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Europäische Kommission - Factsheet

Häufig gestellte Fragen: Hin zu einer stärkeren internationalen Rolle des Euro

Brüssel, 5. Dezember 2018

Wozu dient diese Mitteilung? Warum ist sie erforderlich?

Im Zuge der Wirtschafts- Finanzkrise hat Europa entschlossen gehandelt, um den Euro immer stärker zur Basis wirtschaftlicher Widerstandskraft und Handlungsfähigkeit zu machen. Die internationale Bedeutung des Euro zu stärken, ist sowohl die logische Fortsetzung als auch ein neuer Schritt im Rahmen dieser in den vergangenen vier Jahren entwickelten Agenda. Unterstützt durch die weitere Stärkung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und insbesondere die Entwicklung der Kapitalmarktunion hat der Euro Spielraum, weltweit noch mehr an Bedeutung zu gewinnen und sein volles Potenzial zu verwirklichen – und so das politische, wirtschaftliche und finanzielle Gewicht der Eurozone zu spiegeln.

Ein global bedeutenderer Euro würde dazu beitragen, das internationale Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen, den Marktteilnehmern rund um die Welt mehr Auswahl zu bieten und die Anfälligkeit der Weltwirtschaft für Schocks, die mit der starken Abhängigkeit vieler Sektoren von einer einzigen Währung zusammenhängen, zu verringern.

Gleichzeitig brächte er hierzulande ganz konkrete Vorteile: Die Europäische Union könnte ihren Bürgern und Unternehmen mehr Schutz bieten, ihre Werte verteidigen und ihre Interessen voranbringen, indem sie die weltpolitischen Geschicke auf Basis eines regelbasierten Multilateralismus mitgestaltet. Insbesondere sollte der Euro weiterhin die verantwortungsvolle Handelsagenda Europas unterstützen und erweitern und es europäischen Unternehmen ermöglichen, weltweit ungestört Handel zu treiben und gleichzeitig hierzulande das europäische soziale und ordnungspolitische Modell zu bewahren.

Was kann die Kommission denn tun, um die internationale Rolle des Euro zu stärken?

Die Entscheidung, eine bestimmte Währung zu verwenden, treffen in letzter Instanz die Marktteilnehmer – und es gibt gute Gründe, warum Wirtschaftsakteure den Wunsch hegen können, Investitions- und Sicherungsgeschäfte in unterschiedlichen Währungen zu tätigen. Ziel ist es nicht, in die unternehmerische Freiheit einzugreifen oder die Auswahl zu beschränken. Vielmehr sollen die Marktteilnehmer mehr Auswahl erhalten, indem gewährleistet wird, dass der Euro in jeder Hinsicht eine starke und verlässliche Alternative ist.

Aktuelle internationale Tendenzen, das Erstarken neuer Wirtschaftsmächte und die Entwicklung neuer Technologien fördern eine potenzielle Verschiebung hin zu einem diversifizierteren und multipolaren System mit mehreren globalen Währungen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dies zu befördern.

Veränderungen im Weltwährungssystem brauchen jedoch ihre Zeit und lassen sich nicht durch eine einzelne Maßnahme forcieren. Um die Bedingungen für eine breitere Nutzung und eine stärkere Rolle des Euro zu schaffen, gilt es an mehreren Fronten gleichzeitig zu handeln: Es gilt, die Arbeiten an der Vollendung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, der Bankenunion und der Kapitalmarktunion fortzusetzen, die Finanzmarktinfrastruktur zu verbessern, sowie Wirtschaftsdiplomatie zu betreiben und Überzeugungsarbeit zu leisten, um die breitere Verwendung des Euro in strategischen Schlüsselbereichen zu fördern.

Welche wichtigen Initiativen enthält das heutige Paket?

Mehrere Initiativen können die Glaubwürdigkeit und Attraktivität des Euro steigern:

  • die Vollendung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, der Bankenunion und der Kapitalmarktunion;
  • zusätzliche Maßnahmen für einen tiefen europäischen Finanzsektor;
  • auf den internationalen Finanzsektor abstellende Initiativen;
  • die Förderung einer breiteren Nutzung des Euro in strategischen Schlüsselsektoren. Mit dieser Zielsetzung hat die Kommission auch eine Empfehlung zur internationalen Rolle des Euro im Energiebereich angenommen, die einer breiteren Nutzung des Euro in diesem strategischen Sektor Vorschub leisten soll.

