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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten: EU-Initiative für Bestäuber

Brüssel, 1. Juni 2018

Fragen und Antworten

Warum brauchen wir eine europäische Initiative für Bestäuber?

Die Bestäubung zählt zu den wichtigsten Vorgängen in der Natur, weil sie die Vermehrung von Pflanzen ermöglicht. In Europa sind vier Fünftel aller Wildblumenarten zumindest teilweise abhängig von der Bestäubung durch Tiere. Die Populationen und die Vielfalt der Bestäuber in Europa sind allerdings stark zurückgegangen; viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Dies gefährdet die Funktionsweise des Ökosystems und damit auch das Wohlergehen des Menschen, der davon abhängig ist.

Besonders deutlich ist das Wirken der Bestäuber bei der Nahrungsmittelerzeugung zu beobachten. EU-Agrarerzeugnisse im Wert von bis zu 15 Mrd. EUR sind direkt der Tätigkeit von Bestäuberinsekten zu verdanken. Bei zahlreichen Kulturpflanzen kann der Beitrag der Bestäuber die Hälfte des Marktwerts des betreffenden Erzeugnisses ausmachen. Indem sie zur Kulturpflanzenvielfalt beitragen, schaffen sie auch die Grundlage für eine breite Palette wichtiger, für eine gesunde Ernährung unverzichtbarer Nährstoffe.  

In mehreren EU-Politikbereichen, wie z. B. der Umwelt- und Gesundheitspolitik (insbesondere in der Vogelschutz- und der FFH-Richtlinie sowie den EU-Vorschriften für den Pestizideinsatz), aber auch in der Gemeinsamen Agrarpolitik, der Kohäsionspolitik sowie der Forschungs- und Innovationspolitik gibt es bereits Maßnahmen, die sich positiv auf Bestäuber auswirken. Trotz dieser Maßnahmen sind die Populationen jedoch weiterhin rückläufig. In zahlreichen Bewertungen wurde festgestellt, dass die EU-Maßnahmen durch ein integriertes Konzept, das unterschiedliche Sektoren und Politikbereiche einbezieht, stärker koordiniert werden müssen. Dies mobilisiert alle maßgeblichen Interessenträger und erhöht die Wirksamkeit der Bemühungen, die derzeit oft voneinander isoliert durchgeführt werden.

Durch die EU-Initiative für Bestäuber werden die Kenntnisse auf diesem Gebiet verbessert und deren Verbreitung über die einzelnen Sektoren hinaus erleichtert. Außerdem wird damit die Zusammenarbeit zwischen Forschern, politischen Entscheidungsträgern Unternehmen und der breiten Öffentlichkeit verbessert. Hierdurch lassen sich gezieltere und effektivere Maßnahmen gegen die Ursachen des Bestäuberrückgangs durchführen.

Was sind Bestäuber?

Bestäuber sind Tiere, die für die Bestäubung - die Übertragung von Pollen (männliche Gameten) zwischen den männlichen und den weiblichen Teilen der Blüten - sorgen und so die Vermehrung der Pflanzen ermöglichen. In Europa sind dies hauptsächlich Insekten, insbesondere Bienen und Schwebfliegen sowie Motten, einige Käferarten und andere Fluginsekten. Bienen sind die produktivsten Bestäuber. Die EU beheimatet beinahe 2000 Wildbienenarten. Die bekannteste Bienenart ist die Europäische Honigbiene (Apis mellifera), eine domestizierte Art, die von Imkern zur Herstellung von Honig und anderen Imkereierzeugnissen gehalten wird.

Obwohl zahlreiche Insektenarten zu den Bestäubern zählen, herrschte lange Zeit die Auffassung, dass die Bestäubung von Kulturpflanzen hauptsächlich den Honigbienen zu verdanken ist. Dies hat sich mit zunehmender Kenntnis des Themas inzwischen geändert. Honigbienen sind zwar wichtige Bestäuber, die aber die wild lebenden Bestäuberarten eher ergänzen als ersetzen. Obwohl sich herausgestellt hat, dass die wild lebenden Bestäuber für die Kulturpflanzenbestäubung eine entscheidende Rolle spielen, sollte die Vielfalt der Bestäubergemeinschaften im Mittelpunkt stehen. Sowohl wild lebende als auch domestizierte Bienenarten spielen für unsere Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle.

Warum ist die Vielfalt der Bestäuber so wichtig?

Jede Pflanzenart hat eigene Anforderungen an die Bestäubung, und durch eine große Bestäubervielfalt wird sichergestellt, dass diese Anforderungen tatsächlich erfüllt werden. Die einzelnen Bestäuberarten haben sich an unterschiedliche Umweltbedingungen angepasst und sorgen durch ihre Vielfalt dafür, dass die Bestäubung unter verschiedenen Bedingungen stattfinden kann.

Artenreichtum und eine große Zahl an Bestäubern bilden die Grundlage für eine zeitlich und räumlich effektive und stabile Bestäubung von Kulturpflanzen, und dies sorgt für bessere und größere Erträge. Durch diese Vielfalt wird sichergestellt, dass Pflanzen auch dann bestäubt werden, wenn bestimmte Bestäuberarten ausfallen. Dies sorgt für Resilienz in einer sich ständig verändernden Umwelt und gleicht unvorhergesehene oder unsichere größere Änderungen aus - insbesondere angesichts des Klimawandels.

Vor allem Wildpflanzen sind aufgrund der spezifischen Symbiose von Pflanzen und Bestäubern und ihrer Vielfalt, die sich durch die gemeinsame Evolution entwickelt hat, abhängig von wild lebenden Insekten. In diesen Fällen hängt das Überleben einer Pflanze vollständig von nur einer oder wenigen Bestäuberarten ab.

