Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

Europäische Kommission - Factsheet

Langzeitarbeitslosigkeit: Vorschlag für eine Empfehlung des Rates – häufig gestellte Fragen

Brüssel, 17. September 2015

Langzeitarbeitslosigkeit: Vorschlag für eine Empfehlung des Rates – häufig gestellte Fragen

Warum liegt der Schwerpunkt auf der Langzeitarbeitslosigkeit?

Zwischen 2007 und 2014 hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen verdoppelt; sie stellen derzeit die Hälfte aller arbeitslosen Personen in der EU. 12,1 Millionen Menschen (5 % der EU-Erwerbsbevölkerung) sind von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, 61 % von ihnen haben seit mehr als zwei Jahren keine Arbeit.

Der Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit ist ein wesentlicher Punkt der Agenda für Wachstum und Beschäftigung, die in Präsident Junckers politischen Leitlinien und im Jahreswachstumsbericht 2015 der Kommission festgelegt wurde.

Langzeitarbeitslosigkeit ist ein akutes Problem, denn je länger Menschen arbeitslos sind, desto schwieriger wird die Rückkehr in die Erwerbstätigkeit. Die Daten zeigen, dass die Chancen Langzeitarbeitsloser (das sind Personen, die seit mehr als einem Jahr arbeitslos sind), wieder eine Beschäftigung zu finden, sind nur halb so groß wie die von Kurzzeitarbeitslosen. Viele, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, laufen Gefahr, ganz aus dem Arbeitsmarkt herauszufallen. Und jedes Jahr gibt ein Fünftel von ihnen die Jobsuche überhaupt auf und wird als erwerbslos eingestuft.

Hier ist eine Trendumkehr nötig, damit auch Langzeitarbeitslose von der wirtschaftlichen Erholung profitieren können. Eine Senkung der Langzeitarbeitslosenquote würde zu nachhaltigem Wachstum und Zusammenhalt beitragen und die Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen in Form hoher Sozialausgaben und geringer Steuereinnahmen abschwächen. Darüber hinaus würde sowohl den betroffenen Arbeitskräften als auch ihren Familien ein Weg aus der Armut eröffnet, da die Hälfte der Personen, die einen Job finden, dem Armutsrisiko entkommen.

Wie steht es um die Langzeitarbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten?

Die Lage ist je nach Mitgliedstaat sehr unterschiedlich.2014 lag die Langzeitarbeitslosenquote zwischen 1,5 % in Österreich und Schweden und fast einem Fünftel der gesamten Erwerbsbevölkerung in Griechenland (19,5 %).

Abbildung: Langzeit-[1] und Dauerarbeitslosenquoten[2] für 2014 bezogen auf die Altersgruppe 15-74 Jahre (in  %)

1

Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung (AKE)

Die Langzeitarbeitslosenquote ist – wie aus der Abbildung unten ersichtlich – seit 2008 in allen Mitgliedstaaten außer in Deutschland gestiegen:

Abbildung: Entwicklung der Langzeitarbeitslosenquote in den EU-28, 2008-14

2

Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung (AKE)

Wer ist aktuell in der EU langzeitarbeitslos?

Langzeitarbeitslosigkeit trifft eine Reihe von Personengruppen. Geringqualifizierte Arbeitskräfte und Drittstaatsangehörige haben ein doppelt so hohes Risiko, langzeitarbeitslos zu werden; auch Menschen mit Behinderung und benachteiligte Minderheiten wie die Roma sind überdurchschnittlich stark betroffen.

Geringqualifizierte Arbeitskräfte sind drei Mal so häufig langzeitarbeitslos wie hochqualifizierte Personen. Männer sind etwas stärker betroffen (54 %) als Frauen (46 %).