 

Abbildung 1

Bis wann ist hier mit weiteren Schritten und Maßnahmen der Kommission zu rechnen?

Im Anschluss an diese Mitteilung sind gezielte Konsultationen der Interessenträger geplant, um in Erfahrung zu bringen, wo noch passgenauere Initiativen ergriffen werden könnten. Im Sommer 2019 wird die Kommission eine Auswertung der verschiedenen Konsultationsergebnisse veröffentlichen und mögliche Folgemaßnahmen prüfen.

Empfehlung zum Energiebereich

Warum legt die Kommission eine Empfehlung zur internationalen Rolle des Euro im Energiebereich vor? Wie wird diese Empfehlung die Verbreitung von Euroverträgen an den internationalen Energiemärkten fördern?

Die EU ist der größte Energieimporteur der Welt. Ihre jährlichen Energieimporte im Wert von durchschnittlich 300 Mrd. EUR in den letzten fünf Jahren wurden zu rund 85 % in US-Dollar bezahlt. Diese Exponierung gegenüber dem Dollar – die bei vielen weltweit gehandelten Rohstoffen Gang und Gäbe ist – bringt Unsicherheiten, Risiken und Kosten mit sich, die durch eine breitere Nutzung von Euroverträgen gemindert werden könnten.

Der Euro ist eine stabile, verlässliche, weltweit anerkannte und im internationalen Zahlungsverkehr weithin akzeptierte Währung. Eine stärkere Rolle des Euro im Bereich des Energiehandels und der Energieinvestitionen unter Wahrung der Gesamtwirtschaftlichkeit wird die internationale Position des Euro weiter stärken und zum Ziel der EU beitragen, eine Energieunion aufzubauen, die eine dauerhaft sichere, tragfähige und für alle zugängliche Energieversorgung Europas gewährleistet.

Warum sollten private Energieunternehmen vom US-Dollar zum Euro wechseln? Hätten sie das nicht längst schon getan, wenn es billiger oder besser wäre?

Die historische Dominanz des US-Dollar im Energiehandel bedeutet, dass die jüngsten einseitigen Maßnahmen von Drittländern, die mit einer abnehmenden Unterstützung für eine regelbasierte internationale Wirtschafts- und Handelsordnung zusammenkommen, den Energiehandel behindern oder zumindest erschweren können.

Ein Bedeutungszuwachs des Euro wird daher die energiepolitischen Ziele der EU unterstützen, da er die Transaktionskosten und -risiken senkt, den Zugang zu verlässlichen Finanzierungen verbessert und die Autonomie erhöht, sodass das Risiko, dass die Energieversorgung aufgrund von Maßnahmen Dritter unterbrochen werden könnte, abnimmt. Auch wenn die Vorteile dieses Währungswechsels auf der Hand liegen, ist es aufgrund der starken und dominanten Stellung des Dollars für das einzelne privatwirtschaftliche Unternehmen doch schwer, alternative Wege zu beschreiten. Möglicherweise müssen eine breitere Koordinierung und eine systematische Marktöffnung erleichtert werden.

Welche Vorteile hat dies für die europäischen Bürgerinnen und Bürger? Werden sie Energiekosten sparen?

Obwohl europäische Unternehmen auf zentralen strategischen Märkten nicht nur Großabnehmer, sondern auch Großproduzenten sind, handeln sie dort nach wie vor in US-Dollar, oft sogar untereinander. Dadurch sind die Unternehmen Währungsrisiken und politischen Risiken ausgesetzt, etwa durch einseitige Entscheidungen, die Dollargeschäfte unmittelbar treffen.

Da die meisten Energieimporte derzeit auf Dollarbasis stattfinden, könnten Dollarschwankungen gegenüber dem Euro die Importkosten von einem Jahr zum anderen ganz erheblich beeinflussen. Große Wechselkursschwankungen schlagen sich sofort auf die Preise für Energieimporte nieder, was letztlich auch Einfluss auf die Kaufkraft der europäischen Bürger und die Kosten der Unternehmen hat. Eine breitere Verwendung des Euro im Energiesektor könnte diese Währungsrisiken verringern und die Kosten im europäischen Energiesektor drücken.

