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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten: EU unterstützt Bildungsprojekte für Kinder in Krisensituationen

Brüssel, 5. April 2016

EU unterstützt Bildungsprojekte für Kinder in Krisensituationen

Wie leben Kinder in Ländern mit Krisensituationen? Welche Folgen haben Krisensituationen auf das Bildungswesen?

Kinder zählen zu den Bevölkerungsgruppen, die während und unmittelbar nach einer Krisensituation am meisten zu leiden haben. Kinder werden oft von ihren Familien getrennt, oder sie werden gewaltsam vertrieben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind zur Zeit 9,9 Mio. Kinder auf der Flucht; 19 Mio. Kinder wurden infolge von Konflikten innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben.

Kinder, die in eine Krisensituation geraten, laufen Gefahr, verletzt, getötet, als Kämpfer oder Informant eingesetzt, sexuell missbraucht oder zu Zwangsarbeit verpflichtet zu werden. Außerdem werden Kinder häufig Opfer von Landminen und anderen nicht explodierten Sprengkörpern und sind einem größeren Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt, Frühehe und Frühschwangerschaft ausgesetzt.

In Krisensituationen werden oft Schulen zerstört. Zudem ist der Schulunterricht häufig von mangelhafter Qualität, weil es in solchen Situationen vielfach an qualifizierten Lehrern mangelt. Häufig wird die Ausbildung unterbrochen. Nach Angabe von UNICEF haben derzeit 37 Mio. Kinder in Krisensituationen überhaupt keinen Zugang zu Schulunterricht. In Ländern, die von Krisensituationen betroffen sind, bleiben zweieinhalbmal mehr Mädchen als Jungen dem Unterricht fern.

Kindern, die keinen Schulunterricht erhalten, wird die Chance genommen, die notwendigen Kompetenzen zu erwerben, für sich und ihr Land eine Zukunft in Wohlstand zu schaffen. Außerdem fehlt ihnen ein sicheres Umfeld, in dem sie normal leben, mit Gleichaltrigen spielen, psychologische Traumata überwinden und Hoffnung auf ein besseres Leben schöpfen können.

 

Warum finanziert die EU Bildungsprojekte für Kinder in Krisensituationen?

Unterricht rettet Leben. In Schulen können Kinder Aufmerksamkeit erhalten und vor Gefahren geschützt werden. Unterricht ist ein entscheidendes Mittel, um Kinder, die in Krisensituationen leben, zu schützen und ihnen die Möglichkeit zur Entwicklung zu geben. Unterricht kann Kindern das Gefühl von Normalität und Sicherheit zurückgeben und ihnen wichtige Lebenskompetenzen vermitteln.

Außerdem ist dies eines der besten Mittel, um auf lange Sicht in ihre Zukunft sowie in Frieden, Stabilität und Wirtschaftswachstum ihrer Länder zu investieren. Kinder, die keinen Zugang zu Bildung erhalten, können nicht zum Wiederaufbau ihrer Gemeinschaften beitragen und laufen Gefahr, als Erwachsene die gewalttätigen Verhaltensmuster zu wiederholen, die sie selbst in ihrer Kindheit erfahren haben. Bildung kann verhindern, dass Kinder, insbesondere in langanhaltenden Konflikten, zu einer verlorenen Generation werden.

Außerdem können Kinder an Schulen mit Essen versorgt werden und wichtige Informationen über Gesundheit, Ernährung, Hygiene und Risikovermeidung erhalten, die sie an ihre Familien weitergeben können.

Aus diesen Gründen beschloss die EU nach Verleihung des Nobelpreises im Jahr 2012, das Preisgeld in Höhe von 930 000 EUR zur Schaffung der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ zu verwenden, und hat diesen Betrag auf 2 Mio. EUR verdoppelt. Dieses Instrument fördert einerseits den sicheren Zugang zu gutem Unterricht und zur psychosozialen Betreuung von Kindern und stärkt andererseits das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, in Bildungsmaßnahmen in Notsituationen zu fördern. Zwischenzeitlich hat die Kommission die Finanzhilfen für Bildungsmaßnahmen in Krisensituationen von Jahr zu Jahr erhöht.

Welche Arten von Bildungsmaßnahmen in Notsituationen werden von der EU gefördert?

Die Kommission unterstützt humanitäre Organisationen, die in Krisensituationen wie z. B. Konflikten, Naturkatastrophen, Gewaltkriminalität oder Epidemien dafür sorgen, dass Kinder sicheren Zugang zu gutem Unterricht erhalten.

