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Europäische Kommission - Factsheet

Fragen und Antworten zu Xylella fastidiosa

Brüssel, 17 Juli 2015

Worum handelt es sich bei Xylella fastidiosa?

Xylella fastidiosa (Wells et al.), auch Feuerbakterium genannt, ist weltweit eines der gefährlichsten Pflanzenbakterien, das zahlreiche Seuchen verursacht und enorme wirtschaftliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat. Seit Oktober 2013 breitet sich ein Stamm dieses Bakteriums in der italienischen Region Apulien aus; bislang ist dies das erste und einzige bestätigte Auftreten dieses Schadorganismus in der EU, der hauptsächlich Olivenhaine befällt.

Gemäß der Richtlinie 2000/29/EG des Rates über Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse („Pflanzengesundheitsrichtlinie“) ist Xylella fastidiosa in der EU als Quarantäneschadorganismus eingestuft. Als solcher ist die Einschleppung und Ausbreitung dieses Organismus in die bzw. in den Mitgliedstaaten verboten. Die Mitgliedstaaten sind nach der Pflanzengesundheitsrichtlinie rechtlich verpflichtet, bei nachweislichem Auftreten des Schadorganismus, unabhängig von den auftretenden Symptomen, alle erforderlichen Maßnahmen zu seiner Tilgung zu treffen bzw., falls dies nicht möglich ist, zu seiner Eindämmung.

Das Bakterium besiedelt das Xylemgewebe der Pflanzen und wird in der Regel durch Schaumzirpen, Zikaden und „Sharpshooters“ (Vertreter der Unterfamilie Cicadellinae) übertragen, die sich vom Xylem ernähren. Der Vektor, der das Bakterium in Apulien überträgt, ist Philaenus spumarius (gemeinhin als Schaumzikade bekannt), eine weit verbreitete, polyphage Schaumzirpe, die in Massen auf Olivenbäumen vorkommt. Die Symptome des Auftretens von Xylella fastidiosa bei Pflanzen sind höchst unterschiedlich und können innerhalb weniger Jahre zum Absterben der Pflanze führen – ausschlaggebend sind die Wirtspflanzenart, die Befallsstärke und die klimatischen Bedingungen.

In der wissenschaftlichen Literatur sind ca. 300 Pflanzenarten bekannt, die für das Bakterium anfällig sind und in Verbindung mit den vier verschiedenen Unterarten von Xylella fastidiosa stehen; jedoch sind nicht alle auch für die Krankheit anfällig.Der in Apulien gefundene Stamm gilt als neue genetische Variante der Unterart pauca von Xylella fastidiosa, über deren Wirtspflanzenspektrum noch Unklarheit herrscht. Noch nicht nachgewiesen wurde er auf Zitruspflanzen und Weinreben, die Pathogenitätstests sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der hohen Zahl der bestätigten Wirtspflanzen (u. a. Oliven- und Pflaumenbäume) bzw. potenziellen Wirtspflanzen (u. a. Zitruspflanzen und Weinreben) sowie der hohen Zahl und der weiten Verbreitung der Vektorinsekten ist das Risiko, dass der Schaderreger auf andere Teile Italiens und den Rest der EU übergreift, sehr hoch.

Seit Februar 2014 wird Xylella fastidiosa mit EU-Notfallmaßnahmen bekämpft. Diese Maßnahmen wurden im Juli 2014 ausdifferenziert und im Mai 2015 weiter verschärft, um eine weitere Ausbreitung des Bakteriums in der EU zu verhindern.

Fragen & Antworten

Welche Maßnahmen hat die Kommission ergriffen, um zu verhindern, dass sich der Schädling in der Europäischen Union ausbreitet?

Da noch in hohem Maße Unklarheit über das vollständige Spektrum der Wirtspflanzen herrscht, die für den in Apulien festgestellten Stamm anfällig sind (bislang wurden für 11 Arten und 2 Gattungen Vorschriften festgelegt), wurden mit den EU-Notfallmaßnahmen strenge Anforderungen an die Verbringung einer langen Liste spezifizierter Pflanzen innerhalb und außerhalb des Befallsgebiets festgelegt; diese Liste umfasst 160 Arten und 27 Gattungen von zum Anpflanzen bestimmten Pflanzen (mit Ausnahme von Saatgut), zu denen auch Weinreben und Zitruspflanzen gehören.

In der gesamten Provinz Lecce, die als Befallszone ausgewiesen wurde, werden Eindämmungsmaßnahmen durchgeführt, und um die Provinz herum wurde eine weitreichende Pufferzone von 20 Kilometern eingerichtet, die frei von dem Bakterium ist. Um das abgegrenzte Gebiet der Provinz Lecce herum muss eine Zone eingerichtet werden, in der intensive Überwachungsmaßnahmen durchgeführt werden, damit neue Ausbrüche frühzeitig festgestellt werden können. Auch um den neuen Ausbruchsherd in Oria in der Provinz Brindisi wird ein abgegrenztes Gebiet (Befallszone plus Pufferzone) eingerichtet, in dem strenge Tilgungsmaßnahmen durchgeführt werden.

