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Europäische Kommission - Factsheet

Sicherheitsunion: Ein Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) - Fragen & Antworten

Straßburg, 5. Juli 2018

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1. Was ist das ETIAS?

Was ist das Europäische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS)?

Die Kommission schlug im November 2016 vor, ein Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) einzurichten, um die von der Visumpflicht befreiten Reisenden schärferen Sicherheitskontrollen zu unterziehen. Darunter fallen derzeit Bürgerinnen und Bürger aus mehr als 60 Ländern (Link zur vollständigen Liste).

Das ETIAS ist als automatisiertes IT-System zur Ermittlung von migrations- und sicherheitspolitischen Risiken im Zusammenhang mit von der Visumpflicht befreiten Personen, die in den Schengen-Raum reisen, ausgelegt. Zugleich soll das ETIAS für die Mehrheit der Reisenden, die kein solches Risiko darstellen, das Überschreiten der Außengrenzen des Schengen-Raums erleichtern. Alle Drittstaatsangehörigen, die für die Einreise in den Schengen-Raum kein Visum benötigen, müssen vor ihrer Reise eine Reisegenehmigung über das ETIAS-System beantragen. Mithilfe der über das ETIAS erhobenen Informationen werden sich bereits im Vorfeld der Reise mögliche migrations- und sicherheitspolitischen Risiken unter uneingeschränkter Achtung der Grundrechte und Datenschutzgrundsätze ermitteln lassen.

Nachdem ein Antrag online im System eingegeben wurde, werden die Angaben mit einschlägigen EU-Informationssystemen für die Bereiche Grenzen und Sicherheit abgeglichen, und in den meisten Fällen wird innerhalb weniger Minuten eine Reisegenehmigung erteilt werden. Die ETIAS-Reisegenehmigung wird dann verbindliche Voraussetzung für die Einreise in den Schengen-Raum sein und von den Grenzschutzbeamten beim Überschreiten der EU-Grenze zusammen mit den Reisedokumenten überprüft. Die Vorab-Prüfung der von der Visumpflicht befreiten Drittstaatsangehörigen wird die Grenzübertrittskontrollen erleichtern, Bürokratie und die Wartezeiten für Reisende an der Grenze abbauen, eine koordinierte und einheitliche Risikobewertung von Drittstaatsangehörigen gewährleisten sowie die Zahl der Einreiseverweigerungen an den Grenzübergangsstellen erheblich verringern.

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Schengen-Visum und einer ETIAS-Reisegenehmigung?

Bei der ETIAS-Genehmigung handelt es sich nicht um ein Visum. Staatsangehörige von Ländern, für die eine Befreiung von der Visumpflicht gilt, werden nach wie vor ohne Visum in die EU reisen können, müssen vor ihrer Einreise jedoch eine ETIAS-Reisegenehmigung einholen. Das ETIAS ist als ein einfaches, schnelles und benutzerfreundliches System konzipiert, mit dem ein Antrag in mehr als 95 % der Fälle innerhalb weniger Minuten positivbeschieden wird.

Mit der ETIAS-Reisegenehmigung werden keine visumähnlichen Verpflichtungen wiedereingeführt. Der Antrag muss nicht bei einem Konsulat gestellt werden. Es werden keine biometrischen Daten erhoben und wesentlich weniger Informationen erfasst als bei einem Verfahren für die Visumbeantragung. Die Bearbeitung eines Antrags für ein Schengen-Visum kann bis zu 15 Tage und in einigen Fällen sogar 30 bis 60 Tage dauern. Ein Online-Antrag über das ETIAS hingegen ist innerhalb von Minuten gestellt. Die ausgestellte Genehmigung gilt drei Jahre, also wesentlich länger als ein Schengen-Visum. Mit einer ETIAS-Genehmigung können Reisende so oft einreisen wie sie möchten.

Die ETIAS-Reisegenehmigung ist für alle von der Visumpflicht befreiten Reisenden ein notwendiger und kleiner Verfahrensschritt, der ihnen bürokratische Hürden und Wartezeiten an den Grenzen erspart. Das ETIAS wird die Visumfreiheit wahren, das Überschreiten der Außengrenzen des Schengen-Raums erleichtern und es nicht visumpflichtigen Reisenden ermöglichen, in vollem Umfang von der Visumfreiheit zu profitieren.

