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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten zur zweiten Europäischen Woche der Berufsbildung

Brüssel, 20. November 2017

Vom 20. bis zum 24. November 2017 veranstaltet die Europäische Kommission die zweite Europäische Woche der Berufsbildung und stützt sich dabei auf den Erfolg der letztjährigen Initiative. Wozu gibt es eine Europäische Woche der Berufsbildung? Kompetenzen ebnen den Weg zu Beschäftigungsfähigkeit und Wohlstand. So lautet die Kernbotschaft der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen.

Siehe IP/17/4683

Wozu gibt es eine Europäische Woche der Berufsbildung?

Kompetenzen ebnen den Weg zu Beschäftigungsfähigkeit und Wohlstand. So lautet die Kernbotschaft der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen vom 10. Juni 2016, in der zehn Maßnahmen zur Bewältigung der Kompetenzproblematik in Europa vorgestellt werden. 

Eine dieser zehn Maßnahmen zielt darauf ab, die Berufsausbildung zu einem Weg erster Wahl zu machen. Hierfür müssen nicht nur Qualität und Effektivität von Berufsbildungsgängen verbessert werden, es gilt auch, junge Menschen, ihre Familien sowie erwachsene Erwerbstätige für die Möglichkeiten zu sensibilisieren, die die berufliche Aus- und Weiterbildung eröffnet, und Unternehmen und Behörden zu überzeugen, in den Ausbau beruflicher Kompetenzen zu investieren. 

Absolventen von Berufsbildungsgängen finden im Allgemeinen schneller eine Stelle als Absolventen allgemeiner Bildungsgänge (Sekundarstufe II und nicht-tertiäre post-sekundäre Ausbildungsgänge). 2016 hatten 75 % der Absolventen von Berufsbildungsgängen, deren Abschluss maximal drei Jahre zurück lag, einen Arbeitsplatz; bei den Absolventen der allgemeinen Bildungsgänge lag dieser Anteil dagegen bei nur 63 %. Zwei Drittel der Auszubildenden finden einen Arbeitsplatz, sobald sie die Ausbildung abgeschlossen haben. Dennoch ist die Berufsbildung in den Augen vieler junger Menschen und ihrer Eltern noch immer nicht so attraktiv wie der allgemeine Bildungsweg. Angebote zur beruflichen Weiterbildung können Erwachsenen die Möglichkeit geben, einerseits ihre Kompetenzen zu aktualisieren und andererseits ein Leben lang neue Aspekte hinzuzufügen – eine Notwendigkeit auf dem heutigen Arbeitsmarkt und in der modernen Gesellschaft. Allerdings nimmt nur jeder zehnte erwachsene Europäer an Bildungsmaßnahmen für Erwachsene teil. Mit der Europäischen Woche der Berufsbildung wird die Aufmerksamkeit aller Akteure auf die Vorteile der Berufsbildung für den Einzelnen, für die Unternehmen und für die Gesellschaft insgesamt gelenkt.

Warum der Schwerpunkt Berufsbildung?

Europa braucht mehr und bessere berufliche Qualifikationen: Zwar befinden sich jedes Jahr etwa 13 Millionen Menschen in Berufsbildungsgängen, von denen 3 Millionen eine Berufsqualifikation erlangen, aber das reicht angesichts des für mehrere Mitgliedstaaten prognostizierten Fachkräftemangels nicht aus. 40 % der europäischen Arbeitgeber geben an, dass sie keine Mitarbeiter mit den Kompetenzen finden, die sie für Wachstum und Innovation benötigen. Unter den schwer zu besetzenden Stellen sind viele die eine Berufsausbildung erfordern, wie eine Tätigkeit als Koch oder in der Metallbearbeitung. Eine Weiterentwicklung der Kompetenzen junger und erwachsener Erwerbstätiger, die diese in die Lage versetzt, aktiv am sich rasch wandelnden und wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt teilzunehmen, ist für Wirtschaft und Gesellschaft in Europa unerlässlich. Die Unternehmen brauchen Mitarbeiter mit den richtigen Kompetenzen und vor allem der Fähigkeit, diese Kompetenzen, die heutzutage sehr schnell überholt sind, lebenslang weiterzuentwickeln. 

Es muss klar sein, dass „berufliche Kompetenzen“ mehr sind als technische, jobspezifische Fertigkeiten für praktische Tätigkeiten auf relativ niedrigem Niveau. Zwar sind tätigkeitsspezifische Kompetenzen nach wie vor unverzichtbar, aber um ihre Arbeit gut zu machen, brauchen Arbeitnehmer auch gute Querschnittskompetenzen oder soziale Kompetenzen, beispielsweise gute Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Unternehmergeist. So muss der Techniker, der Kühlschränke repariert, nicht nur die technischen Fähigkeiten für die Reparatur an sich besitzen, er muss auch die Probleme der Kunden verstehen und ihnen die Lösungsmöglichkeiten erklären können. Ein Geschäft zu eröffnen – sei es ein Maklerbüro, eine Buchhandlung oder ein Restaurant, eine Softwarefirma oder eine Klempnerwerkstatt – erfordert unternehmerisches Denken und Handeln, gute Fähigkeiten für den Umgang mit Lieferanten und Kunden und Personalführungsqualitäten.

