Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR ES PT

Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 27. Oktober 2014

Reaktion der EU auf Ebola-Ausbruch in Westafrika

Derzeit sind die westafrikanischen Länder Liberia, Sierra Leone, Guinea und nun auch Mali von Ebola betroffen. Laut den jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis zum 23. Oktober mehr als 10 141 Fälle gemeldet, darunter 4922 Todesfälle. Über 240 Gesundheitshelfer sind bereits an der Krankheit gestorben.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

In Bezug auf Transport, Koordinierung, Ausrüstung und die Verfügbarkeit von ausgebildetem medizinischem Personal stellt die Ebola-Epidemie eine große Herausforderung dar.

Im Kampf gegen die Epidemie ist der Lufttransport (gewerbliche Flugdienste, Ambulanzflugzeuge und sogar Flüge mit Militärmaschinen) unerlässlich. Nur so können der Zugang und die Mobilität des Gesundheitspersonals sowie Evakuierungen aus medizinischen Gründen sichergestellt und der Betrieb der diplomatischen Vertretungen der EU in den betroffenen Ländern aufrechterhalten werden. Geschlossene Grenzen, ausgesetzte Flüge und fehlende Verkehrsrechte, beispielsweise für Ambulanzflugzeuge, behindern die Bemühungen um eine Verbesserung der Lage.

Infolge des eingeschränkten Zugangs zu manchen Gebieten in den betroffenen Ländern wird zudem die Registrierung und Isolierung von Patienten erschwert. Ein weiteres Problem ist der Mangel an medizinischem Material zur Isolierung von Patienten und zum Schutz des medizinischen Personals.

Unmittelbare Priorität muss nun der Ermittlung von Personen, die in Kontakt mit Ebola-Patienten standen, der Bereitstellung von Behandlungszentren und Ausrüstung sowie dem sicheren Transport von medizinischem Personal und Hilfsgütern eingeräumt werden. Die Präsenz von medizinischem Fachpersonal muss ausgebaut werden.

Auch in anderen, damit zusammenhängenden Bereichen besteht großer Handlungsbedarf, u. a. mit Blick auf die soziale Mobilisierung, die medizinische Grundversorgung und die wachsende Ernährungsunsicherheit, vor allem in Gebieten unter Quarantäne.

Wie hilft die EU?

Die EU hat mit mehr als 800 Mio. EUR zur Bekämpfung der Epidemie beigetragen. Diese Mittel wurden von der Europäischen Kommission (über 200 Mio. EUR) und den Mitgliedstaaten bereitgestellt.

Die Kommission leistet aktiv Hilfe – durch finanzielle Unterstützung, Experten vor Ort, mobile Laboreinheiten, Unterstützung der lokalen Behörden, Stärkung der nationalen Gesundheitsinfrastruktur und Koordinierung der Versorgung mit Hilfsgütern und der Evakuierungen aus medizinischen Gründen.

Das Zentrum für Notfallabwehrkoordinierung der Europäischen Kommission (ERCC) überwacht die Entwicklungen seit dem Ausbruch der Epidemie im März. Es wurde eine EU-Ebola-Taskforce eingesetzt, in der die Mitgliedstaaten, Dienststellen der Kommission, der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) sowie Vertreter der Vereinten Nationen und von NRO zusammenarbeiten. Die Taskforce kommt täglich zu Treffen im ERCC zusammen, das als Plattform zur Koordinierung der europäischen Reaktion fungiert.

Der Europäische Rat hat den designierten Kommissar Christos Stylianides zum EU-Koordinator im Kampf gegen die Ebola-Epidemie ernannt. Seine Aufgabe ist die Stärkung der europäischen Maßnahmen zur Reaktion auf die Krise.

Humanitäre Hilfe

Die Europäische Kommission hat direkt nach dem Ausbruch der Epidemie reagiert: Sie leistet humanitäre Hilfe, stellt Fachwissen zur Verfügung und unterstützt die internationale Koordinierung. Die Kommission hat fast 42 Mio. EUR für humanitäre Hilfe bereitgestellt.