Wie wirkt sich das ETIAS auf die gemeinsame Visumpolitik aus?

Die Visaliberalisierung hat sich als wertvolles Instrument zum Aufbau von Partnerschaften mit Drittländern erwiesen und steigert die Attraktivität der EU für Handel und Tourismus. Durch die verbindliche Vorab-Prüfung und die Ermittlung möglicher migrations- und sicherheitspolitischer Risiken im Zusammenhang mit von der Visumpflicht befreiten Personen, deren Visumfreiheit unberührt bleibt, wird das ETIAS dazu beitragen, die Visaliberalisierungspolitik der EU zu wahren und zu ergänzen. Diese zusätzlichen Informationen und die Risikobewertung werden es nicht visumpflichtigen Reisenden ermöglichen, in vollem Umfang von der Visumfreiheit zu profitieren, und gleichzeitig die Sicherheit im Schengen-Raum verbessern. Reisende werden zudem frühzeitig informiert, ob sie in den Schengen-Raum einreisen dürfen, und können so ihren Besuch besser planen.

Während mit Drittländern geführten Dialoge über eine Liberalisierung der Visabestimmungen fortgeführt werden, wird das ETIAS die Fähigkeit der EU stärken, mögliche migrations- und sicherheitspolitischer Risiken zu bewerten und zu steuern, und gleichzeitig das Überschreiten der Außengrenzen des Schengen-Raums erleichtern.

2. Wie funktioniert das ETIAS in der Praxis?

Was müssen von der Visumpflicht befreite Personen vor Reiseantritt tun?

Vor der geplanten Reise erstellt der Antragsteller über eine zu diesem Zweck eingerichtete Website oder die mobile App einen Online-Antrag. Das Ausfüllen des Antrags sollte nicht mehr als 10 Minuten in Anspruch nehmen und es sollten abgesehen von einem Reisedokument (einem Reisepass oder einem gleichwertigen Dokument) keine weiteren Unterlagen benötigt werden. Kann der Antragsteller den Antrag nicht selbst übermitteln (z. B. aufgrund des Alters, des Alphabetisierungsgrads, des Zugangs zur Informationstechnologie und der Kompetenz im Umgang damit), so kann dieser von einer dritten Person gestellt werden.

Antragsteller im Alter von 18 bis 70 Jahren müssen je Antrag eine Gebühr von 7 EUR entrichten. Die elektronischen Zahlungsmethoden werden technologische Entwicklungen in den von der Visumpflicht befreiten Ländern berücksichtigen, damit von der Visumpflicht befreiten Personen, die möglicherweise keinen Zugang zu bestimmten Zahlungsmitteln haben, die Beantragung nicht erschwert wird.

Das automatisierte Prüfungsverfahren wird nach Bestätigung der Zahlung der Gebühr beginnen. Die allermeisten Anträge (schätzungsweise über 95 %) werden positiv beschieden, wobei die Antragsteller innerhalb von Minuten nach Entrichtung der Gebühr entsprechend benachrichtigt werden. Werden beim Abgleich der Datenbanken Treffer erzielt oder Probleme festgestellt, wird der Antrag von einer Zentralstelle der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache oder einem Team der Mitgliedstaaten manuell bearbeitet. Dadurch kann sich die Bearbeitungszeit für den Antrag eines von der Visumpflicht befreiten Drittstaatsangehörigen auf bis zu 96 Stunden verlängern. Unter außergewöhnlichen Umständen muss der Antragsteller gegebenenfalls weitere Angaben machen und es können zusätzliche Verfahrensschritte notwendig werden. In jedem Fall wird innerhalb von vier Wochen nach der Beantragung eine endgültige Entscheidung getroffen.

Es ist davon auszugehen, dass von den rund 5 % der Anträge, bei denen ein Treffer vorliegt, 3-4 % nach einer Überprüfung der Daten durch die ETIAS-Zentralstelle positiv beschieden werden. Lediglich 1-2 % werden zur manuellen Bearbeitung an die nationalen ETIAS-Stellen weitergeleitet. Nach der Entscheidung erhalten die Antragsteller eine E-Mail mit einer gültigen Reisegenehmigung oder eine Begründung für die Ablehnung des Antrags.

