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Europäische Kommission - Factsheet

Die EU-Jugendgarantie Fragen und Antworten

Brüssel, 04 Februar 2015

Was ist die Jugendgarantie?

Im April 2013 verpflichteten sich die EU-Mitgliedstaaten, durch die Einführung von Jugendgarantien den erfolgreichen Übergang junger Menschen ins Berufsleben zu gewährleisten.

Die Jugendgarantie besagt, dass die Mitgliedstaaten dafür sorgen sollten, dass allen jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten, nachdem sie die Schule verlassen haben oder arbeitslos geworden sind, eine hochwertige Arbeitsstelle, die ihrer Ausbildung, ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung entspricht, angeboten wird oder dass sie im Wege einer Lehre, eines Praktikums oder einer Weiterbildung, die Ausbildung absolvieren bzw. die Fähigkeiten und die Erfahrung erwerben können, die notwendig sind, um einen Arbeitsplatz zu finden.

Die Jugendgarantie ist sowohl eine Strukturreform zur massiven Verbesserung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben als auch eine Sofortmaßnahme zur Förderung der Beschäftigung junger Menschen.

Sie basiert auf positiven Erfahrungen in Österreich und Finnland, die zeigen, dass sich Investitionen in einen besseren Übergang junger Menschen von der Schule ins Berufsleben auszahlen. So trug die finnische Jugendgarantie zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit bei: Innerhalb von drei Monaten nach der Anmeldung war 83,5 % der Betroffenen ein Arbeitsplatz, ein Praktikumsplatz oder eine Lehrstelle vermittelt worden oder sie absolvierten eine Weiterbildung.

Die Empfehlung für eine Jugendgarantie wurde am 22. April 2013 vom EU-Ministerrat (siehe MEMO/13/152) auf der Grundlage eines von der Kommission im Dezember 2012 vorgelegten Vorschlags (siehe IP/12/1311 und MEMO/12/938) angenommen und vom Europäischen Rat bei seiner Tagung im Juni 2013 gebilligt.

Die G20 betrachtet die Jugendgarantie als neue wichtige Reform der Jugendbeschäftigung. Auf ihrer Tagung am 10. und 11. September 2014 in Melbourne beschlossen die Arbeitsminister der G20, mehr zu tun, um die G20-Strategien, namentlich die Jugendgarantien, umzusetzen, und verpflichteten sich zu konkreten Maßnahmen, um junge Menschen in Ausbildung, Weiterbildung und Beschäftigung zu bringen.

Wie ernst ist das Problem der Arbeitslosigkeit bzw. Inaktivität junger Menschen in der EU?

Im Dezember 2014 waren rund 5 Millionen junge Menschen (unter 25) in den 28 EU-Mitgliedstaaten arbeitslos, mehr als 3,2 Millionen davon im Euro-Raum.

  • Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 21,4 % in der Europäischen Union (23 % im Euro-Raum). Mehr als ein Fünftel der arbeitsuchenden jungen Europäer kann keine Beschäftigung finden, in Griechenland und Spanien ist es sogar die Hälfte. 7,5 Millionen junge Europäer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren befinden sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung (NEET – „Not in Employment, Education or Training“).
  • In den letzten vier Jahren war der Rückgang der Gesamtbeschäftigungsquote bei jungen Menschen dreimal so hoch wie bei Erwachsenen.
  • Der Abstand zwischen den Ländern mit der höchsten und der niedrigsten Jugendarbeitslosenquote ist enorm. Der Unterschied zwischen dem Mitgliedstaat mit dem geringsten Wert (Deutschland mit 7,2 % im Dezember 2014) und dem Mitgliedstaat mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit (Spanien mit 51,4 % im Dezember 2014) beträgt 44 Prozentpunkte. Hinter Spanien folgen Griechenland (50,6 % im Oktober 2014), Kroatien (44,8 % im vierten Quartal 2014) und Italien (42 % im Dezember 2014).

 

Jugendarbeitslosigkeits- und NEET-Indikatoren sind Teil des neuen Scoreboards beschäftigungs- und sozialpolitischer Schlüsselindikatoren, in dem die größten beschäftigungs- und sozialpolitischen Ungleichgewichte innerhalb der EU aufgezeigt werden (siehe IP/13/893). Das erste Scoreboard dieser Art wurde als Teil des von Kommission und EU-Ministerrat zusammen angenommenen Gemeinsamen Beschäftigungsberichts 2014 veröffentlicht. Es umfasst fünf Schlüsselindikatoren und bildet die Grundlage der jährlichen länderspezifischen Empfehlungen der Kommission, in denen diese Reformen vorschlägt, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu unterstützen, die Arbeitsmärkte widerstandsfähiger zu machen und Armut und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen.