Die Altersverteilung unter Langzeitarbeitslosen ist ziemlich gleichmäßig, mit geringfügig höheren Quoten für die unter 30- und die über 55-Jährigen. Ältere Arbeitskräfte haben sicherere Arbeitsplätze und sind insgesamt weniger von Arbeitslosigkeit betroffen. Wenn sie jedoch arbeitslos werden, haben sie ein höheres Risiko, auch arbeitslos zu bleiben.

Langzeitarbeitslosigkeit als Anteil der Arbeitslosen, nach Land und Altersgruppen, 2013

3

Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung

Da die Situation der einzelnen Arbeitslosen sehr unterschiedlich ist, muss die Unterstützung auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein. Dies erfordert einen differenzierten Ansatz und vielfältige Instrumente, abgestimmt auf die individuellen Hindernisse, die einer Erwerbstätigkeit entgegenstehen.

Was sind die größten Hindernisse für die Arbeitsmarktintegration Langzeitarbeitsloser?

Einerseits sind es strukturelle und zyklische Aspekte wie fehlende Investitionen, die die Schaffung von Arbeitsplätzen erschweren, sowie die fehlende Reaktionsfähigkeit des Arbeitsmarkts. Andererseits werden Arbeitslose bei der Rückkehr ins Arbeitsleben nicht ausreichend unterstützt.

Die vorliegende Empfehlung konzentriert sich auf den Aspekt, dass Langzeitarbeitslose von den Arbeitsverwaltungen und Sozialämtern zu wenig Unterstützung erhalten:

  • Unzureichender Erfassungsgrad der Aktivierung: Obwohl langzeitarbeitslose Personen 50 % der Arbeitslosen ausmachen, sind nur geschätzte 20 % der aktiven Arbeitsmarktprogramme für sie vorgesehen. Dazu kommt, dass viele Langzeitarbeitslose nicht bei den Arbeitsverwaltungen gemeldet sind – in manchen Mitgliedstaaten sind dies bis zu 50 % – und daher keinerlei Zugang zu Maßnahmen haben, die sie bei der Arbeitssuche unterstützen.
  • Falsche Schwerpunktsetzung in den Programmen gegen Langzeitarbeitslosigkeit und zu wenig Engagement seitens der Arbeitgeber: In vielen Ländern liegt der Schwerpunkt der Programme zu wenig auf der Wiedereingliederung der Menschen in den Arbeitsmarkt und die Programme sind nicht auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber abgestimmt. In einigen Ländern liegt der Schwerpunkt auf öffentlichen Beschäftigungsprogrammen (ca. 31 % der Ausgaben für aktive Arbeitsmarktmaßnahmen für Langzeitarbeitslose im Jahr 2012), die den Menschen nicht immer Möglichkeiten für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt eröffnen.
  • Grenzen personalisierter Dienstleistungen: Langzeitarbeitslose haben nicht immer Zugang zu personalisierten Dienstleistungen wie Bestandsaufnahme, Profilerstellung oder klaren Maßnahmenplänen.
  • Fehlende Kontinuität der Dienstleistungen für Langzeitarbeitslose: Während der Zeit der Arbeitslosigkeit erleben Langzeitarbeitslose, wie die Unterstützung, die sie erhalten, von den öffentlichen Arbeitsverwaltungen auf die Sozialbehörden übertragen wird. Wenn die Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Stellen nicht klar verteilt sind, werden Fallgeschichten u. U. nicht übermittelt und die Dienstleistungen nur beschränkt koordiniert. Dieser Mangel an Kontinuität kann die wirksame Unterstützung bei der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit verzögern.

Die strukturellen Integrationshindernisse sind auch Gegenstand anderer bereits bestehender Instrumente wie des Europäischen Semesters, einer in Ausarbeitung befindlichen Qualifizierungsinitiative der Kommission und des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI).

Welche Erwartungen werden an die Empfehlung gestellt?

