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Europäische Kommission - Factsheet

Beziehungen EU-Tunesien

Brüssel, 10. Mai 2017

Sechs Jahre nach der Revolution von 2011 hat das tunesische Volk den Weg für eine moderne, auf Grundfreiheiten, sozioökonomischer Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit beruhende Demokratie geebnet. Die Europäische Union hat Tunesien durch verstärkte bilaterale Beziehungen und mehr Zusammenarbeit in Schlüsselbereichen bei diesem Prozess unterstützt.

EU unterstützt Übergangsprozess in Tunesien

Unmittelbar nach der Revolution von 2011 hat sich die EU verpflichtet, das tunesische Volk auf seinem Weg zu mehr Demokratie, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit zu unterstützen. Die EU und Tunesien - natürliche Partner sowohl in geografischer als auch in kultureller und handelspolitischer Hinsicht - haben 2012 vor diesem neuen Hintergrund eine „privilegierte Partnerschaft“ gegründet und einen ehrgeizigen Aktionsplan für deren Konkretisierung aufgestellt.

Dieser Sonderstatus, der Tunesien als einem der Partner der EU unter den Ländern der südlichen Nachbarschaft gewährt wurde, zeugt von der festen Entschlossenheit der EU, den Übergang zur Demokratie Tunesiens ebenso zu unterstützen wie die Bemühungen des Landes, in einem fragilen regionalen Umfeld bestimmte miteinander verflochtene Herausforderungen - wie die Konsolidierung der Demokratie (hauptsächlich durch Umsetzung der Verfassung von Januar 2014), die schwierige sozioökonomische Lage (einschließlich der hohen Jugendarbeitslosigkeit) und die terroristische Bedrohung - zu meistern. Der Sonderstatus konkretisiert auch das gemeinsame Ziel, die bilateralen Beziehungen in allen möglichen Bereichen – Politik, Kultur, Wirtschaft, Handel und Sicherheit – zu verstärken und einen intensiveren Austausch zwischen den Gesellschaften zu ermöglichen. Dieses gemeinsame Ziel wurde auf höchster politischer Ebene proklamiert, wie insbesondere anlässlich der Verabschiedung der Gemeinsamen Mitteilung „Ausbau der EU-Unterstützung für Tunesien“ am 29. September 2016, im Rahmen der Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 17. Oktober zur Lage in Tunesien und auch kürzlich während des Besuchs der Hohen Vertreterin, Federica Mogherini, am 1. November 2016 in Tunis. Der Besuch von Präsident Essebsi am 1. Dezember in Brüssel bot nicht nur die Gelegenheit, dieses Engagement erneut zu bekräftigen; die Hohe Vertreterin und Präsident Essebsi nutzten den Moment, gemeinsam die Jugendpartnerschaft EU-Tunisien ins Leben zu rufen.

Der politische Dialog EU-Tunesien hat sich seit der Revolution erheblich verbessert; im Rahmen des Assoziationsabkommens (Unterausschüsse) und sektorspezifischer Abkommen zwischen der EU und Tunesien (z B. Gemeinsamer Ausschuss zur Mobilitätspartnerschaft, Wissenschaftlicher Ausschuss) finden regelmäßig ein Austausch auf hoher Ebene sowie Besuche und thematische Dialoge statt. Der Gemischte Parlamentarische Ausschuss EU-Tunesien nahm seine Arbeit im Jahr 2016 auf, und eine dritte Sitzung fand anlässlich der Tunesischen Woche (2.-5. Mai 2017) im Europäischen Parlament statt.

Im Rahmen der „Privilegierten Partnerschaft“ und angesichts der besonderen Lage Tunesiens bemüht sich die EU darum, in den einzelnen Politikbereichen nach allen möglichen Wegen zu suchen, den Übergang des Landes zur Demokratie zu unterstützen und die Beziehungen zwischen Europäern und Tunesiern zu verbessern.

Schließlich ist auch die tunesische Zivilgesellschaft als wesentliche Akteurin des Übergangs umfassend an diesem Prozess beteiligt (wofür dem Quartett für den nationalen Dialog der Friedensnobelpreis des Jahres 2015 verliehen wurde), insbesondere im Rahmen regelmäßiger trilateraler Dialoge über die Kernpunkte der europäisch-tunesischen Zusammenarbeit, die jeweils im Vorfeld der Sitzungen unserer Unterausschüsse stattfinden.