 

Haben die Mitgliedstaaten schon mit der Umsetzung der Jugendgarantie begonnen?

Ja. Die Umsetzung der Jugendgarantie hat in allen Mitgliedstaaten begonnen und zeitigt auch schon Ergebnisse. Wahrscheinlich ist die Jugendgarantie eine der Strukturreformen in Europa, die am schnellsten umgesetzt werden.

Alle Mitgliedstaaten haben, fristgerecht zu den vom Europäischen Rat gesetzten Terminen, umfassende Umsetzungspläne für die Jugendgarantie vorgelegt. In diesen Plänen sind die Maßnahmen, die im jeweiligen Mitgliedstaat zur Umsetzung der Jugendgarantie ergriffen werden sollen, genau beschrieben. Sie enthalten den Zeitplan für Reformen und sonstige Maßnahmen auf dem Gebiet der Jugendbeschäftigung, Angaben zur Rolle der Behörden und anderer Organisationen sowie Informationen über die Finanzierung. Näheres zu den Plänen der einzelnen Mitgliedstaaten finden Sie hier.

Diese Pläne und ihre Umsetzung sind von der Kommission im Rahmen des Europäischen Semesters – des EU-Rahmens für einer verstärkte wirtschaftspolitische Überwachung – bewertet worden (siehe hier). Ferner erfolgt eine multilaterale Überwachung der Durchführung der Jugendgarantie.

Um die Jugendgarantien mit zuverlässigen Daten zu untermauern und Monitoring sowie kontinuierliche Verbesserungen zu unterstützen, entwickelte der Beschäftigungsausschuss einen Indikatorrahmen für die Überwachung der Jugendgarantie, der auf der Tagung des Rates (Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz) am 11. Dezember 2014 politische Rückendeckung seitens der Ministerinnen und Minister für Beschäftigung erhielt. Die jährliche Datenerhebung sollte 2015 beginnen.

Wie fördert die Jugendgarantie Reformen in den Mitgliedstaaten?

In den meisten Mitgliedstaaten erfordert die Umsetzung der Jugendgarantie tiefgreifende strukturelle Reformen von Ausbildungs-, Arbeitsvermittlungs- und Bildungssystem, mit denen der Übergang von der Schule ins Berufsleben und die Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen massiv verbessert werden, und solche Reformen können nicht von heute auf morgen durchgeführt werden.  

In einigen Mitgliedstaaten müssen die öffentlichen Arbeitsverwaltungen reformiert werden, um zu gewährleisten, dass junge Menschen über die für sie am besten geeigneten Beschäftigungs-, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten persönlich und angemessen beraten werden und dass sie innerhalb von vier Monaten ein konkretes, maßgeschneidertes Angebot erhalten. In diesem Zusammenhang kann sich der im Juni 2013 von der Kommission vorgeschlagene und im Mai 2014 angenommene Beschluss zur Unterstützung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen bei der Maximierung ihrer Effektivität durch engere Zusammenarbeit als hilfreich erweisen (siehe IP/13/544 und IP/14/545).

Ein weiterer Bereich, in dem Strukturreformen sowohl für qualitative als auch für quantitative Verbesserungen erforderlich sind, ist die berufliche Aus- und Weiterbildung. Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass den jungen Menschen die Fähigkeiten vermittelt werden, die Arbeitgeber nachfragen.

Die meisten Mitgliedstaaten sollten auch die arbeitsmarktfernsten Personen (NEET) ermitteln und aktivieren. Um nicht bei den Arbeitsämtern gemeldete junge Menschen zu erreichen, die weder in Ausbildung noch in einer Beschäftigung sind, sollten die Mitgliedstaaten neue Instrumente und Strategien entwickeln, und zwar zusammen mit all denjenigen, die Zugang zu diesen nicht registrierten inaktiven Jugendlichen haben (beispielsweise Sozialdienste, Bildungseinrichtungen, Jugendverbände).

Eben weil die Jugendgarantie auf Strukturreformen zielt, hatte die Kommission 2014 für mehrere Länder (Spanien, Italien, Slowakei, Kroatien, Portugal, Polen, Bulgarien und Irland) spezifische Empfehlungen zu ihrer Umsetzung vorgeschlagen. Ausführliche Informationen zur Überprüfung der Durchführung der Jugendgarantie durch die Kommission im Zuge des Europäischen Semesters finden Sie hier für alle Mitgliedstaaten.

