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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 4. April 2014

Integration der Roma – Bewertung der Kommission 2014: Fragen und Antworten

Welche Rolle spielen die EU und die Mitgliedstaaten im Bereich der Integration der Roma?

Durch die Verabschiedung eines EU-Rahmens für nationale Strategien zur Eingliederung der Roma im April 2011 (IP/11/400, MEMO/11/216) hat die Europäische Kommission zum ersten Mal einen umfassenden und faktengestützten jährlichen Prozess zur Koordinierung und Bewertung der Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Bereich der Integration der Roma eingeführt.

Der Europäischen Kommission ist es gelungen, die Integration der Roma nicht nur auf europäischer, sondern auch auf nationaler Ebene als Bestandteil der politischen Agenda zu verankern. 2011 unterzeichneten die Staats‑ und Regierungschefs der EU den EU-Rahmen für nationale Strategien zur Eingliederung der Roma (IP/11/789). Im Dezember 2013 verabschiedeten die Minister einstimmig das allererste Rechtsinstrument zur Integration der Roma auf EU-Ebene und verpflichteten sich, eine Reihe von Empfehlungen der Kommission zur Verringerung der sozialen Ungleichheiten zwischen den Roma und der übrigen Bevölkerung in den vier Bereichen Wohnraum, Bildung, Gesundheitsfürsorge und Beschäftigung (IP/13/1226) umzusetzen.

Dementsprechend legen die Mitgliedstaaten nunmehr jedes Jahr Informationen über die Umsetzung ihrer nationalen Strategien zur Eingliederung der Roma vor, in denen sie angeben, wie sie zur Verwirklichung der Integrationsziele auf EU-Ebene beitragen wollen, wozu auch die Festlegung nationaler Ziele und die Bereitstellung ausreichender Mittel zu ihrer Verwirklichung (nationale, EU- und sonstige Mittel) gehören. Die Kommission bewertet und berichtet jährlich über die Anwendung dieser Strategien. Der erste Fortschrittsbericht wurde im Mai 2012 (siehe IP/12/499) und der letzte im Juni 2013 (siehe IP/13/607) vorgelegt.

Die Ergebnisse werden auch im Rahmen des jährlichen Europäischen Semesters, d.h. des Verfahrens zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik, herangezogen und können dazu führen, dass in der EU Roma-relevante länderspezifische Empfehlungen abgegeben werden. 2013 wurden an fünf Mitgliedstaaten länderspezifische Empfehlungen zur Umsetzung der nationalen Strategien zur Integration der Roma und zur Gewährleistung des Zugangs zu einer qualitativ hochwertigen inklusiven Bildung für Roma-Kinder gerichtet (Bulgarien, Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien, Slowakei).

Wie sollen die spezifischen EU‑Ziele die aktuelle Situation verbessern?

Der EU-Rahmen behandelt die vier Kernbereiche zur Verbesserung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Integration der Roma, bei denen es sich sämtlich um in erster Linie nationale Politikbereiche handelt.

Bildung: Sicherstellen, dass alle Roma-Kinder zumindest die Grundschule abschließen. Darüber hinaus soll der Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung und Betreuung verbessert und die Segregation verringert werden.

Im Bereich Bildung erreichen Roma-Kinder in der Regel niedrigere Qualifikationen und leiden häufig unter Diskriminierung und Ausgrenzung in der Schule. Obwohl die Situation in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich ist, hat eine Untersuchung des Open Society Institute in sechs EU-Ländern (Bulgarien, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien und der Slowakei) ergeben, dass im Vergleich zu durchschnittlich 97,5 % der allgemeinen Bevölkerung der EU insgesamt nur 42 % der Roma-Kinder die Grundschule abschließen.

Beschäftigung: Annäherung der Beschäftigungsquote der Roma an die der übrigen Bevölkerung.

