Beispiel: Mario hat einen Handyvertrag für 30 €, der 50 Minuten für Anrufe ins EU-Ausland sowie unbegrenzte Inlandsgespräche und Datennutzung im Inland umfasst. In manchen Monaten verbraucht er nicht die gesamten 50 Minuten, aber insgesamt hat er ausgerechnet, dass der Vertrag für ihn vorteilhafter ist, da er andere Dienste einschließt, die er viel nutzt. Aus diesem Grund kann er denselben Tarif wie bisher beibehalten. In diesem Fall gilt keine Preisobergrenze.

 

Gibt es Ausnahmen von diesen Obergrenzen?

In außergewöhnlichen Fällen können die nationalen Regulierungsbehörden für elektronische Kommunikation einem Betreiber eine Ausnahme von der Preisregelung gewähren. Die abweichende Regelung ist eine Ausnahme und betrifft Betreiber, die sich auf Auslandsgespräche spezialisiert haben oder eine sehr geringe Gewinnspanne bei den Inlandspreisen erzielen.

Die für die Telekommunikation zuständige nationale Regulierungsbehörde sollte über eine Liste der Anbieter verfügen, denen die Ausnahme gewährt werden kann.

 

Welche Vorteile bringt die Reform des EU-Telekommunikationsrechts den Europäerinnen und Europäern?

Die Preisobergrenzen für Anrufe und SMS innerhalb der EU sind Teil der Überarbeitung des EU-weiten Telekommunikationsrechts. Diese soll die Koordinierung der elektronischen Kommunikation und die Rolle des Gremiums Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) stärken.

Die neuen Telekommunikationsvorschriften werden

– den Aufbau von 5G-Netzen vorantreiben, denn sie werden dafür sorgen, dass in der EU bis Ende 2020 5G-Frequenzen zur Verfügung stehen und dass die Netzbetreiber für mindestens 20 Jahre Planungssicherheit in Bezug auf Frequenzlizenzen bekommen, was eine bessere Koordinierung der geplanten Frequenzzuteilungen voraussetzt;

– den Aufbau neuer Festnetze mit sehr hoher Kapazität fördern und zwar

  • mit klaren Vorschriften für gemeinsame Investitionen und zur Erleichterung der Risikoteilung;
  • indem ein tragfähiger Wettbewerb, z. B. bei den Anschlüssen, Leitungen und Verkabelungen innerhalb von Gebäuden, gefördert wird;
  • indem besondere Regelungen für ausschließlich auf der Vorleistungsebene tätige Betreiber (Betreiber, die ihre Dienste nur auf dem Vorleistungsmarkt anbieten und keine Endkundenangebote haben) geschaffen werden;

– dem Schutz und dem Vorteil der Verbraucher dienen‚ egal, ob die Endnutzer über herkömmliche Dienste (Anrufe, SMS) oder internetgestützte Dienste (Skype, WhatsApp usw.) kommunizieren, indem sie sicherstellen, dass

  • allen Bürgerinnen und Bürgern erschwingliche Kommunikationsdienste zur Verfügung stehen, wozu auch ein allgemein zugänglicher Internetzugang gehört, damit z. B. elektronische Behördendienste, Online-Banking oder Videoanrufe genutzt werden können;
  • Auslandsgespräche innerhalb der EU nicht mehr als 19 Cent/Minute kosten, ohne dass durch die neuen Vorschriften der Wettbewerb verzerrt wird oder Innovationen und Investitionen beeinträchtigt werden;
  • Endnutzern mit Behinderungen ein gleichwertiger Zugang zu den Kommunikationsmitteln ermöglicht wird;
  • die Tariftransparenz verbessert und der Vergleich der Vertragsangebote erleichtert wird;
  • die Sicherheit in Bezug auf Hacking-Angriffe, Schadprogramme usw. erhöht wird;
  • Verbraucher bei gebündelten Dienstleistungspaketen besser geschützt werden;
  • es einfacher wird, den Diensteanbieter zu wechseln und die Telefonnummer mitzunehmen, was auch Ausgleichszahlungen umfasst, falls das Verfahren schief geht oder zu lange dauert;
  • die Bürgerinnen und Bürger in Notsituationen besser geschützt werden, indem z. B. in Notfällen genauere Angaben zum Anruferstandort abgefragt werden können, Notrufe auch Textnachrichten und Videoanrufe umfassen können und ein System zur Übertragung öffentlicher Warnhinweise auf Mobiltelefone eingeführt wird. 

Weitere Informationen

Pressemitteilung

GEREK-Verordnung

MEMO/19/2430

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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