Zu den empfohlenen Schritten zählen aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die Stärkung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen, Unterstützung für Praktika und Lehrstellen und die Bekämpfung des frühen Schulabgangs sowie gezielte Öffentlichkeitsarbeit – allesamt Maßnahmen, die zum Erfolg der Jugendgarantie beitragen können. In den Empfehlungen werden die Mitgliedstaaten außerdem dringend aufgefordert, gegen segmentierte Arbeitsmärkte vorzugehen, wo junge Menschen in einer sehr viel schwächeren Position sind.

Im Entwurf des Gemeinsamen Beschäftigungsberichts 2015 wird hervorgehoben, dass die Jugendgarantie zahlreiche langfristige Reformen in vielen dieser Bereiche angetrieben hat.

Gibt es gute Beispiele für konkrete, positive Ergebnisse der Jugendgarantie-Umsetzung?

 

In Belgien hat die öffentliche Arbeitsverwaltung der Region Brüssel Actiris eine eigene Stelle für die Jugendgarantie eingerichtet, um jungen, arbeitsuchend gemeldeten Menschen gezielt bei der Suche nach einer Stelle oder einem Praktikumsplatz zu helfen. Nach Informationen von Actiris (August 2014) ist die Zahl der arbeitssuchenden jungen Menschen (unter 25) in Brüssel dank der Jugendgarantie-Strategie gesunken.

In Rumänien sind 27 Jugendgarantiezentren (derzeit aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt) eingerichtet worden. Diese sollen die jungen Menschen ermitteln, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren (NEET), und ihnen ein individuelles Komplettpaket anbieten.

Spanien hat weitere Schritte zur Umsetzung des nationalen Jugendgarantie-Systems auf der Grundlage der Rechtsverordnung 8/2014 vom 4. Juli unternommen. Das Gesetz regelt das Registrierverfahren für die Jugendgarantie und legt die Kriterien der Förderungswürdigkeit fest. Außerdem wurden zusätzliche Ermäßigungen der Lohnnebenkosten für unbefristete Arbeitsverträge und Ausbildungsverträge speziell für im Jugendgarantie-System erfasste Personen beschlossen. Und seit 5. August 2014 stehen den im nationalen Jugendgarantie-System registrierten jungen Menschen vier Online-Schulungen kostenfrei zur Verfügung. Außerdem hat die staatliche spanische Arbeitsverwaltung einen Aufruf zu Vorschlägen mit einem Gesamtvolumen von fast 42 Mio. EUR veröffentlicht für die zentrale Entwicklung von Berufsbildungsmaßnahmen und IKT-Schulungen sowie Sprachkursen für im Jugendgarantie-System gemeldete junge Menschen.

In Italien können sich die jungen Menschen über neu eingerichtete integrierte E-Portale direkt online registrieren und mit einem nationalen Register vernetzen, wodurch sich automatisch überprüfen lässt, ob die Anforderungen erfüllt werden, und die Angebote automatisch übermittelt werden können.

Die Slowakei schlug diverse legislative Reformen zur Umsetzung der Jugendgarantie vor (Berufsbildung, nicht formale Ausbildung, aktive Arbeitsmarktpolitik). Derzeit laufen vier nationale Projekte zur Unterstützung der Einstellung junger Arbeitsloser unter 29 Jahren. Bis zum 31. August 2014 wurden insgesamt 12 532 neue Stellen für junge Arbeitsuchende unter 29 Jahren geschaffen. Ein neuer Beitrag zur Vermittlung in eine erste bezahlte Anstellung (unbefristeter Vertrag) bei der Einstellung von Arbeitsuchenden unter 24 Jahren bzw. von Personen (25 bis 29 Jahre), die bereits seit länger als sechs Monaten einen Arbeitsplatz suchen (das Arbeitsverwaltungsgesetz wird derzeit geändert), wird im Januar 2015 anlaufen.

Einige Mitgliedstaaten haben auch die Aktivierung junger Arbeitsuchender durch gezielte Einstellungsanreize und Beihilfen für Unternehmensgründungen gefördert. In den Niederlanden wurde eine auf maximal zwei Jahre angelegte Steuervergünstigung für Arbeitgeber eingeführt, die junge Bezieher von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe einstellen; in Polen wurde eine Freistellung von den Sozialabgaben für junge Beschäftigte unter 30 Jahren eingeführt.

