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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten: Koordinierter Plan für künstliche Intelligenz „Made in Europe“

Brüssel, 7. Dezember 2018

In dem heute vorgelegten koordinierten Plan für künstliche Intelligenz (KI) haben die Mitgliedstaaten und die Kommission eine Reihe gemeinsamer Maßnahmen festgelegt, um die Investitionen zu steigern, mehr Daten verfügbar zu machen, Talente zu fördern und das Vertrauen in KI zu schaffen.

Warum ist KI wichtig für Europa? Warum sollten die Mitgliedstaaten und die Kommission gemeinsam handeln?

Wie der elektrische Strom in der Vergangenheit verändert die KI unsere Welt grundlegend. KI ist stets verfügbar – ob wir Texte online übersetzen lassen oder mit einer mobilen App den besten Weg zu unserem nächsten Reiseziel suchen. Zu Hause kann ein intelligentes Thermostat, das die Gewohnheiten der Bewohner analysiert und die Temperatur entsprechend anpasst, die Energiekosten um bis zu 25 % senken. Im Gesundheitswesen können Algorithmen Dermatologen dabei helfen, bessere Diagnosen zu stellen, und erkennen beispielsweise 95 % der Hautkrebserkrankungen, nachdem sie aus großen Beständen medizinischer Bilder gelernt haben. Die KI kann riesige Datenmengen sinnvoll auswerten, um effiziente Lösungen anzubieten, und so Produkte, Verfahren und Geschäftsmodelle in allen Wirtschaftszweigen zu verbessern. Sie kann Unternehmen dabei helfen, rechtzeitig zu erkennen, welche Maschinen gewartet werden müssen, bevor sie ausfallen. Die KI verändert auch die öffentlichen Dienste.

Die mit der KI einhergehenden Veränderungen rufen aber auch Bedenken hervor. Arbeiter befürchten, dass sie aufgrund der Automatisierung ihren Arbeitsplatz verlieren werden; Verbraucher fragen sich, wer verantwortlich ist, wenn ein KI-System eine falsche Entscheidung trifft; kleine Unternehmen wissen nicht, wie sie die KI in ihrem Geschäftsbetrieb einsetzen können; KI-Start-ups finden in Europa nicht die Ressourcen und Talente, die sie brauchen, und der internationale Wettbewerb ist angesichts gewaltiger Investitionen in den USA und China härter als je zuvor.

Die Bewältigung dieser Herausforderungen und die optimale Nutzung der Möglichkeiten der KI erfordern ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Länder und der Kommission.

Wie fügt sich dieser koordinierte Plan in die von den europäischen Ländern bereits eingeleiteten Strategien ein?

Der koordinierte Plan soll dafür sorgen, dass sich die auf nationaler Ebene und auf EU-Ebene getroffenen Maßnahmen gegenseitig ergänzen und dass Synergien entstehen, damit die größtmögliche Wirkung erzielt wird und ganz Europa in den Genuss der Vorteile der KI kommt. Außerdem bildet er einen strategischen Rahmen für nationale KI-Strategien. Die EU-Länder sind aufgerufen, ausgehend von den auf europäischer Ebene durchgeführten Arbeiten bis Mitte 2019 ihre eigenen nationalen KI-Strategien aufzustellen. In diesen nationalen Strategien sollten sie einen Überblick über die Höhe der Investitionen und über die Umsetzungsmaßnahmen geben. Bis heute haben bereits fünf Mitgliedstaaten eine nationale KI-Strategie mit eigener Mittelausstattung beschlossen, und zwar Frankreich, Finnland, Schweden, das Vereinigte Königreich und Deutschland. Einige Länder wie Dänemark, Irland, Luxemburg, die Niederlande und Norwegen nehmen KI-bezogene Maßnahmen in ihre umfassendere Digitalisierungspolitik auf. Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Italien, Lettland, Österreich, Polen, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und die Tschechische Republik sind gerade dabei, ihre nationalen Strategien auszuarbeiten.

Ist dieser Plan bindend? Sollen dazu neue Gesetze erlassen werden?