Seit 2011 hat die EU ihre finanziellen Beiträge für die Zusammenarbeit mit Tunesien mehr als verdoppelt; unter den Ländern der südlichen Nachbarschaft ist das Land Hauptbegünstigter des Rahmenprogramms, das in Anerkennung der Fortschritte, die in den Bereichen Demokratie und Menschenrechte erzielt werden, Kredite gewährt. Rechnet man Beihilfen (mehr als 1,2 Mrd. EUR), makrofinanzielle Unterstützung (MFA: Mio. EUR) und Darlehen, einschließlich der Maßnahmen der Europäischen Investitionsbank (1,5 Mrd. EUR), zusammen, so belief sich die Unterstützung für Tunesien im Zeitraum 2011 bis 2016 auf rund 3,5 Mrd. EUR. Dieser außerordentlich hohe Förderbetrag spiegelt das starke Engagement der EU gegenüber Tunesien wider. Neben zusätzlicher Förderung brachten die letzten fünf Jahre auch diversifiziertere Ansätze und Methoden, die dazu beitragen sollen, den Bedürfnissen Tunesiens nach seinem historischen Übergang zur Demokratie nachzukommen.

Um diesen Erfordernissen optimal gerecht zu werden, konzentriert die EU ihre Hilfe derzeit auf folgende Bereiche: 1) sozioökonomische Reformen zur Förderung von integrativem Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Integration; 2) Konsolidierung der grundlegenden Bausteine der Demokratie; 3) nachhaltige regionale und lokale Entwicklung.

Große Fortschritte in den europäisch-tunesischen Beziehungen zeigten sich im Jahr 2015 und in der ersten Jahreshälfte 2016 mit konkreten Ergebnissen in folgenden Bereichen:

— Auf dem Gebiet der Terrorismusbekämpfung und der Prävention der Radikalisierung hat die EU im Rahmen des politischen Dialogs, der im September 2015 im Anschluss an die Anschläge von Bardo (März) und Sousse (Juni) erstmals in Tunis stattfand, zusätzlich zu dem im November 2015 lancierten umfassenden 23 Millionen-Förderprogramm für Reformen des Sicherheitssektors und Modernisierung eine Liste weiterer Fördermaßnahmen für Tunesien vorgeschlagen. Diese Maßnahme wird dazu beitragen, eine moderne Sicherheitspolitik zu schaffen, die mit den demokratischen Werten der neuen tunesischen Verfassung in Einklang steht. Ein zweiter politischer Dialog fand am 19. Januar 2017 statt.

Im Oktober 2015 wurden anlässlich des Besuchs der für Handel zuständigen EU-Kommissarin Cecilia Malmström in Tunis Verhandlungen über ein künftiges umfassendes und vertieftes Freihandelsabkommen (DCFTA) eingeleitet, das eine erhebliche Hebelwirkung für die Rückkehr von Investitionen und Wachstum in Tunesien und die wirtschaftliche und handelspolitische Integration des Landes mit der EU entfalten dürfte. Die erste Verhandlungsrunde fand im April 2016 in Tunis statt, erste Fachsitzungen in Brüssel vom 6. bis 10. Februar 2017. Die Verhandlungen werden nach den Grundsätzen der Asymmetrie und Progressivität zugunsten Tunesiens geführt. Die EU wird die Verhandlungen und die Umsetzung des künftigen Abkommens mit einem bedeutenden Paket flankierender Maßnahmen unterstützen.

— Im April 2016 hat EU-Kommissar Johannes Hahn in Tunis einen in der Region einzigartigen trilateralen Dialog zwischen den EU-Organen, der tunesischen Zivilgesellschaft und den tunesischen Behörden eröffnet, um mit Blick auf die wichtigsten Fragen und Herausforderungen, die sich Tunesien heute stellen, die Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Vertretern der tunesischen und europäischen Behörden zu fördern und zu pflegen, damit der Übergang zur Demokratie reibungslos abläuft und und bessere Lebensbedingungen für alle Bürger gewährleistet sind.

