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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel/Frankfurt, 6. Oktober 2014

Literaturpreis der Europäischen Union 2014:

Biografien der Autoren und Kurzzusammenfassung des Inhalts der ausgezeichneten Bücher

IP/14/1107

1. Albanien - Ben Blushi

Otello, Arapi i Vlorës (Othello, der Mohr von Vlora), Verlag Mapo, 2011

Ben Blushi, geboren 1969, absolvierte ein Studium der albanischen Sprache und Literatur an der Universität Tirana. Er war Chefredakteur der Zeitung Koha Jonë und startete 1999 eine politische Laufbahn im Kabinett des albanischen Premierministers. Mehrere Monate bekleidete er das Amt des stellvertretenden Außenministers. Im Jahr 2000 wurde er Präfekt von Korça und im Jahr darauf Bildungsminister. Blushi ist derzeit Parlamentsabgeordneter für die Sozialistische Partei.

Orte der Handlung sind Venedig und Vlora in der Zeit zwischen 1300 und 1400. Der Roman adaptiert die Figuren einer der bekanntesten Shakespeare-Tragödien (Othello, der Mohr von Venedig), wobei die Handlung jedoch mehr als 100 Jahre vor Shakespeares Geburt spielt. Otello, Arapi i Vlorës ist vor allem ein Roman über die Liebe, darüber, wie sie das Schicksal bestimmen und den Lauf der Dinge ändern kann, häufig für eine ganze Gesellschaft und eine ganze Epoche.

2. Bulgarien - Milen Ruskow

Възвишение (Erhöhung), Janet 45, 2011

Milen Ruskow (geb. 1966) ist ein bulgarischer Schriftsteller und Übersetzer, der in Sofia lebt. Er studierte Philologie an der Universität Sofia (Abschluss 1995). Milan Ruskow hat drei Romane veröffentlicht: Възвишение (2011) wurde mit dem Golden Century Award des bulgarischen Kulturministeriums, dem Hristo-G.-Danow-Literaturpreis und dem Elias-Canetti-Literaturpreis ausgezeichnet. Захвърлен в природата (In die Natur geworfen) (2008) wurde als bulgarisches Buch des Jahres ausgezeichnet. Und Джобна енциклопедия на мистериите (Taschenenzyklopädie der Mysterien) (2004) erhielt den bulgarischen Preis für Debütliteratur.

Възвишение ist im Bulgarien des Jahres 1872 zur Zeit der türkischen Herrschaft angesiedelt, in der bewegten Epoche der sogenannten Nationalen Wiedergeburt. Der prätentiöse Pomp der revolutionären Ideale wird durch das Bewusstsein des praktisch denkenden Batscho Gitscho und seines leichtgläubigen Gefährten Asen gefiltert, in einer reichen, derben Renaissance-Sprache, die laut gelesen sein will. Ruskows mutiges Werk fegt alle patriotischen Klischees hinweg, ohne jedoch den verzweifelten Heroismus der Epoche zu unterschätzen.

3. Tschechische Republik - Jan Němec

Dějiny světla (Eine Geschichte des Lichts), Host, 2013

Jan Němec, geboren 1981, hat einen MA-Abschluss in Religions- und Sozialstudien (Masaryk-Universität Brünn) und in Theaterdramaturgie (Janáček-Akademie für Musik und Darstellende Kunst, Brünn). Er ist Redakteur der literarischen Monatszeitschrift Host und arbeitet als Drehbuchautor für den Fernsehsender ČT Art.

Dějiny světla ist ein biografischer Roman über den berühmten Fotografen František Drtikol.
Wer war nun dieser František Drtikol? Ein Dandy aus einem Bergbaustädtchen, ein weltberühmter Fotograf, der bankrottging, ein Meister der Aktfotografie, der nie viel Glück mit den Frauen hatte, ein Mystiker und ein Buddhist, der an den Kommunismus glaubte, ein Mann vieler Widersprüche.