Wird der Vorschlag Arbeitsplätze und Wachstum im europäischen Energiesektor schaffen?

Er würde einen Unsicherheitsfaktor aus der Welt schaffen, was zu Kostensenkungen führen dürfte und dadurch wiederum zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum in der EU beitragen könnte.

Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion

Warum muss die Wirtschafts- und Währungsunion vertieft werden, damit der Euro an Bedeutung gewinnen kann?

Hinter Weltwährungen müssen große, stabile und effizient funktionierende Volkswirtschaften und Finanzsysteme stehen, die für internationale Nutzer und Anleger attraktiv sind.Auch wenn die Rolle des Euro auf der internationalen Bühne weitgehend von den Marktkräften bestimmt wird, schaffen auf nationaler Ebene eine solide fiskalische und wachstumsfördernde Politik, ein gesunder Finanzsektor und die Einhaltung des EU-Rahmens für die Wirtschafts- und Haushaltspolitik doch das Fundament und sind entscheidend für die Glaubwürdigkeit der gemeinsamen europäischen Währung.

Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wurde die Architektur der Wirtschafts- und Währungsunion erheblich gefestigt. Das Euro-Währungsgebiet wurde mit Krisenbewältigungsmechanismen ausgestattet, mehrere Kernbestandteile der Banken- und der Kapitalmarktunion wurden eingeführt, und die makroökonomische und haushaltspolitische Überwachung der Mitgliedstaaten wurde erheblich verstärkt. Die Wirtschafts- und Währungsunion muss aber noch vervollständigt werden, um die verbleibenden Anfälligkeiten zu beseitigen und die wirtschaftliche und finanzielle Souveränität Europas zu stärken.

Auf welche Vorschläge zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion kommt es aus Sicht der Kommission besonders an?

Tiefe und liquide EU-Kapitalmärkte sind der beste Weg zur Stärkung des Euro. Die Kommission hat für die Kapitalmarktunion 16 maßgebliche Vorschläge auf den Tisch gelegt, von denen nur drei schon verabschiedet sind. Außerdem würden die Einführung der Letztsicherung für den einheitlichen Abwicklungsfonds (um auch eine große Bankenkrise in den Griff zu bekommen) sowie des europäischen Einlagenversicherungssystems (um eine noch stärkere und einheitlichere Einlagenversicherung zu bieten) die finanzielle Stabilität erhöhen, da das Engagement der Banken gegenüber ihren jeweiligen Staaten weiter verringert würde. Das am 5. Dezember vorläufig vereinbarte Bankenpaket der Kommission vom 23. November 2016 und das Paket zu notleidenden Krediten vom 14. März 2018 werden die Risiken im Bankensektor weiter verringern.

Im Rahmen der Vorbereitung des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens der EU hat die Kommission Vorschläge vorgelegt, um die Leistungs- und Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften im Euro-Raum mit eigens dafür vorgesehenen Haushaltsinstrumenten weiter zu erhöhen. Die vorgeschlagene Europäische Investitionsstabilisierungsfunktion würde ein besseres Abfedern massiver asymmetrischer Schocks im Euro-Raum ermöglichen, was seinerseits das Anlegervertrauen in den Euro erhöhen würde. Parallel dazu soll das Programm zur Unterstützung von Strukturreformen die Umsetzung struktureller Reformen voranbringen, die für mehr Kohäsion und Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind, die Produktivität steigern und die Widerstandsfähigkeit der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in den Mitgliedstaaten fördern. Das Reformhilfeprogramm umfasst eine Konvergenzfazilität zur Unterstützung von Mitgliedstaaten, die noch nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören, ihm aber beitreten wollen.