Nein. Die weitere Entwicklung der KI erfordert einen Rechtsrahmen, der ausreichend flexibel ist, um Innovation zu fördern, und gleichzeitig ein hohes Maß an Schutz und Sicherheit gewährleistet. Die Kommission prüft derzeit, ob die auf nationaler und EU-Ebene bestehenden Sicherheits- und Haftungsrahmen angesichts dieser neuen Herausforderungen ihren Zweck erfüllen oder ob es etwaige Lücken zu schließen gilt. Daraus wird ein Bericht, der Mitte 2019 vorliegen soll, sowie eine Leitlinie zur Auslegung der Produkthaftungsrichtlinie hervorgehen, um Verbrauchern und Herstellern Klarheit über ihre Rechte und Pflichten bei Produktmängeln zu verschaffen.

Warum beteiligen sich Norwegen und die Schweiz an dem koordinierten Plan?

Die EU unterhält seit Langem im Rahmen von Forschungsprogrammen enge Beziehungen zu EFTA-Mitgliedstaaten wie Norwegen und der Schweiz. In beiden Ländern wird der Entwicklung und Nutzung der KI Priorität eingeräumt, und sie haben ein großes Interesse an der Teilnahme an dem koordinierten Plan gezeigt. Norwegen hat die Kooperationserklärung bereits unterzeichnet, während sich die Schweiz noch im Unterzeichnungsprozess befindet. Beide sind Mitglieder der Gruppe für die Digitalisierung der europäischen Industrie.

Was ist „KI made in Europe“?

Europa verfolgt bei der KI ein einzigartiges Konzept. Die Maßnahmen sind auf die Entwicklung wettbewerbsfähiger Technik ausgerichtet, die die Möglichkeiten der KI bestmöglich nutzt; diese Technik sollte aber auch ethisch und sicher sein. Darum hat die Kommission ein Konzept vorgeschlagen, das den Menschen in den Mittelpunkt der KI-Entwicklung stellt („menschzentrierte“ KI) und den Einsatz dieser leistungsfähigen Technik zur Bewältigung der größten Herausforderungen der Welt wie Bekämpfung des Klimawandels, Verkehrssicherheit und größere Cybersicherheit fördert. Gleichzeitig baut die dermaßen gestaltete Entwicklung der KI auf den wissenschaftlichen und industriellen Stärken Europas auf.

Sind neue öffentlich-private Partnerschaften geplant?

Ja, die Kommission wird Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenbringen, um eine gemeinsame strategische Forschungsagenda im Bereich der KI auszuarbeiten, die Prioritäten entsprechend dem Marktbedarf enthält und den grenzübergreifenden Austausch zwischen den Sektoren fördert. Dadurch wird der Weg für eine neue Forschungs- und Innovationspartnerschaft im Bereich der KI geebnet und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie in Europa intensiviert. Im Rahmen dieser vertraglichen Partnerschaft wird erwartet, dass sich der Privatsektor zu konkreten hohen KI-Investitionen verpflichtet. Diese Partnerschaft wird auf bestehenden Partnerschaften in Bereichen wie Robotik und Big Data aufbauen‚ deren Investitionsvolumen von 4,4 Mrd. EUR zum Großteil (3,2 Mrd. EUR) von der Wirtschaft aufgebracht wird. Diese neue Partnerschaft wird zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette beitragen.

Wie wird „KI made in Europe“ ethisch einwandfrei gestaltet werden?

Die Kommission hat eine hochrangige Expertengruppe für künstliche Intelligenz damit beauftragt, Ethik-Leitlinien für die KI auszuarbeiten, wie in der Strategie vom April angekündigt. Ein erster Entwurf dieser Leitlinien soll bis zum Ende des Jahres zur umfassenden Konsultation im Rahmen der Europäischen KI-Allianz vorliegen. Eine endgültige Fassung wird für März 2019 erwartet. Eines der Grundprinzipien betrifft die Entwicklung der sogenannten „integrierten Ethik“, wonach die Integration ethischer Grundsätze in KI-Produkten und ‑Dienstleistungen im Entwurfsprozess von Beginn an berücksichtigt wird. Die Kommission wird mit allen Interessenträgern auf die konkrete Umsetzung der Leitlinien und ihrer Grundsätze hinarbeiten. Darüber hinaus werden die Leitlinien in den Grundsätzen der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankert. Das ehrgeizige Ziel ist dann, Europas Ethik-Ansatz auch weltweit zu etablieren. Die Kommission ist offen für die Zusammenarbeit mit allen Drittländern, die bereit sind, denselben Werten Geltung zu verschaffen.