4. Griechenland - Makis Tsitas

Μάρτυς μου ο Θεός (Gott ist mein Zeuge), Kichli, 2013

Makis Tsitas wurde 1971 in Giannitsa, Griechenland, geboren. Er studierte Publizistik in Thessaloniki, wo er beim Hörfunk arbeitete. Seit 1994 lebt er in Athen und ist im Verlagswesen tätig. Er ist Direktor von diastixo.gr, einer literarisch-kulturellen Internetzeitschrift.

Ein Anti-Held unserer Tage – jenseits der Fünfzig, arbeitslos und mit angeschlagener Gesundheit –, der nichts will, als in Würde zu leben, erzählt in diesem humorvollen, bewegenden und scharfsinnigen Roman, wie seine Arbeitgeber, die Frauen, die er kennenlernt, und seine eigene Familie ihm zusetzen und ihn hintergehen. Durch diesen stürmischen Monolog voller Alltagsbegebenheiten und blühender Fantasievorstellungen begleiten wir einen einfachen Mann, der darum kämpft, den Kopf oben zu behalten.

5. Island - Oddný Eir

Jarðnæði (Landbesitz), Bjartur, 2011

Oddný Eir, geboren 1972, promovierte an der Sorbonne und forschte im Rahmen von Feldstudien isländischer Museen. Sie hat drei autobiografische Romane veröffentlicht, Literatur übersetzt und herausgegeben, Veranstaltungen im Bereich bildende Kunst organisiert und in New York und Reykjavik zusammen mit ihrem Bruder, dem Archäologen Uggi Ævarsson, eine Galerie (Dandruff Space) geführt. Zusammen betreiben die Geschwister den Verlag Apaflasa.

Jarðnæði ist in Form eines Tagebuchs verfasst. Beschrieben wird eine Zeit im Leben der Ich-Erzählerin, die von der Suche nach einem Ort, an dem sie sich zu Hause fühlt, und dem Wunsch, sesshaft zu werden, bestimmt wird. Das führt paradoxerweise dazu, dass sie sich physisch und geistig auf alle möglichen Reisen durch Raum und Zeit begibt, um Antworten auf Fragen zu finden, die nicht nur sie persönlich, sondern die gesamte Menschheit betreffen.

6. Lettland - Janis Jonevs

Jelgava '94, Mansards, 2013

Janis Jonevs wurde 1980 in Jelgava (Lettland) geboren, besuchte dort das staatliche Gymnasium und erlangte einen Master-Abschluss an der lettischen Kulturakademie. Jonevs arbeitet als Werbetexter und seit 2002 auch als Rezensent und Übersetzer aus dem Französischen.

Die Geschichte ist in den 1990-er Jahren in der lettischen Stadt Jelgava angesiedelt und beschreibt den Hype um Alternativkultur und Heavy-Metal-Musik in dieser Zeit. Jonevs führt die Leser mitten hinein in die Welt seines Romans: Er kombiniert das persönliche Tagebuch eines Teenagers, der versucht, zu sich selbst zu finden, indem er sich einer Subkultur anschließt, mit einer geschickten, detailgenauen und nahezu dokumentarischen Beschreibung der Anfänge der zweiten lettischen Unabhängigkeit.

7. Liechtenstein - Armin Öhri

Die dunkle Muse: Historischer Kriminalroman, Gmeiner, 2012

Armin Öhri (geb. 1978) studierte Geschichte, Philosophie und deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft. Seine Werke spielen in der Regel vor einem historischen Hintergrund und orientieren sich hauptsächlich an literarischen Vorbildern des 19. Jahrhunderts, beispielsweise unterhaltsamen Fortsetzungsromanen aus dem Krimi-Genre. Öhri arbeitet an einer Wirtschaftsschule in der Schweiz.