Als wichtigstes Ergebnis wird erwartet, dass sich die Rückkehrquote Langzeitarbeitsloser ins Erwerbsleben dadurch erhöht, dass Langzeitarbeitslosen wirksamere Dienstleistungen angeboten werden, vor allem in Mitgliedstaaten, in denen die Zahl der Langzeitarbeitslosen hoch und die ihnen gebotene Unterstützung eher gering ist. Die Empfehlung sollte helfen, die Unterschiede bei den Wiedereinstiegsquoten, die derzeit zwischen den leistungsstarken und den schwächeren Mitgliedstaaten bestehen, abzubauen.

Langzeitarbeitslosigkeit ist eine der Hauptursachen von Armut. Chancen, der Armut zu entkommen, sind an die Chancen für eine erfolgreiche Rückkehr in den Arbeitsprozess geknüpft. Die Hälfte der Langzeitarbeitslosen, die eine Beschäftigung aufnehmen, kann damit rechnen, der Armut zu entfliehen.

Die Empfehlung sollte den Mitgliedstaaten helfen, die von ihnen angebotenen Dienstleistungen durch einen personalisierten Ansatz und eine klare Festlegung der Rechte und Pflichten der arbeitslosen Menschen sowie der Unterstützungseinrichtungen zu verbessern. Die Empfehlung soll vor allem Folgendes bewirken:

  • Mehr Langzeitarbeitslose sollten bei den Arbeitsverwaltungen gemeldet sein und Unterstützung erhalten.
  • Die Unterstützung sollte stärker individuell ausgerichtet erfolgen, und zwar in Form einer erneuten Bestandsaufnahme der Bedürfnisse der Langzeitarbeitslosen und ihrer Beschäftigungsaussichten sowie einer.
  • Die Kontinuität der Unterstützungsleistung sollte durch eine systematische Bereitstellung von Diensten, Maßnahmen und Leistungen über eine zentrale Anlaufstelle gestärkt werden.
  • Leistungen und Aktivierung sollten stärker miteinander verknüpft werden.
  • Arbeitgeber sollten stärker in Programme für die Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen eingebunden werden.

Die Empfehlung kann einen entscheidenden Beitrag zur Qualität, zur Zugänglichkeit und zur Relevanz der Unterstützung, die Langzeitarbeitslose erhalten, leisten, ist jedoch kein Ersatz für makroökonomische Instrumente zur Beseitigung struktureller Arbeitsmarktprobleme.

In welchen Ländern wird die Empfehlung mehr bewirken?

In einigen Mitgliedstaaten mit hohen Wiedereinstiegsquoten gibt es die in der Empfehlung vorgeschlagenen Elemente bereits. Daher wird die Wirkung in den Mitgliedstaaten mit schwächeren Unterstützungsstrukturen und hohen Langzeitarbeitslosenquoten höher sein. Trotzdem besteht in fast allen Mitgliedstaaten noch Spielraum, um die Unterstützungsleistung für Langzeitarbeitslose in folgenden drei Bereichen zu verbessern: Erfassungsgrad, Kontinuität und Gestaltung der Aktivierung.

Mehr Kontinuität beim Unterstützungsangebot: In Mitgliedstaaten ohne formale Koordinierung würde die Empfehlung stärkere Wirkung entfalten: Bulgarien, Zypern, Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien, Litauen, Malta, Rumänien.

Stärker personalisierte Unterstützung: In Mitgliedstaaten, die über kein individuell abgestimmtes Konzept verfügen, hätte die Empfehlung größere Wirkung: Tschechien, Kroatien, Portugal, Rumänien, Zypern, Griechenland, Spanien, Italien, Lettland, Ungarn.

Stärkeres Engagement der Arbeitgeberseite: In Ländern mit großen öffentlichen Beschäftigungsprogrammen wird eine stärkere Wirkung erwartet: Ungarn, Deutschland, Frankreich, Kroatien, Tschechien, Lettland.

Gibt es gute Beispiele konkreter, positiver Ergebnisse in Ländern, die bereits einen ähnlichen Ansatz verfolgen?