— Die 2014 gegründete Mobilitätspartnerschaft (MP) schafft einen strukturierten und umfassenden Rahmen für den politischen Dialog zwischen der EU und Tunesien zum Thema Migration und zielt auf die Verbesserung der Verwaltung der operativen und finanziellen Unterstützung in diesem Bereich ab. Die MP mit Tunesien hat eine Reihe von Prioritäten für die Migrationssteuerung gesetzt: Mobilität, legale Migration und Integration, Bekämpfung der illegalen Einwanderung und des Menschenhandels, Rückführung und Rückübernahme, Grenzmanagement, Migration und Entwicklung, Asyl und internationaler Schutz. In den vergangenen zwei Jahren war das Thema Migration ein regelmäßiger Punkt auf der Tagesordnung der hochrangigen Treffen mit den tunesischen Behörden und der Zivilgesellschaft. Zu den bilateralen Verpflichtungen im Rahmen der MP gehören die Aufnahme von Verhandlungen über ein Visaerleichterungsabkommen und ein Rückübernahmeabkommen. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit Tunesien wurden am 12. Oktober 2016 eingeleitet.

- Im April 2016 wurde zur Unterstützung der für Tunesien lebenswichtigen Olivenöl-Branche eine Sondermaßnahme verabschiedet, mit dem Ziel, das zollfreie Jahreskontingent für zwei Jahre zu erhöhen, um die von den Verlusten in der Tourismusbranche stark betroffene tunesische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Zudem erleichtert die EU seit 2016 die Einfuhr tunesischen Olivenöls durch Abschaffung der monatlichen Unterkontingente, die die Ausfuhr von tunesischem Olivenöl in EU-Länder beschränkten.

Seit dem 1. Januar 2016 ist Tunesien das erste arabische Land, das ganzheitlich am EU-Forschungs- und Innovationsprogramm  Horizont 2020 teilnimmt, was seinen Forschern und Wissenschaftlern neue Möglichkeiten eröffnet.

Tunesien hat Interesse an einer Assoziation mit dem Programm „Kreatives Europa“ der Europäischen Kommission bekundet (Unterzeichnung der Vereinbarung voraussichtlich im Rahmen der Tagung des Assoziationsrates am 11. Mai 2017). Das Programm unterstützt Initiativen zur Stärkung der Kultur- und Medienbranche zwecks Förderung von grenzübergreifender Zusammenarbeit, Plattformen, Vernetzung und literarischer Übersetzung sowie der Verbreitung audiovisueller Werke.

— Die am 29. September 2016 von der Hohen Vertreterin und der Kommission angenommene Gemeinsame Mitteilung „Ausbau der EU-Unterstützung für Tunesien“, die auf eine stärkere Unterstützung für Tunesien abzielt, ist die konkrete Antwort der EU auf Anträge Tunesiens auf mehr Unterstützung angesichts der schwierigen aktuellen Lage. Die Mitteilung wird Synergien fördern und die Organe und Einrichtungen der EU und die Mitgliedstaaten anhalten, den Übergang Tunesiens zur Demokratie zu begleiten und die politischen Leitlinien und Prioritäten des fünfjährigen Entwicklungsplans, den das tunesische Parlament am 12. April 2017 angenommen hat, zu untermauern. In diesem Kontext nahm eine hochrangige Delegation an der Investorenkonferenz „Tunesia 2020“ teil, die am 29. und 30. November 2016 stattgefunden hat.

Nähere Einzelheiten

Finanzierung durch die Europäische Kommission

Nachbarschaftspolitik

Die EU ist bestrebt, enge Beziehungen mit Tunesien aufzubauen und die wirtschaftlichen und politischen Reformen Tunesiens zu unterstützen. Im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) unterstützt die EU Tunesien vor allem über das Europäische Nachbarschaftsinstrument (ENI). Die indikative Mittelausstattung des ENI für den derzeitigen Finanzierungszeitraum (2014-2020) liegt zwischen 725 EUR und 886 Mio. EUR. Diese indikativen Mittel werden im Zeitraum 2017-2020 sicher aufgestockt werden, wie in der Gemeinsamen Mitteilung „Ausbau der EU-Unterstützung für Tunesien“ bestätigt wurde. Die EU plant, im Jahr 2017 ihre jährliche Finanzhilfe in Form von Zuschüssen auf bis zu 300 Mio. EUR aufzustocken, und ist entschlossen, bis 2020 ein nachhaltiges Finanzierungsniveau aufrechtzuerhalten.

Diese Mittel wurden durch Mittel aus anderen EU-Instrumenten wie dem Instrument für Stabilität und Frieden (IcSP), dem Europäischen Instrument für Demokratie und Menschenrechte (EIDHR), der Fazilität für Investitionen im Rahmen der Nachbarschaftspolitik (NIF) und thematische Programme im Rahmen des Finanzierungsinstruments für die Entwicklungszusammenarbeit (DCI) ergänzt.

