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Europäische Kommission - Factsheet

Neue EU-Kraftstoff-Kennzeichnung: Fragen und Antworten *

Brüssel, 12. Oktober 2018

Neue EU-Kraftstoff-Kennzeichnung: Fragen und Antworten

1. Welche neuen EU-Kraftstoff-Etiketten gibt es und was bedeuten sie? Was ändert sich am 12. Oktober?

Ab dem 12. Oktober 2018 gelten in allen 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, den EWR-Ländern (Island, Liechtenstein und Norwegen) sowie in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Serbien und der Türkei verbindlich neue und harmonisierte Kraftstoff-Etiketten, die bei Neufahrzeugen und an allen Tankstellen, die als Kraftstoffe Benzin, Diesel, Wasserstoff, komprimiertes Erdgas, Flüssigerdgas oder Flüssiggas anbieten, sowie im Fahrzeughandel verwendet werden müssen. *

Diese Etiketten werden an den Zapfpistolen aller Zapfsäulen, an den Zapfsäulen selbst und in unmittelbarer Nähe der Tankklappe/des Tankverschlusses von neu produzierten Personenkraftwagen, Kleinkrafträdern, Motorrädern, Dreirad- und Vierradfahrzeugen, leichten und schweren Nutzfahrzeugen sowie Bussen und Reisebussen angebracht. Sie sollten auch in den Benutzerhandbüchern der Fahrzeuge erscheinen und können ebenfalls in den elektronischen Handbüchern verwendet werden, die über das Infotainmentsystem des Fahrzeugs abrufbar sind.

2. Warum sind diese neuen Etiketten erforderlich?

Mit der zunehmenden Vielfalt von Kraftstoffen auf dem Markt erhöht sich auch die Notwendigkeit, den Fahrzeugnutzern klare und verständliche Informationen über die Eignung der an den Tankstellen angebotenen Kraftstoffe und über ihre Fahrzeuge anzubieten. Die wachsende Vielfalt von Kraftstoffbezeichnungen und -marken kann für Verbraucher und Unternehmen mitunter verwirrend sein, besonders in einem Raum, für den Freizügigkeit gilt, wie die Europäische Union. Aus diesem Grund verpflichtet die Richtlinie 2014/94/EU über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe die Mitgliedstaaten der EU und die EWR-Länder, den Verbrauchern bessere Informationen für die Wahl eines Kraftstoffs für ihr Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Um den Verbrauchern europaweit die Auswahl des geeigneten Kraftstoffes für ihr Fahrzeug zu erleichtern, wurden für neu produzierte Fahrzeuge und für Tankstellen neue Kennzeichnungsvorschriften angenommen. Die neuen gemeinsamen Etiketten werden bessere Informationen in harmonisierter und leicht lesbarer Form bereitstellen.

3. Wie sehen die neuen Etiketten aus?

Die neuen Etiketten sind in drei Gruppen gegliedert, mit einer eindeutigen geometrischen Form für jede Kraftstoffart: Benzin wird durch den Buchstaben E in einem Kreis gekennzeichnet, Diesel durch den Buchstaben B in einem Quadrat und gasförmige Kraftstoffe durch eine Raute. Die Angaben in der geometrischen Form geben Aufschluss über den Höchstanteil von Biokomponenten in dem Kraftstoff, der für die Verwendung bei dem Fahrzeug mit dem jeweiligen neuen Etikett empfohlen wird. Größe der Etiketten an Tankstellen: mindestens 13 mm Durchmesser für die Zapfpistole und mindestens 30 mm Durchmesser für die Tanksäule; Tankklappe/Tankverschluss von Neufahrzeugen: mindestens 13 mm Durchmesser

benzinartige Kraftstoffe: Kreis. E5, E10, usw. („E“ steht für spezifische Biokomponenten im Ottokraftstoff);

1

Copyright und Quelle: Europäisches Komitee für Normung

 

dieselartige Kraftstoffe: Quadrat B7, B10, XTL, usw. („B“ steht für spezifische Biodieselkomponenten im Diesel, XTL steht für synthetischen Dieselkraftstoff und zeigt an, dass dieser nicht auf Rohöl basiert);

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Copyright und Quelle: Europäisches Komitee für Normung

 

gasförmige Kraftstoffe (z. B. CNG, LNG, LPG und Wasserstoff): Raute

3

Copyright und Quelle: Europäisches Komitee für Normung

 

Zusätzlich zu den Kraftstoffkennungen können die Mitgliedstaaten weitere Verbraucherinformationen zu den Merkmalen der Kraftstoffe an der Tanksäule anbringen.

 

4. Sind alle Fahrzeuge betroffen? Wie sieht es bei Elektrofahrzeugen aus?

Die europäischen Rechtsvorschriften verlangen die Anbringung der Etiketten nur bei Neufahrzeugen, die ab dem 12. Oktober 2018 erstmalig in Verkehr gebracht oder zugelassen werden.

Was Elektrofahrzeuge angeht, so müssen Fahrer von Hybridelektrofahrzeugen nach wie vor den geeigneten Kraftstoff tanken.

An vergleichbaren Etiketten für Elektrofahrzeuge, die Fahrern an den Ladepunkten Hinweise für das Aufladen ihrer Fahrzeugbatterie geben, wird derzeit gearbeitet. Die neue Norm EN 17186:2019 mit harmonisierten Kennzeichnungen für die Stromversorgung von elektrischen Straßenfahrzeugen wird vom europäischen Komitee für Normung (CEN) voraussichtlich Anfang 2019 erlassen. Die jeweiligen Kennzeichnungsvorschriften werden 24 Monate nach ihrer Annahme für alle Ladepunkte und für alle elektrischen Straßenfahrzeuge gelten, die im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten zugelassen sind.