Dass weniger Roma-Kinder die Grundschule abschließen, hat Folgen für den Arbeitsmarkt, wo junge Roma weniger gut ausgestattet und weniger qualifiziert sind, um einen Arbeitsplatz zu finden. Ein Kernziel der Strategie Europa 2020 ist, dass sich 75 % der Menschen in der EU im Alter zwischen 20 und 64 Jahren im Vergleich zu den heutigen 68,8 % in Beschäftigung befinden sollen. Bei den Roma ist die Beschäftigungsquote wesentlich geringer und liegt nach Untersuchungen der Weltbank in Bulgarien, der Tschechischen Republik, Rumänien und Serbien um rund 26 Prozentpunkte niedriger.

Gesundheit: Angleichung der Gesundheitssituation der Roma an die der Gesamtbevölkerung und Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung, insbesondere für Frauen und Kinder.

Roma haben in der Regel eine zehn Jahre geringere Lebenserwartung als der Durchschnittseuropäer und ihre Kindersterblichkeit liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 4,2 pro tausend Geburten (2010). Untersuchungen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen in Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, in Ungarn und der Tschechischen Republik haben ergeben, dass dort die Kindersterblichkeit der Roma 2-6 mal höher liegt als diejenige der allgemeinen Bevölkerung des jeweiligen Landes. Gründe hierfür sind schlechtere Lebensbedingungen, ein eingeschränkter Zugang zu hochwertiger Gesundheitsversorgung und größere Risiken. Darüber hinaus sind die Roma-Gemeinschaften wesentlich schlechter über Gesundheitsthemen informiert und leiden zum Teil unter Diskriminierung beim Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Wohnraum: Angleichung des Zugangs der Roma zu Wohnraum und zu den öffentlichen Versorgungsnetzen wie Wasser und Strom.

Während zwischen 72 % und 100 % der EU-Haushalte an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, ist der Anteil bei den Roma wesentlich geringer. Untersuchungen der EU-Grundrechteagentur deuten auf umfassende Probleme beim Zugang zu privatem und öffentlichem Wohnraum hin. Dies wiederum beeinträchtigt die Gesundheit und die allgemeinen Integrationsaussichten der Roma.

Zu welchen Ergebnissen gelangt die Kommission in ihrer Bewertung für 2014 in diesen Bereichen?

Obgleich Jahrhunderte der Ausgrenzung und Diskriminierung nicht über Nacht wettgemacht werden können, zeigt der europäische Koordinierungsprozess vielversprechende erste Ergebnisse.

1. Bildung

In diesem Bereich gibt es gute Fortschritte. Aus dem Bericht der Kommission geht hervor, dass die Mitgliedstaaten eine Reihe spezifischer Maßnahmen ergriffen haben, die vor Ort Ergebnisse gezeitigt haben. Beispielsweise gibt es eine eindeutig positive allgemeine Tendenz beim Zugang zu frühkindlicher Erziehung und Betreuung.

Eine Reihe von Gesetzesmaßnahmen wie obligatorische Vorschuljahre (in Ungarn oder Bulgarien) sowie finanzielle Anreize (Ungarn) wurden eingesetzt, um die Zahl der Roma-Kinder, die die Vorschule besuchen, zu erhöhen. Hierbei waren positive Ergebnisse zu vermelden: in Finnland beispielsweise stieg der Anteil der Roma-Kinder, die die Vorschule besuchen, in den letzten Jahren von 2 % auf 60 %. Gleiches gilt für Ungarn, wo der Anteil der an der Vorschulerziehung teilnehmenden Roma-Kinder 79 % erreicht und weiter zunehmen dürfte, da nach einem neuen Gesetz eine zweijährige Vorschule obligatorisch ist. In Irland gibt es auch „fahrende Lehrer“, die mit den Fahrenden mitziehen.

Andererseits gibt es nach wie vor Mitgliedstaaten, die ihre Anstrengungen intensivieren müssen, insbesondere bei der Bekämpfung der Segregation von Roma-Kindern in speziellen Schulen oder Klassen (z.B. Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland). Eine Untersuchung der Grundrechteagentur, die demnächst veröffentlicht wird, befasste sich mit dem Anteil der Roma-Kinder, die spezielle Schulen oder spezielle Klassen in allgemeinen Schulen besuchen. Im Hinblick auf die Segregation in den von Roma besuchten Schulen des allgemeinen Bildungswesens wurden folgende Ergebnisse festgestellt: SK: 58 %, HU: 45 %, EL: 35 %, CZ: 33 %, BG: 29 %, RO: 26 %, FR: 24 %, ES: 10 %, IT: 8 %, PT: 7 %, PL:3 %.

Ebenso sind zusätzliche Anstrengungen einschließlich außerschulischer Aktivitäten und enger Zusammenarbeit mit den Familien erforderlich, um die Zahl der frühzeitigen Schulabgänger unter der Roma-Bevölkerung zu verringern. Gute Beispiele müssen größere Verbreitung finden. Beispielsweise sank in Bulgarien dank eines Bildungsprojekts die Zahl der Kinder, die die Schule abbrachen, in drei Jahren (2010-2013) um fast 80 %. Weitere bewährte Verfahren sind etwa Ganztagsschulen in Bulgarien und der Slowakei oder außerschulische Aktivitäten speziell für benachteiligte Kinder in Ungarn, der Einsatz von Mediatoren in Finnland, die Einbeziehung der Roma-Kultur in Lehrpläne in der Slowakei und Ungarn, sprachliche Förderung in Bulgarien und Frankreich, zweisprachiger Unterricht (Romani-Rumänisch), die Ausbildung von Sprachlehrern für Romani in Rumänien sowie Lehrerfortbildungen in der Slowakei, in Ungarn und Bulgarien; ferner die Bereitstellung von speziellen Studienplätzen für Roma an öffentlichen Universitäten in Rumänien (im akademischen Jahr 2010/2011 wurden 555 bzw. 564 Studienplätze im Jahr 2012/2013 zur Verfügung gestellt).

2. Beschäftigung

In den letzten vier Jahren waren die Fortschritte bei der Erhöhung der europaweiten Beschäftigungsraten für Roma begrenzt.

Es gibt vielversprechende Beispiele zur Verbesserung der Berufsaussichten für Roma, die jedoch auf ganz Europa ausgedehnt und durch systematische Maßnahmen zur Beseitigung der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt begleitet werden müssen, die sich auch auf private Arbeitgeber erstrecken. Zu den Erfolgsgeschichten gehören in Österreich Berater und Ausbildungsmentoren, die arbeitssuchenden Roma helfen, in Finnland EU-finanzierte Beschäftigungsmediatoren für Roma sowie in Spanien das Acceder-Programm, bei dem Arbeitsberater Roma bei ihrer Arbeitssuche unterstützen. In Frankreich (Lyon) beteiligen sich lokale, nationale und zivilgesellschaftliche Einrichtungen an dem aus EU-Mitteln geförderten Projekt Andatu, um den Zugang zu Beschäftigung und Wohnraum zu verbessern. Zielgruppe des Programms sind mobile EU-Bürgerinnen und -Bürger, daher werden Französischkurse angeboten. Das Programm finanziert außerdem Kurzschulungen und bietet individuelle Unterstützung. Aus dem Europäischen Sozialfonds wurden für den Start des Programms 350 000 EUR bereitgestellt. Die Maßnahme, mit der zurzeit 73 Personen gefördert werden, soll auf 400 Teilnehmer ausgeweitet werden, wofür Mittel von insgesamt 1,2 Mio. EUR erforderlich sind.

Eine der größten Herausforderungen ist nach wie vor die Beseitigung der direkten und indirekten Diskriminierung der Roma auf dem Arbeitsmarkt. Ein relativ hoher Anteil von Roma wurde in den letzten fünf Jahren bei der Arbeitssuche diskriminiert: CZ 74 %, EL 68 %, IT 66 %, FR 65 %, PL 64 %, PT 56 %, HU 51 %, SK 49 %, BG 41 %, RO 39 %, ES 38 %.

Die Mitgliedstaaten sollten auch Maßnahmen ergreifen, um das niedrige Qualifikationsniveau arbeitssuchender Roma mit Hilfe von Berufsausbildung und ‑beratung anzuheben. Darüber hinaus sind Maßnahmen erforderlich, mit denen Anreize für Arbeitgeber geschaffen werden, etwa Einstellungsbeihilfen, Probetage und Lehrlingsprogramme. Weitere Maßnahmen könnten darin bestehen, Roma im Rahmen der Jugendgarantien besonders zu begünstigen, soziale Erwägungen im öffentlichen Beschaffungswesen zu berücksichtigen und Roma im öffentlichen Dienst auf nationaler und lokaler Ebene zu beschäftigen.

3. Gesundheit

Der schlechte Zugang der Roma zur Gesundheitsversorgung hängt eng mit ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation zusammen und ist gekennzeichnet durch die schlechte Erreichbarkeit von Gesundheitsdiensten aufgrund der Entfernung (z. B. aus Roma-Siedlungen in abgelegenen Gebieten oder für Roma ohne festen Wohnsitz), finanzielle Schwierigkeiten (Bezahlbarkeit von Medikamenten), fehlende Registrierung bei den örtlichen Behörden, mangelnde Kenntnisse insbesondere über Vorsorgedienste, kulturelle Unterschiede und Diskriminierung. Fehlender Krankenversicherungsschutz bedeutet oft auch, dass Kinder nicht geimpft werden, was wiederum dazu führen kann, dass sie in Schulen und Kindergärten nicht aufgenommen werden. Ein Mindestkrankenversicherungsschutz ist in manchen Mitgliedstaaten immer noch problematisch, insbesondere in Bulgarien und Rumänien, aber auch in Griechenland.

Mehrere Mitgliedstaaten konzentrieren sich auf die Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsfürsorge für die schutzbedürftigsten Roma, wozu auch eine Verpflichtung der Regierung in Frankreich gehört, die Gesundheitsvorsorge erschwinglicher zu machen, bzw. in Rumänien und Spanien die Bereitstellung von Finanzmitteln für Gesundheits-Mediatoren für die Roma-Gemeinschaft. Die Gewährleistung einer medizinischen Grundversorgung ist in einigen Mitgliedstaaten nach wie vor problematisch. In einigen Ländern gibt es Impfkampagnen und Projekte für Roma (z.B. in Belgien, Irland, Italien oder Polen) und manchmal sogar mobile medizinische Einrichtungen (z.B. in Bulgarien, Irland, Portugal und im Vereinigten Königreich).

Diese kleineren Projekte sollten ausgeweitet werden.

4. Wohnraum

Die Mitgliedstaaten haben bereits Fortschritte bei der wechselseitigen Integration der Roma- und Nicht-Roma-Gemeinschaften erzielt. Mit Hilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wurden unter Beteiligung der Roma-Gemeinschaft in Frankreich qualitativ hochwertige provisorische Unterkünfte errichtet. In Deutschland umfassen die Wohnprojekte auch Maßnahmen zur Förderung der Integration von Roma-Familien in den Nachbarschaften: In Berlin bemüht sich beispielsweise die „Task Force Okerstraße“ um die Akzeptanz der Roma als Nachbarn und ihre Integration in die Gemeinschaft. In Belgien bemühen sich rund 38 Mediatoren, das Vertrauen der Roma und Nicht-Roma für annehmbare Wohnungsvorhaben zu gewinnen. In Ungarn müssen die Städte im Rahmen der Stadtentwicklung einen Plan zur Beseitigung der Segregation vorlegen. In Kroatien und Slowenien ist die Legalisierung der gegenwärtigen Roma-Siedlungen rechtliche Bedingung für den Aufbau einer Basis-Infrastruktur.

Diese kleinen Projekte sind nützliche Lehren für die Politik. Sie müssen jedoch erweitert werden, um konkrete Fortschritte im Wohnungswesen zu erzielen. In einigen Mitgliedstaaten sind Gesetze notwendig, um den Rechtsstatus bestehender Wohnungen zu klären (z.B. in Rumänien oder der Slowakei). Eine geregelte Stadtplanung ist notwendig, um eine Ghettoisierung in den Städten sowie die soziale Ausgrenzung in den ländlichen Gebieten zu beseitigen und zu verhindern. Angesichts knapper öffentlicher Mittel, insbesondere da in den meisten Mitgliedstaaten die Kommunen für die Wohnungswirtschaft zuständig sind, sollten die Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) besser genutzt werden.

Gibt es Fortschritte bei der Bekämpfung der Diskriminierung?

Die Maßnahmen der Kommission haben dazu geführt, dass in allen Mitgliedstaaten ein starker Rechtsrahmen zur Bekämpfung der Diskriminierung vorhanden ist. Die Länder müssen ihn jedoch vor Ort anwenden und durchsetzen (IP/14/27). Dreizehn Jahre nach Verabschiedung der bahnbrechenden Antidiskriminierungsrichtlinien der EU im Jahr 2000 ist die Diskriminierung von Roma, vor allem Roma-feindliche Rhetorik und Hassreden, immer noch weit verbreitet.

Um die Diskriminierung besser bekämpfen zu können, müssen die Rechtsvorschriften einhergehen mit politischen und finanziellen Maßnahmen. Die von den Mitgliedstaaten im Dezember verabschiedete Empfehlung des Rates schlägt den Mitgliedstaaten besondere Maßnahmen vor, einschließlich positive Maßnahmen zur Bekämpfung der Diskriminierung. In der Slowakei hat beispielsweise eine Änderung des Antidiskriminierungsgesetzes zu vorübergehenden Gleichstellungsmaßnahmen (positive Maßnahmen) für Roma geführt. Die anstehenden Fortschrittsberichte der Kommission über die Umsetzung der nationalen Strategien zur Integration der Roma werden die in der Empfehlung hervorgehobenen Bereiche besonders berücksichtigen.

Welche EU-Mittel stehen für die Integration der Roma zur Verfügung? Wie wird das Geld ausgegeben?

Mehrere EU-Fonds stehen den Mitgliedstaaten zur Verfügung, um die nationalen Maßnahmen zur Integration der Roma zu unterstützen, insbesondere der Europäische Sozialfonds (ESF), der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Die EU kofinanziert bereits Projekte zur Förderung der Roma in Bereichen wie Bildung, Beschäftigung, Mikrofinanzierung und Chancengleichheit (insbesondere Gleichstellung von Männern und Frauen).

Länder mit einer großen Roma-Bevölkerung stehen nach wie vor vor großen Herausforderungen bei der Verwendung von EU-Mitteln. Während Fortschritte im Hinblick auf das Engagement und die Planung zu verzeichnen sind, gibt es nach wie vor Probleme dafür zu sorgen, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird. Zu den Hauptschwierigkeiten gehört die Ermittlung nationaler Kofinanzierungsstellen und die Kombination von Fonds, zu komplexe Verwaltungsstrukturen, mangelnde Verwaltungskapazitäten und Sachverstand, unzureichende Inanspruchnahme von technischer Hilfe bei der Verwendung von EU-Mitteln sowie eine schlechte Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Roma.

Im Zeitraum 2007-2013 wurden insgesamt rund 26,5 Mrd. EUR für soziale Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Während der neuen Finanzperiode 2014-2020 werden mindestens 80 Mrd. EUR für Investitionen in Humankapital, Beschäftigung und soziale Eingliederung durch den Europäischen Sozialfonds ausgewiesen. Mindestens 20 % der Mittel des Europäischen Sozialfonds (rund 16 Mrd. EUR) müssen nunmehr für die soziale Eingliederung verwendet werden (gegenüber dem nichtobligatorischen aktuellen Durchschnitt von 15 %). Ziel ist die Sicherung der angemessenen finanziellen Mittel für die Integration der Roma. Die Mitgliedstaaten sind für die Verwaltung dieser Mittel, einschließlich der Auswahl konkreter Projekte, verantwortlich.

Darüber hinaus führte die Kommission für ihre Kohäsionspolitik 2014-2020 eine „Ex-ante-Konditionalität“ ein. Dies bedeutet, dass eine angemessene nationale Strategie zur Integration der Roma vorhanden sein muss, wenn der betreffende Mitgliedstaat Mittel für die Integration der Roma verwenden will. Hierdurch wird eine direkte Verbindung zwischen dem politischen Rahmen und der Finanzierung durch die EU geschaffen und angestrebt, die Wirksamkeit der Finanzierung zu maximieren.

Für den Finanzzeitraum nach 2020 wird die Kommission weitere Möglichkeiten prüfen, um die finanzielle Unterstützung für Roma zu verbessern und wirksamer zu gestalten, wozu auch beispielsweise eine spezielle Fazilität gehört.

Was ist mit den Roma außerhalb der EU?

Um die Situation der schätzungsweise fünf Mio. Roma in den westlichen Balkanstaaten und der Türkei zu verbessern, müssen die Beitrittsländer ihre Bemühungen zur Integration ihrer Roma-Bevölkerung intensivieren, wozu auch Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge gehören, von denen viele Roma sind. Im Rahmen des Erweiterungsprozesses überprüft die Kommission in ihren jährlichen Fortschrittsberichten das Engagement und die Bemühungen in diesem Bereich.

Die Kommission unterstützt die nationalen Bemühungen zur Verbesserung der Integration der Roma, indem verstärkt Hilfen durch das Instrument für Heranführungshilfe bereitgestellt werden und die Beteiligung der Roma an der Formulierung, Umsetzung und Begleitung politischer Maßnahmen gefördert wird. Für den Zeitraum 2007-2013 wurden über 100 Mio. EUR für Projekte bereitgestellt, die ausschließlich oder teilweise den Roma in den Beitrittsländern zugute kommen, wozu auch der Wohnungsbau gehört.

Die Kommission wird:

  1. weiterhin für jedes Land nationale Folgesitzungen zu den „Roma-Integrationsseminaren“ unterstützen und gemeinsam organisieren, wobei die Umsetzung der gemeinsam vereinbarten operativen Schlussfolgerungen streng überwacht wird;

  2. die Mittel im Rahmen des Instruments für Heranführungshilfe durch eine „Roma-Integrationsfazilität“ erhöhen und besser ausrichten, um die in den nationalen Strategiepapieren dargelegten oder in den nationalen Seminaren vereinbarten Maßnahmen zu finanzieren und die Zusammenarbeit mit externen Interessenträgern zu verbessern;

  3. Preise an NRO für innovative und erfolgreiche Projekte zur Integration der Roma vergeben.

Wer sind die Roma?

Es gibt rund 10-12 Millionen Roma in Europa. Sie gehören seit Jahrhunderten zu Europa und sind Teil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Dennoch sind sie häufig mit Vorurteilen, Intoleranz, Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert.

Nach Schätzungen des Europarates (siehe Anhang) verfügen nahezu alle EU-Länder über Roma-Gemeinschaften unterschiedlicher Größe. Sie bilden einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in Bulgarien (rund 10 %), der Slowakei (9 %), Rumänien (8 %), Ungarn (7 %), Griechenland, der Tschechischen Republik und Spanien (jeweils 1,5-2,5 %).

Rund ein Drittel der Roma leben in den westlichen Balkanländern wie Serbien und der Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien sowie in der Türkei.

Der Begriff „Roma“ dient als Oberbegriff für Gruppen von Menschen mit mehr oder weniger ähnlichen kulturellen Besonderheiten, z.B. Sinti, Fahrende, Kalé, Gens du voyage usw., egal ob diese sesshaft sind oder nicht.

Wie überprüft die Kommission die Fortschritte?

Die Kommission berichtet dem Europäischen Parlament und dem Rat jährlich über die Fortschritte bei der Integration der Roma-Bevölkerung in den Mitgliedstaaten und bei der Verwirklichung der Ziele zur Integration der Roma.

Sie stützt ihre Bewertung insbesondere auf:

  1. Informationen der Mitgliedstaaten über ihre Fortschritte (Ergebnisse ihrer eigenen Überwachungssysteme );

  2. Informationen von im Bereich der Roma-Integration tätigen NRO, Sachverständigen und internationalen Organisationen;

  3. den direkten Dialog zwischen der Kommission und den für die Roma-Integration zuständigen nationalen Behörden (nationale Roma-Kontaktstellen);

  4. bilaterale Besuche der Kommissionsdienststellen vor Ort;

  5. nationale Reformprogramme im Rahmen der Strategie Europa 2020;

  6. die Evaluierung der wirksamen Nutzung der zur Verfügung stehenden europäischen Struktur- und Investitionsfonds;

  7. die Ergebnisse der Roma-Haushaltserhebung, die regelmäßig von der Agentur für Grundrechte und ihren Partnern durchgeführt wird.

Weitere Informationen

IP/14/371

Pressemappe: Roma-Bericht 2014:

http://ec.europa.eu/justice/newsroom/discrimination/news/140404_en.htm

Speech by President Barroso at the European Roma Summit

http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-14-288_en.htm

Europäische Kommission – die EU und die Roma:

http://ec.europa.eu/justice/discrimination/roma/index_en.htm

Website der Vizepräsidentin der Kommission und EU-Justizkommissarin Viviane Reding:

http://ec.europa.eu/reding

Website von László Andor, Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/andor/index_de.htm

Vizepräsidentin Reding und Kommissar Andor auf Twitter:

@VivianeRedingEU @LaszloAndorEU

EU-Justiz auf Twitter: @EU_Justice

Verfolgen Sie den EU-Roma-Gipfel auf Twitter unter #RomaEU.

Anhang: Roma-Bevölkerung – Schätzungen des Europarates

Land

Gesamtbevölkerung

Offizielle Zahl

Zensus

Minimum

Maximum

Durchschnitt Schätzung (vom Europarat verwendete Zahl)

Durchschnitt Schätzung

 

(Weltbank 2010)

(eigene Angaben)

Jahr

Schätzung

Schätzung

Anteil an der Gesamtbevölkerung

Türkei

72 752 325

4 656

1945

500 000

5 000 000

2 750 000

3,78%

Rumänien

21 442 012

619 007

2011

1 200 000

2 500 000

1 850 000

8,63%

Russische Föderation

141 750 000

205 007

2010

450 000

1 200 000

825 000

0,58%

Bulgarien

7 543 325

325 343

2011

700 000

800 000

750 000

9,94%

Ungarn

10 008 703

190 046

2001

500 000

1 000 000

750 000

7,49%

Spanien

46 081 574

k. A.

 

500 000

1 000 000

750 000

1,63%

Serbien (ohne Kosovo*)

7 292 574

108 193

2002

400 000

800 000

600 000

8,23%

Slowakische Republik

5 433 456

89 920

2001

380 000

600 000

490 000

9,02%

Frankreich

64 876 618

k. A.

 

300 000

500 000

400 000

0,62%

Ukraine

45 870 700

47 917

2001

120 000

400 000

260 000

0,57%

Vereinigtes Königreich

62 218 761

k. A.

 

150 000

300 000

225 000

0,36%

Tschechische Republik

10 525 090

11 718

2001

150 000

250 000

200 000

1,90%

Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien

2 060 563

53 879

2002

134 000

260 000

197 000

9,56%

Griechenland

11 319 048

k. A.

 

50 000

300 000

175 000

1,55%

Italien

60 483 521

k. A.

 

120 000

180 000

150 000

0,25%

Albanien

3 204 284

1 261

2001

80 000

150 000

115 000

3,59%

Republik Moldau

3 562 062

12 271

2004

14 200

200 000

107 100

3,01%

Deutschland

81 702 329

k. A.

 

70 000

140 000

105 000

0,13%

Bosnien und Herzegowina

3 760 149

8 864

1991

40 000

76 000

58 000

1,54%

Portugal

10 642 841

k. A.

 

34 000

70 000

52 000

0,49%

Schweden

9 379 116

k. A.

 

35 000

65 000

50 000

0,53%

Belarus

9 490 500

9 927

1999

25 000

70 000

47 500

0,50%

Niederlande

16 612 213

k. A.

 

32 000

48 000

40 000

0,24%

Irland

4 481 430

22 435

2006

32 000

43 000

37 500

0,84%

Kosovo *

1 815 000

45 745

1991

25 000

50 000

37 500

2,07%

Österreich

8 384 745

6 273

2001

20 000

50 000

35 000

0,42%

Kroatien

4 424 161

9 463

2001

30 000

40 000

35 000

0,79%

Polen

38 187 488

12 731

2002

15 000

50 000

32 500

0,09%

Belgien

10 879 159

k. A.

 

20 000

40 000

30 000

0,28%

Schweiz

7 825 243

k. A.

 

25 000

35 000

30 000

0,38%

Montenegro

631 490

8 305

2011

15 000

25 000

20 000

3,17%

Land

Gesamtbevölkerung

Offizielle Zahl

Zensus

Minimum

Maximum

Durchschnitt Schätzung (vom Europarat verwendete Zahl)

Durchschnitt Schätzung

 

(Weltbank 2010)

(eigene Angaben)

Jahr

Schätzung

Schätzung

Anteil an der Gesamtbevölkerung

Lettland

2 242 916

8 517

2011

9 000

16 000

12 500

0,56%

Finnland

5 363 624

k. A.

 

10 000

12 000

11 000

0,21%

Norwegen

4 885 240

k. A.

 

4 500

15 700

10 100

0,21%

Slowenien

2 052 821

3 246

2002

7 000

10 000

8 500

0,41%

Litauen

3 320 656

2 571

2001

2 000

4 000

3 000

0,09%

Dänemark

5 544 139

k. A.

 

1 000

4 000

2 500

0,05%

Armenien

3 092 072

50

2004

2 000

2 000

2 000

0,06%

Aserbaidschan

9 047 932

k. A.

 

2 000

2 000

2 000

0,02%

Georgien

4 452 800

1 200

1989

1 500

2 500

2 000

0,04%

Zypern

1 103 647

502

1960

1 000

1 500

1 250

0,11%

Estland

1 339 646

584

2009

600

1 500

1 050

0,08%

Luxemburg

505 831

k. A.

 

100

500

300

0,06%

Malta

412 961

k. A.

 

0

0

0

0,00%

Island

317 398

k. A.

 

0

0

0

0,00%

Andorra

84 864

k. A.

 

0

0

0

0,00%

Liechtenstein

36 032

k. A.

 

0

0

0

0,00%

Monaco

35 407

k. A.

 

0

0

0

0,00%

San Marino

31 534

k. A.

 

0

0

0

0,00%

Europa insgesamt

828 510 000

1 809 631

 

6 206 900

16 313 700

11 260 300

1,36%

Europarat (47)

817 204 500

1 753 959

 

6 156 900

16 193 700

11 175 300

1,37%

Europäische Union (27)

502 087 670

1 292 893

 

4 338 700

7 985 500

6 162 100

1,18%

Erstellt vom Support-Team des Sonderbeauftragten des Generalsekretärs des Europarates für Roma-Fragen.

Aktualisiert am 2. Juli 2012. Die meisten Schätzungen berücksichtigen örtliche Roma-Gemeinden, Roma-Gruppen (Sinti, Fahrende usw.) und Roma-Migranten.


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