Warum stehen Wildbestäuber bei dieser Initiative im Mittelpunkt?

Die EU hat bereits durch die Förderung der Bienengesundheit und der Imkerei gezielte Maßnahmen für domestizierte Bestäuber eingeführt. Dabei geht es ausschließlich um Fragen im Zusammenhang mit Honigbienen (Veterinärfragen, Verfahren der Bienenhaltung usw.). Bei der überwiegenden Mehrzahl der Bestäuber handelt es sich jedoch um wild lebende Arten. Indem die EU-Bestäuberinitiative diese Arten in den Mittelpunkt rückt, geht sie Probleme an, die allen Bestäubern gemeinsam sind. Hierdurch leistet sie auch einen grundlegenden Beitrag zur Gesundheit der Honigbienen und ergänzt die bestehenden EU-Maßnahmen zur Förderung der Bienengesundheit und Imkerei.

Wie stark ist die Bestäuberpopulation zurückgegangen? Wie wird der Rückgang überwacht?

Die derzeit vorliegenden Daten zeigen eindeutig, dass die Zahl der Bestäuber in alarmierendem Maß zurückgeht und dringender Handlungsbedarf besteht, aber das ganze Ausmaß des Problems ist wegen erheblicher Wissenslücken noch nicht bekannt. Die besten derzeit verfügbaren Daten betreffen Bienen und Schmetterlinge; dabei zeigt sich, dass in Europa in beiden Gruppen ein Zehntel aller Arten vom Aussterben bedroht ist. Bei einem Drittel der Bienen- und Schmetterlingsarten gehen die Populationen zurück, was für die Zukunft einen negativen Trend erwarten lässt. Zu mehr als der Hälfte der Bienenarten liegen aber nicht genügend Daten vor, um ihren Zustand oder Entwicklungstrends beurteilen zu können. Bei anderen Bestäuberinsekten als Bienen oder Schmetterlingen reicht die Datenlage nicht aus, um Informationen über den Zustand oder Entwicklungstrends auf EU-Ebene bereitstellen zu können. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass diese Arten in bestimmten Gebieten oder an bestimmten Orten zurückgehen.

Um das ganze Ausmaß des Problems verstehen zu können, müssen Bestäuber über längere Zeit beobachtet werden. Durch die Einführung eines Überwachungsprozesses für Bestäuber auf EU-Ebene wird die Initiative sicherstellen, dass die Daten, die für die Beurteilung des Zustands und der Entwicklungstrends von Bestäubern erforderlich sind, erhoben werden können. Auf diese Weise können wir uns von dem Problem ein vollständiges Bild machen und Informationen darüber sammeln, wie es sich entwickelt und wie erfolgreich die Risikominderungsmaßnahmen waren.

Welches sind die Hauptursachen für den Rückgang der Bestäuberpopulation?

Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine alleinige Ursache für den Rückgang. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) nennt in seinem Zwischenbericht über Bestäuber als Hauptursachen veränderte Landnutzung, Intensivlandwirtschaft und Pestizideinsatz, Umweltverschmutzung, gebietsfremde invasive Arten, Krankheitserreger und den Klimawandel. Diese wirken oft zusammen und schaffen Synergien, die sich sehr belastend auf Bestäuberinsekten auswirken.

Wie wird die Initiative die Auswirkungen von Pestiziden auf Bestäuberinsekten angehen?

Durch die EU-Bestäuberinitiative wird die derzeitige Risikobewertung von Pestiziden in Bezug auf Bestäuber strenger gefasst, um sicherzustellen, dass Bestäuber durch die zugelassenen Wirkstoffe nicht gefährdet werden. Beim Nachweis schädlicher Auswirkungen auf Bestäuber werden rechtliche Maßnahmen getroffen, um den Einsatz solcher Stoffe einzuschränken oder zu verbieten. Außerdem wird im Rahmen der Initiative darauf hingewirkt, dass in nationalen Aktionsplänen für den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden bestäuberspezifische Ziele und Maßnahmen festgelegt werden, um etwaige Auswirkungen zugelassener Pestizide auf Bestäuber einzudämmen. Die EU verfügt bereits über eine der weltweit strengsten Regelungen für die Zulassung von Pestiziden. Die Kommission hat in Zusammenarbeit mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Anforderungen an die Daten für die Dossiers zur Auswirkung von Pestiziden auf Bienen verschärft; außerdem hat die EU kürzlich die Ausbringung von drei als Neonicotinoide bekannten Pestiziden verboten, die sich als schädlich für Honig- und Wildbienen herausgestellt haben.

Was unternimmt die internationale Gemeinschaft zur Lösung dieses Problems und wie wird diese Initiative dazu beitragen?

Die Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) hat im Jahr 2000 eine internationale Initiative zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von Bestäubern (Internationale Bestäuberinitiative) beschlossen. Diese Initiative wird von der Welternährungsorganisation (FAO) unterstützt und koordiniert. Auf der Konferenz der CBD-Vertragsparteien von 2016 startete die niederländische Regierung eine „Koalition der Willigen für Bestäuber“ - eine Gruppe von Ländern, die bereits über eine Bestäuberstrategie verfügen oder eine solche erarbeiten wollen.

Die EU-Bestäuberinitiative hat zum Ziel, die Unterstützung für Erhaltungsmaßnahmen im Rahmen der internationalen Bestäuberinitiative zu verstärken und die internationale Zusammenarbeit durch die Koalition der Willigen für Bestäuber zu fördern. Auf diese Weise wird die EU bei den internationalen Bemühungen zum Erhalt der Bestäuber eine aktivere Rolle spielen. 

MEMO/18/3990

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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