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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten zum EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige

Brüssel, 20. Juni 2017

Anlässlich des Weltflüchtlingstags der Vereinten Nationen stellt die Europäische Kommission heute das „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige“ vor.

Siehe IP/17/1603

Warum hat die Kommission dieses Instrument geschaffen?

Drittstaatsangehörige (Migranten aus Drittstaaten) können einen aktiven Beitrag zu den europäischen Gesellschaften leisten, wenn ihre Integration in die Gesellschaft ihres Aufnahmestaats gelingt. Die Integration dieser Menschen stellt eine der bedeutendsten Herausforderungen dar, denen wir gemeinsam gegenüberstehen, da die Kosten der Nichtintegration die Kosten wirksamer Integrationsmaßnahmen langfristig weit übersteigen. Außerdem hat Europa in Anbetracht der Digitalisierung und der alternden Gesellschaft ein Interesse daran, ein attraktives Ziel für Talente zu werden, auf die unsere Volkswirtschaften angewiesen sind. Wenn wir das Beste aus den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen machen wollen, müssen wir alle Talente nutzen.

Ungefähr ein Viertel der Drittstaatsangehörigen in der EU hat ein hohes Bildungsniveau; dieser Anteil liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Es ist jedoch auch zu berücksichtigen, dass ca. zwei Drittel dieser hochqualifizierten Drittstaatsangehörigen entweder nicht erwerbstätig, arbeitslos oder für ihre Arbeit überqualifiziert sind. Es besteht also eindeutig Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen; Unterstützung benötigen sowohl hochqualifizierte Drittstaatsangehörige bei der Suche nach einer ihren Kompetenzen entsprechenden Arbeit als auch weniger qualifizierte Drittstaatsangehörige, denen der Zugang zum Arbeitsmarkt durch eine Weiterbildung ermöglicht werden muss. Das „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen“ wird allen Drittstaatsangehören zugutekommen, besonders jedoch den Neuankömmlingen.

Für die nationalen Behörden (z. B. Aufnahmezentren, Integrationsdienste) und die öffentlichen Arbeitsverwaltungen ist es nach wie vor schwierig, sich zunächst einen guten Überblick über die Kompetenzen und Qualifikationen zu verschaffen, die neu angekommene Drittstaatsangehörige mitbringen, denn nur so können sie diesen Menschen zu einer Beschäftigung, einer Bildungsmaßnahme oder zur Anerkennung ihrer Kompetenzen/Qualifikationen verhelfen. Ein mehrsprachiges Instrument, das alle Informationen zum Thema Arbeit und Bildung enthält, kann die Eingliederung in den Arbeitsmarkt der EU und damit in die Gesellschaft erleichtern.

In diesem Monat jährt sich die Veröffentlichung der „neuen europäischen Agenda für Kompetenzen“ und des EU-„Aktionsplans für die Integration von Drittstaatsangehörigen“. Der Aktionsplan bietet einen umfassenden Rahmen zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Stärkung ihrer Integrationspolitik. Die neue Agenda für Kompetenzen umfasst zehn Schlüsselmaßnahmen, zu denen auch das „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige“ zählt. Beide zielen darauf ab, den Erwerb von auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zugeschnittenen Kompetenzen zu fördern und die Arbeitslosigkeit in der gesamten EU zu senken.

Für wen ist das Instrument gedacht?

Das Instrument soll allen vor kurzem angekommenen Drittstaatsangehörigen, die ein Aufenthaltsrecht in der EU haben, sowie den Organisationen zur Förderung ihrer Integration helfen. Es wird namentlich Organisationen, die in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Beschäftigung und Migration/Integration aktiv sind, sowie nationalen oder regionalen Behörden nützen. Dieses breite Spektrum ist der Grund dafür, dass das Instrument offen und flexibel gestaltet wurde, sodass es an die unterschiedlichen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der Nutzer angepasst werden kann.

Welchen Nutzen hat das Instrument? Verfügen die Mitgliedstaaten nicht bereits über Instrumente zur Ermittlung der Qualifikationen und Kompetenzen von Drittstaatsangehörigen?

Zwar sind Aufnahmezentren, Integrationsdienste und öffentliche Arbeitsverwaltungen in den Mitgliedstaaten oft gut ausgestattet und können Drittstaatsangehörigen bei der Suche nach einer Beschäftigung oder Bildungsmaßnahme bzw. bei der Anerkennung ihrer Kompetenzen/Qualifikationen behilflich sein; der allererste Schritt – nämlich die Bestandsaufnahme ihrer Kompetenzen und Erfahrungen – kann sich unter Umständen dennoch als schwierig erweisen.

Das „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen“ erleichtert und beschleunigt die Auswertung und Darstellung der Kompetenzen bzw. des Fortbildungsbedarfs jedes Einzelnen. Es wird demnächst in allen Amtssprachen der EU sowie auf Arabisch, Farsi, Paschtu, Sorani, Somalisch und Tigrinya verfügbar sein. Dabei können gleichzeitig zwei Sprachen parallel auf dem Bildschirm angezeigt werden.

Die Datenerfassung erfolgt in der gesamten Europäischen Union einheitlich unter Verwendung einer standardisierten Terminologie, was die Nutzung des Instruments in allen Mitgliedstaaten erleichtert.