Wie wird der gemeinsame europäische Datenraum geschaffen?

Für die KI müssen große Datenmengen zusammengetragen und aufbereitet werden. Als „maschinelles Lernen“ wird eine Art von KI bezeichnet, die in bestehenden Daten Muster erkennt und diese Erkenntnisse anschließend auf neue Daten anwendet. Je größer ein Datensatz ist, desto besser kann die KI lernen und zuvor verborgene Zusammenhänge in den Daten entdecken.

Sobald die neue Verordnung über den freien Verkehr nicht personenbezogener Daten im Laufe des Jahres 2019 anwendbar wird, wird sie helfen, weitere Datenbestände, insbesondere maschinell erzeugte Daten, zu erschließen, und sie wird die grenzüberschreitende Geschäftstätigkeit der Unternehmen in der EU erheblich erleichtern. Die Einigung über die Überarbeitung der Richtlinie über Informationen des öffentlichen Sektors wird ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Daten für Innovationen zur Verfügung stehen.

Die Schaffung gemeinsamer europäischer Datenräume auf einer Reihe von Gebieten wie Fertigung und Energie wird für europäische Innovatoren und Unternehmen von enormem Vorteil sein. In diesen gemeinsamen europäischen Datenräumen werden Daten aus ganz Europa sowohl für die Bedürfnisse des öffentlichen Sektors als auch des Geschäftsverkehrs zwischen Unternehmen (B2B) zusammengeführt und der KI zur Verfügung gestellt, damit diese in einer für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen erforderlichen Größenordnung trainiert werden kann. Dabei kommt es entscheidend darauf an, dass europäische Vorschriften wie Interoperabilitätsanforderungen und Normen rasch ausgearbeitet und verabschiedet werden. Die EU muss den nahtlosen Zugang zu solchen Datensätzen sicherstellen und ihren Austausch und ihre Weiterverwendung ermöglichen. Die Ausweisung hochwertiger Datensätze seitens der Mitgliedstaaten wird dazu beitragen, deren freie Weiterverwendbarkeit zu verbessern. Auch die Kommission wird sich hieran mit großen Mengen an Erdbeobachtungsdaten und Informationen aus ihrem Leitprogramm Copernicus beteiligen.

Im Gesundheitswesen gelten KI-Anwendungen als besonders vielversprechend. Im Jahr 2020 wird die Kommission über das Programm „Horizont 2020“ – in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten – den Aufbau einer gemeinsamen medizinischen Bilddatenbank unterstützen (anonymisiert und mit Zustimmung der Patienten, die ihre Daten freiwillig überlassen). Bei dieser Bilddatenbank wird der Schwerpunkt zunächst auf den häufigsten Krebsarten liegen, um mithilfe der KI die Diagnose und Behandlung zu verbessern.

Wie sieht es mit der KI im öffentlichen Sektor aus?

Für die künftigen Aufgaben der öffentlichen Verwaltungen sind KI-Instrumente von größter Bedeutung. KI kann die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen verbessern, indem sie ermöglicht, dass die Bürger die Dienste öffentlicher Verwaltungen leichter und schneller in Anspruch nehmen können. Die Mitgliedstaaten und die Kommission werden voneinander lernen und Bereiche, die für eine gemeinsame Beschaffung von KI-Lösungen, auch für die Cybersicherheit, infrage kommen, sowie besondere Herausforderungen im öffentlichen Sektor erörtern.

Wie wird das Eigenkapitalinstrument für KI aussehen und wie wird es funktionieren?

Start-ups in ihrer Frühphase und Unternehmen in der Expansionsphase benötigen frühzeitig während ihres Wachstums ausreichende finanzielle Mittel. Zu ihrer Unterstützung beabsichtigt die Kommission ein Eigenkapitalinstrument für KI und Blockchain bereitzustellen. Im Jahr 2020 werden 45 Mio. EUR aus dem Programm „Horizont 2020“ zur Verfügung gestellt, um dank der Hebelwirkung des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) und des Europäischen Investitionsfonds (EIF) insgesamt 100 Mio. EUR für Investitionen in ganz Europa zu erreichen.