Was passiert, wenn die ETIAS-Genehmigung verweigert wird?

Wird die Reisegenehmigung verweigert, kann der Antragsteller Rechtsmittel einlegen. Ein Rechtsmittel kann in dem Mitgliedstaat, der über den Antrag entschieden hat, im Einklang mit dem nationalen Recht dieses Mitgliedstaats eingelegt werden. Der Antragsteller wird darüber unterrichtet, welche nationale Behörde für die Antragsbearbeitung und die Entscheidung über seine Reisegenehmigung zuständig und welches Verfahren für die Einlegung eines Rechtsmittels zu befolgen ist. Ist der Antragsteller der Auffassung, dass er ungerecht behandelt wurde, kann er ein Rechtsmittel dagegen einlegen oder bei der nationalen ETIAS-Stelle Zugang zu den Informationen beantragen.

Wie lange ist eine ETIAS-Reisegenehmigung gültig?

Die Reisegenehmigung gilt drei Jahre (oder bis zum Ablauf der Geltungsdauer des Reisedokuments).

Welche Pflichten haben die Beförderungsunternehmer?

Im Luft- und Seeverkehr tätige Beförderungsunternehmer sowie Beförderungsunternehmer, die im internationalen Linienverkehr Gruppen von Personen in Autobussen befördern, werden die Reisedokumente vor dem Einstieg daraufhin überprüfen müssen, ob alle für die Einreise in den Schengen-Raum notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, wozu auch der Besitz einer gültigen ETIAS-Reisegenehmigung zählt. Für den internationalen Buslinienverkehr ist eine Übergangszeit vorgesehen, während der noch nicht die Verpflichtung besteht, das Vorliegen einer gültigen Reisegenehmigung zu überprüfen.

Was geschieht am Grenzübergang?

Bei der Ankunft an einer Grenzübergangsstelle zum Schengen-Raum wird der Grenzschutzbeamte die im Reisedokument enthaltenen Angaben elektronisch einlesen und damit automatisch verschiedene Datenbanken abfragen – bei nicht der Visumpflicht unterliegenden Reisenden u. a. auch ETIAS. Liegt keine gültige ETIAS-Reisegenehmigung vor, werden die Grenzschutzbeamten die Einreise verweigern und die Personalien des Reisenden sowie die Einreiseverweigerung im Einreise-/Ausreisesystem erfassen.

Liegt eine gültige Reisegenehmigung vor, werden die üblichen Grenzkontrollen durchgeführt und kann dem Reisenden bei Erfüllung aller Einreisebedingungen die Einreise gestattet oder anderenfalls gemäß dem Schengener Grenzkodex die Einreise verweigert werden.

Kann eine Reisegenehmigung aufgehoben werden?

Auch wenn eine Reisegenehmigung drei Jahre lang gültig ist, kann sie aufgehoben oder annulliert werden, wenn die Bedingungen für ihre Erteilung nicht länger erfüllt sind.

3. Schließung von Informationslücken und Erhöhung der Sicherheit

Wie trägt das ETIAS zur Schließung der bestehenden Informationslücken bei?

Den Grenzschutz- und Strafverfolgungsbehörden liegen derzeit kaum Informationen über Reisende vor, die die EU-Grenzen ohne Visum überqueren. Dies gilt nicht für Personen, die mit einem Schengen-Visum ausgestattet sind, denn deren Daten können von den Grenzschutzbeamten im Visa-Informationssystem (VIS) abgeglichen werden. Dadurch, dass alle Reisenden vor ihrer Ankunft einer Überprüfung unterzogen werden, schließt das ETIAS eine erhebliche Informationslücke. Das System wird dazu beitragen, potenzielle Sicherheits- oder Migrationsrisiken zu ermitteln, noch bevor die von der Visumpflicht befreiten Reisenden die EU-Grenze erreichen, und eine bessere Überwachung im Hinblick darauf ermöglichen, wer die EU-Grenzen überquert.