Der Web Editor ist völlig flexibel: Die einzelnen Nutzer können nach Belieben viele oder wenige Angaben machen und das Formular in einem oder mehreren Durchgängen ausfüllen. Mitgliedstaaten und Organisationen können selbst entscheiden, welche Teile des Fragebogens für sie relevant sind.

Mit dem Instrument sollen bereits praktizierte bewährte Verfahren keineswegs ersetzt werden; vielmehr soll es als Ergänzung dort zum Einsatz kommen, wo noch Bedarf besteht.

Warum hat die Kommission diese sechs Drittstaatensprachen (Arabisch, Farsi, Paschtu, Sorani, Somalisch und Tigrinya) ausgewählt?

Wir haben uns bei der Sprachauswahl auf eine Analyse der Herkunftsländer gestützt, aus denen in den Jahren 2014 bis 2016 die meisten Asylbewerber in die EU gekommen sind. Das sind Syrien, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Albanien, Irak und Iran (wo Sorani oder Zentralkurdisch gesprochen wird) sowie Eritrea (wo Tigrinya gesprochen wird).

Wer wurde bei der Erstellung des Instruments konsultiert? Wurde das Instrument getestet?

Die Kommission hat eine umfassende Erhebung zum Inhalt des Instruments durchgeführt und weite Kreise zu einer Demoversion konsultiert. Es wurde eine Reihe von internationalen, EU-weiten und nationalen Stellen eingebunden, die sich mit Migration befassen, wie etwa Einwanderungsbehörden oder Aufnahme- und Unterstützungszentren für Flüchtlinge. Die Kommission hat auch Kontakt zu den einschlägigen Organisationen im Bereich Beschäftigung sowie allgemeine und berufliche Bildung aufgenommen. Der aus dem Engagement dieser Stakeholder hervorgegangene Input ist in eine neue Version des Instruments eingeflossen.

Das Feedback war bislang positiv, wobei viele Organisationen den Wunsch äußerten, ihre derzeitigen Systeme und Verfahren an das Instrument anzupassen; dazu gehören auch solche, die bereits über eigene Instrumente verfügen.

Wird es eine Pflicht zur Nutzung des Instruments geben?

Für die Integration sind in erster Linie die Mitgliedstaaten zuständig; dieses Instrument ist ein Unterstützungsangebot, von dem die nationalen und lokalen Behörden und Organisationen Gebrauch machen können. Je stärker es genutzt wird, desto einfacher wird es für Drittstaatsangehörige sein, Arbeitsverwaltungen oder Berufsbildungseinrichtungen verschiedener Mitgliedstaaten in allgemein anerkannter Form über ihre Kompetenzen zu informieren. Hierüber zu entscheiden, ist aber Sache der Mitgliedstaaten.

Wie funktioniert das Instrument?

Interviewer (beispielsweise Sozialarbeiter) und Befragte (aus einem Drittstaat) füllen gemeinsam einen Fragebogen aus, mit dem die Kompetenzen, der schulische und berufliche Werdegang, Arbeit/Lebensunterhalt, Erfahrungen und Erwartungen der Drittstaatsangehörigen erfragt werden.

Das Instrument in Form eines Web Editors wird in verschiedenen Sprachen angeboten, von denen die Nutzer sich zwei beliebige parallel auf dem Bildschirm anzeigen lassen können. So können Drittstaatsangehörige das Formular auch dann gemeinsam mit ihren Beratern ausfüllen, wenn beide keine gemeinsame Sprache sprechen.

Durch Ausfüllen des Formulars erhalten die Nutzer ihr „Kompetenzprofil“. Da auf der Hosting-Website keine personenbezogenen Daten gespeichert werden, können sich die Nutzer darauf verlassen, dass sie die Kontrolle über die gemachten Angaben behalten.

Im letzten Teil des Instruments können Berater Empfehlungen für die nächsten Schritte abgeben, die der Drittstaatsangehörige unternehmen sollte. Denkbar wären beispielsweise

ein Besuch bei einer amtlichen Akkreditierungsstelle zur Anerkennung einer Qualifikation;

die Empfehlung eines Sprachkurses;

ein Termin bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung, bei dem das Kompetenzprofil das Gespräch erleichtern könnte.

Das Kompetenzprofil-Instrument ist ein flexibles Instrument, das sich an nationale oder lokale Bedürfnisse anpassen lässt. Es kann als eigenständiges Ganzes eingesetzt werden, doch können Mitgliedstaaten (insbesondere in Aufnahmezentren, Migrationsbehörden, Integrationsdiensten, öffentlichen Arbeitsverwaltungen) sowie Interessenträger und NRO auch nur die für sie relevantesten Teile ausfüllen.

Was geschieht mit den eingegebenen Daten?

Alle Verfahren entsprechen in vollem Umfang dem Datenschutzrecht der EU. Die befragte Person wird gebeten, die Nutzung ihrer anonymisierten Daten zu statistischen Zwecken zu erlauben. Wollen nationale Behörden diese statistischen Daten nutzen, so müssen sie sich dabei an das nationale und das EU-Datenschutzrecht halten.

Wird die Nutzung des Instruments etwas kosten?

Nein, alle Nutzer können das Instrument kostenlos in Anspruch nehmen.

MEMO/17/1601

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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