-        Die Ausbruchsherde außerhalb der Provinz Lecce (z. B. in der Gemeinde Oria in der Provinz Brindisi) unterliegen sehr strengen Tilgungsmaßnahmen, in deren Rahmen in einem Radius von 100 Metern um die befallenen Pflanzen alle Wirtspflanzen (11 Arten und 2 Gattungen) unabhängig von ihrem Gesundheitszustand konsequent abgeholzt werden.

-        Die Ausbruchsherde in der Provinz Lecce unterliegen Eindämmungsmaßnahmen, bei denen in einem Umkreis von 20 Kilometern im nördlichen Teil der Provinz, der an die Provinzen Brindisi und Tarent grenzt, sowie in der Nähe von zugelassenen Anbauflächen (z. B. Baumschulen und Gartencentern) und Flächen mit Pflanzen von besonderem kulturellen, sozialen oder wissenschaftlichen Wert zumindest alle befallenen Pflanzen entfernt werden müssen (kein Kahlschlag).

-        Die Verbringung der spezifizierten Pflanzenarten aus den abgegrenzten Gebieten heraus ist nur dann erlaubt, wenn diese Pflanzen unter geschützten Bedingungen auf zugelassenen Flächen angebaut wurden, vor der Verbringung ordnungsgemäß beprobt und untersucht wurden und die zuständige amtliche Stelle am Bestimmungsort entsprechend benachrichtigt wurde, wobei die Bestimmungen über die Rückverfolgbarkeit einzuhalten sind.

Da der Olivenanbau in dem Befallsgebiet von hoher wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung ist, werden die beschriebenen Maßnahmen einschneidende Auswirkungen auf die Provinz Lecce und die an sie angrenzenden Provinzen Brindisi und Tarent haben. Die Notfallmaßnahmen der EU betreffen ein Gebiet von 570 200 Hektar. In der Provinz Lecce, deren Fläche sich auf 350 000 Hektar bemisst, stehen rund 12 580 000 Olivenbäume, von denen 2,9 Millionen älter sind als 100 Jahre. Da die überwiegende Mehrzahl dieser Bäume aber noch gesund ist, muss alles dafür getan werden, um ihren Befall zu verhindern.

Wie wird die Kommission künftig verhindern, dass Xylella fastidiosa aus Nicht-EU-Ländern eingeschleppt wird?

Die geltenden Einfuhrbestimmungen sind weiter verschärft worden, und Einfuhren mit den spezifizierten Pflanzen (160 Arten und 27 Gattungen) aus Nicht-EU-Ländern, in denen der Schadorganismus vorkommt, sind nur dann erlaubt, wenn die Pflanzen unter geschützten Bedingungen angebaut wurden und vor der Ausfuhr und beim Eingang in die EU einer Sichtprüfung unterzogen sowie beprobt und getestet wurden, ohne dass das Bakterium nachgewiesen wurde. Die Bestimmungen für die Verbringung dieser eingeführten Pflanzen innerhalb der EU werden genauestens eingehalten.

Die Einfuhr aus Ländern oder Gebieten, die frei von dem Schadorganismus sind, ist nur dann gestattet, wenn die Kommission vorab offiziell über den Gesundheitsstatus dieser Gebiete in Kenntnis gesetzt wurde. Nicht eingeführt werden dürfen zum Anpflanzen bestimmte Coffea-Pflanzen aus Honduras und Costa Rica.

Gibt es Finanzhilfen für Landwirte, denen Schäden durch Xylella fastidiosaentstanden sind?

Die Überwachungsprogramme und die Tilgungs-/Eindämmungsmaßnahmen kommen für eine Kofinanzierung im Rahmen der EU-Pflanzengesundheitsbestimmungen gemäß der Verordnung (EU) Nr. 652/2014 in Betracht. Ab 2017 kann gemäß der genannten Verordnung außerdem ein Finanzbeitrag der EU zur Entschädigung der Eigentümer für den Wert der vernichteten Pflanzen in Anspruch genommen werden. Zusätzliche Finanzhilfen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU sind derzeit im Gespräch.

Ferner wird im Arbeitsprogramm des Rahmenprogramms „Horizont 2020“ für 2016/2017 eine Aufforderung zur Einreichung von Forschungsvorschlägen zu Xylella fastidiosa eingeplant; damit sollen ein umfangreiches Maßnahmenbündel zur besseren Erforschung des Bakteriums gefördert und Präventions- und Bekämpfungsmöglichkeiten sowie Instrumente zur Risikobewertung und zur Durchführung von Pflanzengesundheitsmaßnahmen ausgearbeitet werden.

Könnte das Massensterben der Olivenbäume noch andere Ursachen haben? In einigen wissenschaftlichen Publikationen wird behauptet, die Ursache seien verschiedene Pilze, die die Pflanzen schwächen, bevor sie von Xylella fastidiosa befallen werden, und hierfür gäbe es Gegenmittel.

