Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR ES PT

Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 15. Oktober 2014

Beitrag der EU zur Bekämpfung von Ebola in Westafrika

Wie ist die Lage vor Ort?

Derzeit sind die westafrikanischen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea. Auch Nigeria und Senegal von Ebola betroffen. In Nigeria und Senegal, die auch zahlreiche Ebola-Fälle gemeldet hatten, ist die Krankheit mittlerweile eingedämmt und in den letzten Wochen sind keine neuen Fälle aufgetreten. Es handelt sich um die bisher schlimmste Epidemie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt und eine koordinierte internationale Reaktion gefordert. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat in seiner Resolution 2177 erklärt, dass die Ebola-Epidemie eine Bedrohung für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit darstellt und eine UN-Mission für den Kampf gegen Ebola (UNMEER) eingesetzt, die nun in den betroffenen Ländern tätig wird.

Laut den jüngsten Zahlen der WHO wurden bis zum 10. Oktober mehr als 8 399 Fälle gemeldet, darunter 4 033 Todesfälle.

Auch in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) wurden Ebola-Fälle registriert, allerdings handelt es sich um einen anderen Erregerstamm als in den übrigen westafrikanischen Ländern. Da eine Ausweitung der Epidemie auf andere Teile des Kontinents befürchtet wird, beobachtet die Europäische Kommission die Lage im Land genau.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

In Bezug auf Transport, Koordinierung, Ausrüstung, die Verfügbarkeit von ausgebildetem medizinischem Personal sowie die Verhaltensänderung der Bevölkerung stellt die Ebola-Epidemie eine große Herausforderung dar.

Von großer Bedeutung ist der Lufttransport, für den gewerbliche Flugdienste, Ambulanzflugzeuge oder sogar Militärmaschinen eingesetzt werden. Er ist unerlässlich, um die Verbindung zwischen den betroffenen Ländern und der Außenwelt aufrechtzuerhalten und die Epidemie wirksam zu bekämpfen. Nur so können der Zugang und die Mobilität des Gesundheitspersonals, die Ein- und Ausreise im Allgemeinen oder die Evakuierung aus medizinischen Gründen sichergestellt werden. Kommerzielle Flüge sind auch nötig, um den Betrieb der diplomatischen Vertretungen der EU in den betroffenen Ländern aufrechtzuerhalten.

Aus Angst vor einer Ausbreitung der Seuche und einer Verschärfung der Lage haben Fluggesellschaften weltweit jedoch ihren Flugplan eingeschränkt oder sogar Flüge gestrichen. Das bedeutet, dass der Transport von Hilfsgütern und Personal immer schwieriger wird. Auch geschlossene Grenzen, ausgesetzte Flüge und fehlende Verkehrsrechte, beispielsweise für Ambulanzflugzeuge, behindern die Bemühungen um eine Verbesserung der Lage. Von vorrangiger Bedeutung sind vor allem gründliche Kontrollen einreisender Flug-Passagiere aus den betroffenen Ländern.

Natürlich fällt dieser Bereich in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Die Rolle der Kommission besteht darin, die Zusammenarbeit zu fördern und auf ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Probleme hinzuwirken. Die für humanitäre Hilfe und Verkehr zuständigen Stellen der Kommission arbeiten zu diesem Zweck mit nichtstaatlichen Organisationen, Fluggesellschaften und Flugrettungsunternehmen zusammen. Die Vorgaben der WHO und der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) sind weiterhin klar – sowohl der internationale Handel als auch Reisen in betroffene Gebiete sollen fortgesetzt werden.

Durch den eingeschränkten Zugang zu manchen Gebieten in den betroffenen Ländern wird auch die Registrierung und Isolierung von Patienten erschwert. Ein weiteres Problem ist der Mangel an medizinischem Material zur Isolierung von Patienten und zum Schutz des medizinischen Personals. Über 120 Gesundheitshelfer sind bereits an der Krankheit gestorben.

Unmittelbare Priorität muss nun der Ermittlung von Personen, die in Kontakt mit Ebola-Patienten standen, einer Verhaltensänderung der Bevölkerung, um zumindest sichere Beerdigungen zu gewährleisten, der Bereitstellung von Behandlungszentren und Ausrüstung sowie dem sicheren Transport von medizinischem Personal und Hilfsgütern eingeräumt werden. Auch zusätzliches medizinisches Personal wird dringend benötigt. Dies wird jedoch durch die Transportbeschränkungen erschwert.