Eine bedeutendere internationale Rolle erfordert zudem angemessene institutionelle Kapazitäten und eine geschlossenere Vertretung, um die jeweiligen Sichtweisen zu koordinieren und mit einer Stimme zu sprechen. Im Dezember 2017 schlug die Kommission die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds vor, der im Rechtsrahmen der Europäischen Union verankert ist und auf der bewährten Struktur und Governance des Europäischen Stabilitätsmechanismus aufbaut. Der Kommissionsvorschlag von Oktober 2018 für eine bessere Außenvertretung des Euro-Währungsgebiets in internationalen Foren zielt darauf ab, die globale Position des Euro-Raums zu stärken und zu gewährleisten, dass seine Stimme weltweit Gehör findet.

Wie kann der verfügbare Pool von Euro-Vermögenswerten vergrößert werden?

Ein international bedeutenderer Euro setzt ein reichliches Angebot an auf Euro lautenden Vermögenswerten mit höherem Rating voraus, insbesondere vor dem Hintergrund der weltweit großen Nachfrage nach solchen Vermögenswerten. Herrscht bei solchen sicheren Vermögenswerten Knappheit oder ist das Angebot asymmetrisch, kann sich dies tatsächlich nachteilig auf die Verfügbarkeit und die Kosten von Finanzierungen für die Wirtschaft und die Transmission der einheitlichen Geldpolitik niederschlagen. Eine Ausweitung des verfügbaren Pools von Euro-Vermögenswerten mit höherer Bonitätseinstufung wird zur Weiterentwicklung des europäischen Finanzsektors beitragen und die EU-Finanzmarktvorschriften sowie EU-basierte Zahlungssysteme international aufwerten. Die Kommission hat einen Rahmen für staatsanleihebesicherte Wertpapiere (Sovereign bond-backed securities – SBBS) vorgeschlagen, die vom Privatsektor ausgegeben würden. Dies könnte ein Weg sein, die verfügbare Menge an sicheren Vermögenswerten zu erhöhen und die Diversifizierung zu erleichtern.

Finanzdienstleistungen

Wie trägt die Finanzdienstleistungspolitik zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro bei?

Die Finanzmärkte und -infrastrukturen im Euro-Raum bieten Möglichkeiten für einen internationalen Bedeutungszuwachs des Euro, indem sie verlässliche und stabile Finanzdienstleistungen und Geschäftsmöglichkeiten bereithalten. Welche Währung sie verwenden wollen, ist Sache der Marktteilnehmer. Der Kommission geht es darum, dass Hindernisse, die die Marktteilnehmer von der Verwendung des Euro abhalten, beseitigt werden und die Wirtschaft des Euro-Raums für Investoren attraktiver wird.

Mehrere zentrale Maßnahmen der EU zielen darauf ab, die Finanzmarktentwicklungen, die einer stärkeren Rolle des Euro unmittelbar oder mittelbar förderlich sind, zu unterstützen. Dies soll insbesondere durch die Bankenunion und die Kapitalmarktunion erreicht werden. Aufbauend auf der Finanzstabilität, die durch eine wirksam funktionierende Bankenunion geschaffen wird, besteht das Hauptziel der Kapitalmarktunion darin, tiefere und liquidere Märkte aufzubauen und weiterzuentwickeln. Die beiden Initiativen verstärken sich gegenseitig und führen den Binnenmarkt gewissermaßen einen Schritt weiter. Beide könnten nach ihrer Vollendung eine stärkere internationale Verwendung des Euro mit sich bringen.

Welche Rolle spielt die Clearingpflicht für Derivatekontrakte und wie kann sie die Verwendung des Euro beeinflussen?

Derivate sind Finanzkontrakte, die an den künftigen Wert oder Status eines „Basiswerts“ geknüpft sind (z. B. an die Entwicklung eines Zinssatzes oder einer Währung oder auch den möglichen Konkurs eines Schuldners). OTC-Derivatekontrakte werden nicht an einer Börse, sondern privat zwischen zwei Gegenparteien, beispielsweise zwischen einer Bank und einem Hersteller, gehandelt.

Die Verordnung über europäische Marktinfrastrukturen (EMIR) ist zentraler Bestandteil der Rechtsvorschriften, die nach der Finanzkrise eingeführt wurden, um die Finanzmärkte sicherer und stabiler zu machen. Durch die EMIR wird die im Jahr 2009 eingegangene G20-Verpflichtung zur Stärkung der Stabilität des Marktes für OTC-Derivate in der EU umgesetzt.