Mit diesen Mitteln wird die medizinische Soforthilfe unterstützt und ein Beitrag zur Eindämmung der Epidemie geleistet. Sie werden von der WHO, Médecins Sans Frontières und dem Internationalen Verband der nationalen Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds für die klinische Behandlung von Kranken, einschließlich der Isolierung von Patienten und ihrer psychosozialen Betreuung, eingesetzt sowie für die Ermittlung von Verdachtsfällen, für persönliche Schutzausrüstung, Kampagnen für ein besseres Hygieneverständnis und Verständnis der Seuche sowie zur Unterstützung nationaler Behörden.

EU-Experten für humanitäre Hilfe, unter anderem Spezialisten für gefährliche Krankheiten, wurden in die betroffenen Länder entsandt. Sie beobachten die dortige Lage und stellen Kontakte zu Partnern und Behörden her.

Für den Transport von Hilfsgütern nach Westafrika hat die EU eine humanitäre Luftbrücke eingerichtet. Als Reaktion auf den dringenden Bedarf an Sachleistungen wurde das europäische Katastrophenschutzverfahren aktiviert: Frankreich, Österreich, Ungarn, die Niederlande, Schweden, die Slowakei, Norwegen, Finnland, Belgien und das Vereinigte Königreich haben darauf positiv reagiert und die Bereitstellung von medizinischem Geräte, sanitären Einrichtungen und Sachverständigen zugesagt. Die Kommission leistet einen Beitrag zu den Transportkosten.

Die EU hat ein System für medizinisch begründete Evakuierungen internationaler humanitärer Helfer, die sich mit dem Ebola-Virus infiziert haben, eingerichtet. Dadurch können Betroffene innerhalb von 48 Stunden per Flugzeug evakuiert und in bestimmte Krankenhäuser in Europa gebracht werden, in denen Ebola-Patienten behandelt werden können.

Über die Delegationen der Europäischen Union und auf anderen Wegen wird diplomatische Arbeit geleistet, um die humanitäre Hilfe in den betroffenen Ländern zu erleichtern und die Regierungen dafür zu sensibilisieren, auf die Krise nicht unverhältnismäßig – etwa durch Reise- und Handelsbeschränkungen – zu reagieren.

Hilfe aus den Mitgliedstaaten

Neben den gemeinsamen Anstrengungen der EU leisten auch die Mitgliedstaaten in erheblichem Umfang Direkthilfe in der betroffenen Region. Bisher haben die Mitgliedstaaten mehr als 600 Mio. EUR zugesagt und Sachleistungen in verschiedener Form erbracht – von der Bereitstellung von Lufttransportkapazitäten und persönlicher Schutzausrüstung bis hin zu Fahrzeugen und Feldlazaretten.

Unterstützung für die Ebola-Forschung

Die Europäische Kommission hat 24,4 Mio. EUR für dringend benötigte Ebola-Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt. Gefördert werden fünf Projekte – von groß angelegten klinischen Studien über einen potenziellen Impfstoff bis hin zur Erprobung bereits vorhandener und neuartiger Komponenten zur Ebola-Behandlung. Das Geld aus dem Haushalt des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ wird über ein Schnellverfahren freigegeben, damit die Arbeiten möglichst zügig aufgenommen werden können.

Außerdem arbeitet die Kommission gemeinsam mit der Industrie im Rahmen der Technologieinitiative für innovative Arzneimittel an der Weiterentwicklung von Impfstoffen, Arzneimitteln und Diagnoseverfahren für Ebola und andere hämorrhagische Erkrankungen.