Mechanismus

Auswirkungen auf die Koordinierung und die Rückkehr in den Arbeitsprozess

Zentrale Anlaufstelle für Dienste, Maßnahmen und Leistungen

Die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle bewirkte im Vereinigten Königreich, dass die Wahrscheinlichkeit der Wiederbeschäftigung stieg und die Menschen weniger Leistungen benötigten, und in Deutschland, dass Langzeitarbeitslose rascher einen Job fanden, während sich gleichzeitig die Qualität des Qualifikationsabgleichs verbesserte.

Verstärkte Intervention über eine zentrale Anlaufstelle

 

In Deutschland wurden im Rahmen der „Berliner Joboffensive“ Orientierung und Beratung intensiviert, indem die Anzahl der Fälle pro Arbeitsvermittler/in reduziert und die Kontakte mit den Arbeitsuchenden in kürzeren Abständen stattfanden (alle vier Wochen), was dazu führte, dass mehr Menschen ins Berufsleben zurückkehrten.

Besseres Monitoring der Aktivitäten für die Arbeitssuche und glaubwürdigere Sanktionsdrohungen führten in Deutschland, Dänemark und Estland ebenfalls zu höheren Wiedereinstiegsquoten.

Bessere Durchsetzung der Voraussetzungen für den Leistungsbezug

Ein Pilotprojekt in den Niederlanden hat gezeigt, dass verstärkte Kontakte mit dem Schwerpunkt auf Rechten und Pflichten die Intensität der Jobsuche erhöhen.

Personalisierte Unterstützung

Beispiele aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Portugal und Dänemark belegen, dass sich weniger Fälle pro Sachbearbeiter/in und höhere „Kontaktintensität“ positiv auswirken. Ein Modell, bei dem intensive Unterstützung, Ermessensspielraum für Sachbearbeiter/innen und das Monitoring der Ergebnisse kombiniert werden, wirkt sich nicht nur positiv auf die Vermittlungsquoten sondern auch auf den Abgleich aus; die Kluft zwischen Qualifikationsangebot und ‑nachfrage wird geringer und Langzeitarbeitslose haben größere Chancen auf einen hochwertigen Arbeitsplatz.

Einbindung der Arbeitgeber

Personalisierte Interventionen unter Einbindung des Arbeitgebers führen dazu, dass mehr Langzeitarbeitslose den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt schaffen, wie Erfahrungen in Österreich und Schweden belegen.

In Deutschland verzeichnete eine Initiative für Arbeitsuchende über 50, die Beratung und Schulung auf der Grundlage enger Zusammenarbeit zwischen örtlichen Behörden, Dienstleistungsanbietern und Arbeitgebern umfasste, ebenfalls positive Wiederbeschäftigungseffekte.

Wie können Menschen ermutigt werden, sich bei der Arbeitsverwaltung zu melden?

Während der Krise haben sich etwas weniger Langzeitarbeitslose (73 % statt 77 %) bei den öffentlichen Arbeitsverwaltungen gemeldet und die Registrierungsquoten sind je nach Mitgliedstaat sehr verschieden. In mehreren Mitgliedstaaten liegt die Quote unter 50 %. Langzeitarbeitslose, die nicht bei den öffentlichen Arbeitsverwaltungen gemeldet sind, haben keinen Zugang zu Unterstützungsmaßnahmen zur Arbeitssuche.

Langzeitarbeitslosmeldungen im Jahr 2014 (in %)

4

Die Empfehlung soll Anreize für Langzeitarbeitslose schaffen, sich bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung zu melden, indem deutlich gemacht wird, welche Unterstützung mit der Meldung verknüpft ist:

  • eine personalisierte Dienstleistung, bei der auf die Bedürfnisse und Erwartungen der betreffenden Person eingegangen wird;
  • eine konkrete Perspektive für die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt;
  • eine zentrale Anlaufstelle, über die die betroffene Person Zugang zu allen Diensten, Maßnahmen und Leistungen hat.