Wie ergänzt das ETIAS die bestehenden Grenz- und Sicherheitsinformationssysteme?

Entsprechend der in der Mitteilung Solidere und intelligentere Informationssysteme für das Grenzmanagement und mehr Sicherheit vom 6. April 2016 vorgeschlagenen Interoperabilitätsstrategie stellt das ETIAS auf Interoperabilität mit bestehenden und in Entwicklung befindlichen Systemen wie dem Einreise-/Ausreisesystem (EES) ab.

Soweit technisch machbar, wird das ETIAS in größtmöglichem Umfang die Hardware- und Softwarekomponenten des EES sowie dessen Kommunikationsinfrastruktur nutzen. Auch mit den anderen vom ETIAS abgefragten Informationssystemen wie dem Visa-Informationssystem (VIS), Europol, dem Schengener Informationssystem (SIS), Eurodac und dem Europäischen Strafregisterinformationssystem (ECRIS) soll für Interoperabilität gesorgt werden.

Welche Datenbanken werden vom ETIAS abgefragt?

Bei der Prüfung und Beurteilung der Angaben, die von nicht der Visumpflicht unterliegenden Reisenden übermittelt werden, wird das System bei jedem Antrag automatisch einen Abgleich vornehmen mit:

-       den bestehenden EU-Informationssystemen:

o    dem Schengener Informationssystem (SIS),

o    dem Visa-Informationssystem (VIS),

o    Europol-Daten,

o    der Datenbank Eurodac,

-       den vorgeschlagenen künftigen EU-Informationssystemen:

o    dem Einreise-/Ausreisesystem (EES),

-       Interpol-Datenbanken:

o    der Interpol-Datenbank für gestohlene und verlorene Reisedokumente (SLTD),

o    der Interpol-Datenbank zur Erfassung von Ausschreibungen zugeordneten Reisedokumenten (TDAWN),

-       einer speziellen ETIAS-Beobachtungsliste und spezifischen Risikoindikatoren.

Sobald der Kommissionsvorschlag, wonach in der EU zu Drittstaatsangehörigen vorliegende Strafregisterinformationen (ECRIS-TCNs) ausgetauscht werden sollen, beschlossen ist, dürfte das ETIAS künftig auch eine Abfrage von ECRIS-TCNs ermöglichen.

Wie wird das ETIAS die Sicherheit der EU-Bürger erhöhen?

Das ETIAS wird wichtige Informationen zu Sicherheit, irregulärer Migration und öffentlicher Gesundheit liefern und dadurch erheblich zur Schließung sicherheitsrelevanter Informationslücken beitragen. Es wird den Behörden der Mitgliedstaaten dabei helfen, Personen, die ein Risiko darstellen könnten, aufzuspüren und Maßnahmen zu treffen, bevor diese Personen die Außengrenzen des Schengen-Raums erreichen.

Konkret wird das System die Aufdeckung von Menschenhandel (insbesondere bei Minderjährigen) verbessern, zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität beitragen und generell die Ermittlung von Personen erleichtern, deren Präsenz im Schengen-Raum die innere Sicherheit bedrohen könnte. In Bezug auf Grundrechte und Datenschutz werden die im ETIAS gespeicherten Daten auch nationalen Strafverfolgungsbehörden und Europol zur Verfügung gestellt werden können, wenn dies für die Verhütung, die Aufdeckung oder die Untersuchung terroristischer oder sonstiger schwerer Straftaten erforderlich ist.

Wie wird das ETIAS die Achtung der Grundrechte und die Einhaltung der Datenschutzvorschriften gewährleisten und garantieren?

Der Vorschlag der Kommission steht voll und ganz mit der Charta der Grundrechte in Einklang und enthält alle notwendigen Schutzvorkehrungen, die gewährleisten, dass das ETIAS insbesondere beim Zugriff auf die Daten nach den höchsten Datenschutzstandards entwickelt wird, weswegen dieser strikt begrenzt sein wird. Dem Vorschlag zufolge sollen Einzelpersonen ein Recht auf Regress haben, insbesondere das Recht, bei Gericht einen Rechtsbehelf einzulegen, und sollen die Datenverarbeitungsvorgänge durch unabhängige Behörden beaufsichtigt werden.

