Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

Europäische Kommission - Factsheet

Häufig gestellte Fragen: Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums

Brüssel, 8. März 2018

Warum eine EU-Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen?

Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens von Paris am 12. Dezember 2015 und der Annahme der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung am 25. September 2015 hat sich die allgemeine Haltung gegenüber dem Klimawandel und der Umweltzerstörung spürbar verändert. Die Ratifizierung des Pariser Übereinkommens durch inzwischen mehr als 170 Länder bedeutet ein klares Zeichen, nämlich dass die Notwendigkeit des Übergangs zu einer CO2-armen, ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft nicht länger ignoriert werden kann.

Zur Erreichung der in Paris vereinbarten EU-Klima- und Energieziele für 2030, die auch eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 40 % umfassen, sind zusätzliche Investitionen von rund 180 Mrd. EUR pro Jahr notwendig. Die Investitionsprobleme haben ein Ausmaß erreicht, das vom öffentlichen Sektor allein nicht mehr bewältigt werden kann. Die EU liefert deshalb bereits starke Impulse, um zur Erschließung der erforderlichen Investitionen beizutragen. Insbesondere für den erweiterten und gestärkten Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI 2.0), der seit dem 31. Dezember 2017 in Anspruch genommen werden kann, wurde ein klimaintelligentes Investitionsziel von 40 % gesetzt. Bei der Erreichung dieser Ziele kommt dem Finanzsektor eine Schlüsselrolle zu, da für solche nachhaltigen Investitionen erhebliche Beträge an privatem Kapital mobilisiert werden könnten. Allerdings gilt es auch sicherzustellen, dass die Umleitung privater Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen von den rechtlichen Rahmenbedingungen mitgetragen wird und gleichzeitig die Finanzstabilität gewahrt bleibt.

Die Kommission ist fest entschlossen, in diesem Bereich eine weltweite Vorreiterrolle einzunehmen und Anleger, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, bei der Wahl geeigneter Projekte und Unternehmen zu unterstützen. Die Kapitalmärkte werden bei der Neuausrichtung der Kapitalflüsse auf Investitionen in diese Sektoren und Tätigkeiten, die zur Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft beitragen können, eine wichtige Rolle spielen. In der Halbzeitüberprüfung der Kapitalmarktunion wurde die Förderung nachhaltiger Investitionen als Priorität ausgewiesen, und die Kommission schlägt nun einen Fahrplan vor, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Investoren Anreize zur Finanzierung von Projekten für beispielsweise CO2-arme und energieeffiziente Infrastrukturen zu bieten.

Was will die Kommission erreichen?

Um eine übergeordnete Strategie in diesem Bereich zu entwickeln, hat die Kommission Ende 2016 eine hochrangige Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen eingesetzt. Die Gruppe wurde beauftragt, ein umfassendes Konzept für Reformen entlang der gesamten Investitionskette auszuarbeiten.

Am 31. Januar 2018 veröffentlichte die Sachverständigengruppe ihren Abschlussbericht, in dem in umfassender Weise die Elemente vorgestellt werden, die einer Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen in der EU zugrunde liegen sollten. In dem Bericht werden acht Schlüsselprioritäten vorgeschlagen, darunter auch mehrere bereichsübergreifende Empfehlungen und auf bestimmte Sektoren des Finanzsystems ausgerichtete Maßnahmen. Der Aktionsplan der Kommission baut auf diesen Elementen auf und stellt eine Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen in der EU vor.

Ziel des Aktionsplans ist es insbesondere, Finanzfragen und die spezifischen Erfordernisse der europäischen und der globalen Wirtschaft zum Nutzen des Planeten und unserer Gesellschaft noch enger miteinander zu verknüpfen. Der Aktionsplan verfolgt drei Ziele:

  1. Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen;

  2. Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben;

  3. Förderung der Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit.

 

Welche Strategie schlägt die Kommission vor?

Der heute vorgestellte Aktionsplan umfasst eine Reihe geplanter zentraler Maßnahmen, die alle Akteure des Finanzsystems mit einbeziehen:

  1. Entwicklung einer sogenannten EU-Nachhaltigkeitstaxonomie, einer „gemeinsamen Sprache“ für ein nachhaltiges Finanzwesen. Mit dieser Taxonomie wird ein Klassifikationssystem für nachhaltige Tätigkeiten in den Bereichen Klimaschutz, Umwelt und Soziales geschaffen. Sie legt fest, was unter „nachhaltig“ zu verstehen ist, und zeigt die Bereiche auf, wo Investitionen ihre größte Wirkung entfalten können, damit die Kapitalflüsse hin zu den Tätigkeiten gelenkt werden, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

  2. Schaffung von Normen und Kennzeichen für umweltfreundliche („grüne“) Finanzprodukte. Ein EU-Umweltzeichen für grüne Finanzprodukte wird dazu beitragen, Investoren Orientierungshilfe zu geben und Finanzprodukte im Hinblick auf den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft entsprechend zu kennzeichnen.

