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Europäische Kommission - Factsheet

Digitaler Wandel im Gesundheitswesen

Brüssel, 25. April 2018

Fragen und Antworten

 

1. Was schlägt die Europäische Kommission heute vor?

Die Kommission hat heute eine Mitteilung angenommen, in der sie einen Aktionsplan darlegt, in dessen Mittelpunkt auf dreierlei Weise die Bürgerinnen und Bürger stehen, und zwar

  • durch die Ermöglichung des sicheren grenzüberschreitenden Zugangs der Bürger zu ihren elektronischen Patientenakten und die Schaffung der Möglichkeit, ihre Daten über Grenzen hinweg zu teilen;

  • durch die Erleichterung der Verwendung größerer Datensätze über eine gemeinsam genutzte europäische Dateninfrastruktur, um Krankheiten zu verhüten, medizinische Behandlungen zu personalisieren und Epidemien besser vorherzusehen;

  • durch die Bereitstellung digitaler Hilfsmittel, mit denen die Bürger ihre Gesundheit innerhalb integrierter Gesundheitssysteme selbst aktiver in die Hand nehmen können.

Dieses Konzept wird die Grundlage der EU-Maßnahmen im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung in den nächsten Jahren bilden. Es umfasst die Förderung der Übermittlung elektronischer Verschreibungen und elektronischer Patientenkurzakten, die Schaffung der Voraussetzungen für den grenzüberschreitenden Austausch vollständiger elektronischer Patientenakten, die freiwillige Koordinierung der gemeinsamen Daten- und Ressourcennutzung zur Verhütung und Erforschung von Krankheiten sowie den Aufbau von Kapazitäten und den Austausch innovativer und bewährter Verfahren zwischen Gesundheits- und Pflegebehörden.

2. Wie soll garantiert werden, dass die Bürger in ganz Europa auf sichere Weise Zugang zu ihren Gesundheitsdaten erhalten?

Erstens wird die Kommission den Durchführungsbeschluss zur Richtlinie über Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung überprüfen (Artikel 14). Die überarbeiteten Vorschriften werden die Rolle des eHealth-Netzes bei der Leitung der digitalen eHealth-Diensteinfrastruktur (eHDSI) festlegen und die Regeln für die grenzüberschreitende Datenübermittlung präzisieren. Das eHealth-Netz, das aus Vertretern der 28 Mitgliedstaaten besteht, wird bald mit der Erörterung dieser Fragen beginnen.

Zweitens wird die Kommission eine Empfehlung zu technischen Spezifikationen dafür abgeben, wie die elektronischen Patientenakten der Bürger EU-weit ausgetauscht werden sollen. Die grenzüberschreitende Zugänglichkeit elektronischer Patientenakten wird den Bürgern helfen, EU-weit auf ihre Gesundheitsdaten zuzugreifen und diese Daten selbst zu verwalten.

Drittens wird die Kommission weitere Investitionsmittel mobilisieren, um den Anwendungsbereich des Programms auf die eHDSI auszudehnen, damit die Einführung des Austauschs nationaler elektronischer Patientenakten zwischen den teilnehmenden Mitgliedstaaten finanziert werden kann.

3. Was sollte auf europäischer Ebene getan werden, um Diagnosen und Behandlungen zu personalisieren?

Nationale Behörden und andere Beteiligte, insbesondere Forscher, werden ermuntert, Daten und Infrastrukturen gemeinsam zu nutzen. Dies wird ein besseres Verständnis der Krankheiten und deren Prävention erlauben und eine bessere personalisierte medizinische Forschung, Diagnose und Behandlung ermöglichen. Ein Ziel dieser Koordinierung besteht zunächst darin, bis 2022 mindestens 1 Millionen Genomsequenzen in der Europäischen Union zugänglich zu machen. 14 Mitgliedstaaten haben sich kürzlich diesem Ziel angeschlossen.

Zweitens wird die Kommission einen Katalog gemeinsamer technischer Spezifikationen aufstellen, um den sicheren grenzüberschreitenden Zugang zu Genomdaten und sonstigen Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken zu erleichtern.

Darüber hinaus wird die Kommission Pilotprojekte auf der Grundlage „realer Daten“ durchführen (d. h. Daten, die nach klinischen Tests und von tatsächlichen Patienten nach der Marktfreigabe der Arzneimittel oder Produkte erhoben werden), um dem Bedarf der Patienten an Arzneimitteln oder Therapien gerecht zu werden. Beginnend mit seltenen Krankheiten werden sich diese Projekte damit befassen, wie – über die europäischen Referenznetze – Therapien für an solchen Krankheiten leidende Patienten bereitgestellt und wie Epidemien vorhergesehen werden können. Ziel dieser Pilotprojekte ist, die Vorteile einer Bündelung von Ressourcen und Fachwissen zu verdeutlichen.