Die EMIR senkt die mit Derivategeschäften verbundenen Risiken für das Finanzsystem auf zweierlei Weise. Erstens macht sie den OTC-Derivatemarkt transparenter, da nun ein größerer Teil der Derivategeschäfte an Transaktionsregister gemeldet werden muss. Zweitens sucht sie das Gegenparteiausfallrisiko zu mindern und das mit OTC-Derivaten verbundene operationelle Risiko zu verringern, indem die Marktteilnehmer zum Clearing von OTC-Derivaten verpflichtet werden.

Die Finanzmärkte und -infrastrukturen im Euro-Raum spielen eine maßgebliche Rolle dabei, Möglichkeiten für einen internationalen Bedeutungszuwachs des Euro zu schaffen, indem sie verlässliche und stabile Finanzdienstleistungen und Geschäftsmöglichkeiten bieten. Eine Ausweitung des Spektrums der clearingpflichtigen Derivatekontrakte würde genau das bewirken, d. h. sie würde die Liquidität und Widerstandsfähigkeit der europäischen Derivatemärkte weiter stärken. In einer Welt, in der letztlich die Marktteilnehmer entscheiden, welche Währungen sie nutzen wollen, bieten hochentwickelte Marktinfrastrukturen für das Derivate-Clearing den Marktteilnehmern jederzeit verfügbare und effiziente Möglichkeiten, sich gegen finanzielle Risiken abzusichern. Die breite Verfügbarkeit solcher auf Euro lautenden Märkte und Infrastrukturen wird die Verwendung des Euro daher unterstützen.

Wie sorgt die Benchmark-Verordnung dafür, dass die Ermittlung von Benchmarks robuster wird? Welche Rolle spielt das für die internationale Verwendung des Euro?

Mit der Verordnung (EU) 2016/1011 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden („Benchmark-Verordnung“), wurde ein gemeinsamer Rahmen für Benchmark-Administratoren eingeführt, der die Genauigkeit und Integrität von Benchmarks gewährleistet. Dadurch wird die Gefahr, dass Referenzwerte manipuliert werden, begrenzt und die Effizienz der Finanzmärkte im Euroraum erhöht. Zins-Benchmarks werden von den Marktteilnehmern bei vielen Verträgen und Finanzprodukten als Bezugsgrundlage herangezogen.

Mit der Benchmark-Verordnung wird ein Rahmen, ein Verhaltenskodex, eingeführt, der robuste Methoden sowie ausreichende und verlässliche Daten vorschreibt. Durch zuverlässige Benchmarks wird dieser Rahmen die Finanzmärkte im Euro-Raum effizienter machen, wodurch es wiederum attraktiver wird, sie für Geschäfte und als Bezugsgrundlage für Kontrakte zu nutzen. Mehr Effizienz und Zuverlässigkeit würden den Handel und die Bepreisung von auf Euro lautenden Instrumenten sowohl für inländische als auch für ausländische Investoren attraktiver machen.

Was sind Sofortzahlungen und wie könnten sie zu stärkeren und widerstandsfähigeren europäischen Massenzahlungssystemen führen?

Sofortzahlungen („Instant Payments“) sind elektronische Zahlungen, die in Echtzeit gecleart und ohne zwischengeschaltete Stellen direkt zwischen Banken abgerechnet werden, wobei Auftraggeber und Zahlungsempfänger eine sofortige Bestätigung erhalten. Mit „Instant Payments“ wird das elektronische Bezahlen genauso schnell wie mit Bargeld.

Der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area – SEPA) hat die Art und Weise, wie wir Massenzahlungen in Euro ausführen und verarbeiten, harmonisiert. Mit dem SEPA sollten Zahlungen in Euro europaweit genauso schnell, sicher und effizient werden wie Zahlungen innerhalb der einzelnen Länder. Heute sind die Verbraucher und Händler in der EU bei grenzüberschreitenden Zahlungen auf einige wenige globale Anbieter (Karten- und Online-Zahlungsdienste) angewiesen, selbst innerhalb des Euro-Raums. Als Alternative zu der Infrastruktur, die heute namentlich von einer Handvoll globaler Kartenanbieter betrieben wird, können auf Basis der europäischen Zahlungsverkehrsinfrastrukturen Massenzahlungsverfahren mit gesamteuropäischer Reichweite entwickelt werden.