  3. Präzisierung der Pflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter, damit sie die Aspekte Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bei ihren Investitionsentscheidungen angemessen berücksichtigen und gegenüber ihren Kunden für mehr Transparenz sorgen.

  4. Einbeziehung der Nachhaltigkeit in die Aufsichtsvorschriften. Soweit aus aufsichtsrechtlicher Sicht gerechtfertigt, wird die Kommission untersuchen, wie Banken und Versicherungsgesellschaften zur Finanzierung von Projekten beitragen können, die den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft gewährleisten.

  5. Wirksamere Offenlegung von Informationen über die Nachhaltigkeit und Festsetzung besserer Rechnungslegungsgrundsätze. Die Kommission wird die derzeitigen Berichtspflichten der Emittenten prüfen, um sicherzustellen, dass sie den Marktteilnehmern die richtigen Informationen liefern. Sie wird auch dafür sorgen, dass durch die Rechnungslegungsvorschriften keine direkten oder indirekten Hemmnisse für nachhaltige und langfristige Investitionen entstehen.

 

Entspricht der Aktionsplan den Empfehlungen der hochrangigen Sachverständigengruppe?

Der Aktionsplan der Kommission greift sämtliche Schlüsselprioritäten aus dem Bericht der hochrangigen Sachverständigengruppe auf. An einigen Prioritäten werden aufgrund rechtlicher und technischer Erfordernisse bestimmte Anpassungen vorgenommen und zu den meisten anderen Empfehlungen des Berichts entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen. Ziel ist es, für die richtige zeitliche Abfolge und Prioritätensetzung zu sorgen, beginnend mit der Entwicklung zuverlässiger und vergleichbarer Informationen über nachhaltige Investitionen, die durch ein EU-Klassifikationssystem (Taxonomie) unterstützt werden.

Auf dieser Grundlage können im Einklang mit den Marktentwicklungen weitere Maßnahmen getroffen werden, etwa in Bezug auf Normen und Kennzeichen oder Anpassungen der Aufsichtsvorschriften. Die Entwicklung eines Marktes für nachhaltige Finanzprodukte kann auf diese Weise weiter gefördert werden. Der Aktionsplan bedeutet nicht das Ende des Prozesses, sondern vielmehr die Öffnung verschiedener neuer Arbeitsbereiche.

Sieht der Aktionsplan Legislativvorschläge vor?

Der heute vorgelegte Aktionsplan gibt einen Fahrplan für weitere Arbeiten vor, in dem legislative und andere Maßnahmen miteinander kombiniert werden. Die Rechtsetzungsmaßnahmen beinhalten eine Kombination aus neuen Maßnahmen und gezielten Änderungen bestehender Vorschriften. Nichtlegislative Maßnahmen werden dafür sorgen, dass die gängige Marktpraxis berücksichtigt werden kann, die Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft flexibel bleiben und der Verwaltungsaufwand so gering wie möglich gehalten wird. Die Kommission ist wie stets bereit, konsequentere Schritte zu unternehmen, falls dies zur Erreichung der politischen Ziele erforderlich sein sollte.

Was ist eine EU-Nachhaltigkeitstaxonomie? Wofür wird sie benötigt?

In der EU besteht derzeit ein Flickwerk aus verschiedenen Klassifikationssystemen für grüne/nachhaltige Tätigkeiten. Dies führt bei Anlegern, die ihre Investitionen mit Nachhaltigkeitszielen verbinden möchten, zu Unsicherheit. Mit einer EU-Nachhaltigkeitstaxonomie würde ein einheitliches und harmonisiertes Klassifikationssystem geschaffen, das unverzichtbar ist, um zu bestimmen, welche Tätigkeiten EU-weit als nachhaltig angesehen werden können, und um eine weitreichende Reform zu ermöglichen, die als globale Richtschnur für ein nachhaltiges Finanzwesen dienen könnte.