Die meisten Mitgliedstaaten haben Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung ergriffen, um so den Arbeitsmarkterfordernissen besser entsprechen zu können. Diese Maßnahmen sind in der Regel mit der jeweiligen Jugendgarantie und den Verpflichtungen im Rahmen der Europäischen Ausbildungsallianz verknüpft. Mehrere Länder haben Gesetzesänderungen bezüglich ihrer Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung vorgenommen.

Spanien entwickelte sein duales Ausbildungssystem, dessen unmittelbare Ergebnisse bereits sichtbar sind: Die Zahl der Berufsbildungszentren, die an dualen Berufsbildungsprojekten teilnehmen, stieg von 172 im Jahr 2013 auf 375 im Jahr 2014, die Zahl der Unternehmen, die an dualen Berufsbildungsprojekten teilnehmen, von 513 im Jahr 2013 auf 1570 im Jahr 2014; die Zahl der Auszubildenden wuchs von 4292 im Jahr 2013 auf 9555 im Jahr 2014 an.

In Frankreich sieht das neue Gesetz über lebenslanges Lernen und die berufliche Aus- und Weiterbildung mehr Unterstützung für Ausbildungsplätze für Geringqualifizierte vor. In Rumänien wurde eine neue Gesetzgebung über Zuschüsse für Berufspraktika für Hochschulabsolventen erlassen. Schweden erleichtert durch die Bereitstellung von Lehrstellen den Übergang von der Schule ins Berufsleben und unterstützt junge Menschen dabei, Arbeitserfahrung zu sammeln. In Portugal wurden die Lehrpläne der beruflichen Aus- und Weiterbildung angepasst; außerdem wurden ein Netz der Berufsbildungszentren und neue Berufsbildungsprogramme auf Primar- bzw. Sekundarstufenebene (14 bzw. 15-17 Jahre) eingeführt. In Dänemark wurde im Juni 2014 eine Reform der beruflichen Aus- und Weiterbildung beschlossen, die im Schuljahr 2015/16 anlaufen soll. Sie soll dazu beitragen, dass mehr junge Menschen eine Berufsausbildung abschließen, und gewährleisten helfen, dass alle jungen Menschen, die eine grundlegende berufliche Aus- oder Weiterbildung absolvieren möchten, eine solche Ausbildung erhalten.

Darüber hinaus wurden zwischen August und Dezember 2013 mit Unterstützung der Europäischen Kommission 18 kleinere Pilotprojekte für die Jugendgarantie auf den Weg gebracht, jedes mit einer Laufzeit von rund zwölf Monaten (siehe IP/14/981 und MEMO/14/521). Sie wurden in sieben Ländern (Irland, Italien, Litauen, Polen, Rumänien, Spanien und Vereinigtes Königreich) durchgeführt. Mit einem dieser Projekte, dem Vorhaben in Ballymun, Irland, werden etwa 1000 junge Menschen unterstützt und die Wirksamkeit eines neuen lokalen Partnerschaftskonzepts erprobt, das in die Überprüfung des nationalen irischen Jugendgarantie-Systems einfließen wird.

 

Die Jugendgarantie kostet Geld - zahlt sie sich auch aus?

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation kostet die der Einrichtung von Jugendgarantien im Euro-Raum 21 Mrd. EUR pro Jahr. Bleiben die Mitgliedstaaten UNTÄTIG, entstehen jedoch noch weitaus höhere Kosten. Nach Schätzungen der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) belief sich im Jahr 2011 der wirtschaftlichen Schaden, den die EU dadurch erlitt, dass Millionen junger Menschen weder Arbeit hatten noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvierten, auf über 150 Mrd. EUR (1,2 % des BIP der EU) in Form von gezahlten Sozialleistungen und Produktivitätsverlusten.

Diese Kosten fallen zusätzlich zu den langfristigen Kosten der Arbeitslosigkeit für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die betroffenen Personen an, wie ein erhöhtes Arbeitslosigkeits- und Armutsrisiko. Untätig zu bleiben, kann also sehr teuer werden. Die Jugendgarantie dagegen ist eine Investition. Für die Kommission handelt es sich um eine entscheidende Ausgabe der EU zur Bewahrung ihres Wachstumspotenzials für die Zukunft. Signifikante finanzielle Unterstützung durch die EU – hauptsächlich über den Europäischen Sozialfonds und im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen – kann helfen (siehe unten). Aber damit die Jugendgarantie Realität wird, müssen die Mitgliedstaaten den Maßnahmen zur Jugendbeschäftigung auch in ihren nationalen Haushalten Priorität einräumen.

