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Europäische Kommission - Factsheet

Kultur und Kreativität im Städtevergleich

Brüssel, 6. Juli 2017

Fragen und Antworten

Die europäische Wirtschaft ist nicht nur wissensintensiv, sondern hat auch eine starke kulturelle und kreative Komponente: Der dynamische Kultur- und Kreativsektor gilt als Motor für Innovationen, Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen und fördert den sozialen Zusammenhalt. Hier muss die EU ansetzen, wenn sie neue Wege zur Förderung von Wachstum und Innovation in unserer modernen digitalen Sharing Economy (Wirtschaft des Teilens) erschließen will.

Im ersten Städtevergleich „Kultur und Kreativität“ wurden 168 ausgewählte Städte in 30 europäischen Ländern (den 28 EU-Ländern sowie Norwegen und der Schweiz) einander gegenübergestellt. Ihre Leistungen in den neun „Dimensionen“, die über die kulturelle Dynamik, die Kulturwirtschaft und das Kulturumfeld Auskunft geben, wurden anhand sorgfältig gewählter Kriterien gemessen.

Mit diesem Städtevergleich unterstreicht die Europäische Kommission ihre Entschlossenheit, Kultur in den Mittelpunkt ihrer politischen Agenda zu stellen und die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Städte und Regionen zu fördern. Eine der öffentlichkeitswirksamsten Initiativen der EU – Kulturhauptstädte Europas – macht die Städte selbst zur Kulturattraktion. Die Initiative wird im Rahmen des Kommissionsprogramms Kreatives Europa gefördert, das auch andere erfolgreiche Projekte in diesem Bereich unterstützt: „Kultur für Städte und Regionen“ sowie das europäische Netzwerk „Creative Hubs“ und das Netzwerk „Creative Lenses/Trans Europe Halles“. Dies sind nur einige Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kommunen, denen die Kultur- und Kreativindustrie viel zu bieten hat.

Aus dem Vergleich geht hervor, wo die Stärken der einzelnen Städte liegen und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Er zeigt auch, dass die erfolgreichsten Städte nicht überall, sondern oft nur in einigen Schlüsselbereichen besonders gut abschneiden.

Welche Rolle spielt die Kultur in der EU-Politik?

Seit der Annahme der ersten „Europäischen Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ (2007) hat die Kultur in der Politikgestaltung der EU stetig an Bedeutung gewonnen. Dass Kultur und Kreativität als bereichsübergreifende Faktoren zu intelligentem, inklusivem und nachhaltigem Wachstum beitragen und Innovationen in weiten Teilen der europäischen Wirtschaft anregen, wurde bereits in verschiedenen EU-Strategiepapieren anerkannt, z. B. in der Mitteilung „Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen“ (2012), in der Mitteilung zum Kulturerbe (2014) oder in der Entschließung des Europäischen Parlaments zur kohärenten Politik der EU für die Kultur- und Kreativwirtschaft (2016).

Einer der vier Schwerpunktbereiche des Arbeitsplans der EU für Kultur 2015–2018 betrifft den Kultur- und Kreativsektor und insbesondere die Rolle der Kreativwirtschaft bei der Förderung von Innovationen.

Welches Ziel verfolgt die EU mit dem Städtevergleich?

Die Erfassung kultureller und kreativer Ressourcen und die systematische und vergleichbare Messung ihres Wertes und ihrer Wirkung in ganz Europa sind nach wie vor eine Herausforderung, da insbesondere für Städte keine gemeinsamen Definitionen oder Parameter vorliegen.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) – der interne wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission – hat den Städtevergleich entwickelt, um diese Lücke zu füllen. Er schafft eine gemeinsame Faktengrundlage über Kultur und Kreativität in Städten und soll

  • politische Entscheidungsträger darin unterstützen, Stärken ihrer Städte zu ermitteln, sich mit anderen Städten zu messen und voneinander zu lernen und die Auswirkungen ihrer Politik zu bewerten;
  • die Bedeutung von Kultur und Kreativität zur Verbesserung der sozioökonomischen Perspektiven und der Krisenfestigkeit hervorheben und vermitteln;
  • neue Forschungsarbeiten und Ansätze für die Untersuchung der Rolle von Kultur und Kreativität in Städten anregen.

