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Europäische Kommission - Factsheet

Investieren in Europas Jugend: Fragen und Antworten

Brüssel, 7. Dezember 2016

Die Europäische Kommission hat heute eine neue Initiative für Europas Jugend vorgestellt und als Kernstück die Schaffung des neuen Europäischen Solidaritätskorps angekündigt.

Worum geht es bei der Initiative „Investieren in Europas Jugend“?

Die Kommission hat heute mehrere wichtige Maßnahmen zur Unterstützung junger Menschen in Europa vorgelegt. Dazu gehört die Schaffung des Europäischen Solidaritätskorps, die Präsident Juncker in seiner Rede zur Lage der Union vom 14. September 2016 angekündigt hatte. Auf dem Bratislava-Gipfel vom 16. September 2016 haben sich die Staats- und Regierungschefs von 27 EU-Mitgliedstaaten bis zum Jahresende zu einer „Beschlussfassung über die EU-Unterstützung für Mitgliedstaaten zur Eindämmung der Jugendarbeitslosigkeit und über erweiterte EU-Programme für junge Menschen“ verpflichtet. Die heutigen Vorschläge betreffen die ersten konkreten Aktionen von der Maßnahmenliste, die in Präsident Junckers Rede zur Lage der Union und im Bratislava-Fahrplan präsentiert worden war.

Die Initiative „Investieren in Europas Jugend“ zielt auf vier Bereiche ab, die von zentraler Bedeutung für junge Menschen sind:

  • Beschäftigung
  • Mobilität
  • Solidarität und Engagement
  • allgemeine und berufliche Bildung

Was schlägt die Kommission vor?

1. Eindämmung der Jugendarbeitslosigkeit

Der unlängst vorgelegte Kommissionsbericht über die Umsetzung der Jugendgarantie und der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen belegt, dass die Jugendgarantie EU-weit zur Realität geworden ist und Ergebnisse zeitigt. Im Rahmen des Jugendgarantie-Programms haben seit dessen Einführung rund 9 Millionen junge Menschen ein Angebot angenommen. Außerdem ist die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen in der EU seit 2013 um 1,6 Millionen zurückgegangen, und die Zahl derjenigen, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren, ist um 900 000 gesunken. Die Jugendarbeitslosigkeit nimmt zwar kontinuierlich ab, ist aber immer noch zu hoch. Es gilt daher, Lehren aus den gewonnenen Erfahrungen zu ziehen und die vollständige Umsetzung der nationalen Jugendgarantie-Programme voranzutreiben, wie von Präsident Juncker in seiner Rede zur Lage der Union am 14. September 2016 angekündigt.

Die Kommission ist bestrebt, die Umsetzung der Jugendgarantie weiter zu unterstützen, auch in Form einer Fortsetzung der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen. Im September hat die Kommission insbesondere vorgeschlagen, die Mittelausstattung um insgesamt 2 Mrd. EUR zu erhöhen (1 Mrd. EUR durch Aufstockung der Haushaltslinie für die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen, ergänzt um eine weitere Milliarde aus dem Europäischen Sozialfonds). Damit könnten bis 2020 etwa eine Million mehr junge Menschen in jenen Mitgliedstaaten unterstützt werden, in denen die Jugendarbeitslosigkeit am höchsten ist.

2. Mobilität für junge Menschen

Um die Mobilität junger Menschen zu fördern, will die Kommission auf eines der erfolgreichsten europäischen Programme setzen: Erasmus+. Dieses Programm versinnbildlicht die Chancen, die die EU jungen Menschen bietet, wenn diese im Ausland lernen oder studieren möchten.

Ein Lern- oder Studienaufenthalt in einem anderen Land hat sich als sehr nützlich für junge Menschen erwiesen, die dadurch ihre Kompetenzen weiterentwickeln, ihre beruflichen Chancen verbessern und den europäischen Bürgersinn voranbringen. Im Ausland zu lernen oder zu studieren ist ein einzigartiges Erlebnis, das den Beteiligten hilft, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig Erfahrungen mit interkultureller Kommunikation zu sammeln und sich Fachkompetenzen anzueignen. Die im Ausland gewonnene Erfahrung ist für die jungen Menschen ein Trumpf bei Bewerbungen. Arbeitgeber wissen solche zusätzlichen Fähigkeiten – Initiativgeist, Fähigkeit zur Anpassung an unterschiedliche kulturelle Umfelder und Fremdsprachenkenntnisse – zu schätzen.