Hilft die Jugendgarantie auch, auf kurze Sicht Arbeitsplätze zu schaffen?

Zusätzlich zu angebotsseitigen Maßnahmen wie der Aktivierung durch Hilfe bei der Stellensuche oder Schulungskursen fördert die Jugendgarantie die Nutzung einer Reihe proaktiver Maßnahmen, mit denen die „Nachfrage“ nach jungen Arbeitskräften angeregt werden soll. Diese Maßnahmen, beispielsweise sehr gezielte befristete Lohn- oder Einstellungszuschüsse oder Lehr- und Praktikumsbeihilfen, können häufig notwendig sein, um junge Menschen erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie sollten daher als Sozialinvestition angesehen werden, die junge Menschen in die Lage versetzt, ihre Fähigkeiten produktiv einzusetzen und sie weiterzuentwickeln, während andauernde Arbeitslosigkeit und Inaktivität die Fähigkeiten erodieren lässt und zu Demotivierung führt.

Eine sinnvolle Nutzung „angebotsseitiger“ Maßnahmen ist sehr wichtig, um echte Wirkung zu erzielen und die gegenwärtig hohe Arbeitslosigkeit und Inaktivität junger Menschen zu senken.

Wäre es nicht besser, Unternehmen direkt bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen zu unterstützen?

Arbeitsplätze und Wachstum gehören zu den Top-Prioritäten der Europäischen Kommission. Die Juncker-Kommission hat eine ehrgeizige Investitionsoffensive für Europa vorgelegt, mit der mehr als 315 Mrd. EUR an zusätzlichen Finanzierungsmitteln für strategische Bereiche mobilisiert werden sollen. Dabei sollte in großem Maßstab in Projekte investiert werden, die angemessene Arbeitsplätze für die junge Generation schaffen, womit die Anstrengungen im Rahmen der Jugendgarantie weiter ergänzt würden. Die Kommission unterstützt auch Strukturreformen auf nationaler Ebene, die Arbeitsplätze schaffen können.

 

Einer der Gründe, weshalb Unternehmen nicht mehr junge Menschen einstellen können, ist der, dass die Jugendlichen nicht über die Fähigkeiten und die Erfahrung verfügen, die von den Unternehmen benötigt wird. Ein anderer ist, dass selbst dann, wenn junge Menschen die von Arbeitgebern nachgefragten Fähigkeiten und Erfahrung besitzen, die öffentlichen Arbeitsverwaltungen in vielen Mitgliedstaaten sie nicht wirksam mit den Unternehmen, die entsprechend qualifizierte Personen suchen, zusammenführen können. Natürlich ist es sehr wichtig, Unternehmen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen zu unterstützen, und es sind viele Initiativen, die in diese Richtung gehen, von der Kommission (beispielsweise das Programm COSME und die Unterstützung der Unternehmensentwicklung über die europäischen Struktur- und Investitionsfonds) und der Europäischen Investitionsbank-Gruppe auf den Weg gebracht worden.

Kann die Jugendgarantie mehr Arbeitsplätze für junge Menschen schaffen, wenn die Wirtschaft nur langsam wächst?

Die Jugendgarantie ist weder ein Ersatz für makroökonomische Instrumente noch für Strukturreformen, aber sie kann dazu beitragen, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung mit der Schaffung vieler Arbeitsplätze einhergeht, und sie bewirkt einen systemischen Unterschied mit der Verbesserung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben. Deshalb ist die 315 Milliarden schwere Investitionsoffensive zur Förderung von Arbeitsplätzen und Wachstum in Europa eine der wichtigsten Prioritäten dieser Kommission.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist sehr viel stärker mit den Konjunkturzyklen verknüpft als die Arbeitslosigkeit insgesamt, da junge Menschen über weniger Erfahrung verfügen, häufiger nur einen kurzfristigen Arbeitsvertrag haben und daher schneller entlassen werden und auch in größerem Umfang in besonders konjunkturabhängigen Branchen wie dem verarbeitende Gewerbe, der Baubranche, dem Einzelhandel oder dem Gastgewerbe tätig sind. Zahlen aus den letzten 15-20 Jahren belegen, dass ein Rückgang der Gesamtarbeitslosenquote der EU nur bei einem jährlichen BIP-Wachstum von durchschnittlich mehr als 1,5 % zu erwarten ist. Eine Senkung der Jugendarbeitslosenquote erfordert normalerweise sogar noch ein etwas höheres BIP-Wachstum.