Was versteht man unter Bestandsaufnahme für Langzeitarbeitslose?

Da Eingliederungsprobleme zahlreiche Ursachen haben, brauchen Langzeitarbeitslose personalisierte Unterstützung, die genau auf ihre Bedürfnisse und ihr Potenzial abgestimmt ist. Um diese Unterstützung bieten zu können, ist eine umfassende Bestandsaufnahme der jeweils individuellen Situation nötig. In der Empfehlung wird vorgeschlagen, für alle gemeldeten Langzeitarbeitslosen spätestens im 18. Monat der Arbeitslosigkeit eine umfassende, individuelle Bestandsaufnahme durchzuführen. Die Bestandsaufnahme sollte eine Überprüfung der Fähigkeiten beinhalten, gefolgt von Beratung und Orientierung auf der Grundlage der früheren Beschäftigungen, der bisherigen Arbeitssuche und geschlechterspezifischer Beschäftigungshindernisse. Die Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme sollten als Basis für die Wiedereinstiegsvereinbarung dienen.

Eine Bestandsaufnahme spätestens im 18. Monat der Arbeitslosigkeit schließt eine individuelle Bestandsaufnahme zu einem früheren Zeitpunkt der Arbeitslosigkeit nicht aus.

Was ist eine Wiedereinstiegsvereinbarung?

Die Wiedereinstiegsvereinbarung ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen einer arbeitslosen Person und einer zentralen Anlaufstelle, die jeder Person, die bei einer Arbeitsverwaltung gemeldet ist, spätestens im 18. Monat der Arbeitslosigkeit einen Plan für die Rückkehr ins Berufsleben bietet. In der Vereinbarung werden die von verschiedenen Organisationen angebotenen Dienstleistungen in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Arbeitsuchenden im Detail angeführt und die Rechte und Pflichten sowohl der begünstigten Person als auch der beteiligten Organisationen festgehalten.

Die in der Vereinbarung angebotenen Interventionen sind auf die Bedürfnisse der Einzelperson – die in der umfassenden personalisierten Bestandsaufnahme ermittelt wurden – abgestimmt, und bauen auf Maßnahmen auf, die auf nationaler Ebene zur Verfügung stehen (Hilfe bei der Jobsuche, Schulung, Arbeitserfahrung, Mentoring, Schuldenberatung, Rehabilitation, Unterstützung für die Integration von Migrantinnen und Migranten, Kinderbetreuungs-, Gesundheits- und Pflegedienste, Wohn- und Transportkostenbeihilfe). Sie wird allen Langzeitarbeitslosen angeboten, die nicht unter die Jugendgarantie fallen.

Warum wird diese Vereinbarung im 18. Monat der Arbeitslosigkeit geschlossen?

Ein Blick auf die Wiedereinstiegsquoten ins Berufsleben zeigt, dass diese zwischen dem 12. und 24. Monat der Arbeitslosigkeit deutlich sinken. Daher wurden 18 Monate als relevanter Zeitpunkt gewählt, um eine Trendumkehr zu erreichen. Die meisten Mitgliedstaaten, die Interventionen ähnlich den in der Empfehlung vorgeschlagenen anbieten, wählen dafür denselben Zeitraum.

Was ist eine zentrale Anlaufstelle?

Die zentrale Anlaufstelle sollte der Bezugspunkt für die Langzeitarbeitslosen sein und ihnen durch den persönlichen Kontakt mit einer einzigen Beraterin oder einem einzigen Berater Orientierung und unkomplizierten Zugang zu Leistungen, Beschäftigungs- und Unterstützungsdiensten bieten.

Die Mitgliedstaaten sollten institutionelle Vorkehrungen treffen, damit den Langzeitarbeitslosen zahlreiche koordinierte Dienstleistungen zur Verfügung stehen und Kontinuität und Kohärenz der von verschiedenen Einrichtungen (öffentliche Arbeitsverwaltungen, Sozialdienste und Kommunen) angebotenen Unterstützung gewährleistet sind. Die Anlaufstelle sollte unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen die reibungslose und sichere Übermittlung relevanter Informationen – zu bisherigen Unterstützungsmaßnahmen der Arbeitsuchenden und zu ihrer individuellen Bestandsaufnahme – zwischen Dienstleistungsanbietern ermöglichen.