Bei der Lernmobilität sind Auszubildende (Lehrlinge) immer noch unterrepräsentiert. Trotz des nachgewiesenen Nutzens verbringt nur einer kleiner Teil der Auszubildenden einen Lernaufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat, und wenn, dann normalerweise nur für eine sehr kurze Zeit (durchschnittlich einen Monat). Im Jahr 2017 wird die Kommission daher „ErasmusPro“ ins Leben rufen, eine neue Aktivität innerhalb des Programms Erasmus+, um längerfristige (6- bis 12-monatige) Praktika von Auszubildenden im Ausland zu fördern. Zusätzlich zu den heute 650 000 Auszubildenden, die im Rahmen von Erasmus+ mobil sein können, werden es diese Maßnahmen 50 000 weiteren jungen Menschen ermöglichen, zwischen 2017 und 2020 mindestens sechs Monate ihrer Ausbildungszeit in einem anderen Mitgliedstaat zu verbringen.

Berufsbildungssysteme, insbesondere die Lehrlingsausbildung, sind eine bewährte Art und Weise, junge Menschen mit nützlichen Kompetenzen auszustatten und ihnen den Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt zu erleichtern; allerdings muss es genügend und qualitativ angemessene Ausbildungsplätze (Lehrstellen) geben. Die Kommission schlägt deswegen auch einen Qualitätsrahmen für die Lehrlingsausbildung vor, in dem die wichtigsten Grundsätze für die Gestaltung und Durchführung der Lehrlingsausbildung auf allen Ebenen festgehalten sind.

3. Solidarität und Engagement

Heute gibt die Kommission den Startschuss für das Europäische Solidaritätskorps und damit jungen Europäerinnen und Europäern neue Möglichkeiten, sich in Solidaritätsaktivitäten in ganz Europa zu engagieren.

Solidarität ist ein von den europäischen Gesellschaften geteilter Wert. Junge Europäerinnen und Europäer brauchen mehr und leichter zugängliche Gelegenheiten, um ihre Solidarität zu bekunden; zugleich erwerben sie damit bescheinigte Erfahrungen und Kompetenzen, die neue Chancen eröffnen können.

Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren können an Brennpunkten Freiwilligenarbeit leisten, ein Praktikum oder eine Ausbildung absolvieren oder arbeiten, um die sich vor Ort stellenden Herausforderungen zu bewältigen.

Das Europäische Solidaritätskorps wird benachteiligte Bevölkerungsgruppen sowie nationale und lokale Strukturen mit vielerlei Maßnahmen unterstützen, z. B. mit der Bereitstellung von Lebensmitteln, mit Aufräumaktionen in Wäldern und an Stränden oder mit der Hilfe bei der Integration von Flüchtlingen. Ferner wird die Kommission im Jahr 2017 die nächste europäische Jugendstrategie für die Zeit nach 2018 vorbereiten und dabei anstreben, das bürgerschaftliche Engagement junger Menschen zu steigern.

4. Bessere Bildungschancen

Investitionen in eine hochwertige Bildung gehören zu den besten Investitionen, die eine Gesellschaft tätigen kann. Die Qualität und die Zugänglichkeit der Bildung sind enorm wichtig, um den sozialen Zusammenhalt, das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu bewahren und das Bestehen gerechter, offener, lebendiger und demokratischer Gesellschaften zu ermöglichen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ein Großteil der jungen Menschen nicht die für den Arbeitsmarkt notwendigen Kenntnisse, Kompetenzen oder Fähigkeiten erwirbt, seien es Grundkompetenzen (wie Lesen und Rechnen) oder Schlüsselkompetenzen (wie digitale Kompetenzen oder Unternehmergeist). Die Bildungssysteme müssen besser werden, was die Ausstattung junger Menschen aus unterschiedlichsten Verhältnissen mit den im Leben notwendigen Kenntnissen und Kompetenzen anbelangt. Im Übrigen verlassen zu viele junge Menschen das Bildungssystem vorzeitig und ohne formale Qualifikation, was den Übergang in den Arbeitsmarkt erschwert (über 40 % der frühen Schulabgänger sind arbeitslos).