Bleibt das Wirtschaftswachstum hingegen unter 1,5 % jährlich, weisen die Jugendarbeitslosenquoten einen stärkeren Trend nach oben auf als die allgemeine Arbeitslosenquote. Nach Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind konjunkturelle Faktoren der Grund für über 50 % der Veränderungen bei der Jugendarbeitslosenquote in Europa insgesamt und für 70 % der Veränderungen in Ländern des Euro-Raums, die stark von der Wirtschaftskrise betroffen sind[1].

Die Höhe der Jugendarbeitslosigkeit wird aber auch von Strukturmerkmalen der Arbeitsmärkte beeinflusst, beispielsweise den Einstellungskosten oder einer aktiven Arbeitsmarktpolitik, sowie von der Qualität des Bildungs- und Ausbildungssystems. Hier kann eine umfassende Jugendgarantie viel bewirken und letztlich die große Kluft zwischen Jugendarbeitslosigkeit und Gesamtarbeitslosigkeit verringern.

Wie unterstützen der Europäische Sozialfonds und die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen die Umsetzung der Jugendgarantie?

Die weitaus wichtigste Quelle für EU-Mittel zur Unterstützung der Jugendgarantie und anderer Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist der Europäische Sozialfonds (ESF), der für den Zeitraum 2014-2020 mit rund 86 Mrd. EUR ausgestattet ist.

In den Partnerschaftsvereinbarungen ist die Umsetzung der Jugendgarantie als eine der Maßnahmen mit hoher Priorität aufgeführt. Die Kommission hat solche Vereinbarungen für alle Mitgliedstaaten angenommen. Diese Vereinbarungen legen den strategischen Rahmen für die Umsetzung der europäischen Struktur- und Investitionsfonds in den einzelnen Mitgliedstaaten im Zeitraum 2014-2020 fest.

Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen ist eine zusätzliche Finanzierungsquelle zur Unterstützung der Jugendgarantie-Umsetzung in den kommenden Monaten und Jahren (siehe unten).

 Beispiele für Maßnahmen im Rahmen der Jugendgarantie, die mit ESF-Mitteln gefördert werden können:

Maßnahmen

Beispiele für spezifische förderfähige Maßnahmen:

Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und Anlaufstellen

[JG-Empfehlungen 8 und 9]

  • Besuche der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Schulen
  • Schulung von Lehrkräften durch öffentliche Arbeitsverwaltungen
  • Entwicklung spezieller Jugendangebote durch die öffentlichen Arbeitsverwaltungen oder beauftragte private Dienstleister
  • Verteilung von Infomaterial in Jugendzentren und bei Jugendveranstaltungen
  • Nutzung von Internet und sozialen Netzwerken
  • Datenerhebungssysteme
  • Roadshows

Individuelle Aktionspläne

[JG-Empfehlung 10]

  • Fortbildung des Personals der öffentlichen Arbeitsverwaltungen
  • Vertrag mit spezialisierten Partnern

Wege für frühzeitige Schulabgänger und junge Geringqualifizierte zurück in die allgemeine und berufliche Bildung oder zu Angeboten des zweiten Bildungswegs, Beseitigung von Diskrepanzen zwischen Qualifikationsangebot und -nachfrage und Verbesserung digitaler Kompetenzen

[JG-Empfehlungen 11 bis 13]

  • Ausbildungsprogramme und Programme „der zweiten Chance“
  • Sprachkurse
  • Beratung und zusätzliche pädagogische Betreuung, um Jugendliche in die allgemeine und berufliche Bildung zurückzuholen
  • Unterstützung gefährdeter Jugendlicher beim Erwerb relevanter Qualifikationen und beim Abschluss der Sekundarstufe II
  • Praxisorientiertes Lernen und praktische Ausbildung
  • Angebote zum Erwerb digitaler Kompetenzen
  • Ausbildungsgutscheine

Unterstützung von Schulen und Arbeitsämtern bei der kontinuierlichen Beratung junger Menschen zu Unternehmensgründungen und Selbständigkeit

[JG-Empfehlung 14]