5. Ersetzen die neuen Kraftstoff-Etiketten die bestehenden?

Die neuen Etiketten sollen weder bestehende Empfehlungen für Qualität, Sicherheit oder Leistung noch Informationen für Vermarktung oder Branding ersetzen, die gegenwärtig an Tankstellen, Tankverschlüssen oder in Benutzerhandbüchern verwendet werden. Die neue Kraftstoff-Kennzeichnung liefert zusätzliche Informationen für Fahrzeugnutzer, die eine Tankstelle ansteuern, in Bezug auf die Vereinbarkeit von Kraftstoffen und Motoren, damit der Verbraucher problemlos zwischen Arten und Sorten von Kraftstoffen (z. B. Benzin, Diesel, Erdgas, usw.) unterscheiden und erkennen kann, ob der jeweilige Kraftstoff für den Motor seines Fahrzeugs geeignet ist.

6. Nach welchem Verfahren wurden diese Kennzeichnungen angenommen?

Sie wurden in einem Industriestandard konzipiert, der von den europäischen Normenorganisationen mit Beteiligung der Industrie sowie von Vertretern der Verbraucher und der Zivilgesellschaft entwickelt wurde. Im Rahmen des Technischen Ausschusses 441 (TC441) des CEN (Europäisches Komitee für Normung) wurde eine besondere Task Force eingesetzt, die die Gestaltung und das Format der neuen Etiketten unter Beachtung der allgemeinen Bestimmungen der Richtlinie 2014/94/EU erarbeitete. Der Task Force gehörten Experten der Fahrzeug- und der Kraftstoffbranche der EU, Nichtregierungsorganisationen (NRO) als Vertreter der Verbraucher, nationale Normungsgremien, mehrere Regierungen von EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission an.

7. Was sind alternative Kraftstoffe? Warum sind sie wichtig?

Alternative Kraftstoffe sind Kraftstoffe oder Energiequellen, die zumindest teilweise als Ersatz für Erdöl als Energieträger für den Verkehrssektor dienen, zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen und die Umweltverträglichkeit des Verkehrssektors erhöhen können. Hierzu zählen unter anderem: Elektrizität, Wasserstoff, Biokraftstoffe, synthetische und paraffinhaltige Kraftstoffe, Erdgas (einschließlich Biomethan) in Gasform (komprimiertes Erdgas (CNG)) und in flüssiger Form (Flüssigerdgas (LNG), sowie Flüssiggas (LPG). Dabei ist zu beachten, dass CNG, LNG und LPG mitunter zu 100 % fossilen Ursprungs sein können.

Der europäische Verkehrssektor ist in starkem Maße vom – zumeist importierten – Öl abhängig und sieht sich mit einer zunehmend unsicheren Versorgung konfrontiert, da dieses Öl aus immer instabileren Regionen der Welt stammt und die hohen bzw. immer höheren Kosten der Ölimporte in der Handelsbilanz ein Defizit verursachen. Es liegt auf der Hand, dass bei den Energiequellen für den Verkehr in der EU eine Diversifizierung notwendig ist.

Ziel der Strategie „Verkehr 2050“ der Kommission aus dem Jahre 2011 war es, die Erdölabhängigkeit der EU im Verkehrsbereich zu beenden, ferner wurde für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 ein Ziel von 60 % vorgeschlagen. In der Strategie wurden Ziele für die verschiedenen Verkehrsträger festgelegt, darunter eine CO2-freie Stadtlogistik in den größeren Stadtzentren bis 2030, die Halbierung der Zahl der mit konventionellen Kraftstoffen betriebenen Fahrzeuge im Stadtverkehr bis 2030 und die stufenweise Einstellung des Einsatzes solcher Fahrzeuge bis 2050. Vorgesehen waren außerdem ein Anteil von 40 % für CO2-arme Flugkraftstoffe bis 2050 und eine Reduzierung der CO2-Emissionen von Schiffen um 40 %. Diese Ziele lassen sich nicht mit konventionellen Kraftstoffen erreichen, sondern nur mit einem hohen Anteil an alternativen Kraftstoffen.

Alternative Kraftstoffe können Europa auch die Lösung der Probleme bei der Luftqualität erleichtern. Im Jahr 2010 waren Schätzungen zufolge 420 000 vorzeitige Todesfälle in der EU auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Ein großer Teil der Luftverschmutzung wird durch Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren verursacht.

Energieeffizienz im Verkehr und ein effektives Verkehrsmanagement können wesentlich zur Verringerung der Emissionen und des Ölverbrauchs beitragen. Sie sind jedoch keine Alternative für die Substitution von Erdöl, sondern bilden lediglich eine Brücke zu den alternativen Kraftstoffen. Alternative Kraftstoffe sind nur ein Element in einem komplexen Instrumentenmix zur Dekarbonisierung des Verkehrs durch schrittweise Substitution der fossilen Energieträger, die für die CO2-Emissionen im Verkehr verantwortlich sind. Im November 2017 verabschiedete die Kommission einen Aktionsplan zur Infrastruktur für alternative Kraftstoffe mit einer Reihe von Unterstützungsmaßnahmen zur Beschleunigung des Aufbaus der Infrastruktur, zur Steigerung von Investitionen und zur Verbesserung der Verbraucherakzeptanz.

 

* Fassung vom 7/12/2018, 16:30 Uhr

MEMO/18/6102

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Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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