Die im ETIAS erfassten personenbezogenen Daten sollen nicht länger gespeichert werden als für die vorgesehenen Zwecke erforderlich. Gespeichert werden sollen die Daten für:

- die Geltungsdauer der Reisegenehmigung oder

- eine Dauer von fünf Jahren ab dem Datum der letzten Entscheidung über die Verweigerung, Aufhebung oder Annullierung der Reisegenehmigung.

Nach Ablauf der Geltungsdauer der Reisegenehmigung könnten die Daten für maximal drei weitere Jahre gespeichert werden, wenn der Antragsteller aus freien Stücken ausdrücklich in die längere Speicherung seiner Daten einwilligt. Nach Ablauf der Speicherfrist werden der Antragsdatensatz und die personenbezogenen Daten automatisch aus dem ETIAS-Zentralsystem gelöscht.

Die Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten und Europol werden zur Verhütung, Aufdeckung oder Untersuchung terroristischer oder sonstiger schwerer Straftaten unter strengen Voraussetzungen auf das ETIAS zugreifen können. Die benannten Behörden und Europol sollten nur dann Zugang zum ETIAS beantragen, wenn sie hinreichende Gründe zu der Annahme haben, dass ein solcher Zugang ihnen wesentlich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben hilft.

4. Aufbau und Entwicklung des ETIAS

Wie ist das ETIAS aufgebaut?

Das ETIAS wird aus dem ETIAS-Informationssystem, der ETIAS-Zentralstelle und den nationalen ETIAS-Stellen bestehen.

Das ETIAS-Informationssystem umfasst:

  • ein Zentralsystem für die Bearbeitung der Anträge;
  • eine einheitliche nationale Schnittstelle in jedem Mitgliedstaat, die das Zentralsystem und die nationalen Infrastrukturen miteinander verbindet;
  • eine sichere Kommunikationsinfrastruktur zwischen dem Zentralsystem und den einheitlichen nationalen Schnittstellen;
  • eine öffentliche Website und eine mobile App für Mobilgeräte;
  • einen E-Mail-Dienst sowie eine Reihe von Instrumenten für Antragsteller, z. B. einen Kontodienst, ein Überprüfungsinstrument und ein Instrument, mit dem die Zustimmung zur Vorratsdatenspeicherung über den allgemeinen Zeitraum hinaus erteilt oder widerrufen werden kann.

Die ETIAS-Zentralstelle wird innerhalb der Europäischen Grenz- und Küstenwache eingerichtet und von ihr verwaltet und ist Teil ihres rechtlichen und politischen Rahmens. Die ETIAS-Zentralstelle wird rund um die Uhr in Betrieb sein und vier zentrale Aufgaben wahrnehmen:

  • Sie soll gewährleisten, dass die in den Antragsdatensätzen und in den aufgezeichneten Daten gespeicherten Angaben korrekt und auf dem neuesten Stand sind.
  • Bei Bedarf wird sie Anträge auf Erteilung einer Reisegenehmigung im Hinblick auf die Identität eines Reisenden überprüfen, wenn sich während des automatisierten Verfahrens ein Treffer ergibt.
  • Sie wird spezifische Risikoindikatoren für die ETIAS-Überprüfungsvorschriften festlegen und für deren Erprobung, Anwendung, Bewertung und Überarbeitung zuständig sein.
  • Sie wird regelmäßig die Verwaltung der Anträge und die Umsetzung der ETIAS-Überprüfungsvorschriften prüfen, insbesondere hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Grundrechte, den Schutz der Privatsphäre und den Datenschutz.

Die nationalen ETIAS-Stellen werden in jedem Mitgliedstaat eingerichtet und in erster Linie für die Durchführung der Risikobewertung und für Entscheidungen über Reisegenehmigungen bei Anträgen zuständig sein, die im Zuge des automatisierten Antragsverfahrens abgelehnt wurden. Zudem werden die nationalen ETIAS-Stellen die Antragsteller über das bei Einlegen eines Rechtsmittels zu befolgende Verfahren informieren.