Ganz allgemein besteht das Ziel des Städtevergleichs darin, Öffentlichkeit und Politik zu sensibilisieren, damit sie den hohen Wert von Kultur und Kreativität in der heutigen Gesellschaft vollständig anerkennen. Außerdem sollen Investitionen zur Förderung von Kultur und Kreativität mobilisiert werden.

Was wird im Städtevergleich gemessen?

In dieser ersten Ausgabe wurden 168 kulturell aktive, kreative Städte im europaweiten Vergleich gegenübergestellt und anhand quantitativer und qualitativer Daten zu Kultur und Kreativität bewertet.

Mit 29 Indikatoren wurde ihre Leistung in neun Dimensionen gemessen, die drei wichtige Aspekte der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Dynamik einer Stadt widerspiegeln:

  • Kulturelle Dynamik – misst den kulturellen „Puls“ einer Stadt in Bezug auf kulturelle Infrastruktur und Teilhabe an der Kultur;
  • Kreativwirtschaft – gibt wieder, inwiefern der Kultur- und Kreativsektor zu Beschäftigung, Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovationen beiträgt;
  • Kulturumfeld – erfasst die materiellen und immateriellen Werte, die eine Stadt für kreative Talente attraktiv machen und kulturelles Engagement begünstigen.

Abbildung 1: Kultur und Kreativität im Städtevergleich – Rahmenkonzept und Indikatoren

Zu den qualitativen Komponenten zählen Eckdaten und Erscheinungsformen des kulturellen und kreativen Lebens einer Stadt, darunter die wichtigsten Kulturstätten, Kunsteinrichtungen und Live-Veranstaltungen, aber auch die Entwicklung politischer Strategien und die Infrastruktur (wie Finanzmittel, Steueranreize, kreative „Keimzellen“ oder „Fab Labs“, d. h. kleinere Workshops für digitale Fabrikation, in denen der Zugang zu Produktionsmitteln – 3D-Drucker, Fräswerkzeuge o. ä. – ermöglicht wird, damit diese vor Ort oder über das Internet gemeinsam erprobt und Spielzeuge, experimentelle Entwürfe oder andere Werkzeuge erstellt werden können). Diese Komponenten veranschaulichen das Engagement einer Stadt zur Förderung von Kultur und Kreativität.

Abbildung 2: Die „ideale“ Kultur- und Kreativstadt

Aus den Ergebnissen gehen die Stärken einer Stadt hervor (damit sie diese mithilfe von Strategien für intelligente Spezialisierung noch vertiefen kann), aber auch die Bereiche, in denen sie noch von anderen, vergleichbaren Städten lernen kann. Städte, die ein dynamisches und kreatives Umfeld für Kultur schaffen möchten, finden in der europäischen Vielfalt also ideale Lernvoraussetzungen.

Wie kommt die Aussage zustande, kleinere Städte hätten mehr Kultur zu bieten als große?

Bei der Auswertung der Daten wurden mehrere Schritte durchlaufen. Unter anderem wurden die Indikatoren pro Kopf dargestellt, wodurch die Städte untereinander erst vergleichbar wurden. Allerdings begünstigte dies Städte mit einem umfangreichen kulturellen und kreativen Angebot pro Einwohner. Darum schnitten kleinere Städte teilweise besser ab als größere (und häufig reichere und dynamischere). Zum Beispiel erhielt Limerick in Irland mehr Punkte für seine Museen als Lissabon oder Paris. Zur Vermeidung von Fehlinterpretationen sollten daher nur ähnliche Städte miteinander verglichen werden. Auf der Online-Plattform besteht die Möglichkeit, die Ergebnisse auf der Grundlage ähnlicher Einwohnerzahlen, Beschäftigungsraten und Wohlstandsniveaus darzustellen. In Bezug auf die kulturelle Dynamik erzielten Hauptstädte und Nicht-Hauptstädte in vielen Teilen Europas hohe Punktzahlen. Dieses polyzentrische Bild stellt unter Beweis, dass Städte unabhängig von ihrer Größe – also auch kleinere Städte sowie Kommunen in peripheren städtischen Gebieten – für ausgebildete Kreativschaffende attraktiv sein und diese langfristig halten können.