Die Kommission hat alle verfügbaren Informationen analysiert, als sie die EU-Notfallmaßnahmen überprüft hat. Die einschlägigen Dokumente wurden allesamt der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zur wissenschaftlichen Bewertung übermittelt. Die EFSA hat in ihrer Stellungnahme vom 17. April 2015 dargelegt, dass sich die Hypothese, die Hauptursache für das Olivenbaumsterben („Olive Decline Syndrome“) in der süditalienischen Region Apulien sei nicht das Bakterium Xylella fastidiosa, sondern ein Pilzbefall, wissenschaftlich derzeit nicht belegen lässt. Ferner findet sich in der veröffentlichten Literatur kein Nachweis dafür, dass sich Auftreten, Ausbreitung und Folgen von Xylella fastidiosa durch eine Behandlung der Pilzerkrankung eindämmen lassen; eine gute Pflege der Obstbäume ist ihrer Gesundheit aber im Allgemeinen zuträglich.

Die EFSA war bereits in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme vom Januar 2015 zu dem Schluss gelangt, dass Symptome aufweisende Olivenbäume in der Regel von mehreren Schädlingen und Krankheitserregern befallen waren, zu denen Xylella fastidiosa, mehrere Pilze und Zeuzera pyrina (Kastanienbohrer) gehören.Zwar ist noch nicht ganz klar, welche Rolle Xylella fastidiosa beim „Olive Quick Decline Syndrome“ genau spielt, doch wurde der Schadorganismus in jungen Pflanzen nachgewiesen, bei denen Zeichen der Krankheit erkennbar waren, aber keine anderen Krankheitserreger festgestellt werden konnten.

Wie kann Xylella fastidiosa bekämpft werden?

Die Pflanzengesundheitsexperten der EFSA sind sich darin einig, dass es derzeit keine Schädlingsbekämpfungsmethode gibt, mit der erkrankte Pflanzen in der freien Natur gerettet werden können. Beeinflusst werden könnte die Krankheit bis zu einem gewissen Grad durch geänderte Bewirtschaftungsmethoden (z. B. beim Beschneiden, Düngen und Bewässern), geheilt werden können die Pflanzen dadurch jedoch nicht. In Apulien hat das radikale Zurückschneiden befallener Olivenbäume dazu geführt, dass am Fuße der Bäume neue Triebe entstanden sind, was aber bislang keine Gesundung der Bäume bewirken und ihr Eingehen nicht verhindern konnte.

Der Schwerpunkt bei der Bekämpfung muss auf den Insektenvektoren liegen sowie auf der Beseitigung befallener Pflanzen, da sich in diesen sonst die Bakterienkultur entwickeln kann.

Um die Vektorpopulation bekämpfen zu können, müssen geeignete Pflanzenschutzmaßnahmen ergriffen werden, beispielsweise müssen die Gräser entfernt werden, die die Insekten in ihrem Lebenszyklus brauchen; außerdem müssen gezielt Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, insbesondere bevor die befallenen Pflanzen beseitigt werden. Diese Maßnahmen müssen von geeigneten landwirtschaftlichen Verfahren flankiert werden.

Man muss wissen, dass symptomfreie Wirtspflanzen, symptomfreie Erkrankungen oder leichte Formen der Erkrankung bei einer reinen Sichtprüfung oder sogar im Labor möglicherweise nicht entdeckt werden, wenn es sich um ein frühes Stadium handelt oder das Bakterium sehr ungleich in der Pflanze verteilt ist. Dies ist der Hauptgrund, warum bei Ausbrüchen außerhalb der Provinz Lecce so strenge Tilgungsmaßnahmen (konsequente Abholzung aller Wirtspflanzen im Umkreis befallener Pflanzen) durchgeführt werden müssen.

Wie kann ich als Bürger/in dazu beitragen, dass sich Xylella fastidiosa in der EU nicht weiter ausbreitet?

Den zuständigen Behörden Ihres Landes sollten unverzüglich alle Fälle gemeldet werden, in denen ein Befall mit Xylella fastidiosa vermutet wird, damit sie die erforderlichen Maßnahmen einleiten können.

Es dürfen absolut keine anderen spezifizierten Pflanzen mit Ursprung in Apulien innerhalb der abgegrenzten Gebiete in dieser Region sowie aus diesen Gebieten heraus verbracht werden als solche, die in einer zugelassenen Baumschule gezogen wurden und denen ein Pflanzenpass beiliegt.

Bringen Sie aus Drittländern bitte nur Pflanzen mit in die EU, denen ein Pflanzengesundheitszeugnis beigefügt ist.

Weitere Informationenzu den Ausbrüchen von Xylella fastidiosa (räumliche Übersicht und Chronologie) finden Sie auf folgender Website: http://ec.europa.eu/food/plant/plant_health_biosecurity/legislation/emergency_measures/xylella-fastidiosa/index_en.htm

MEMO/15/5346

Kontakt für die Öffentlichkeit:


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