Die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle kann auf mehrere Arten erfolgen. Sie kann im Rahmen einer größeren organisatorischen Umstrukturierung erfolgen, wie z. B. der Bündelung der Kundenkontakte, der Zusammenlegung von Büros oder der Verlagerung organisatorischer Aufgaben zwischen Einrichtungen. Denkbar ist auch eine interinstitutionelle Zusammenarbeit auf der Grundlage gegenseitiger Weiterleitung und des Austausches von Daten.

Die Erfahrungen der Länder, die eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet haben, zeigen positive Auswirkungen sowohl bei der Zahl der Meldungen als auch beim Erfassungsgrad der Arbeitsverwaltungen (z. B. Vereinigtes Königreich, Deutschland, Dänemark und Estland).

Wie sollen die Mitgliedstaaten die Umsetzung der Empfehlung finanzieren?

Die Umsetzung kann aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden. Auch Maßnahmen im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) könnten zur Erreichung der Ziele dieser Initiative eingesetzt werden (z. B. Investitionen in die Infrastruktur für Arbeitsverwaltungen oder Unterstützung für Selbstständige und Unternehmensgründungen). Die Bemühungen der Mitgliedstaaten könnten durch eine proaktive Programmverwaltung im Rahmen der bereits bestehenden Mechanismen, wie sie in der Dachverordnung, der Verordnung über den Europäischen Sozialfonds und der Verordnung über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung vorgesehen sind (z. B. Umverteilung von Mitteln innerhalb einer Prioritätsachse, Abstimmung der Kriterien für die Programmplanung und die Projektauswahl), unterstützt werden.

Darüber hinaus könnte jeder Mitgliedstaat, der zusätzliche Mittel für die Umsetzung einer neuen länderspezifischen Empfehlung zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit bereitstellen möchte, bei der Kommission eine Änderung der Programmplanung beantragen.

Wie kann der Europäische Sozialfonds (ESF) die Umsetzung der Empfehlung unterstützen?

Im Rahmen der derzeitigen Programmplanung soll die Empfehlung als Qualitätsreferenz für ESF-Interventionen dienen. Sie soll die Zuteilung von ESF-Mitteln und deren Wirksamkeit verbessern. Damit ergänzt und stärkt die Empfehlung die ESF-Interventionen.

Ausgehend von der aktuellen Programmplanung für 2014-2020 werden mindestens 41 % der über den ESF geförderten Mittel Arbeitslosen und mindestens 25 % davon Langzeitarbeitslosen zugutekommen.[3]

Bei den ESF-Zuweisungen für 2014-2020 gibt es Spielraum, um die Finanzierung der Unterstützung Langzeitarbeitsloser zu erhöhen und die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel zu verbessern. Im Rahmen der Investitionspriorität für aktive Arbeitsmarktmaßnahmen wurde für 2014-2020 ein Betrag von 11,08 Mrd. EUR eingeplant, mit besonders hohen Anteilen in der Slowakei, in Finnland und in Irland. Im Rahmen der Investitionspriorität zur Erhöhung der Kapazitäten der Arbeitsmarktakteure sind 980 Mio. EUR vorgesehen, mit besonders hohen Zuweisungen in Italien und Rumänien. 12,9 Mrd. EUR wurden im Rahmen der Priorität für soziale Inklusion eingeplant, mit besonders hohen Anteilen in den Niederlanden, in Frankreich, Irland und Belgien. Im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sind zusätzliche Mittel für Investitionen in die Arbeitsverwaltungen und die soziale Infrastruktur vorgesehen.