Ferner hat die Kommission die Partnerschaft der Europäischen Länder und der Entwicklungsländer zur Durchführung klinischer Studien (EDCTP) ersucht, neu entstehende Epidemien, die Afrika betreffen, darunter auch Ebola, in ihren Arbeitsplan aufzunehmen. Damit kann die EDCTP im Rahmen der nächsten Aufforderungen finanzielle Mittel für klinische Studien zu Arzneimitteln, Impfstoffen und Diagnoseverfahren bereitstellen.

Längerfristige Entwicklungshilfe

Die Europäische Kommission hat mehr als 137 Mio. EUR als Entwicklungshilfe für die derzeit vom Ebola-Virus betroffenen westafrikanischen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia mobilisiert. Das neue Hilfspaket umfasst:

  • 28 Mio. EUR für die Stärkung der Gesundheitssysteme – unter anderem in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Wasser und Abwasser – durch eine Verknüpfung von Soforthilfe, Rehabilitation und Entwicklung (Linking Relief, Rehabilitation and Development)

  • 97,5 Mio. EUR für die Vorfinanzierung der Budgethilfe für Liberia und Sierra Leone, um die Kapazitäten der Regierungen zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen – insbesondere im Bereich der Gesundheitsvorsorge – zu stärken und die makroökonomische Stabilität aufrechtzuhalten

  • 5 Mio. EUR für die neu eingerichtete Mission der Afrikanischen Union (AU), „Hilfsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika“ (ASEOWA). Damit sollen rund 100 medizinische Fachkräfte bei ihrer Arbeit in Sierra Leone und Liberia unterstützt werden

  • 7,6 Mio. EUR für die Bereitstellung mobiler Laboreinheiten für den Nachweis des Virus und die Weiterbildung medizinischer Fachkräfte in Guinea, Nigeria und Liberia

Zusätzlich zu diesem Hilfspaket unterstützt die EU Maßnahmen im Gesundheitssektor im Rahmen der laufenden und künftigen Entwicklungsprogramme.

In Guinea gehört der Gesundheitssektor zu den Schwerpunkten der aus dem Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) finanzierten EU-Entwicklungszusammenarbeit. Ende letzten Jahres wurde ein umfangreiches Projekt zur Unterstützung des Gesundheitssektors in Guinea aufgelegt, das mit 29,5 Mio. EUR ausgestattet ist, einschließlich eines Beitrags der französischen Entwicklungsbehörde Agence Française pour le Developpement in Höhe von 9,5 Mio. EUR. Ziel des Projekts ist es, die Kapazitäten des Gesundheitsministeriums auszubauen, den Zugang zu einer hochwertigen medizinischen Grundversorgung zu verbessern und die Verfügbarkeit grundlegender Medikamente sicherzustellen. Neben anderen Maßnahmen werden Gesundheitseinrichtungen unterstützt, z. B. durch die Ausbildung von Gesundheitspersonal (Hebammen, Gesundheitstechniker, staatliche Krankenschwestern), Ausrüstung und den Bau, die Erweiterung und die Sanierung von Gebäuden. Die Waldregionen haben sich dabei als der wichtigste Interventionsbereich herausgestellt.

Die im Rahmen des 11. EEF im Zeitraum 2014-2020 für den Bereich Gesundheit vorgesehenen Mittel belaufen sich auf 40 Mio. EUR, weitere 84 Mio. EUR sind für die städtische Abwasserentsorgung bestimmt.

Die EU erwägt für 2015 zudem den Abschluss eines Vertrags über den Staatsaufbau mit Guinea Rahmen des 11. EEF, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Dies würde auch die negativen wirtschaftlichen Folgen der Krise abmildern und zur Schließung der Haushaltslücken beitragen.