  • Fortbildungen für Personal von Arbeitsämtern und Lehrkräfte
  • Entwicklung und Durchführung von Unternehmensgründungsunterricht in der Sekundarstufe
  • Fortbildungsmaßnahmen für junge Arbeitslose

 

Nutzung gezielter und durchdachter Lohn-/Gehaltszuschüsse und Einstellungsanreize, um Arbeitgeber zur Schaffung neuer Möglichkeiten für junge Menschen (Lehr- oder Arbeitsstelle) anzuregen, insbesondere für diejenigen, die am schwersten auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln sind.[JG-Empfehlung 17]

  • Einstellungszuschüsse für die Schaffung von Arbeits-/Ausbildungsplätzen für junge Menschen (die ESF-Förderung für die Zuschüsse sollten durch Aktivierungsmaßnahmen, z. B. praktische Fortbildung, ergänzt werden)

Förderung der Arbeitskräftemobilität, durch Information junger Menschen über Arbeitsangebote, Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine mögliche Unterstützung in anderen Regionen und Ländern; angemessene Unterstützung für diejenigen, die umgezogen sind

[JG-Empfehlung 18]

  • Betrieb von EURES-Kontaktstellen (die ESF-Förderung für EURES konzentriert sich auf die Personalgewinnung und entsprechende Informationen, Beratung und Orientierungshilfe auf nationaler und grenzüberschreitender Ebene)
  • Sensibilisierungskampagnen
  • Förderung von Freiwilligenorganisationen, die Mentoringprogramme anbieten
  • Förderung von Jugendorganisationen, die sich um junge Wanderarbeitnehmer bemühen

 

 

Bereitstellung von mehr Gründungshilfen

[JG-Empfehlung 19]

  • Zusammenarbeit zwischen Arbeitsverwaltungen, Wirtschaftsfördereinrichtungen und Finanzgebern (z. B. regionale Jobmessen und Networking-Veranstaltungen)
  • Förderung von Existenzgründungen
  • Förderung selbständiger Tätigkeit
  • Vermittlung unternehmerischer Fähigkeiten z. B. für Arbeitslose, ergänzt durch Gründungsbeihilfen

Stärkung der Mechanismen zur Unterstützung junger Menschen, die Aktivierungsprogramme abbrechen und nicht länger Anspruch auf Leistungen haben

[JG-Empfehlung 20]

  • Förderung von Jugendorganisationen und Jugendwerken
  • Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die mit jungen Leuten in Kontakt kommen
  • Einrichtung von Tracking-Systemen
  • Förderung von Arbeitsvermittlungsangeboten und Berufsberatungsangeboten in Schulen

Überwachung und Bewertung aller Maßnahmen und Programme im Zusammenhang mit der Jugendgarantie, damit mehr faktengestützte Strategien und Maßnahmen auf der Grundlage des Was, Wo und Warum funktionierender Aktionen entwickelt werden können [JG-Empfehlung 24]

  • Ermittlung kosteneffizienter Initiativen
  • Nutzung kontrollierter Testläufe
  • Einrichtung von Analysezentren
  • Entwicklung von politischen Modellen, Pilotprojekten, Tests und Mainstreaming politischer Strategien (soziale Innovation und Erprobung)

Förderung von Maßnahmen des wechselseitigen Lernens auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zwischen allen an der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beteiligten Parteien, um die Gestaltung und die Bilanz der künftigen Jugendgarantie-Systeme zu verbessern

[JG-Empfehlung 25]

  • Nutzung des europäischen Netzwerks für Jugendbeschäftigung (der ESF fördert die transnationale Zusammenarbeit zum Austausch guter Praxis zwischen Organisationen auf EU-Ebene im Rahmen der technischen ESF-Hilfe auf Kommissionsebene)

Stärkung der Kapazitäten aller Interessenträger (u. a. der zuständigen Arbeitsverwaltungen), die an der Gestaltung, Umsetzung und Bewertung von Jugendgarantie-Systemen beteiligt sind, um alle internen und externen Hindernisse in der Politik und der Art und Weise, die Systeme zu entwickeln, zu beseitigen

[JG-Empfehlung 26]

  • Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen und Workshops
  • Einführung von Austauschprogrammen und Abordnungen zwischen Organisationen im Rahmen von Aktivitäten der transnationalen Zusammenarbeit

Wie unterstützt die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen die Umsetzung der Jugendgarantie?

