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Europäische Kommission

memo

Brüssel, 21. August 2014

Aufklärung über Drogengefahren - eine Herausforderung für Europa

Junge Europäer sind heute weniger über die Auswirkungen und Risiken von Drogen informiert als noch vor einigen Jahren. Sie informieren sich hauptsächlich über das Internet - eine neue Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass die Befragten diese Informationen im Vergleich zu 2011 mit geringerer Wahrscheinlichkeit aus anderen Quellen bezogen haben, insbesondere nicht aus Medienkampagnen oder schulischen Aufklärungsprogrammen.

Mehr als ein Viertel der jungen Menschen (29 %) erklären, dass sie in keiner Weise über die Auswirkungen und Risiken von sogenannten „Legal Highs“ informiert wurden, d.h. über legale Substanzen, die ähnliche Wirkungen haben wie illegale Drogen. Zugleich ist die Zahl der jungen Leute, die nach eigenen Angaben „Legal Highs“ verwendet haben, von 5 % im Jahr 2011 auf heute 8 % gestiegen.

Für die Eurobarometer-Umfrage „Junge Leute und Drogen“ wurden EU-weit 13 000 Bürger im Alter zwischen 15 und 24 Jahren befragt. Drogenmissbrauch und drogenbedingte Probleme bereiten den Unionsbürgern nach wie vor große Sorgen. Außerdem geht von ihnen ein nicht unbeträchtliches Risiko für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit aus. Nach Untersuchungen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) werden die ersten Erfahrungen mit Drogen häufig schon in der Schule gemacht; Einer von vier 15/16-Jährigen hat schätzungsweise bereits illegale Drogen konsumiert. In den letzten Jahren ist die Verwendung von „Legal Highs“ immer beliebter geworden. Daher setzt sich die Europäische Kommission im Rahmen ihrer allgemeinen Drogenbekämpfungspolitik dafür ein, die jungen Menschen besser zu schützen und die Verfügbarkeit schädlicher Substanzen einzuschränken.

Wie neue Zahlen bestätigen, ist die Wissens- und Informationsverbreitung eine andere entscheidende Aufgabe. Die Europäische Kommission hat mit Mitteln aus fünf EU-Finanzhilfeprogrammen eine Reihe von Projekten unterstützt, darunter eines, bei dem es um die frühzeitigere Aufdeckung und Erfassung neuer psychotroper Substanzen und der damit verbundenen Risiken geht. Einige Projekte unterstützen auch diejenigen, die vor Ort mit diesen Drogen befasst sind. Ein heute veröffentlichter Bericht gibt einen Überblick über 18 Projekte, die seit 2007 finanziell unterstützt wurden.

Bei diesen zum Teil noch nicht abgeschlossenen Fördermaßnahmen geht es beispielsweise um die Entwicklung besserer Instrumente für die Aufdeckung und Analyse neuer psychotroper Substanzen oder um Schulungen für Personen, die an Orten arbeiten, an denen möglicherweise Drogen genommen werden (z. B. Bars oder Nachtclubs), damit sie akute drogenbedingte Gesundheitsprobleme erkennen und den davon Betroffenen helfen können. Einige Projekte zielen auf Information und Beratung durch Websites, Telefonhotlines oder die Entsendung von Freiwilligen zu großen Festivals. Andere Projekte unterstützen die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen nationalen Staatsanwälten und Strafverfolgungsbehörden.

Hintergrund

Am 17. September 2013 schlug die Kommission vor, die Fähigkeit der Europäischen Union zur Reaktion auf „Legal Highs“ durch die Einführung eines Mechanismus zu stärken, mit dem schädliche psychotrope Substanzen schneller vom Markt genommen werden können (IP/13/837 und MEMO/13/790). Am 17. April 2014 stimmte das Europäische Parlament für die Unterstützung des Verordnungsentwurfs (IP/14/461). Damit er rechtliche Wirkung entfaltet, muss der Kommissionsvorschlag im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren von den Mitgliedstaaten im Rat gebilligt werden.

Seit 1997 haben die EU-Länder durch das Frühwarnsystem mehr als 360 neue psychotrope Substanzen erfasst. Zehn Substanzen wurden in der EU auf Vorschlag der Europäischen Kommission Kontrollen unterzogen – zuletzt Mephedron, 4-MA und 5-IT.

Am 16. Juni 2014 schlug die Europäische Kommission vor, vier neue psychotrope Substanzen zu verbieten, die ähnliche Wirkungen haben wie Heroin oder LSD: MDPV, 25I-NBOMe, AH-7921 und Methoxetamin. Außerdem forderte die Europäische Kommission den Wissenschaftlichen Ausschuss der EMCDDA auf, Risikoabschätzungen zu zwei neuen psychotropen Substanzen - 4,4'-DMAR und MT-45 - durchzuführen, um festzustellen, ob Gründe für ein anschließendes Verbot vorliegen.

Weitere Informationen

Eurobarometer-Umfrage „Junge Leute und Drogen“ und spezifische Ergebnisse zu diesem Thema für Ihr Land: Link

Europäische Kommission – Drogenbekämpfungspolitik:

http://ec.europa.eu/justice/anti-drugs/index_de.htm

Europäischer Drogenbericht 2014 der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD):

http://www.emcdda.europa.eu/attachements.cfm/att_228272_DE_TDAT14001FRN.pdf

Homepage von EU-Justizkommissarin Martine Reicherts:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/reicherts/index_en.htm

 Martine Reicherts auf Twitter und Facebook

ANHÄNGE – Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage „Junge Leute und Drogen“

Ausprobieren neuer psychotroper Substanzen

Der Anteil junger Menschen, die nach eigenen Angaben sogenannte „Legal Highs“ genommen haben, hat im Vergleich zu vor drei Jahren leicht zugenommen: 8 % geben an, sie probiert zu haben, 1 % geben an, sie in den letzten 30 Tagen genommen zu haben, 3 % in den letzten 12 Monaten und 4 % vor mehr als 12 Monaten. 2011 hatten 5 % junger Leute angegeben, „Legal Highs“ genommen zu haben. Die meisten Befragten, die in den letzten 12 Monaten neue psychotrope Substanzen ausprobierten, erhielten sie durch einen Freund (68 %). Nur etwas mehr als ein Viertel (27 %) kaufte sie bei einem Drogenhändler, 10 % in einem Fachgeschäft und 3 % im Internet.

Einstellung zur Drogenbekämpfung

Zwischen jungen Leuten herrscht ein starker Konsens darüber, dass Heroin, Kokain und Ecstasy verboten bleiben sollten (jeweils 96 %, 93 % und 91 % sprachen sich hierfür aus) – diese Ergebnisse haben sich seit der letzten Umfrage aus dem Jahr 2011 nicht geändert. Die Auffassungen zu Cannabis sind weniger eindeutig. Etwas über die Hälfte meinen, dass es weiter verboten bleiben sollte (53 %), während 45 % finden, es sollte reguliert werden. Im Vergleich zu 2011 sind die Auffassungen zu Alkohol und Tabak restriktiver geworden: Die meisten Befragten meinen, dass diese Substanzen reguliert werden sollten, ein geringerer Anteil findet, sie sollten nicht eingeschränkt werden.

Die meisten Befragten sind für ein Verbot von „Legal Highs“, die ähnlich wirken wie illegale Drogen. Etwas über ein Drittel (35 %) meint, dass diese Substanzen unter allen Umständen verboten werden sollten, während nach Meinung von 47 % diese nur verboten werden sollten, wenn sie gesundheitsgefährdend sind. Mehr als ein Zehntel (15 %) finden, diese Substanzen sollten reguliert werden, während nur 1 % meint, es sollte nichts unternommen werden.

Kenntnis und Informationsquellen zu illegalen Drogen und „Legal Highs“

Für junge Leute ist das Internet die wichtigste Informationsquelle zum Thema illegale Drogen und Drogenmissbrauch: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sie würden sich die Informationen im Internet beschaffen (59 %). Somit liegt das Internet noch vor Freunden (36%), Ärzten, Krankenschwestern oder sonstigen Angehörigen der Gesundheitsberufe (31 %), Eltern oder Familienangehörigen (25 %) oder spezialisierten Drogenberatern oder Drogenberatungszentren (21 %). Relativ wenige Befragte würden sich an die Polizei wenden (13 %), an die Medien (10 %), jemanden in der Schule oder am Arbeitsplatz (9 %), Sozialarbeiter oder Jugendbetreuer (7 %) oder an einen Telefonberatungsdienst (4 %).

Allerdings haben heute junge Menschen aus sämtlichen dieser Quellen weniger Informationen über die Gefahren und Auswirkungen von Drogen erhalten als im Jahr 2011. Insbesondere geben weniger Befragte an, Informationen aus Medienkampagnen oder schulischen Aufklärungsprogrammen erhalten zu haben (jeweils -6 bzw. -9 Prozentpunkte).

Bei „Legal Highs“ sind das Internet (30 %) und Medienkampagnen (29 %) die wichtigsten Informationsquellen für junge Menschen. Mehr als ein Viertel der Befragten (29 %) erklärte, im letzten Jahr überhaupt nicht über neue Substanzen mit einer ähnlichen Wirkung wie illegale Drogen informiert worden zu sein.

Wahrnehmung der Gesundheitsgefährdung durch Drogen

Fast alle Befragten sind der Auffassung, dass der regelmäßige Gebrauch von Kokain oder Ecstasy die Gesundheit stark gefährdet (96 % bzw. 93 %); weitere 3 % bzw. 5 % meinen, dass der regelmäßige Gebrauch mit einer mittleren Gesundheitsgefährdung verbunden ist. Die Gefährdung wurde von denjenigen als niedriger eingeschätzt, die diese Drogen nur ein- oder zweimal genommen haben. Nach Aussage von etwas mehr als der Hälfte der Befragten (57 %) bringt der ein- oder zweimalige Gebrauch von Ecstasy ein hohes Risiko mit sich, nach Meinung von 29 % ein mittleres Risiko und von 9 % ein geringes Risiko. Allerdings fanden nur 2 %, dass der ein- oder zweimalige Gebrauch von Ecstasy völlig risikofrei wäre. Die große Mehrheit (87 %) ist der Auffassung, dass der regelmäßige Gebrauch neuer Substanzen, die illegalen Drogen ähnlich sind, stark gesundheitsgefährdend ist, während 9 % das Risiko für mäßig und 1 % es für gering halten. Eine geringere Zahl von Befragten meint, dass der ein- oder zweimalige Gebrauch dieser neuen Substanzen gesundheitsgefährdend ist, wobei 57 % das Risiko für groß halten, 29 % für mäßig und 9 % für gering. Nur 1 % glaubt, dass in diesem Fall kein Gesundheitsrisiko gegeben ist.


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