Ein solches Klassifikationssystem ist notwendig, damit

  1. die Wirtschaftsakteure geeignete Signale über die als nachhaltig geltenden Tätigkeiten erhalten;

  2. private Investoren vor „Grünfärberei“ (green-washing) geschützt werden (d. h. vor der Nutzung von Marketinginstrumenten, um die Produkte, Ziele oder Vorgehensweisen eines Unternehmens irreführend als umweltfreundlich darzustellen);

  3. durch die Bereitstellung eines einheitlichen Systems eine Fragmentierung des Marktes vermieden wird.

 

Warum schlägt die Kommission eine Ausweitung des EU-Umweltzeichens auf Finanzprodukte vor?

Die Verbraucher interessieren sich zunehmend für Investitionen in Produkte, die sich positiv auf die Nachhaltigkeit auswirken. Da jedoch keine klar definierten Normen bestehen, ist es für die Anleger nicht ganz einfach, ihre Mittel in Finanzprodukte zu lenken, die in nachhaltige Vermögenswerte investieren.

Der Erfolg des EU-Bio-Logos und des EU-Umweltzeichens zeigt, dass Kennzeichen dabei helfen, den Verbrauchern Orientierungshilfe zu bieten und sie besser zu schützen. Kennzeichnungssysteme für nachhaltige Finanzprodukte wären für nicht professionelle Anleger von besonderem Nutzen, da Investitionen, die Kriterien für Umweltfreundlichkeit oder eine niedrige CO2-Bilanz erfüllen, leichter identifiziert werden könnten; zudem würde auch das öffentliche Bewusstsein für solche Produkte geschärft.

Die Verordnung über das EU-Umweltzeichen enthält eine freiwillige EU-weite Regelung, die Überwachungs- und Kontrollmechanismen unterliegt und auch bewährte Vorschriften zur Governance und Konvergenzwerkzeuge umfasst. Die Kommission wird untersuchen, inwieweit der Rechtsrahmen des EU-Umweltzeichens für bestimmte Finanzprodukte genutzt werden kann. Er wird nach Verabschiedung der EU-Nachhaltigkeitstaxonomie angewendet werden. 

Wie kann die EU Investitionen in nachhaltige Projekte fördern?

Die Mobilisierung von Privatkapital für nachhaltige Projekte wird im Rahmen des EU-Haushalts direkt über Förderprogramme und technische Hilfe unterstützt.

Insbesondere der Europäische Fonds für strategische Investitionen fördert im Privatsektor die Mobilisierung von Mitteln zur Finanzierung nachhaltiger Projekte in der gesamten EU. Die Europäische Plattform für Investitionsberatung - das EU-Portal für Investitionsförderung - bietet technische Unterstützung bei der Projektentwicklung. Auf diese Weise hilft die Plattform beim Aufbau von Kapazitäten für Projekte, die häufig technisch, wirtschaftlich und rechtlich komplex sind. Darüber hinaus arbeitet die Europäische Plattform für Investitionsberatung mit lokalen Partnern wie Förderbanken in allen Mitgliedstaaten zusammen, um für eine bessere Vermittlung und eine größere lokale Zugänglichkeit zu sorgen.

Im Dezember 2017 einigten sich die Mitgesetzgeber auf den Vorschlag der Kommission, die finanzielle und technische Unterstützung für nachhaltige Infrastrukturinvestitionen als Teil des Europäischen Fonds für strategische Investitionen und der Europäischen Plattform für Investitionsberatung noch weiter auszubauen. Im Zusammenhang mit dem nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen hat die Kommission auch die Idee eines neuen einzigen Investmentfonds ins Spiel gebracht, mit dem sich nachhaltige Investitionen in alle Politikbereichen der EU finanziell unterstützen lassen. .

Aufbauend auf den laufenden Bemühungen zur Stärkung von Beratungskapazität, wird die Kommission weitere Maßnahmen ergreifen, um die Instrumente zur Förderung nachhaltiger Investitionen in der EU und in Partnerländern effizienter und wirksamer zu gestalten.

Wie wird die Kommission die Nachhaltigkeit in die Eigenkapitalanforderungen integrieren?

Mit den Eigenkapitalanforderungen sollen die Banken gegen wirtschaftliche Schocks gestärkt, das Risikomanagement verbessert und letztlich Finanzstabilität gewährleistet werden. Sie müssen in erster Linie das Risiko der getätigten Investitionen widerspiegeln.