Wie wurden die Städte ausgewählt?

168 Städte wurden auf der Grundlage von drei messbaren und vergleichbaren Kriterien ausgewählt, die auf einen breit gefächerten und vielfältigen Pool von Städten in ganz Europa einheitlich anwendbar sind (siehe Anhang I des Berichts):

  1. 93 ehemalige oder künftige Kulturhauptstädte Europas (bis 2019) oder Städte, die bis 2021 in der engeren Auswahl stehen;
  2. 22 „Creative Cities“ der UNESCO (einschließlich der jüngsten Preisträger von 2015) – die nicht auch „Kulturhauptstädte Europas“ sind;
  3. 53 Städte, die bis mindestens 2015 regelmäßig zwei internationale Kulturfestivals ausgerichtet haben.

Die Stichprobe umfasst außerdem alle Hauptstädte der 30 im Vergleich berücksichtigten Teilnehmerländer (alle EU-Länder sowie Norwegen und die Schweiz).

13 Länder wurden zwar in den Vergleich aufgenommen, in den abschließenden Ranglisten jedoch nicht berücksichtigt, da ihr Datenbestand nicht den Kriterien entsprach: Auf Indexebene musste die Abdeckung mindestens 45 % betragen, für die Teilindizes „kulturelle Dynamik“ und „Kreativwirtschaft“ mindestens 33 %.

Die Ranglisten und entsprechenden Analysen beziehen sich daher auf insgesamt 155 Städte, die qualitativen Angaben hingegen auf die gesamte Stichprobe von 168 Städten.

Diese ist jedoch weder erschöpfend noch endgültig. Natürlich fördern auch viele andere Städte aktiv Kunst, Kultur und damit verbundene kreative Tätigkeiten und Berufe, um ihre sozioökonomischen Ziele zu erreichen. Sicherlich haben viele von ihnen ehrgeizige Kulturstrategien verabschiedet oder kulturorientierte Stadterneuerungsprojekte auf den Weg gebracht.

Wird der Städtevergleich wiederholt?

Der aktuelle Städtevergleich ist zunächst eine Momentaufnahme der letzten Jahre und ein erster Schritt zur Messung und Darstellung der Vielfalt an Kultur- und Kreativstädten in Europa sowie ihrer Leistungen.

Die Ausgabe 2017 bildet eine solide Grundlage, die von nun an alle zwei Jahre aktualisiert werden soll, um sicherzustellen, dass sie sowohl konzeptionell als auch statistisch für alle Länder und Städte auf dem neuesten Stand ist, sodass Fortschritte verfolgt werden können. Die Gemeinsame Forschungsstelle wertet derzeit außerdem größere Datenquellen aus, damit auch informelle kulturelle Ereignisse kleinerer Kultureinrichtungen berücksichtigt werden können. Google Maps und Open Street Map könnten zur Erfassung derartiger Informationen genutzt werden.

Im Laufe des Jahres 2018 wird darüber hinaus eine neue App herausgebracht, damit Nutzer das Profil der Kultur- und Kreativstädte mit eigenen Daten und Bewertungen („verborgene Schätze“) ergänzen können.

Ist in der nächsten Ausgabe Raum für neue Städte?

Einige der europäischen Städte, die mindestens eins der drei Auswahlkriterien erfüllten, wurden nicht in die Ausgabe 2017 des Städtevergleichs „Kultur und Kreativität“ aufgenommen, da nicht genügend Daten verfügbar waren. Sollte sich dies ändern, könnten sie in künftigen Ausgaben berücksichtigt werden. „Kultur und Kreativität im Städtevergleich“ ist im Übrigen ein offenes Instrument: Jede Stadt hat die Möglichkeit, dort ihre Leistung in Bezug auf Kultur und Kreativität zu messen. Die drei Auswahlkriterien wurden aus pragmatischen Gründen zur Zusammenstellung der ersten Stichprobe gewählt – auf der Online-Plattform können Nutzer neue Daten eingeben oder die Gewichtung der Dimensionen und Teilindizes ändern, um vor Ort herrschende Verhältnisse besser abzubilden.

Weitere Informationen

Pressemitteilung

MEMO/17/1804

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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