Ein bei der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache eingerichteter ETIAS-Überprüfungsausschuss soll eine beratende Funktion haben und zur Festlegung, Bewertung und Überarbeitung der Risikoindikatoren sowie zur Anwendung der ETIAS-Überwachungsliste konsultiert werden. Er wird sich aus je einem Vertreter der nationalen ETIAS-Stellen, von Europol und der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache zusammensetzen.

Ein ETIAS-Beratungsgremium für Grundrechte wird als unabhängige Beratungsstelle fungieren und sich aus Vertretern der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache, des Europäischen Datenschutzbeauftragten, des Europäischen Datenschutzausschusses und der Grundrechteagentur zusammensetzen. Es wird die Auswirkungen der Antragsbearbeitung und der Überwachungsvorschriften auf die Grundrechte bewerten und den ETIAS-Überprüfungsausschuss beraten.

Was ist die ETIAS-Überwachungsliste?

Informationen von Personen, die einen Antrag auf eine ETIAS-Genehmigung stellen, werden mit verschiedenen EU-Datenbanken einschließlich der ETIAS-Überwachungsliste abgeglichen.

Die Überwachungsliste wird aus Daten über Personen bestehen, die im Verdacht stehen, eine Straftat begangen zu haben oder an einer schweren Straftat beteiligt gewesen zu sein oder in deren Fall faktische Anhaltspunkte oder triftige Gründe für die Annahme vorliegen, dass sie terroristische oder andere schwere Straftaten begehen werden. Die Überwachungsliste wird auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten und Europol übermittelten Informationen erstellt.

Welche Rolle spielt Europol?

Die Agentur Europol kann als EU-Plattform für sicherheitsrelevante Informationen hervorragend Informationen kombinieren, die einzelnen Mitgliedstaaten oder anderen EU-Datenbanken nicht zur Verfügung stehen. Sie wird gemeinsam mit den Mitgliedstaaten Daten in die ETIAS-Überwachungsliste eingeben und dafür zuständig sein, die eingegebenen Daten auf dem neuesten Stand zu halten.

Die nationalen ETIAS-Stellen werden Europol im Anschluss an Treffer, die bei der automatisierten Verarbeitung von Europol-Daten im Rahmen des ETIAS aufgetreten sind, konsultieren. Die Agentur wird auch an der Festlegung der ETIAS-Überprüfungsvorschriften beteiligt.

Welche Rolle spielt eu-LISA?

EU-LISA, die Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, wird das ETIAS-Informationssystem entwickeln und für seine technische Verwaltung sorgen. Zuständig sein wird die Agentur unter anderem für die Einrichtung einer öffentlichen Website und einer mobilen App für ETIAS-Anwendungen, mit denen die Antragsteller beispielsweise den Stand ihres Antrags prüfen können.

Wie viel kostet die Entwicklung von ETIAS?

Im Interesse größtmöglicher Effizienz wird ETIAS auf den bestehenden Informationssystemen aufbauen und auf noch zu entwickelnde Systeme wie das Einreise-/Ausreisesystem (EES) abgestimmt sein. Die Entwicklung und Anwendung des EEES und des ETIAS sollte gemeinsam und parallel erfolgen, was erhebliche Einsparungen bei der Einrichtung und den Betriebskosten mit sich bringen wird.

Die Entwicklungskosten für das ETIAS werden auf 212,1 Mio. EUR und die durchschnittlichen jährlichen Betriebskosten auf 85 Mio. EUR geschätzt. Das ETIAS wird sich finanziell selbst tragen, da die jährlichen Betriebskosten durch die Gebühreneinnahmen gedeckt werden.

Welchen räumlichen Anwendungsbereich hat das ETIAS?

Gelten werden die ETIAS-Vorschriften für die Mitgliedstaaten, die Teil des Schengen-Raums sind, sowie für Mitgliedstaaten wie Kroatien, Zypern, Bulgarien und Rumänien, die den Schengen-Besitzstand noch nicht vollumfänglich anwenden.

Wann wird der ETIAS einsatzbereit sein?

ETIAS dürfte nach drei Jahren Entwicklung, d. h. Anfang 2021, einsatzbereit sein.

 

 

 

MEMO/18/4362

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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