Die Maßnahmen der Kommission reichen vom verbesserten Zugang zu Vorschule, Grundschule oder weiterführenden Bildungseinrichtungen bis zur Bereitstellung von Unterrichtsmaterial und Schuluniformen, der Beförderung zu Bildungszentren, dem Wiederaufbau beschädigter Schulgebäude und dem Bau neuer Schulräume und Bildungseinrichtungen.

Außerdem unterstützt die Kommission Projekte zur Verbesserung des Zugangs zu nichtförmlicher Bildung (Programme für beschleunigtes Lernen), zur Vermittlung lebenspraktischer Kompetenzen, zur Berufsausbildung, zur psychosozialen Betreuung und zu Freizeitaktivitäten. Ferner können humanitäre Projekte gefördert werden, die die qualitativen Aspekte von Bildungsmaßnahmen in Krisensituationen stärken, so z. B. die Einstellung qualifizierter Lehrer; die finanzielle Unterstützung und die Schulung von Lehrkräften kann ebenfalls finanziell unterstützt werden. Finanziert werden auch Maßnahmen zur Stärkung des Bewusstseins von Eltern, Pflegekräften und lokalen Entscheidungsträgern für die Bildung ihrer Kinder.

Die EU-finanzierten Maßnahmen sind immer auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten und berücksichtigen Alter, Geschlecht und andere spezifische Gegebenheiten.

Welche Reichweite haben die EU-Projekte für Bildung in Notsituationen?

Seit 2012 haben mehr als 1 519 000 Kinder in den folgenden 26 Ländern von EU-Bildungsprojekten profitiert: Afghanistan, Äthiopien, Demokratische Republik Kongo, Ecuador, Guatemala, Guinea, Honduras, Irak, Kamerun, Kolumbien, Mexiko, Myanmar, Niger, Nigeria, Pakistan, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Südsudan, Tansania, Tschad, Türkei, Uganda, Ukraine, Venezuela und Zentralafrikanische Republik.

Der in diesem Jahr zusätzlich bereitgestellte Betrag von 52 Mio. EUR soll mehr als 2 330 000 Kindern und Jugendlichen in den folgenden 42 Ländern zugutekommen: Afghanistan, Armenien, Georgien, Burkina Faso, Kamerun, Tschad, Niger, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Kolumbien, Demokratische Republik Kongo, Dschibuti, Ecuador, Ägypten, El Salvador, Guatemala, Honduras, Äthiopien, Indien, Iran, Irak, Kenia, Libanon, Libyen, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Myanmar, Niger, Pakistan, besetzte palästinensische Gebiete, Philippinen, Somalia, Republik Südsudan, Sudan, Arabische Republik Syrien, Tansania, Burundi, Uganda, Ukraine und Jemen.

Bis Ende 2016 werden mehr als 3 800 000 Kinder in 46 Ländern weltweit Unterstützung erhalten haben.

Neue Projekte für Bildungsmaßnahmen in Krisensituationen im Zeitraum 2016-2017

Die Europäische Kommission finanziert Projekte von Nichtregierungsorganisationen (NRO), Agenturen der Vereinten Nationen und internationalen Organisationen zur Durchführung von Bildungsmaßnahmen im Zeitraum 2016-2017, um dem wachsenden Bedarf von Kindern, die nicht zur Schule gehen können oder deren Schulausbildung gefährdet ist, Rechnung zu tragen. Folgende Projekte und Empfängerländer wurden ausgewählt:

  • ACTED: Afghanistan, Republik Südsudan
  • Adra: Myanmar
  • Concern Worldwide: Libanon, Somalia
  • COOPI, Cooperazione Internazionale: Tschad, Niger
  • Croix Rouge: Armenien, El Salvador, Georgien, Honduras, Madagaskar
  • DanCurchAid: Demokratische Republik Kongo
  • Danish Refugee Council (DRC): Burkina Faso, Demokratische Republik Kongo
  • Finn Church Aid: Republik Südsudan
  • Handicap International: Arabische Republik Syrien
  • HOPE'87 Pakistan
  • International Medical Corps: Kamerun
  • International Rescue Committee (IRC): Äthiopien, Irak, Mali
  • Norwegian Refugee Council (DRC): Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Iran, Irak, Mali, besetzte palästinensische Gebiete
  • Plan International: Zentralafrikanische Republik, Ägypten, Äthiopien, Republik Südsudan
  • Save the Children: Kolumbien, Äthiopien, Irak, Republik Südsudan, Uganda, Ukraine, Jemen
  • SOS Kinderdorf: Kolumbien
  • Terre des Hommes: Indien, Irak
  • Internationale Organisation für Migration (IOM): Philippinen
  • Lutherischer Weltbund: Dschibuti, Kenia
  • Hohes Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR): Burundi, Kolumbien, Demokratische Republik Kongo, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Pakistan, Ruanda, Republik Südsudan, Tansania
  • Triangle: Irak
  • UNICEF: Kamerun, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Irak, Libyen, Mauretanien, Myanmar, Niger, Nigeria, Republik Südsudan, Arabische Republik Syrien, Ukraine
  • War Child: Demokratische Republik Kongo