Darüber hinaus besteht auch in anderen, damit zusammenhängenden Bereichen großer Handlungsbedarf, u. a. mit Blick auf die soziale Mobilisierung, die medizinische Grundversorgung und die wachsende Ernährungsunsicherheit, vor allem in Gebieten unter Quarantäne.

Wie hilft die EU?

Die Europäische Union hat seit den frühen Phasen der Krise Hilfe geleitstet und bislang 180 Mio. EUR für humanitäre und Entwicklungshilfe zur Unterstützung der vom Ebola-Virus betroffenen Länder (Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria) zugesagt.

Über die Delegationen der EU und auf anderen Wegen wird diplomatische Arbeit geleistet, um die humanitäre Hilfe in den betroffenen Ländern zu erleichtern und die Regierungen dafür zu sensibilisieren, auf die Krise nicht unverhältnismäßig – etwa durch Reise- und Handelsbeschränkungen – zu reagieren.

Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) konzentriert sich auf die Analyse der gegenwärtigen Lage und ihrer weiteren Auswirkungen, um den bestehenden Bedarf und die Anforderungen zu ermitteln und zu bewerten und festzustellen, mit welchen Maßnahmen dieser enormen Herausforderung in den betroffenen Ländern begegnet werden kann.

Darüber hinaus plant der EAD vorsorglich das weitere Vorgehen, um rasch aktiv werden zu können, wenn weitere Maßnahmen zur Verstärkung der gemeinsamen EU-Aktionen und Unterstützung der Anstrengungen der EU-Mitgliedstaaten erforderlich sein sollten.

Humanitäre Hilfe

Die Europäische Kommission hat direkt nach dem Ausbruch der Epidemie reagiert: Sie leistet humanitäre Hilfe, stellt Fachwissen zur Verfügung und unterstützt die internationale Koordinierung.

  • Seit den ersten Anzeichen des Ausbruchs werden Finanzmittel bereitgestellt: Bereits im März hat die Europäische Kommission einen Beitrag von 1,9 Millionen Euro geleistet, um die Epidemie einzudämmen und der betroffenen Bevölkerung schnelle medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Seitdem hat die Kommission ihre humanitäre Hilfe mit zwei weiteren Hilfspaketen auf insgesamt 11,9 Millionen EUR aufgestockt.

  • Am 25. September hat der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, auf einem hochrangigen Treffen der Vereinten Nationen zur internationalen Reaktion auf die Ebola-Epidemie angekündigt, weitere 30 Mio. EUR für humanitärer Hilfe bereitzustellen.

Diese Mittel ermöglichen die sofortige medizinische Versorgung betroffener Gemeinden und leisten einen Beitrag zur Eindämmung der Epidemie. Sie werden für die klinische Behandlung von Kranken, einschließlich der Isolierung von Patienten und ihrer psychosozialen Betreuung, eingesetzt sowie für die Ermittlung von Verdachtsfällen, für Schulungen und persönliche Schutzausrüstung, Kampagnen für ein besseres Hygieneverständnis und Verständnis der Seuche sowie zur Unterstützung nationaler Behörden.

Die Kommission fördert Organisationen, die sich aktiv im humanitären Bereich engagieren, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Médecins Sans Frontières (MSF) und den Internationalen Verband der nationalen Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds (IFRC).

  • Die Kommission hat außerdem Experten für humanitäre Hilfe, unter anderem Spezialisten für gefährliche Krankheiten, in die betroffene Region entsandt. Diese beobachten die dortige Lage und stellen Kontakte zu Partnern und Behörden her. EMLab ein von der Europäischen Kommission finanziertes Projekt für mobile Laboreinheiten wird ebenfalls in der Region eingesetzt.

  • Anfang Oktober hat die Europäische Union eine humanitäre Luftbrücke nach Westafrika eingerichtet: das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (Emergency Response Coordination Centre, ERCC) der Kommission unterstützt den Transport von Hilfsgütern in die betroffenen Regionen. Darüber hinaus wird die EU, falls erforderlich, die Evakuierung von internationalen Hilfskräften aus Liberia, Guinea und Sierra Leone finanzieren und koordinieren.