Mittel aus dem Europäischen Nachbarschaftsinstrument (ENI) und dem Europäischen Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstrument (ENPI)

Seit der Bewegung des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 hat Tunesien Finanzhilfen in Höhe von über 1,2 Mrd. EUR erhalten, von denen mehr als 1 Mrd. EUR über die Instrumente zur Umsetzung der Europäischen Nachbarschaftspolitik bereitgestellt wurde.

Für den Zeitraum 2011-2013 erhielt Tunesien im Rahmen des Europäischen Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstruments (ENPI) 445 Mio. EUR an Entwicklungshilfe, d. h. fast doppelt so viel wie der ursprünglich für Tunesien vorgesehene Betrag für diesen Zeitraum. Der Großteil der Mittel war für Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft und des Übergangs zur Demokratie vorgesehen. Der Rest wurde für Projekte zugunsten der tunesischen Bürgerinnen und Bürger verwendet, insbesondere in benachteiligten Regionen. Die Unterstützung umfasste auch umfangreiche Mittel (155 Mio. EUR) aus dem Programm „SPRING“, das Fortschritte bei demokratischen Reformen belohnt und dessen wichtigster Empfänger unter den Ländern der südlichen Nachbarschaft Tunesien war.

Die 2014 im Rahmen des ENI geleistete bilaterale Hilfe belief sich auf 169 Mio. EUR und war hauptsächlich bestimmt für die wirtschaftliche Erholung, die Reformen in Schlüsselbereichen (Justiz, Medien, Geschlechtergleichstellung usw.), Grenzverwaltung, die Lebensbedingungen in benachteiligten Stadtvierteln und die Förderung der Zivilgesellschaft. Die 2015 geleistete bilaterale Hilfe belief sich auf 186,6 Mio. EUR für sechs Programme, die in erster Linie auf die Erholung der Wirtschaft (einschließlich Tourismus), die Reform des Sicherheitssektors und die regionale Entwicklung ausgerichtet waren. Zusätzliche Mittel wurden auch im Rahmen des finanziellen Anreizmechanismus bereitgestellt (50 Mio. EUR im Jahr 2014 und 71,8 Mio. EUR im Jahr 2015), der die Fortschritte bei den demokratischen Reformen durch zusätzliche Finanzierungen aus dem Rahmenfinanzierungsprogramm belohnt. Für 2016 waren vorläufig vier neue Programme mit einem Gesamtvolumen von 213,5 Mio. EUR vorgesehen, die in Schlüsselsektoren wie Bildung, Forschung und Innovation, Gesundheit, lokale Entwicklung und Reform der öffentlichen Verwaltung in Kürze angenommen werden.

Handelspolitische Zusammenarbeit der Europäischen Union mit Tunesien

Tunesien unterzeichnete im Juli 1995 als erstes Mittelmeerland ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union. Die Beseitigung der Zölle gemäß dem Abkommen wurde 2008 abgeschlossen und hat zur Schaffung einer Freihandelszone geführt – der ersten zwischen der EU und einem Partner aus dem Mittelmeerraum. Am 13. Oktober 2015 leitete die Europäische Union in Tunis die Verhandlungen über ein vertieftes und umfassendes Freihandelsabkommen (DCFTA) ein, das auf der bereits bestehenden Freihandelszone nach dem Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen aufbauen wird, das vor 20 Jahren unterzeichnet wurde und im Wesentlichen den Warenhandel betraf. Ziel des Abkommens ist die Verbesserung des Marktzugangs und der Investitionsmöglichkeiten sowie die Unterstützung der laufenden Wirtschaftsreformen in Tunesien. Die Gespräche wurden am 13. Oktober 2015 in Tunis aufgenommen, gefolgt von ersten Beratungen in der Woche vom 19. bis 22. Oktober 2015. Die erste Verhandlungsrunde fand in der Woche vom 18. bis 22. April 2016 in Tunis statt. Die EU ist der wichtigste Handelspartner Tunesiens (75 % der Ausfuhren und 63 % des gesamten Handels des Landes). Der Gesamtbetrag des Handels wurde im Jahr 2015 auf mehr als 20 Mrd. EUR geschätzt. Die wichtigsten Ausfuhren Tunesiens in die EU sind Maschinen und Transportausrüstung (41 %), Textilien und Bekleidung (24 %) sowie Agrarerzeugnisse (8,5 %). Die wichtigsten Ausfuhren der EU nach Tunesien sind Maschinen und Transportausrüstung (36 %), Textilien und Bekleidung (12 %), Treibstoffe und Bergbauerzeugnisse (10 %) sowie chemische Erzeugnisse (8 %).