Darüber hinaus finanziert die EU derzeit mit 24,2 Mio. EUR ein Programm in Sierra Leone zur Gesundheitsförderung von Müttern. Es ist Teil ihrer mit 1 Mrd. EUR geförderten Initiative zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Mithilfe dieses von UNICEF durchgeführten Projekts werden die Initiative der Regierung von Sierra Leone für eine kostenlose Gesundheitsversorgung sowie Einrichtungen verschiedener Gemeinden dabei unterstützt, ihre medizinischen Dienstleistungen, insbesondere für Schwangere und stillende Mütter sowie für Kinder, zu verbessern. Des Weiteren soll das Projekt die Bereitstellung von Medikamenten, medizinischer Ausrüstung, Ärzten und Gesundfachkräften, Nahrungsmitteln und Mikronährstoffen wie Vitaminen zur Behandlung von Unterernährung fördern.

In Liberia wird ein Projekt zur Stärkung des Gesundheitssektors fortgeführt, das die Regierung dabei unterstützt, die Ziele ihres allgemeinen Gesundheitsplans umzusetzen und Fortschritte mit Blick auf die Erreichung des fünften Millennium-Entwicklungsziels (Gesundheit von Müttern) zu machen. Seit 2012 hat die EU für Maßnahmen der Regierung aus einem mit insgesamt 39,8 Mio. EUR ausgestatteten Programm bislang 19,8 Mio. EUR zur Verfügung gestellt. Die EU beabsichtigt, den Restbetrag im kommenden Monat an die Regierung von Liberia auszuzahlen.

Über die allgemeine Budgethilfe unterstützt die EU die Regierungen von Sierra Leone und Liberia des Weiteren dabei, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen und für makroökonomische Stabilität zu sorgen.

Nigeria soll zwischen 2014 und 2020 zur Unterstützung der Bereiche Gesundheit, Ernährung und Resilienz Finanzmittel in Höhe von 240 Mio. EUR aus dem 11. Europäischen Entwicklungsfonds erhalten. Diese Mittel werden hauptsächlich für die Verbesserung politischer und institutioneller Strukturen eingesetzt und sollen den Gesundheits- und Ernährungssektor fördern und die Widerstandsfähigkeit der ärmsten Haushalte Nigerias, insbesondere im Norden des Landes, erhöhen.

Im Rahmen des Projekts EMLab (Europäisches mobiles Labor zur Bekämpfung gefährlicher Infektionskrankheiten) wurden mehrere europäische Expertenteams mit drei mobilen Laboreinheiten nach Guinea, Nigeria und Liberia entsandt. Die mobilen Labors sollen dabei helfen, virales hämorrhagisches Fieber zu diagnostizieren, Blutproben schnell zu analysieren und Krankheitsfälle zu bestätigen. In Guinea, Nigeria und Liberia wurden bereits mehr als 5000 Proben einem Test unterzogen, dessen Ergebnis bereits nach 4 Stunden vorlag. In den Labors können 70 Proben pro Tag untersucht werden und es wurden bereits mehr als 1000 Ebola-Fälle diagnostiziert. Anfang 2015 wird eine weitere robustere und unabhängig arbeitende mobile Laboreinheit in die Region entsandt, damit die Diagnosekapazitäten weiter gestärkt und lokale Fachkräfte ausgebildet werden können.

Weitere Informationen

Website zur Ebola-Koordinierung:

http://europa.eu/newsroom/highlights/special-coverage/ebola/index_en.htm

Weitere Informationen zum Ebola-Virus und zu den EU-Vorsorgemaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, siehe MEMO/14/588: http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-14-588_en.htm (nur auf EN verfügbar).

Website der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/health/preparedness_response/risk_management/ebola/index_en.htm

Website von Kommissarin Georgieva:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/georgieva/index_en.htm

Die Arbeit der Europäischen Kommission im Bereich humanitäre Hilfe und Krisenreaktion:

http://ec.europa.eu/echo/en

Website von Andris Piebalgs, Kommissar für Entwicklung:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/piebalgs/index_en.htm

Website der Generaldirektion Entwicklung und Zusammenarbeit – EuropeAid:

http://ec.europa.eu/europeaid/where/index_en.htm


Side Bar