4. Welchen Nutzen haben die Menschen von digitalen Hilfsmitteln?

Digitale Hilfsmittel wie mobile Anwendungen oder persönliche Geräte zur Überwachung von Blut- oder Zuckerwerten versetzen die Menschen in die Lage, sich selbst um ihre Gesundheit zu kümmern, verbessern die Krankheitsvorsorge, ermöglichen Rückmeldungen und erleichtern das Zusammenwirken zwischen Nutzern und Gesundheitsdienstleistern.

Die Länder und Regionen der EU werden durch den Austausch innovativer und bewährter Verfahren, den Aufbau von Kapazitäten und technische Hilfe bei ihren Investitionen in eine groß angelegte Einführung integrierter Behandlungs- und Pflegemodelle unterstützt, die auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Person ausgerichtet sind (dabei beruhen die verschiedenen Krankenhausdienste und die Behandlungen zu Hause auf unterschiedlichen Pflegemodellen).

Die Kommission wird auf innovative Auftragsvergabe- und Investitionsmöglichkeiten hinweisen und die einschlägigen Programme und Finanzierungsinstrumente der Europäischen Union mobilisieren.

5. Was müssen die Mitgliedstaaten tun?

Die Kommission ruft die Mitgliedstaaten und alle Beteiligten zur Mitwirkung auf.

14 Mitgliedstaaten werden der jüngsten Erklärung zur grenzüberschreitenden Verknüpfung der Genomdatenbanken nun Taten folgen lassen.

Die Kommission unterstützt die freiwillige Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten, z. B. beim grenzüberschreitenden Austausch elektronischer Verschreibungen und Patientenkurzakten, sowie die Zusammenarbeit bei den Genomdaten für die Forschung und bei der personalisierten Gesundheitsversorgung und Pflege. Die ersten elektronischen Verschreibungen und Patientenkurzakten werden mithilfe der Fazilität „Connecting Europe“ voraussichtlich noch in diesem Jahr zwischen 8 EU-Ländern übermittelt werden, und weitere Länder werden dann bis 2020 folgen.

Die Mitgliedstaaten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es um die Zusammenarbeit bei der Aufstellung gemeinsamer Grundsätze für die Validierung von Gesundheitstechnologien geht, um so die Bereitstellung und Nutzung digitaler Gesundheitslösungen zu fördern, aber auch beim Austausch innovativer und bewährter Verfahren, dem Aufbau von Kapazitäten sowie der Leistung technischer Hilfe.

6. Wie trägt das heute vorgestellte Konzept zum Schutz der Gesundheitsdaten der Bürger bei?

Die Grundsätze des Datenschutzes sind ein Kernstück der Kommissionsvorschläge. Die Einhaltung der EU-Datenschutzvorschriften und angemessene Sicherheitsvorkehrungen sind unverzichtbar, um die Ziele dieser Mitteilung zu erreichen: die Ermöglichung des sicheren Zugangs zu Gesundheitsdaten in der gesamten EU, die gemeinsame Datennutzung für eine bessere Forschung und eine personalisierte Gesundheitsfürsorge sowie die Stärkung der Kompetenzen der Patienten anhand digitaler Hilfsmittel.

7. Wird es Folgemaßnahmen geben?

Alle interessierten Kreise werden aufgerufen, an der Erfüllung der Hauptziele der Mitteilung mitzuwirken. Die Kommission wird ebenfalls aktive Beiträge leisten und die Verwirklichung der Ziele vorantreiben. Darüber hinaus ist die elektronische Gesundheitsfürsorge („eHealth“) Teil der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt, und die Kommission wird laufend die Fortschritte verfolgen, die Strategie überprüfen und dann entscheiden, welche Folgemaßnahmen nötig sind.

Weitere Informationen

Pressemitteilung: Daten in der EU: Kommission intensiviert Förderung der größeren Verfügbarkeit und stärkeren gemeinsamen Nutzung von Gesundheitsdaten

Zusammenfassung der öffentlichen Konsultation zum Aufbau einer europäischen Datenwirtschaft

Öffentliche Konsultation zu Gesundheitswesen und Pflege im digitalen Binnenmarkt

Europäische Referenznetze für seltene und komplexe Krankheiten

EU-Länder arbeiten bei der grenzüberschreitenden Verknüpfung der Genomdatenbanken zusammen

Offener Zugang zu wissenschaftlichen Informationen

Richtlinie 2003/98/EG über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors

Datenschutz-Grundverordnung

Vorschriften zum Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation (e-Datenschutz)

 

MEMO/18/3367

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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