  • Als Reaktion auf den dringenden Bedarf an Sachleistungen wurde das europäische Katastrophenschutzverfahren aktiviert: Mehrere Mitgliedstaaten (Österreich, Belgien, Frankreich und das Vereinigte Königreich) haben darauf positiv reagiert und die Bereitstellung von medizinischen Geräte, sanitären Einrichtungen und Sachverständigen zugesagt.

Die Europäische Kommission lässt die Lage lückenlos über das rund um die Uhr einsatzbereite Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (Emergency Response Coordination Centre — ERCC) überwachen. Das Zentrum fungiert auch als Plattform für die operative Planung und Koordinierung der EU-Unterstützung.

Bei den regelmäßigen Treffen im Rahmen des ERCC, kommen auf Initiative der Kommission Vertreter der Mitgliedstaaten, der Vereinten Nationen und anderer Partner zusammen, um Informationen auszutauschen und die internationale und europäische Krisenreaktion enger abzustimmen.

Längerfristige Entwicklungshilfe

Die Europäische Kommission hat mehr als 137 Mio. EUR als Entwicklungshilfe für die westafrikanischen Länder bereitzustellen, die derzeit vom Ebola-Virus betroffen sind: Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Das neue Hilfspaket umfasst:

  • 28 Mio. EUR für die Stärkung der Gesundheitssysteme, unter anderem in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherheit, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung durch eine Verknüpfung von Soforthilfe, Rehabilitation und Entwicklung (Linking Relief, Rehabilitation and Development);

  • 97,5 Mio. EUR für die Vorfinanzierung von Budgethilfe für Liberia und Sierra Leone , um die Kapazitäten der Regierungen zur Erbringung öffentlicher Dienstleistungen zu stärken– insbesondere im Bereich der Gesundheitsvorsorge – und die makroökonomische Stabilität aufrechtzuhalten;

  • 5 Mio. EUR für die neu eingerichtete Mission der Afrikanischen Union (AU), „„Hilfsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika“ (ASEOWA). Damit sollen rund 100 medizinische Fachkräfte bei ihrer Arbeit in Sierra Leone und Liberia unterstützt werden;

  • 7,6 Mio. EUR für die Bereitstellung mobiler Laboreinheiten für den Nachweis des Virus und die Weiterbildung medizinischer Fachkräfte in Guinea, Nigeria und Liberia.

Zusätzlich zu diesem Hilfspaket unterstützt die EU Maßnahmen im Gesundheitssektor im Rahmen der laufenden und künftigen Entwicklungsprogramme.

In Guinea gehört der Gesundheitssektor zu den Schwerpunkten der aus dem Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) finanzierten EU- Entwicklungszusammenarbeit. Ende letzten Jahres wurde ein umfangreiches Projekt zur Unterstützung des Gesundheitssektors in Guinea aufgelegt. Es ist mit 29,5 Millionen Euro ausgestattet, einschließlich eines Beitrags der französischen Entwicklungsbehörde Agence Française pour le Developpement in Höhe von 9,5 Millionen Euro. Ziel des Projekts ist es, die Kapazitäten des Gesundheitsministeriums aufzubauen und den Zugang zu hochwertiger medizinischer Grundversorgung zu verbessern und die Verfügbarkeit grundlegender Medikamente sicherzustellen. Neben anderen Maßnahmen werden Gesundheitseinrichtungen unterstützt, z. B. durch die Ausbildung von Gesundheitspersonal (Hebammen, Techniker, staatliche Krankenschwestern), Ausrüstung und den Bau, die Erweiterung und die Sanierung von Gebäuden. Die Waldregionen haben sich dabei als der wichtigste Interventionsbereich herausgestellt.

Die im Rahmen des 11. EEF im Zeitraum 2014-2020 für den Bereich Gesundheit vorgesehenen Mittel belaufen sich auf 40 Mio. EUR und weitere 84 Mio. EUR für städtische Abwasserentsorgung.