In welcher Beziehung steht die neue Initiative mit der Jugendgarantie?

2013 richtete der Rat die Jugendgarantie ein, um die aufgrund der Krise hohe Jugendarbeitslosigkeit und Jugenderwerbslosigkeit zu bekämpfen und den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu verbessern. Ziel der Jugendgarantie ist es, allen Personen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Verlassen des Bildungssystems oder Verlust ihres Arbeitsplatzes ein qualitativ hochwertiges Angebot für eine Fortbildung, eine Lehre oder eine Arbeitsstelle zu unterbreiten.

Diese Empfehlung folgt einem Ansatz ähnlich dem der Jugendgarantie und schlägt ein Interventionsmodell vor, das auf einem individuell abgestimmten, koordinierten Angebot beruht. Die Zielgruppe sind jedoch Personen, die nicht unter die Jugendgarantie fallen. Die beiden Initiativen ergänzen sich also umfassend.

Die meisten öffentlichen Arbeitsverwaltungen geben an, dass die Jugendgarantie signifikante Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit hat.[4] Durch die Vorgabe eines klaren Rahmens für Maßnahmen, die für die Bürgerinnen und Bürger relevant sind, hat die Jugendgarantie die öffentlichen Verwaltungen veranlasst, zusätzliche Dienstleistungen für junge Menschen zu erbringen.

Wie wird die EU überprüfen, ob die Mitgliedstaaten der Empfehlung folgen?

Um die Umsetzung der Empfehlung zu überwachen, wird der Beschäftigungsausschuss eine Reihe von Indikatoren und Leitlinien zur Evaluierung der Fortschritte sowie einen Berichtsmechanismus festlegen.

Das Monitoring würde zum Teil auf bereits vorhandenen Indikatoren des gemeinsamen Bewertungsrahmens der Europäischen Beschäftigungsstrategie und des Benchlearning-Prozesses der öffentlichen Arbeitsverwaltungen beruhen. Zusätzliche Daten würden entsprechend der derzeitigen Praxis der Mitgliedstaaten über die Einrichtungen erhoben, die das Angebot bereitstellen (hauptsächlich öffentliche Arbeitsverwaltungen).

Die Wirksamkeit der Initiative soll anhand der eigens dafür festgelegten Ziele kontrolliert werden, die sich z. B. auf den Anteil der unterstützten Langzeitarbeitslosen beziehen und auf den Anteil derer, die danach in die Erwerbstätigkeit zurückkehren. Darüber hinaus soll die Wirksamkeit der Initiative mithilfe einer Evaluierung der aufgrund der vorliegenden Empfehlung ergriffenen Maßnahmen bewertet und dem Rat soll Bericht erstattet werden.

Wann soll die Empfehlung verabschiedet werden?

Der Rat wird den Kommissionsvorschlag während des luxemburgischen Ratsvorsitzes erörtern. Sobald die Mitgliedstaaten zugestimmt haben, können die in der Empfehlung vorgesehenen Maßnahmen anlaufen.


[1]Die Langzeitarbeitslosenquote entspricht dem Anteil der Personen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen am Arbeitsmarkt, die seit 12 Monaten oder länger arbeitslos sind. Erwerbspersonen sind erwerbstätige oder arbeitsuchende Personen.

[2] Die Dauerarbeitslosenquote entspricht dem Anteil der Personen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen am Arbeitsmarkt, die seit 24 Monaten oder länger arbeitslos sind.

[3]    Mindestschätzung aufgrund der Ziele, die sich die Mitgliedstaaten für Langzeitarbeitslose gesetzt haben. Der Anteil ist höchstwahrscheinlich höher, da keine Verpflichtung besteht, für alle gemeinsamen Indikatoren eine Programmplanung zu erstellen.

[4]        EC (2014) – The Role of PES in the Delivery of the Youth Guarantee; PES Network Self-assessment Report on PES capacities to implement the Youth Guarantee

MEMO/15/5562

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


Side Bar