Allgemeine und berufliche Bildung fallen zwar in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedstaaten, doch können Maßnahmen auf EU-Ebene (etwa Europa 2020 und das Europäische Semester zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik) dazu genutzt werden, die mitgliedstaatlichen Aktivitäten zu orientieren und zu ergänzen. Das Ziel ist, politische Reformen zur Steigerung der Leistung voranzubringen, indem die Effizienz und die Qualität der Bildungsergebnisse verbessert werden.

Angesichts der zentralen Bedeutung von allgemeiner und beruflicher Bildung beabsichtigt die Kommission, umfassend vom Instrumentarium sowohl des Europa-2020-Rahmens als auch des Europäischen Semesters Gebrauch zu machen und in diesem Zusammenhang vermehrt politische Unterstützung sowie gesicherte Daten, Analysen und Beispiele für funktionierende Verfahren im Bildungsbereich anzubieten, bewährte Vorgehensweisen zu ermitteln und bekanntzumachen sowie Verbesserungen bei den Berufsbildungschancen vorzustellen.

In der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen waren bereits spezifische Maßnahmen angekündigt worden, um die Kompetenzen der Europäerinnen und Europäer weiterzuentwickeln und besser zu nutzen, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Erwachsenen-, der Berufs- und der Hochschulbildung liegen soll. Mit ihrer Initiative „Investieren in Europas Jugend“ legt die Kommission einen besonderen Fokus auf die Schul- und Hochschulbildung sowie auf die rasche Umsetzung der für die Jugend relevanten Maßnahmen aus der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen.

Um Europäerinnen und Europäern besser mit den digitalen Kompetenzen auszustatten, die sie für ihre berufliche Laufbahn benötigen, rief die Kommission am 1. Dezember 2016 zusammen mit Mitgliedstaaten, Unternehmen, Sozialpartnern, nichtstaatlichen Organisationen und Bildungseinrichtungen die Koalition für digitale Kompetenzen und Arbeitsplätze ins Leben. Die Mitglieder der Koalition haben sich dazu verpflichtet, die Kompetenzdefizite auf allen Ebenen anzugehen, angefangen bei hochgradigem IKT-Spezialwissen bis hin zu den Kompetenzen, die alle europäischen Bürgerinnen und Bürger benötigen, um in einer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft leben und arbeiten und daran teilhaben zu können.

Was ist neu am heutigen Vorschlag?

Kernstück der heutigen Initiative ist das Europäische Solidaritätskorps. Es wird jungen Menschen die Gelegenheit bieten, Solidarität in die Praxis umzusetzen.

Mit dieser Initiative treibt die Kommission auch die europaweite Umsetzung aller wichtigen jugendpolitischen Maßnahmen voran, insbesondere die Jugendgarantie, die neue europäische Agenda für Kompetenzen und die europäische Jugendstrategie, die alle eine Vielzahl von Maßnahmen zugunsten junger Menschen umfassen, angefangen bei der allgemeinen und beruflichen Bildung über die Beschäftigung bis hin zur Jugendpolitik. Ziel ist es, jungen Menschen bessere Chancen zu eröffnen, indem die Qualität der Angebote und die angestrebten Ergebnisse substanziell verbessert werden.

Wie wird diese Initiative jungen Menschen zugutekommen?

Die heutige Initiative kombiniert Maßnahmen zur Befriedigung dringender Bedürfnisse (z. B. Arbeitsplätze) mit solchen zur Bewältigung struktureller Herausforderungen (etwa der Qualität von allgemeiner und beruflicher Bildung).