Derzeit unterscheiden die EU-Finanzvorschriften nicht zwischen „grünen“ oder „braunen“ Investitionen. Die Überlegungen, die hinter einer möglichen Änderung der Aufsichtsvorschriften stehen, beruhen auf der Annahme, dass die Nichtberücksichtigung von Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel und andere Nachhaltigkeitsfaktoren zu langfristigen Risiken für die finanzielle Stabilität und Kosten für Banken und Versicherer führen können, deren Vermögenswerte solchen Risiken ausgesetzt sind (siehe Bericht des ESRB, (siehe Bericht der ESRB).

Daher muss die Identifizierung eines rechtlich durchsetzbaren Klassifikationssystems mit einer gründlichen Kapitalkalibrierung Hand in Hand gehen, damit die Wirksamkeit der EU-Aufsichtsvorschriften nicht beeinträchtigt wird. Auf dieser Grundlage wird die Kommission, sofern dies aus der Risikoperspektive gerechtfertigt ist, die Machbarkeit einer erneuten Feinabstimmung der Kapitalanforderungen für Banken (den sogenannten „green supporting factor“) prüfen und dabei darauf achten, dass die Finanzstabilität gewahrt bleibt.

Warum schlägt die Kommission vor, die Pflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter zu klären?

Die Sorgfalts-, Loyalitäts- und Vorsichtspflicht, nach denen institutionelle Anleger und Vermögensverwalter im besten Interesse ihrer Kunden zu handeln haben, sind in verschiedenen EU-Vorschriften (Solvabilität II, EvAV II, OGAW, AIFMD, MiFID II usw.) festgelegt. Diese Vorschriften sind jedoch nicht in allen Sektoren immer klar und kohärent, wenn es um Nachhaltigkeitsfaktoren (Umweltschutz, Soziales und Governance) und -risiken im Rahmen von Investitionsentscheidungen geht.

Die öffentliche Konsultation über langfristige und nachhaltige Investitionen ließ darauf schließen, dass institutionelle Anleger und Vermögensverwalter bei ihren Finanzentscheidungen nicht unbedingt Nachhaltigkeitsfaktoren und -risiken berücksichtigen, sondern sich eher auf finanzielle Faktoren und Risiken konzentrieren, und zwar mit dem vorrangigen Ziel, kurzfristig eine maximale Rendite zu erzielen. Somit könnten sie die langfristigen Auswirkungen, die Nachhaltigkeitsfaktoren auf die Rendite ihrer Investitionen haben könnten, außer Acht lassen oder unterschätzen. Darüber hinaus mangelt es an Transparenz, wenn es darum geht, wie sie die Nachhaltigkeitsfaktoren bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Ihre Kunden verfügen somit möglicherweise nicht über alle Informationen, die sie benötigen, um ihre Investitionsentscheidungen zu treffen.

Wie wird die Kommission die Offenlegung von Informationen zu Nachhaltigkeitsfragen durch Unternehmen verbessern?

Gemäß der EU-Richtlinie über die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen, die 2014 angenommen wurde, sind große Unternehmen von öffentlichem Interesse (d. h. große Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, die an einem geregelten Markt notiert sind, sowie nicht börsennotierte Banken und Versicherungsgesellschaften) ab 2018 (für das Haushaltsjahr 2017) gehalten, wesentliche Informationen über wichtige Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte offenzulegen. Den Marktteilnehmern sollte ausreichend Zeit eingeräumt werden, um die durch die Richtlinie eingeführten Änderungen der Rechtsvorschriften umzusetzen.

In einer ersten Phase wird die Kommission die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen im Rahmen der derzeitigen Berichtspflichten verstärken. Sie wird die Leitlinien für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Transaktionen ändern und bewährte Verfahren fördern. Die Maßnahmen, die möglicherweise legislative Änderungen erfordern, werden im Rahmen einer umfassenderen Eignungsprüfung über die Berichterstattung von Unternehmen behandelt. In den kommenden Wochen soll eine Konsultation eingeleitet werden.

Wie wird die Kommission in Sachen Unternehmensführung vorgehen?

Unternehmensführung ist der Rahmen aus Regeln und Verfahren, die ein Leitungsgremium anwendet, um sicherzustellen, dass in den Beziehungen eines Unternehmens zu allen Interessenträgern (Geldgeber, Kunden, Management, Mitarbeiter, Regierung und Gemeinschaft) Rechenschaftspflicht, Fairness und Transparenz gewährleistet sind.