Das Instrument könnte sich auf die Finanzierung einer Reihe innovativer KI-/Blockchain-Unternehmen, den Aufbau einer dynamischen, EU-weiten Investorengemeinschaft mit Schwerpunkt auf KI, die Vervielfachung der Investitionsmittel auf nationaler Ebene durch die Einbeziehung der nationalen Förderbanken (NFB), die sich beteiligen wollen, die Schaffung von Investitionsanreizen für den Privatsektor und die Erhöhung der Attraktivität Europas, damit Start-ups hier entstehen und wachsen, konzentrieren.

Warum wird ein erweitertes Pilotprojekt des Europäischen Innovationsrats auf den Weg gebracht?

Als eine der wichtigsten Neuerungen des neuen EU-Programms für Forschung und Innovation „Horizont Europa“ (2021–2027) hat die Kommission vorgeschlagen, den Europäischen Innovationsrat einzurichten. Der Europäische Investitionsrat wird eine zentrale Anlaufstelle sein, die vielversprechende Ideen vom Labor bis zur konkreten Anwendung führen und die innovativsten Start-ups und Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Ideen unterstützen wird.

Das Konzept des Europäischen Innovationsrates wird bereits in den letzten drei Jahren des laufenden Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ als Pilotprogramm erprobt. Es bietet für den Zeitraum 2018–2020 Finanzmittel in Höhe von 2,7 Mrd. EUR, Möglichkeiten für Vernetzung, Mentoring und Coaching sowie strategische Beratung zur Verbesserung des Innovationsökosystems in Europa. Dieses Programm wird vermutlich für Entwicklungen auf dem Gebiet der KI besonders nützlich sein, da KI-Technologien für zahlreiche Projekte relevant sein dürften, beispielsweise für Anwendungen in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Fertigung.

Im Nachgang zu den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 28. Juni 2018 arbeitet die Kommission an der Einführung eines erweiterten Pilotprojekts des Europäischen Innovationsrates im Jahr 2019. Dieses erweiterte Pilotprojekt wird auf der im Rahmen von „Horizont Europa“ vorgeschlagenen Struktur des Europäischen Innovationsrates aufbauen, um bahnbrechende marktschaffende Innovationen zu beschleunigen. Insbesondere wird das neue Pilotprojekt lohnende Spitzenforschungs- und Innovationsprojekte fördern, die der Demonstration neuer technologischer Paradigmen in Bereichen wie der menschzentrierten KI dienen.

Was ist geplant, um die digitalen Kompetenzen zu verbessern und die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt zu analysieren?

Die Anpassung von Lern- und Qualifizierungsprogrammen zur Vorbereitung künftiger Generationen von Europäern auf die KI ist von entscheidender Bedeutung. Die Kommission wird Stipendien finanzieren, damit Studierende an einem speziellen Masterstudiengang und Programmen der Erwachsenenbildung im Bereich der KI teilnehmen können, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Hochschulbildung und Berufserfahrung liegt. Darüber hinaus hat die Kommission die Expertengruppe für die Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit eingesetzt, die sich ab Frühjahr 2019 mit Strategien für den Umgang mit Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt befassen wird. Für die Zeit nach 2020 hat die Kommission vorgeschlagen, im Rahmen des Programms „Digitales Europa“ insgesamt 700 Mio. EUR für die Förderung fortgeschrittener Kompetenzen (darunter KI, Hochleistungsrechnen und Cybersicherheit) bereitzustellen.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten zum koordinierten Plan

Factsheet zur künstlichen Intelligenz

 

Nützliche Links

Coordinated plan on Artificial Intelligence (AI) Communication

Mitteilung „Künstliche Intelligenz für Europa“ vom April

Pressemitteilung vom April

Fragen und Antworten – Ein europäisches Konzept für künstliche Intelligenz

Kooperationserklärung zur künstlichen Intelligenz

Plattform AI Watch Knowledge4Political

MEMO/18/6690

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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