Wie viele junge Menschen absolvieren eine Berufsausbildung?

Laut Eurostat absolvierten 2015 in der EU 13,4 Millionen Personen (54 % aller Lernenden) eine Berufsausbildung, davon 10,3 Millionen eine Ausbildung auf Sekundarstufe-II-Niveau, 1,5 Millionen einen nicht-tertiären post-sekundären Ausbildungsgang und 1,4 Millionen einen kurzen tertiären Ausbildungsgang. 

Die meisten Lernenden in der Berufsbildung sind in den größten EU-Mitgliedstaaten zu finden – so gab es beispielsweise 2015 in Deutschland 1,2 Millionen Lernende auf Sekundarstufe-II-Niveau, 1,1 Millionen in Frankreich, 1,6 Millionen in Italien und 1,6 Millionen im Vereinigten Königreich.

Wie viele junge Menschen machen eine Lehre oder absolvieren eine andere Form des arbeitsbasierten Lernens?

Das System der Berufsausbildung ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich. Gemeinsam ist jedoch allen die Kombination und das Alternieren von Lernen im Unternehmen und Schulbesuch, die bei erfolgreichem Abschluss zu einer auf nationaler Ebene anerkannten Qualifikation führen. 

2015 absolvierten fast alle Lernenden in der Berufsbildung auf Sekundarstufe-II-Niveau in Lettland, Ungarn und Dänemark Ausbildungsgänge, in denen das Lernen am Arbeitsplatz mehr als ein Viertel des Lehrplans ausmachte. 

In Deutschland betrug dieser Anteil etwa 90 %, im Vereinigten Königreich und Österreich rund 50 %. Alle anderen Länder lagen deutlich darunter. In einigen Ländern hatten – wenn überhaupt – nur wenige Auszubildende die Gelegenheit zum arbeitsbasierten Lernen. 

Finden junge Absolventen von Berufsbildungsgängen leicht eine Stelle?

Nach Daten von Eurostat finden im EU-Durchschnitt 75 % aller jungen Menschen mit einer Berufsqualifikation innerhalb von drei Jahren nach ihrem Abschluss eine Stelle. Die Situation ist allerdings je nach Land unterschiedlich. In einem Drittel der Länder liegt der Anteil bei über 80 % und in einigen wenigen (Griechenland und Italien) bei unter 50 %. In den meisten Ländern fällt der Vergleich zwischen Absolventen von Berufsbildungsgängen und Absolventen allgemeiner Bildungsgänge (EU-Durchschnitt: 63 %) zugunsten der Berufsbildung aus. 

Haben Absolventen von Berufsbildungsgängen Zugang zu Hochschulen?

Die große Mehrheit der Lernenden in der Berufsbildung auf Sekundarstufe-II-Niveau absolviert Bildungsgänge, die einen unmittelbaren Zugang zur Hochschulbildung ermöglichen – in einem Drittel der Mitgliedstaaten ist das für über 90 % der Fall, und in den meisten anderen Mitgliedstaaten für über 60 %. Nur in einigen wenigen Ländern ist der direkte Hochschulzugang eingeschränkt, in der Regel, weil die Berufsbildungsgänge – aufgrund spezifischer nationaler Prioritäten – eher kurz ausgelegt sind. In diesen Fällen müssen für die Zulassung zum Hochschulstudium Übergangsprogramme absolviert werden.

Wie viele Erwachsene bilden sich im Laufe ihres Lebens weiter?

Während fast alle jungen Menschen eine Bildung absolvieren – fast die Hälfte von ihnen eine berufliche Aus- und Weiterbildung – nimmt nur jeder zehnte erwachsene Europäer an Bildungsmaßnahmen für Erwachsene teil. Von etwa 270 Millionen Europäerinnen und Europäern über 25 Jahren geben demnach nur etwa 27 Millionen an, dass sie kürzlich an einer Bildungsmaßnahme oder einer beruflichen Fortbildung teilgenommen haben.

Um in unserer sich rasch verändernden Welt Erfolg zu haben, müssen absolut alle Menschen über aktuelle und breitbandige Kompetenzen und Qualifikationen verfügen – und diese ein Leben lang weiterentwickeln. Dies bringt nicht nur Vorteile für die betreffenden Einzelpersonen, sondern auch für die Unternehmen, die diese Menschen beschäftigen, indem Motivation, Innovation und Produktivität gesteigert werden. Auch die Gesellschaft insgesamt profitiert von den entsprechenden positiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Was tut Europa sonst noch, um Berufsbildungsgänge zur „ersten Wahl“ zu machen?

Die Kommission hat eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die berufliche Bildung effizienter und attraktiver zu gestalten, beispielsweise:

 

 

MEMO/17/4684

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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