Die dunkel Muse – der erste Teil einer chronologischen Romanreihe – ist eine komplexe historische Kriminalgeschichte, die das klassische Krimi-Konzept auf den Kopf stellt: Bereits auf den ersten Seiten erfährt der Leser, wer der Mörder ist, nämlich ein freundlicher Philosophieprofessor. Mit den Augen der Hauptperson, eines halbprofessionellen Ermittlers, verfolgt der Leser die ambitionierte Geschichte auf den Straßen und in verrufenen Gegenden im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

8. Malta - Pierre J. Mejlak

Dak li l-Lejl Iħallik Tgħid (Was die Nacht dich sagen lässt), Merlin Publishers, 2011

Pierre J. Mejlak, geboren 1982 in Malta, schreibt seit seiner Jugend. Der vielfach ausgezeichnete Autor hat Kinderbücher, Adaptionen, einen Roman für Jugendliche und zwei Bände mit Kurzgeschichten verfasst. Mejlak, der von 1999-2005 als Journalist arbeitete, wurde zweimal mit dem maltesischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er war BBC-Korrespondent, hatte eine regelmäßige Kolumne in der maltesischen Tageszeitung In-Nazzjon und produzierte Beiträge für mehrere nationale Radiosender.

Die zehn Geschichten dieses Bandes sind, wie jede Sammlung mittelalterlicher Erzählungen, die etwas auf sich hält, eingerahmt von einer Vorrede und einem Nachwort. In vielen Geschichten wird die Spannung durch das Zusammentreffen der Vergangenheit (oder zumindest einer früheren Lebensform) und der Gegenwart erzeugt. Häufig handelt es sich bei den Ich-Erzählern um Reisende, die sich von einem Punkt ihres Daseins zu einem anderen bewegen und versuchen, ein Leben zu verstehen, das sie zwar gelebt, aber nie vollständig begriffen haben, oder die versuchen, einen Teil der Vergangenheit, der nicht nach Plan verlief, rückgängig zu machen.

9. Montenegro - Ognjen Spahić

Puna glava radosti (Kopf voller Freude), Nova knjiga, 2014

Ognjen Spahić wurde 1977 in Podgorica, Montenegro, geboren. Er hat zwei Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht: Sve to (All das) und Zimska potraga (Wintersuche). Sein Roman Hansenova djeca (Hansens Kinder) wurde 2005 mit dem Meša-Selimović-Preis für den besten neu erschienenen Roman in Kroatien, Serbien, Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina ausgezeichnet. 2007 war er „Resident Writer“ des International Writing Program der Universität von Iowa. 2011 erhielt der den Preis des rumänischen Ovid-Festivals für junge Talente.

Puna glava radosti besteht aus 16 ungewöhnlichen Erzählungen mit Episoden aus dem Leben des Helden der jeweiligen Geschichte. Jede Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler oder vom Helden selbst erzählt. Es entsteht ein Bild, das die Kollision der äußeren und der inneren Welt des modernen Menschen zeigt und eine klare Interpretation der universellen Werte des Lebens liefert.

10. Niederlande - Marente de Moor

De Nederlandse maagd, Querido, 2010 / Die niederländische Jungfrau, Suhrkamp, 2011

Marente de Moor (geb. 1972) arbeitete als Korrespondentin in Sankt Petersburg und verfasste ein Buch darüber: Peterburgse vertellingen (Petersburger Erzählungen), das 1999 erschien. 2007 gab sie mit Amsterdam und zurück (Originaltitel: De overtreder) einen erfolgreichen Einstand als Romanautorin. Für ihren zweiten Roman, Die niederländische Jungfrau, wurde sie 2011 mit dem AKO-Literaturpreis ausgezeichnet.

Im Sommer 1936 schickt der niederländische Arzt Jacq seine achtzehnjährige Tochter Janna zu Egon von Böttcher, einem deutschen Jugendfreund. Egon ist eine rätselhafte Figur, attraktiv und unwiderstehlich wie Heathcliff; unweigerlich verliebt sich Janna in ihn. Die niederländische Jungfrau ist indes viel mehr als nur eine Geschichte von Liebe und verlorener Unschuld. Mit Jannas Erfahrungen beschwört de Moor die unruhige Stimmung am Vorabend einer großen historischen Zäsur, zeichnet ein lebendiges Bild der Unsicherheit und der Spannungen, die dem Zweiten Weltkrieg vorausgingen.