Besserer Marktzugang für Olivenöl

Das 1995 unterzeichnete Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen sieht ein jährliches Zollkontingent für die Einfuhr von 56 700 Tonnen Olivenöl mit Ursprung in Tunesien zum Zollsatz Null in die EU vor. Die Terroranschläge von 2015 in Tunis und Sousse haben die EU veranlasst, Tunesien durch konkrete und kurzfristige Maßnahmen zu unterstützen. Zu diesem Zweck schlug die EU im September 2015 – auf Initiative der europäischen Minister für Auswärtige Angelegenheiten - vor, mit Wirkung von 2016 die monatliche Begrenzung der Einfuhren von tunesischem Olivenöl in die EU aufzuheben, für einen Zeitraum von zwei Jahren zusätzliche Einfuhren von 35 000 Tonnen jährlich zuzulassen und dringende autonome Handelsmaßnahmen für Tunesien einzuführen, mit denen über die 56 700 Tonnen gemäß dem Europa-Tunesien-Assoziationsabkommen hinaus ein Kontingent von 35 000 Tonnen jährlich über einen Zeitraum von zwei Jahren (2016-2017, insgesamt 70 000 Tonnen) zum Zollsatz Null gewährt wird.

Die Verordnung (EU) 2016/580 zur Einführung dringender autonomer Handelsmaßnahmen für die Tunesische Republik wurde am 13. April 2016 vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen.

Im Dezember 2016 legte die Kommission eine Halbzeitbewertung der Auswirkungen dieser autonomen Handelsmaßnahme auf den Olivenölmarkt in der EU vor.

Der tunesische Olivenölsektor bietet direkte und indirekte Beschäftigungsmöglichkeiten für über eine Million Menschen; dies entspricht einem Fünftel der Arbeitsplätze des Landes im Agrarsektor. Die Initiative verbessert den Zugang von tunesischem Olivenöl zum EU-Markt und verschafft Tunesien durch eine beträchtliche Unterstützung der Handelsbilanz des Landes einen dringend benötigten wirtschaftlichen Vorteil.

Makrofinanzhilfe (MFH)

Welche Makrofinanzhilfe erhält Tunesien bereits?

Die Makrofinanzhilfe ist ein spezielles Kriseninstrument, das die EU für Nachbarländer mit großen Zahlungsbilanzproblemen eingerichtet hat. Die Europäische Union und die tunesischen Behörden unterzeichneten im September 2014 einen ersten Darlehensvertrag und eine Vereinbarung über eine Makrofinanzhilfe für Tunesien in Höhe von insgesamt 300 Mio. EUR. Im Jahr 2015 erfolgten zwei Auszahlungen in Höhe von jeweils 100 Mio. EUR. Eine dritte und letzte Tranche in gleicher Höhe dürfte in diesem Jahr ausgezahlt werden, sofern die Bedingungen erfüllt sind.

Die Hilfe soll Tunesien bei der Verwirklichung weiterer Fortschritte bei den Wirtschaftsreformen und bei seinen Bemühungen im Bereich der guten Regierungsführung unterstützen. Daher ist die Makrofinanzhilfe an die Bedingung geknüpft, dass Tunesien eine Reihe von Wirtschaftsmaßnahmen durchführt, die in der Vereinbarung beschrieben sind. Dieses erste Programm hat die Umsetzung einer ehrgeizigen Reformagenda in den folgenden Bereichen unterstützt: öffentliche Finanzverwaltung, Steuern (mit Maßnahmen zur Verbesserung der Steuererhebung und zur Erhöhung der Steuerprogression), Sozialschutz und Finanzsektor, Maßnahmen zur Verbesserung des Rechtsrahmens für Handel und Investitionen.

Welche zusätzlichen Makrofinanzhilfen hat die Kommission am 12. Februar 2016 vorgeschlagen?

Die Terroranschläge von 2015 und die sich daraus ergebenden Sicherheitsprobleme haben die tunesische Wirtschaft schwer erschüttert, insbesondere in Schlüsselsektoren wie Tourismus und Verkehr. Dies hat die bestehenden Zahlungsbilanzprobleme noch verschärft. Das Makrofinanzhilfeprogramm der EU wird daher einen Beitrag zur Deckung des Außenfinanzierungsbedarfs von Tunesien in den Jahren 2016 und 2017 leisten und gleichzeitig Reformen unterstützen, die auf eine tragfähigere Zahlungsbilanz und eine solidere Haushaltslage, ein besseres Investitionsklima sowie eine bessere Regelungskonvergenz mit der EU abzielen.

