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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 22. September 2014

Studie zur Wirkung von Erasmus: Wichtigste Ergebnisse

IP/14/1025

Welche Ziele verfolgt die Studie zur Wirkung von Erasmus und welche Methoden wurden angewandt?

Die Studie zur Wirkung von Erasmus soll Antworten auf zwei Fragenkomplexe liefern: Erstens sollte untersucht werden, wie sich die Erasmus-Mobilität (Auslandsstudienzeiten und ‑praktika) auf die individuellen Kompetenzen und die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden sowie die institutionelle Entwicklung auswirkt. Und zweitens sollte analysiert werden, inwieweit Erasmus-Stipendien für Lehraufträge und Personalfortbildung die individuellen Kompetenzen, die Persönlichkeitsmerkmale und die persönlichen Einstellungen beeinflussen und welche Wirkung das Programm auf die Internationalisierung der Hochschulen hat.

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden eine quantitative und eine qualitative Studie durchgeführt. 2013 wurden zur Erhebung der quantitativen Daten fünf Online-Umfragen durchgeführt. Daran beteiligten sich insgesamt 56 733 Studierende (mobile Studierende mit und ohne Erasmus-Erfahrung sowie nichtmobile Studierende), 18 618 Absolventinnen und Absolventen (83 % mit Mobilitätserfahrung mit oder ohne Erasmus), 4 986 Hochschulmitarbeiterinnen und ‑mitarbeiter (akademisches und nichtakademisches Personal, mobil und nichtmobil), 964 Hochschulen und 652 Unternehmen (davon 55 % KMU) aus den 34 an der Studie teilnehmenden Ländern. Insgesamt basiert die Studie auf 78 891 ausgewerteten Einzelantworten.

Zur Messung der tatsächlichen Kompetenzentwicklung der Studierenden und des Personals wurden sechs „memo©1-Faktoren“ herangezogen, die besonders stark mit der Beschäftigungsfähigkeit verknüpft sind: Ambiguitätstoleranz (Akzeptanz der Kulturen und Einstellungen anderer Menschen und Anpassungsfähigkeit), Aufgeschlossenheit (Offenheit für neue Erfahrungen), Selbstvertrauen (Vertrauen in die eigenen Kompetenzen), Abgeklärtheit (Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen), Entschlussfreudigkeit (Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen) und Problemlösungsfähigkeit. Diese sechs memo©-Faktoren geben somit Aufschluss über persönliche Eigenschaften. Darüber hinaus wurden die von Studierenden, Lehrkräften, Hochschulen und Arbeitgebern wahrgenommenen Veränderungen analysiert.

Warum nehmen Studierende an Erasmus teil?

Über 90 % der mobilen Studierenden gaben als Beweggründe für ihren Auslandsaufenthalt den Wunsch an, im Ausland zu leben, Kompetenzen (z. B. Anpassungsfähigkeit) zu entwickeln und ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern; gleich danach (85 %) rangiert der Wunsch, die Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern.

Nur 14 % der Studierenden gingen nicht ins Ausland, weil sie nicht für ein Erasmus-Stipendium ausgewählt wurden; im Umkehrschluss heißt dies, dass das Mobilitätsprogramm nicht sehr selektiv ist. Über 50 % der nichtmobilen Studierenden nennen als Gründe dafür, warum sie nicht ins Ausland gegangen sind, die Unsicherheit in Bezug auf zusätzliche Kosten, fehlende finanzielle Mittel sowie persönliche Beziehungen. 62 % der nichtmobilen Studierenden kommen aus nichtakademischen Familien; bei den Erasmus-Studierenden liegt dieser Anteil bei 46 %.

Wie verbessert Erasmus die Beschäftigungsfähigkeit?

Der Anteil der Arbeitgeber, die Auslandserfahrung als wichtigen Faktor für die Beschäftigungsfähigkeit ansehen, hat sich fast verdoppelt: Er stieg von 37 % (2006) auf 64 % (2013). Zudem bestätigen die befragten Arbeitgeber, dass die sechs untersuchten persönlichen Eigenschaften – Ambiguitätstoleranz, Aufgeschlossenheit, Selbstvertrauen, Abgeklärtheit, Entschlussfreudigkeit und Problemlösungsfähigkeit – für die Beschäftigungsfähigkeit besonders relevant sind.

In der Studie wurde daher die Wirkung der Mobilität auf diese sechs für die Beschäftigungsfähigkeit maßgeblichen Eigenschaften untersucht. Bei allen sechs Persönlichkeitsmerkmalen weisen Erasmus-Studierende höhere Werte auf als nichtmobile Studierende – und dies sogar schon vor dem Auslandsaufenthalt. Nach der Rückkehr aus dem Ausland bauen sie diesen Vorsprung weiter aus und erzielen dann um 42 % höhere Werte als die nichtmobilen Studierenden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Persönlichkeitsmerkmale in der Regel recht stabil bleiben und sich kaum bzw. nur sehr langsam ändern. Absolut gesehen liegen die bei den Erasmus-Studierenden festgestellten Veränderungen in der gleichen Größenordnung wie bei anderen prägenden Lebensereignissen (z. B. Verlassen des Elternhauses) und entsprechen den in vergleichbaren Forschungsprojekten beobachteten Veränderungen.

Wichtiger als absolute Werte sind jedoch die Schlussfolgerungen aufgrund der Trends, die der Vergleich von Gruppen vor und nach der Auslandsmobilität ergibt. Nach dem Auslandsaufenthalt erzielen die Erasmus-Studierenden im Durchschnitt höhere memo©-Werte als 70 % aller Studierenden.

Darüber hinaus können 51 % aller mobilen Studierenden und 52 % aller Erasmus-Studierenden ihre anhand der memo©-Faktoren gemessene Beschäftigungsfähigkeit steigern. Dem gegenüber geben 81 % der Erasmus-Studierenden an, bei diesen Faktoren eine Verbesserung festzustellen. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, bei der Messung der Mobilitätswirkung persönliche Empfindungen und reale Messergebnisse gegenüberzustellen.

In der Studie wurde auch die Wirkung auf andere Kompetenzen untersucht, die mit der Beschäftigungsfähigkeit verbunden sind und sich nur anhand der Aussagen der Befragten beurteilen lassen. So stellen mehr als 90 % der Studierenden bei sich eine Verbesserung von „Soft Skills“ fest: Kenntnis anderer Länder, Fähigkeit zur Interaktion und Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen, Anpassungsfähigkeit, Fremdsprachenkompetenz, Kommunikationsfähigkeit usw. Zudem bemerken 99 % der Hochschulen bei ihren Studierenden nach dem Erasmus-Auslandsaufenthalt eine erhebliche Verbesserung des Selbstvertrauens und der Anpassungsfähigkeit.

Welchen Einfluss hat Erasmus auf die berufliche Laufbahn und die sozialen Beziehungen der Studierenden?

Im Rahmen der Studie wurden neben den Kompetenzen auch der Einfluss der Mobilität auf das Arbeitsleben und die berufliche Laufbahn untersucht. Über ein Drittel der Erasmus-Studierenden, die ein Auslandspraktikum absolvierten, wurde anschließend im betreffenden Unternehmen eingestellt bzw. erhielt ein Stellenangebot. Zudem scheint ein Erasmus-Praktikum auch den Unternehmergeist zu stärken: Fast jede/r zehnte ehemalige Praktikant/in hat sich selbständig gemacht, und drei Viertel haben die Absicht oder könnten es sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen.

Die Mobilität wirkt sich auch auf die Beschäftigungssituation aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ehemalige Studierende mit Mobilitätserfahrung über längere Zeit arbeitslos werden, ist nur halb so groß wie bei Personen ohne Auslandsaufenthalt. Selbst fünf Jahre nach Studienende ist die Arbeitslosenquote der mobilen Studierenden um 23 % niedriger als bei nichtmobilen Studierenden. Von den befragten Arbeitgebern erklären 64 %, dass sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit internationaler Erfahrung häufiger und mehr berufliche Verantwortung übertragen; dieser Anteil ist seit 2006 um 51 % gestiegen. Von den befragten ehemaligen Erasmus-Studierenden bekleideten zehn Jahre nach dem Studienabschluss 77 % Positionen mit Führungsaufgaben, und insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, eine Managementposition zu erreichen, bei ehemaligen Erasmus-Studierenden um 44 % höher.

Studierendenmobilität steigert auch die spätere Arbeitsmobilität. Von den Befragten, die während des Studiums einen Auslandsaufenthalt absolviert hatten, sind 40 % seit ihrem Abschluss mindestens ein Mal in ein anderes Land gezogen – gegenüber 23 % bei den nichtmobilen Absolventinnen und Absolventen. Ferner könnten sich 93 % vorstellen, im Ausland zu leben, während dieser Anteil bei den nichtmobilen Personen nur 73 % beträgt. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitgeberwechsels bei ehemaligen Erasmus-Studierenden doppelt so hoch wie bei ihren nichtmobilen Pendants. Über 80 % der Erasmus-Studierenden empfanden eine starke Bindung zu Europa.

Welchen Einfluss hat Erasmus auf die persönlichen Beziehungen?

Zum Zeitpunkt der Umfrage hatten 33 % der ehemaligen Erasmus-Studierenden eine Lebenspartnerin bzw. einen Lebenspartner mit anderer Staatsangehörigkeit – das sind fast dreimal so viele wie bei den nichtmobilen Studierenden (13 %). Außerdem haben 27 % der ehemaligen Erasmus-Studierenden ihre derzeitige Lebenspartnerin bzw. ihren derzeitigen Lebenspartner während ihres Auslandsaufenthalts kennengelernt.

Welchen Nutzen hat Erasmus für Hochschulen und deren Personal?

Allgemein bewertet die Mehrheit der Hochschulen Erasmus als wichtigsten strategischen Aktivposten jedes Studienprogramms. Die Studierendenmobilität wird von 83 % der Hochschulen als bedeutendster Faktor für die Internationalisierung und von 80 % als maßgeblich für ihr internationales Profil betrachtet.

In Bezug auf die Wirkung der Auslandsmobilität auf das Personal ist festzustellen, dass mobile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statistisch gesehen bei fünf der sechs persönlichen Eigenschaften erheblich bessere Werte erzielen als nichtmobiles Personal. Über 70 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklärten, dass der wichtigste Aspekt ihrer Mobilitätserfahrung darin bestand, dass sie Good-Practice-Beispiele und Fertigkeiten kennenlernen konnten, die für ihre Heimathochschule von Nutzen sein können. 81 % der akademischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gaben an, der Auslandsaufenthalt habe sich positiv auf die Unterrichtsqualität sowie auf die multidisziplinäre und organisationsübergreifende Zusammenarbeit in der Lehre ausgewirkt.

1 :

„memo“ steht für Monitoring, Exchange, Mobility, Outcomes


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