Die Unternehmensführung kann ein wirksames Mittel sein, um Wirtschaft und Finanzen nachhaltiger zu gestalten. Nachhaltigkeit beginnt an der Spitze. Sie erfordert Diskussionen und strategische Planung auf der Führungsebene, ebenso wie angemessene Kontroll- und Rechenschaftsmechanismen. Der Rechtsrahmen muss die Unternehmen in die Lage versetzen, eine langfristige Wertschöpfung zu erreichen.

Die Kommission wird mögliche Maßnahmen zur Förderung von Unternehmensführungsstrategien prüfen und analysieren, die für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

Weshalb konzentriert sich die Kommission auf kurzfristiges Denken?

Investitionen in umweltpolitische und soziale Ziele erfordern Langfristigkeit. Nachhaltigkeit kann sich nicht in einem Kontext entwickeln, in dem Anreize, Marktdruck und Marktkultur dazu führen, dass sich die Marktteilnehmer auf eine kurzfristige Rendite zu Lasten der mittel- bis langfristigen Ziele zu konzentrieren. Ein zentrales Anliegen der Nachhaltigkeitsagenda ist deshalb, unangemessene Forderungen nach kurzfristiger Rendite zu reduzieren.

Die Kommission fordert die Europäischen Aufsichtsbehörden auf, Nachweise für einen unangemessenen kurzfristigen Druck der Kapitalmärkte auf Unternehmen zusammenzutragen und gegebenenfalls Schritte auf der Grundlage solcher Nachweise in Betracht zu ziehen.

Was ist die Aufgabe der Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen?

Die Kommission hat eine Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen für eine Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen veröffentlicht. Diese Gruppe soll im Jahr 2018 eingesetzt werden und folgendes Mandat erhalten:

  1. Vorbereitung eines Berichts mit einer Taxonomie für Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel sowie andere umweltbezogene Maßnahmen;
  2. Erstellung eines Berichts über eine EU-Norm für grüne Anleihen, in dem die Kriterien und Verfahren für Emittenten grüner Anleihen, einschließlich der Verwendung des EU-Klassifikationssystems, dargelegt werden;
  3. Erstellung eines Berichts über die Gestaltung und die Methodik der Low-Carbon-Benchmarks;
  4. Entwicklung von klimabezogenen Parametern.

Sobald der Rechtsrahmen für die Taxonomie in Kraft getreten ist, wird die Kommission die Einrichtung einer Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen in Betracht ziehen, die sich aus relevanten Interessenträgern des öffentlichen und des privaten Sektors zusammensetzen wird.

Wie sieht die Zeitplanung aus?

Der Aktionsplan enthält einen Zeitplan für alle Maßnahmen, die zum 2. Quartal 2019 umgesetzt werden sollen.

Mit diesem Aktionsplan rief die Kommission zur Einreichung von Bewerbungen für eine Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen auf.

Im Mai 2018 wird die Kommission Vorschläge für die Pflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sowie die Grundsätze und den Umfang einer EU-Taxonomie für klimawandelbezogene, umweltpolitisch und sozial nachhaltige Tätigkeiten vorlegen.

Im 2. Quartal 2018 wird die Kommission die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) und die delegierten Rechtsakte zur Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) ändern, um die Nachhaltigkeit bei der Eignungsbeurteilung zu verbessern.

Im 1. Quartal 2019 wird die Sachverständigengruppe einen Bericht über eine Taxonomie für klimawandelbezogene Tätigkeiten veröffentlichen. Darauf folgt im 2. Quartal 2019 ein Bericht über eine Taxonomie für die Anpassung an den Klimawandel und andere umweltbezogene Maßnahmen sowie ein Bericht über Normen für grüne Anleihen.

Im 2. Quartal 2019 wird die Kommission ihre Eignungsprüfung der EU-Rechtsvorschriften über die öffentlich zugängliche Berichterstattung von Unternehmen veröffentlichen und ihre unverbindlichen Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung ändern. Die Kommission wird außerdem einen delegierten Rechtsakt über den Inhalt eines Prospekts für die Emission grüner Anleihen annehmen und eine umfassende Studie über Nachhaltigkeit in Ratings und Analysen veröffentlichen.

Nachdem die Mitgesetzgeber die Verordnung über eine EU-Nachhaltigkeitstaxonomie verabschiedet haben, wird die Kommission EU-Umweltzeichen für Finanzprodukte schaffen und mögliche Maßnahmen prüfen, mit denen klima- und umweltbedingte Risiken im Einklang mit der EU-Taxonomie in Aufsichtsvorschriften einbezogen werden können.

MEMO/18/1424

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar