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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, den 10. April 2014

Was Mobile-Health-Dienste für Sie tun können

Siehe auch IP/14/394.

Neelie Kroes (@NeelieKroesEU), die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, erklärte: „Mobile-Health-Dienste gehören zu den vielen Vorteilen eines ‚vernetzten Kontinents‘ (#ConnectedContinent). Mit ihrer Hilfe können Patienten, Ärzte und Pflegekräfte, die Dinge immer und überall selbst in die Hand nehmen. Die Anwendungspalette reicht von einfachen Apps, die Ihnen helfen, Ihr Übungsprogramm durchzuhalten, bis hin zu Überwachungsgeräten für Dialysepatienten. Ich freue mich, dass die EU auf diesem faszinierenden Gebiet tätig wird. Die EU hat schon über 100 Mio. EUR investiert, und etwa 95 Mio. EUR werden in den kommenden zwei Jahren bereitgestellt. Außerdem führen wir eine Konsultation darüber durch, wie das gewaltige Potenzial der Mobile-Health-Dienste am besten ausgeschöpft werden kann.“

Vier EU-geförderte Projekte, um aus „mHealth“ (@EU_eHealth, #mHealth) das Beste zu machen

1. Nierenpatienten erhalten mit Nephron Plus eine neue Lebensperspektive

Jeder zehnte von uns wird im Laufe seines Lebens mit einer chronischen Nierenerkrankung zu tun haben. Für jene Unglücklichen unter uns, deren Nieren versagen, können die Gesundheitsfolgen verheerend und die Behandlungen äußerst kompliziert sein. Das Projekt Nephron Plus (@nephronplus) wird mit 5 Mio. EUR aus EU-Mitteln gefördert, um die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Es entwickelt eine am Körper tragbare künstliche Niere, deren Anzeige vom Patienten selbst am Smartphone oder von medizinischem Fachpersonal aus der Ferne verfolgt werden kann.

Ein erfüllteres und aktiveres Leben

„Eine rund um die Uhr fortlaufende Dialyse mit einem am Körper getragenen Gerät erlaubt eine sanfte und gleichmäßige Eliminierung der Giftstoffe über den ganzen Tag, ähnlich wie mit der natürlichen Niere. Dies bedeutet eine enorme Verbesserung des Gesundheitszustands und beseitigt typische Nebenwirkungen, über die viele Patienten nach der Dialyse klagen“, erläutert Frank Simonis, technischer Manager von NEPHRON+. Ein Hauptmerkmal des Systems ist auch die ständige Fernüberwachung der Daten. Mit einer persönlichen Nieren-App, die in ihrem Mobilgerät läuft, können Patienten die Daten einsehen und verwalten. Es gibt sogar Alarmeinstellungen. Ihre Ärzte sind so in der Lage, die Behandlung laufend zu überwachen und aus der Ferne anzupassen. Simonis weiter: „Das System NEPHRON+ wird Dialyse-Patienten ein erfüllteres und aktiveres Leben ermöglichen.“

Vom Labor zum Markt

Das Gerät wird gegenwärtig vorklinisch erprobt und muss noch mehrere Reihen strenger klinischer Tests erfolgreich durchlaufen, bevor es für den generellen Einsatz an Nierenpatienten freigegeben werden kann. Das Projekt hat aber bereits eine Phase erreicht, in der kommerzielle Partner bereit sind, die Technik in die nächste Stufe zu übernehmen. „Angesichts steigender Niereninsuffizienzzahlen und des Drucks, unter dem Krankenhäuser kostengünstige und klinisch wirksame Behandlungswege finden müssen, dürfte der Markt für am Körper tragbare Dialysegeräte ein Volumen von 15 Milliarden EUR pro Jahr haben“, meint Projektkoordinator Leonidas Lymberopoulos. Weiter erklärt Dr. Lymberopoulos, dass die Behandlungskosten für Nierenkranke zurückgehen werden, weil weniger Arzneimittel und Pflegekräfte benötigt werden und die Installationskosten sinken. Die Kosteneinsparungen bei der medizinischen Behandlung werden auf bis zu 15 000–20 000 EUR pro Patient und Jahr geschätzt. Bei 340 000 Patienten in Europa bedeutet das jährliche Einsparungen in Höhe von 5–7 Milliarden EUR.

Projektkoordinator für NEPHRON+: EXODUS SA, Griechenland. Kontakt: Leonidas Lymberopoulos, Dr. Ing. – lelym@exodussa.com, Forschungsabteilung, EXODUS SA

2. Leichtere Arbeit, bessere Pflege mit REACTION

Der Informationsfluss in Krankenhäusern kann zum Problem werden. „Bei der Übergabe zwischen Ärzten und Pflegekräften können viele Informationen verloren gehen“, erläutert Dr. Thomas Pieber, Professor an der Medizinischen Universität Graz (Video). Das Mobilsystem GlucoTab ermöglicht einen besseren medizinischen Informationsfluss und wurde mit EU-Fördermitteln vom Projekt REACTION entwickelt. Mit Sensoren überwacht das System bestimmte Parameter wie Blutzuckerspiegel, Nährstoffaufnahme, verabreichte Arzneimittel und Insulinempfindlichkeit und gibt Therapiehinweise. Die Daten werden auf einem Server gespeichert und können vom medizinischen Personal über Tablets eingesehen werden.

Pflegepersonal und Ärzte der Medizinischen Universität Graz haben sich bestens an das System gewöhnt. „Wir betreten Neuland, denn zum ersten Mal werden die Abläufe der medizinischen Behandlung durch eine technische Lösung unterstützt“, sagt Dr. Thomas Pieber. Das System verringert die Arbeitsbelastung, erhöht die Selbständigkeit der Krankenschwestern und -pfleger und verbessert die Fürsorgequalität. GlucoTab hat kürzlich das CE-Zeichen erhalten und kann nun in allen Krankenhäusern eingesetzt werden. Außerdem wurde das System vor kurzem mit einem österreichischen Preis als beste kommerzielle Anwendung auf dem Gebiet der Mensch-Technik-Schnittstellen ausgezeichnet.

REACTION kann aber auch von Diabetes-Patienten zum Selbstmanagement und zur Änderung der Lebensweise verwendet werden. Das Chorleywood Health Centre im Vereinigten Königreich verwendet die Plattform für den Informationsaustausch mit Patienten, die ihren Blutzuckerspiegel, ihr Gewicht und andere Parameter zuhause überwachen. Ärzte und Pflegekräfte können so die Patienten in Sachen Ernährung, Bewegung und Arzneimittel beraten.

Projektkoordinator: ATOS SA, Spanien. Kontakt: Lydia Montandon - lydia.montandon@atosresearch.eu, Research and Innovation Atos, Spanien

3. MobiGuide begleitet Patienten mit chronischen Erkrankungen

Das mit EU-Mitteln geförderte Projekt MOBIGUIDE (@MobiGuideProj) hat ein intelligentes Mobilsystem entwickelt, das Patienten mit chronischen Erkrankungen zur Seite steht. Die Forschung konzentriert sich auf Herzpatienten (mit Vorhofflimmern) und auf Frauen mit Komplikationen während der Schwangerschaft (Bluthochdruck und Diabetes). Das entwickelte System eignet sich aber auch für eine Vielzahl chronischer und akuter Erkrankungen. Die Patienten tragen dabei Sensoren am Körper, die ihre Biosignale erfassen (z. B. Puls, Blutdruck). Diese Signale werden an ihre Smartphones übermittelt und von dort an einen leistungsfähigen Zentralrechner übertragen. Die generierten Daten werden dann von der MOBIGUIDE-Entscheidungshilfe-Software anhand bisheriger klinischer Patientendaten analysiert. Das System gibt den Patienten Hinweise, was sie tun sollen, und stellt weitere Fragen, falls es zusätzliche Informationen benötigt. Anschließend gibt es Empfehlungen für eine Änderung der Lebensweise oder nimmt Kontakt zu Gesundheitsdienstleistern auf. Alle Therapieempfehlungen, die auf faktengestützten und neuesten klinischen Leitlinien beruhen, werden an die Gesundheitsdienstleister der Patienten übermittelt. Das System befindet sich gegenwärtig in der Erprobung.

Projektkoordinator: Universität Haifa, Israel. Kontakt: Dr. Val Jones – v.m.jones@utwente.nl, Senior Researcher/Associate Professor, Gruppe Telemedizin, Biomedizinische Signale und Systeme, Fakultät für Elektrotechnik, Universität Twente, Niederlande

4. Stressbewältigung mit einer App von Interstress

Entfliehen Sie auf eine Tropeninsel in dreidimensionaler virtueller Realität, um wirksame Entspannungstechniken zu lernen und anzuwenden. Das ist möglich mit Hilfe der Positive Technology App, die das Projekt INTERSTRESS mit EU-Fördergeldern entwickelt hat. Ziel ist die Stressminderung und Verbesserung der Gesundheit durch selbständiges Stressmanagement und Selbstbehandlung mit Hilfe Ihres Smartphones oder Tablets. Dazu können marktübliche kompatible Biosensoren verwendet werden (z. B. spezielle Armbänder), mit denen Sie die Parameter der virtuellen Umgebung durch Ihren Pulsschlag und Atmungsrhythmus steuern. So können die Sensoren anhand Ihres Herzschlags beispielsweise die Größe eines virtuellen Lagerfeuers oder Wasserfalls verändern. Diese App kann Sie auch warnen, wenn Ihr Stress zu groß wird und entsprechende Hinweise geben. Zu viel Stress kann andere psychische Gesundheitsprobleme nach sich ziehen, z. B. Angstzustände und Depressionen, aber auch physische Störungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die App ist bereits kostenlos im iTunes Store erhältlich, wo sie eine gute Bewertung hat (4+). Die Positive Technology App wurde mit dem World Summit Award-Mobile Content-Preis als beste mHealth-App ausgezeichnet.

Projektkoordinator: ISTITUTO AUXOLOGICO ITALIANO, Italien. Kontakt: Andrea Gaggioli – andrea.gaggioli@unicatt.it, Researcher, Fakultät für Psychologie, Katholische Universität Mailand, Italien

Förderung durch das Programm „Horizont 2020“

Im Rahmen des neuen Forschungs- und Innovationsprogramms der EU „Horizont 2020“ (#H2020) werden viele weitere Mobile-Health-Projekte gefördert. Eines der Schwerpunktgebiete von Horizont 2020 ist die „Individualisierung von Gesundheits- und Pflegeleistungen“. Unterstützt wird vor allem die aufgeklärte Mitwirkung der Patienten durch Selbstmanagement ihrer Gesundheit bzw. Erkrankung, Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung. Mobile-Health-Dienste sind dafür bestens geeignet.

Für die Aufforderungen zum Thema „Individualisierung“ stehen Mittel in Höhe von 549,3 Mio. EUR für 2014 und 537 Mio. EUR für 2015 bereit. In folgenden Aufforderungen werden Mobile-Health-Dienste ausdrücklich genannt: PHC-26-2014 (59,6 Mio. EUR), PHC-27-2015 (15 Mio. EUR) und PHC-28-2015 (20 Mio. EUR). Die Zahlen für 2015 sind noch vorläufig.

Pressekontakt:

E-Mail: comm-kroes@ec.europa.eu, Tel.: +32 229-57361, Twitter: @RyanHeathEU


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