11. Serbien - Uglješa Šajtinac

Sasvim skromni darovi (Ganz kleine Gaben), Arhipelag, 2011

Uglješa Šajtinac (geb. 1971) schloss 1999 sein Studium an der Fakultät für Darstellende Kunst in Belgrad ab. Zwischen 2003 und 2005 arbeitete er als Drehbuchautor am serbischen Nationaltheater in Novi Sad. Er gab eine Sammlung neuer Stücke junger Autoren, PROJEKTAT 3, heraus, die im Mai 2005 im serbischen Nationaltheater zur Aufführung kamen. Seit 2005 unterrichtet er Schauspiel an der Kunstakademie Novi Sad. Dem serbischen Schriftstellerverband gehört er seit 2007 an.

Sasvim skromni darovi ist ein Briefroman, in dem zwei Brüder E-Mails über ihr scheinbar normales, eigentlich aber ungewöhnliches und aufregendes Leben in Serbien und den Vereinigten Staaten austauschen. In Form einer Familienchronik verflicht der Roman mehrere Erzählstränge über die Erfahrungen einzelner Figuren und wirft dabei eine Reihe spannender Fragen über die Welt, in der wir leben, auf.

12. Türkei - Birgül Oğuz

Hah (Aha), Kurzgeschichten, Metis, 2012

Birgül Oğuz (geb. 1981) hat an der Bilgi-Universität in Istanbul einen Bachelor-Abschluss in vergleichender Literaturwissenschaft und einen MA in Kulturstudien erworben. Ihre Kurzgeschichten, Essays, Artikel und Übersetzungen sind in mehreren türkischen Literaturzeitschriften und Zeitungen erschienen. Im vergangenen Winter war sie „Writer-in-Residence“ im quartier21 in Wien. Gegenwärtig absolviert sie ein Doktorandenstudium an der Boğaziçi-Universität und hält Vorlesungen über Textanalyse und den europäischen Roman an der Moda-Sahnesi- und der Nazim-Hikmet Akademie in Istanbul.

Die achteinhalb Geschichten in Hah befassen sich mit der Psychologie von Trauer und Melancholie und vor allem mit der Trauerpolitik. Hah, auf der Suche nach einem neuen literarischen Instrument, um einen dramatischen Verlust in ein sinnvolle Erzählung umzuwandeln, versucht diese Fragen zu beantworten: Wie kann man trauern, wenn Trauer unmöglich ist? Wie kann man über das Trauern schreiben, wenn es unmöglich ist, die erzählerischen Mittel dafür zu finden? Und wie kann man nicht schreiben, wenn Schreiben der einzige Weg ist, um zu trauern?

13. Vereinigtes Königreich - Evie Wyld

All the Birds, Singing, (Alle Vögel, singend), Vintage, 2013

Evie Wyld lebt in Peckham, London, wo sie den Review Bookshop betreibt. Ihr erster Roman, After the Fire, A Still Small Voice, wurde mit dem John-Llewellyn-Rhys-Preis und einem Betty-Trask-Preis ausgezeichnet. Er stand auf der Shortlist des Orange-Preises für Nachwuchsschriftstellerinnen, des Commonwealth- und des IMPAC-Preises. 2013 wurde Evie in die Granta-Liste der besten britischen Jungautoren aufgenommen, nachdem sie zuvor von der BBC unter die 12 besten neuen britischen Schriftsteller gewählt worden war.

Jake Whyte ist die einzige Bewohnerin eines alten Bauernhofs auf einer namenlosen britischen Insel mit Dauerregen und peitschendem Wind. Nur sie, ihr ungezähmter Gefährte Dog und eine Herde Schafe leben hier. Und so hatte sie es auch gewollt. Aber dann werden die Schafe heimgesucht – alle paar Nächte wird eines zerfetzt.

Kontakt für die Medien:

Dennis Abbott (+32 229-59258);

Dina Avraam (+32 229-59667)

Für die Öffentlichkeit: Europe Direct per Telefon00 800 6 7 8 9 10 11 oder E-Mail


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