Die EU erwägt zudem im Rahmen des 11. EEF 2015 einen Vertrag über den Staatsaufbau mit Guinea zu schließen, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Dies würde auch die negativen wirtschaftlichen Folgen der Krise abmildern und zur Schließung der Haushaltslücken beitragen

Darüber hinaus finanziert die EU derzeit ein Programm in Sierra Leone zur Gesundheitsförderung von Müttern mit 24,2 Millionen Euro. Es ist Teil ihrer mit 1 Milliarde Euro geförderten Initiative zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Mithilfe dieses von UNICEF durchgeführten Projekts werden die Initiative der Regierung von Sierra Leone für eine kostenlose Gesundheitsversorgung sowie Einrichtungen verschiedener Gemeinden dabei unterstützt, ihre medizinischen Dienstleistungen, insbesondere für Schwangere und stillende Mütter sowie für Kinder, zu verbessern. Des Weiteren soll das Projekt die Bereitstellung von Medikamenten, medizinischer Ausrüstung, ausgebildeten Ärzten, Gesundheitshelfern, Nahrungsmitteln und Mikronährstoffen wie Vitaminen zur Behandlung von Unterernährung fördern.

In Liberia wird ein Projekt zur Stärkung des Gesundheitssektors fortgeführt, das die Regierung dabei unterstützt, die Ziele ihres allgemeinen Gesundheitsplans umzusetzen und Fortschritte mit Blick auf die Erreichung des fünften Millennium-Entwicklungsziels (Gesundheit von Müttern) zu machen. Seit 2012 hat die EU für Maßnahmen der Regierung 19,8 Mio. EUR aus einem mit insgesamt 39,8 Mio. EUR ausgestatteten Programm zur Verfügung gestellt.

Über die allgemeine Budgethilfe unterstützt die EU die Regierungen von Sierra Leone und Liberia des Weiteren dabei, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen und für makroökonomische Stabilität zu sorgen.

Nigeria soll zwischen 2014 und 2020 zur Unterstützung der Bereiche Gesundheit, Ernährung und Resilienz Finanzmittel in Höhe von 240 Millionen Euro aus dem 11. Europäischen Entwicklungsfonds erhalten. Diese Mittel werden hauptsächlich für die Verbesserung politischer und institutioneller Strukturen eingesetzt und sollen den Gesundheits- und Ernährungssektor fördern und die Widerstandsfähigkeit der ärmsten Haushalte Nigerias, insbesondere im Norden des Landes, erhöhen.

Mehrere europäische Expertenteams wurden mit drei mobilen Laboreinheiten im Rahmen des Projekts EMLab (Europäisches mobiles Labor zur Bekämpfung gefährlicher Infektionskrankheiten) nach Guinea, Nigeria und Liberia entsandt. Die mobilen Labors sollen dabei helfen, virales hämorrhagisches Fieber zu diagnostizieren, Blutproben schnell zu analysieren und Krankheitsfälle zu bestätigen. In Guinea, Nigeria und Liberia wurden bereits mehr als 5 000 Proben einem Test unterzogen, dessen Ergebnis bereits nach 4 Stunden vorlag. In den Labors können 70 Proben pro Tag untersucht werden und es wurden bereits mehr als 1 000 Ebola-Fälle diagnostiziert. Anfang 2015 wird eine weitere robustere und unabhängig arbeitende mobile Laboreinheit in die Region entsandt, damit die Diagnosekapazitäten weiter gestärkt und lokale Fachkräfte ausgebildet werden können.

Dieser Text wurde ursprünglich am 5. September veröffentlicht und am 15. Oktober aktualisiert.

Weitere Informationen

Ebola & Folgen für die öffentliche Gesundheit in the EU: MEMO/14/588:

http://ec.europa.eu/echo/files/aid/countries/factsheets/thematic/wa_ebola_en.pdf

IP/14/1108: Ebola-Krise: EU organisiert Luftbrücke nach Westafrika

IP/14/1099: Ebola: EU-Unterstützung für Hilfslieferungen an Sierra Leone

IP/14/974: EU-Hilfe in Höhe von 140 Mio. EUR zur Bewältigung des Ebola-Ausbruchs

Website der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/health/preparedness_response/risk_management/ebola/index_en.htm

Website von Kommissarin Georgieva:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/georgieva/index_en.htm

Die Arbeit der Europäischen Kommission im Bereich humanitäre Hilfe und Krisenreaktion:

http://ec.europa.eu/echo/en

Website von Andris Piebalgs, Kommissar für Entwicklung:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/piebalgs/index_en.htm

Website der Generaldirektion Entwicklung und Zusammenarbeit – EuropeAid:

http://ec.europa.eu/europeaid/where/index_en.htm


Side Bar