Am 12. Februar 2016 schlug die Kommission auf Antrag Tunesiens und nach einer Ex-ante-Bewertung eine zusätzliche Makrofinanzhilfe für Tunesien in Höhe von bis zu 500 Mio. EUR in Form von mittelfristigen Darlehen zur Ergänzung eines neuen Hilfsprogramms des IWF für die Jahre 2016 bis 2020 vor, das im Mai 2016 unterzeichnet wurde. Dieser Vorschlag wurde vom Europäischen Parlament gebilligt und im Juli 2016 vom Rat nach dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren angenommen. Das Protokoll der Vereinbarung für das Makrofinanzhilfeprogramm II wurde am 27. April 2017 in Brüssel unterzeichnet.

Partnerschaft mit der Europäischen Investitionsbank (EIB)

Seit 2011 hat die EIB Finanzierungen in Höhe von insgesamt 1,5 Mrd. EUR für die Durchführung neuer Projekte in Schlüsselbereichen der tunesischen Wirtschaft wie Energie, KMU, Infrastruktur, Bildung und sozialer Wohnungsbau unterzeichnet. Im Jahr 2015 beliefen sich die Darlehen der EIB für Tunesien auf 200 Mio. EUR.

Die EIB finanziert eine Reihe von Schlüssel-Investitionsprojekten, unter denen insbesondere „ETAP“ zu nennen ist, ein mit 380 Mio. EUR ausgestattetes Gasprojekt im Süden Tunesiens, das 2014 unterzeichnet wurde. Das Projekt umfasst die Erschließung eines umfangreichen Erdgasvorkommens („NAWARA“) im Süden des Landes sowie den Bau einer 370 km langen Gasleitung und einer Gasaufbereitungsanlage in Gabès.

Was den KMU-Sektor angeht, wurde der Amen Bank – in Partnerschaft mit dem Unternehmensnetzwerk Réseau Entreprendre – eine Kreditlinie von 50 Mio. EUR gewährt, um die gewerblich oder kommerziell ausgerichteten tunesischen Unternehmen zu unterstützen.

Ferner hat die EU für den Zeitraum 2008-2015 einen Gesamtbetrag von 90,5 Mio. EUR für die Nachbarschaftsinvestitionsfazilität für Tunesien zugesagt. Dieses Instrument ermöglicht es der EU, Finanzhilfen zur Unterstützung der Darlehensvergabe durch die europäischen Finanzinstitutionen (EIB, EBWE, AFD, KfW) in Schlüsselbereichen wie Energie, Verkehr, Umwelt und Entwicklung des Privatsektors zu gewähren.

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

In den Jahren 2017 und 2018 wird die EU im Rahmen von Erasmus + zusätzliche Mittel in Höhe von 10 Mio. EUR für Tunesien bereitstellen, um den Austausch von Studierenden und Hochschulpersonal zwischen Tunesien und Europa zu fördern. In den kommenden zwei Jahren werden 1500 Studierende, Jugendliche und Hochschulmitarbeiter in Europa und in Tunesien mithilfe dieser Finanzierung die Möglichkeit haben, im Ausland zu studieren, zu lernen oder zu unterrichten sowie ihre Erfahrungen auszutauschen.

Die EU wird diese zusätzlichen Mittel auch verwenden, um die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in der EU und in Tunesien durch zusätzliche Projekte zu vertiefen, die darauf ausgerichtet sind, Hochschuleinrichtungen zu modernisieren.

Abgesehen von der Hochschulbildung wird Erasmus + durch die Unterstützung informeller Bildungsaktivitäten auch die Zusammenarbeit zwischen tunesischen und europäischen Jugendorganisationen fördern. Die EU wird auch Kultur und Kreativität in Tunesien fördern, indem sie diesen beiden Sektoren die Teilnahme an EU-Programmen wie dem Programm „Kreatives Europa“ ermöglicht, denen Tunesien beitreten wird.

Weitere Informationen über die Zusammenarbeit mit Tunesien

Bericht über die Zusammenarbeit 2015, erstellt von der EU-Delegation in Tunesien

Weitere Informationen über die Beziehungen der EU mit Tunesien

Weitere Informationen über die Handelsbeziehungen der EU mit Tunesien

MEMO/17/1263

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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