Euro-Sofortzahlungen eröffnen eine neue Chance, effiziente gesamteuropäische Zahlungslösungen zu entwickeln, denn sie bauen auf einem gemeinsamen System (SEPA Instant Credit Transfers, kurz „SCTinst“) sowie europäischen Clearing- und Abrechnungsinfrastrukturen auf, namentlich dem im November 2018 eingeführten Target Instant Payment Settlement System („TIPS“) der EZB.

Warum plant die Kommission eine Konsultation zur Rolle des Euro an den Devisenmärkten?

Im Januar 2019 wird die Kommission eine gezielte Konsultation eröffnen, die sich an Finanzmarktakteure und andere im Devisenhandel bewanderte Interessenträger wie Banken, Börsen, Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen sowie an Behörden wie etwa Zentralbanken richtet. Andere einschlägige Interessenträger wie Unternehmen werden ebenfalls konsultiert, um in Erfahrung zu bringen, wie sich der Euro-Handel an den Devisenmärkten auf sie auswirken könnte.

Ziel dieser speziellen Konsultation ist ein besseres Verständnis der Marktliquidität an den Devisenmärkten. Insbesondere erhofft sich die Kommission weitere Erkenntnisse darüber, in welchem Umfang beim Handel zwischen bestimmten Währungspaaren aus dem Euro und einer anderen Währung „Dreiecksgeschäfte“ zum Einsatz kommen und ob dies mit einer unzureichenden Marktliquidität für eben diese Währungspaare zusammenhängt. Ein „Dreiecksgeschäft“ liegt vor, wenn der Handel zwischen bestimmten Währungspaaren, zu denen nicht der US-Dollar gehört, indirekt doch über den Dollar erfolgt (d. h. wenn beim Handel zwischen Währung A und Währung B, zunächst Währung A in Dollar und dann in Währung B umgetauscht wird).

Die Kommission will auch untersuchen, inwieweit die Banken des Euro-Raums an den Devisenmärkten als Market Maker aktiv sind. Ein Market Maker ist ein Finanzinstitut, das jederzeit bereit ist, Wertpapiere zu einem bestimmten Preis zu kaufen und zu verkaufen. „Market Making“ trägt zur Liquidität und Effizienz der Märkte bei.

Agrar- und Nahrungsmittelerzeugnisse

Wer wird zur Rolle des Euro im internationalen Handel mit Agrar- und Nahrungsmittelerzeugnissen konsultiert? Wann?

Von Mitte Januar bis Mitte April 2019 wird die Kommission die Beteiligten und Betroffenen des internationalen Handels von Agrar- und Nahrungsmittelerzeugnissen konsultieren. Händler (Importeure und Exporteure), Produzenten (Landwirte und weiterverarbeitende Zweige) und andere Akteure in der Lebensmittelkette (Preismeldestellen, Finanzinstitute, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Lehre usw.) werden einen gezielten Online-Fragebogen erhalten.

Diese Akteure der Lebensmittelkette werden auch in verschiedenen Expertengruppen (z. B. in der Sachverständigengruppe „Agrarrohstoffe“), in Gruppen für den zivilen Dialog oder in den Leitungsgremien der Marktbeobachtungsstellen konsultiert. In all diesen Ausschüssen wird die Rolle des Euro im internationalen Handel im ersten Halbjahr 2019 Thema sein.

Weitere Informationen

Pressemitteilung: Kommission stellt Wege zur weiteren Stärkung der globalen Bedeutung des Euro vor

Factsheet: Kommission stellt Wege zur weiteren Stärkung der globalen Bedeutung des Euro vor

Mitteilung: Hin zu einer stärkeren internationalen Rolle des Euro

Empfehlung zur internationalen Rolle des Euro im Energiebereich

Euro-Raum

Bankenunion

Kapitalmarktunion

Vizepräsident Dombrovskis auf Twitter: @VDombrovskis

Kommissar Moscovici auf Twitter: @pierremoscovici

Kommissar Miguel Arias Cañete auf Twitter: @MAC_europa

 

MEMO/18/6650

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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