Die Jugendgarantie hilft jungen Menschen dabei, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder in ihre Bildung zu investieren, damit sie die auf dem Arbeitsmarkt erwarteten Kompetenzen und Qualifikationen erwerben. Sie beinhaltet die Verpflichtung, dass allen jungen Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten, nachdem sie arbeitslos werden oder das formale Bildungssystem verlassen, eine hochwertige Arbeitsstelle oder Weiterbildungsmaßnahme oder ein hochwertiger Ausbildungs- bzw. Praktikumsplatz angeboten wird. Die Jugendgarantie wird über nationale Jugendgarantie-Programme umgesetzt. Seit Januar 2014 haben sich bereits 14 Millionen junge Menschen an einem dieser Programme beteiligt, und 9 Millionen haben ein Angebot angenommen. Die vollständige Umsetzung in allen 28 Mitgliedstaaten und der größere Schwerpunkt auf Qualität und Menge der Angebote werden gewährleisten, dass jedem teilnahmeberechtigten jungen Menschen und vor allem den besonders benachteiligten unter ihnen im Rahmen der Jugendgarantie mehr und bessere Chancen geboten werden.

Zusätzlich bietet das Europäische Solidaritätskorps Menschen Gelegenheit, ihre Solidarität in der Praxis unter Beweis zu stellen und sich dabei Kompetenzen anzueignen, die für sie wertvoll sein können, entweder als berufliche Weiterbildung oder als Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Ein Lern- und Studienaufenthalt in einem anderen Land ist im Übrigen ein einzigartiges Erlebnis. Eine solche Zeit im Ausland hilft jungen Menschen, ihren Horizont zu erweitern, und kann ihr ganzes Leben verändern. Erasmus+ ist ein bewährtes Programm, das solche Möglichkeiten bietet und das seit seinem Start im Jahr 2014 von fast 1,3 Millionen jungen Menschen genutzt worden ist. Auszubildende und Lehrlinge werden Gelegenheiten erhalten, ihre Mobilitätserfahrungen durch längere Arbeitspraktika in einem anderen Land zu vergrößern.

Gestützt auf die Zusammenarbeit mit der OECD wird die Kommission die Mitgliedstaaten ferner dabei unterstützen, ihre Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung zu modernisieren, indem sie ihnen vergleichende und gesicherte Daten bereitstellt, Analysen durchführt, das Voneinanderlernen fördert, Informationen über bewährte Vorgehensweisen weitergibt und gezielte Hilfe anbietet. Hierzu wird die Kommission im Jahr 2017 spezifische Initiativen für die Flankierung der Modernisierungsanstrengungen der Mitgliedstaaten präsentieren. Sie werden Kernthemen aus den Bereichen Schul-, Hochschul- und Berufsbildung betreffen.

Wie wird die EU ihre Ressourcen zur Unterstützung junger Menschen mobilisieren?

Zusätzlich zu den auf EU-Ebene schon bereitgestellten erheblichen Mitteln hat die Kommission am 14. September 2016 im Zuge der Halbzeitüberprüfung des mehrjährigen Finanzrahmens 2014-2020 vorgeschlagen, den Etat von Erasmus+ um 200 Mio. EUR aufzustocken.

Die Kommission hat außerdem vorgeschlagen, die Mittelausstattung der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen um 2 Mrd. EUR zu erhöhen. Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen ist im Jahr 2013 mit einem anfänglichen Etat von 6,4 Mrd. EUR an den Start gegangen; damit werden erstmals junge Menschen direkt und gezielt unterstützt, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren und die in Regionen mit einer Jugendarbeitslosenquote von über 25 % wohnen.

Wie geht es weiter?

Die Kommission wird die vorgeschlagenen Maßnahmen mit dem Europäischen Parlament und dem Rat erörtern und auf der Tagung des Europäischen Rates im Dezember 2016 um dessen Unterstützung werben.

Weitere Informationen

Pressemitteilung – IP/16/4165

Fragen und Antworten zum Europäischen Solidaritätskorps – MEMO/16/4168

 

MEMO/16/4166

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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