Um die verfügbaren EU-Fördermittel für die Regionen, die am stärksten von Arbeitslosigkeit bzw. Inaktivität junger Menschen betroffen sind, aufzustocken, vereinbarten das Europäische Parlament und der Rat eine spezielle, mit 6,4 Mrd. EUR ausgestattete Beschäftigungsinitiative für junge Menschen (YEI - Youth Employment Initiative). Im Rahmen der YEI werden 3,2 Mrd. EUR aus einer spezifischen, neuen EU-Haushaltslinie für Jugendarbeitslosigkeit bereitgestellt und durch mindestens 3,2 Mrd. EUR aus den nationalen ESF-Zuweisungen ergänzt.

Die YEI-Unterstützungsmaßnahmen konzentrieren sich auf Regionen, die 2012 eine Jugendarbeitslosenquoten von mehr als 25 % hatten, und sind auf junge Menschen ausgerichtet, die sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung befinden (NEET). Dadurch wird gewährleistet, dass in den Teilen Europas, in denen die Probleme besonders gravierend sind, die Höhe der Unterstützung für die einzelnen jungen Menschen ausreicht, um tatsächlich etwas zu bewirken.

Die YEI ergänzt die ESF-Unterstützung für die Umsetzung der Jugendgarantie durch Förderung von Maßnahmen, die jungen Menschen – bis 25 Jahre, die keine Arbeit haben und sich auch nicht in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befinden, direkt zugutekommen. Sofern der betreffende Mitgliedstaat dies für angezeigt hält, kann die Förderung auf Personen unter 30 Jahren ausgedehnt werden.

Die YEI-Mittel können für Maßnahmen wie Einstellungszuschüsse und Unterstützung für junge Unternehmensgründer verwendet werden. Sie können ferner genutzt werden, um jungen Menschen Arbeitserfahrung zu vermitteln, für Praktikums- und Lehrstellenangebote oder für Weiterbildungen. Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen wird als Teil des ESF 2014-2020 programmiert.

Die Mitgliedstaaten müssen die Unterstützung im Rahmen der YEI mit substanziellen zusätzlichen ESF- und nationalen Investitionen in Strukturreformen aufstocken, um Arbeitsvermittlungsdienste, Sozialdienstleistungen und Bildungsangebote für junge Menschen zu modernisieren; außerdem müssen sie den Zugang zur Bildung, deren Qualität und die Abstimmung auf die Nachfrage am Arbeitsmarkt verbessern.

20 Mitgliedstaaten können Mittel aus der Beschäftigungsinitiative erhalten, da sie Regionen haben, in denen die Jugendarbeitslosigkeit 2012 über 25 % lag. Diese Mittel sind als Teil des Europäischen Sozialfonds für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 ausgewiesen; Ausgaben sind ab dem 1. September 2013 förderfähig.

Die Behörden der Mitgliedstaaten müssen der Kommission operationelle Programme zur Genehmigung vorlegen, in denen die Maßnahmen erläutert werden, für die die YEI-Gelder eingesetzt werden sollen.

Wie können Lehren und Praktika verbessert werden?

Effektive Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung, vor allem solche, die eine starke berufspraktische Komponente umfassen, erleichtern jungen Menschen den Übergang von der Schule ins Berufsleben.

Zur Ergänzung der Jugendgarantie hat die Kommission zwei spezifische Initiativen eingeleitet, um jungen Menschen bei diesem Übergang zu helfen:

  • Auf der Grundlage eines Kommissionsvorschlags hat der Ministerrat im März 2014 einen Qualitätsrahmen für Praktika angenommen, der Praktikantinnen und Praktikanten hochwertige Arbeitserfahrung zu sicheren und fairen Bedingungen ermöglichen und ihre Aussichten auf einen Arbeitsplatz von guter Qualität verbessern soll (siehe IP/14/236).
  • Die im Juli 2013 eingeleitete Europäische Ausbildungsallianz bringt Vertreter von Behörden, Unternehmen, Sozialpartnern, beruflicher Bildung und Ausbildung, Jugendvertreter und andere wichtige Akteure zusammen, um die Qualität und das Angebot von Ausbildungsplätzen EU-weit zu verbessern und die Einstellung gegenüber der betrieblichen Ausbildung zu verändern (siehe IP/13/634).

Weitere Informationen

Siehe auch:


[1] International Monetary Fund, Youth Unemployment in Europe: Okun’s Law and Beyond, in: IMF Country Report No. 14/199, 'Euro Area Policies 2014 Article IV Consultation, Selected Issues', Juli 2014.

MEMO/15/4102

Kontakt für die Öffentlichkeit:

Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail

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