 

Humanitäre Hilfe für Bildung in Krisensituationen: Hat die EU Vorbildfunktion?

Bildungsmaßnahmen in Krisensituationen zählen zu den Bereichen der humanitären Hilfe, die weltweit am stärksten unterfinanziert sind. Hauptgrund dafür ist, dass in einer Notsituation lebensrettende Sofortmaßnahmen oft Vorrang vor Bildungsmaßnahmen erhalten. Derzeit liegt der Anteil der weltweiten humanitären Hilfe, der für Bildungsmaßnahmen bereitgestellt wird, bei weniger als 2 %; in diesem Bereich klafft daher eine riesige Finanzierungslücke in Höhe von 4,3 Mrd. EUR.

Seit 2012 erhöht die Kommission ihre Finanzhilfen zugunsten von Bildungsprojekten für Kinder in Krisengebieten von Jahr zu Jahr. So hat die EU im Jahr 2013 hierfür die Mittel von ursprünglich 2 Mio. EUR im Jahr 2013 auf 4Mio. EUR verdoppelt. Im Jahr 2014 beliefen sich die Mittel - einschließlich der Beiträge von Luxemburg (500 000 EUR) und Österreich (250 000 EUR) - bereits auf mehr als 6,7 Mio. EUR. Im vergangenen Jahr wurden für Bildungsprojekte 11 Mio. EUR bereitgestellt.

Während des Osloer Gipfels für Bildung und Entwicklung vom 7. Juli 2015 hat Chrystos Stylianides, EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement, angekündigt, bis zum Ende seiner Amtszeit die Mittelausstattung für diesen Bereich auf 4 % des EU-Budgets für humanitäre Hilfe zu erhöhen. Dank der Unterstützung durch das Europäische Parlament und der EU-Mitgliedstaaten konnte die Kommission den Anteil der Mittel für Bildungsprojekte in Krisensituationen schon 2016 auf 4 % anheben.

Mit den 52 Mio. EUR, die in diesem Jahr freigegeben werden, belaufen sich die seit 2012 bereitgestellten Finanzhilfen für Bildungsmaßnahmen in Krisensituationen auf insgesamt 75 724 000 EUR.

Gesamtbetrag der EU-Unterstützung für Bildungsmaßnahmen in zeitlich begrenzten und länger anhaltenden Krisensituationen.

Die heutige Ankündigung von humanitären Hilfen ist Teil der umfassenden EU-Hilfsmaßnahmen zur Förderung von Bildung in Drittländern.

Bislang wurden durch verschiedene EU-Instrumente und durch den regionalen EU-Treuhandfonds („Madad“) insgesamt 544 Mio. EUR bereitgestellt, um notwendige Bildungsmaßnahmen für Kinder durchzuführen, die sowohl in Syrien selbst als auch in den Nachbarländern von der Syrienkrise betroffen sind.

Außerdem erhielten syrische Studenten über das Aktionsprogramm „Erasmus Mundus“ EU-Stipendien, damit sie an europäischen Universitäten studieren können; Initiativen zur Bereitstellung von Angeboten der weiterführenden Bildung für syrische Flüchtlinge sind ebenfalls in Vorbereitung.

Ferner werden für den Zeitraum 2014-2020 aus den Haushaltsmitteln für Entwicklungshilfe schätzungsweise 4,7 Mrd. EUR zur weltweiten Förderung einer guten allgemeinen und beruflichen Bildung bereitgestellt.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung EU kündigt zuzsätzliche 52 Mio. EUR für humanitäre Hilfe für die Bildung von Kindern in Notsituationen an

Website „Education in Emergencies“

Factsheet Bildung in Krisensituationen

Website der Europäischen Kommission zur humanitären Hilfe und zum Katastrophenschutz

 

 

MEMO/16/1229

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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