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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, den 20. Februar 2014

Fragen und Antworten zur Europäischen Strategie für Küsten- und Meerestourismus

Was ist Küsten- und Meerestourismus?

Zum Küstentourismus zählen Touristenaufenthalte und Freizeitaktivitäten am Strand (z. B. Schwimmen, Surfen usw.) sowie andere Freizeitaktivitäten in Küstengebieten (z. B. Besuch von Aquarien). Meerestourismus umfasst Aktivitäten im und auf dem Wasser (z. B. Boots- und Segelsport, Kreuzfahrten, Wassersport) und schließt auch den Betrieb landgestützter Einrichtungen ein (Befrachtung, Herstellung von Ausrüstung, Dienstleistungen).

Geografisch sind Küstengebiete als Gebiete definiert, die am Meer liegen oder zu mindestens der Hälfte maximal 10 km von der Küste entfernt liegen1. In der EU-Strategie für blaues Wachstum wurde der Küsten- und Meerestourismus als einer der Sektoren benannt, die großes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung bergen.

Warum legt die Kommission den Schwerpunkt auf den Küsten- und Meerestourismus?

Aufgrund seines wirtschaftlichen Gewichts und seiner direkten und indirekten Auswirkungen auf die örtliche und regionale Wirtschaft hat der Küsten- und Meerestourismus ein großes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung, insbesondere für entlegene Regionen mit ansonsten begrenzter Wirtschaftstätigkeit. Allerdings sehen sich Küstenregionen einer ganzen Reihe von Herausforderungen gegenüber, die ihre weitere Entwicklung beeinträchtigen. All diese Probleme treten zwar auch in anderen Fremdenverkehrsbereichen auf, sind aber im Küsten- und Meerestourismus deutlich stärker ausgeprägt:

- Fragmentierung des Sektors mit einem hohen Anteil an KMU;

- keiner oder nur eingeschränkter Zugang zu Finanzmitteln;

- fehlende Innovation und Diversifizierung;

- verschärfter weltweiter Wettbewerb;

- schwankende Nachfrage und Saisonabhängigkeit;

- Missverhältnis zwischen Fähigkeiten und Qualifikationen;

- zunehmende Umweltbelastung.

2010 gab die Kommission mit Unterstützung des Europäischen Parlaments und des Rates die Mitteilung „Europa – wichtigstes Reiseziel der Welt“ heraus, in der auf die Notwendigkeit verwiesen wird, eine Strategie für nachhaltigen Küsten- und Meerestourismus zu erarbeiten. In der Strategie für blaues Wachstum2 aus dem Jahr 2012 wird der Küsten- und Meerestourismus als einer von fünf Schwerpunktbereichen der „blauen Wirtschaft“ genannt, die zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Küstengebieten beitragen.

Welche Vorschläge enthält die Mitteilung?

In dieser Mitteilung werden die größten Herausforderungen des Sektors dargelegt und eine neue Strategie zur Bewältigung der Herausforderungen vorgestellt.

Die Kommission hat 14 Maßnahmen ermittelt, die zu einem nachhaltigen Wachstum des Sektors beitragen und den europäischen Küstenregionen zusätzliche Impulse verleihen können. Die Kommission wird bei der Durchführung dieser Maßnahmen mit den Mitgliedstaaten, mit regionalen und lokalen Behörden sowie mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.

So schlägt die Kommission beispielsweise Folgendes vor:

- Erarbeitung eines Online-Leitfadens mit den wichtigsten in dem Sektor vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten (insbesondere für KMU);

- Förderung eines europaweiten Dialogs zwischen Kreuzfahrtveranstaltern, Häfen und anderen Interessenträgern im Bereich des Küstentourismus;

- sofern angemessen, bei den EU-Tourismusinitiativen Schwerpunktsetzung auf die Küsten- und Meeresregionen, einschließlich der entsprechenden Werbe- und Kommunikationskampagnen;

- Unterstützung des Aufbaus transnationaler und überregionaler Partnerschaften, Netzwerke3, Cluster und Strategien für eine intelligente Spezialisierung;

- Förderung innovativer Bewirtschaftungskonzepte über die IKT4 und das Tourismusportal;

- Bemühung um Verbesserungen bei der Verfügbarkeit und der Vollständigkeit von Daten im Küsten- und Meerestourismus;

- Förderung des Ökotourismus und der Verknüpfung mit anderen Nachhaltigkeitsmaßnahmen;

- Förderung von Strategien zur Abfallvermeidung, Abfallbewirtschaftung und dem Umgang mit Abfällen im Meer, um nachhaltigen Küsten- und Meerestourismus zu unterstützen;

- Durchführung von Forschungsarbeiten, um zu klären, wie die Anbindung von Inseln verbessert und entsprechende innovative Tourismusstrategien für (abgelegene) Inseln erarbeitet werden können;

- Durchführung einer speziellen Studie zur Ermittlung innovativer Praktiken zur Entwicklung von Jachthäfen.

Welche Erwartungen richten sich an die Mitgliedstaaten, die Interessenträger sowie die regionalen und lokalen Behörden?

Der vorgeschlagene strategische Rahmen bietet eine kohärente Antwort auf die Herausforderungen des Sektors, da hierdurch bestehende Initiativen von Mitgliedstaaten, Regionen und anderen Interessenträgern ergänzt und mit einem Mehrwert versehen werden.

Die Mitgliedstaaten, bei denen die vorrangige Zuständigkeit für den Tourismus liegt, werden aufgerufen, nationale und regionale Strategien zu erarbeiten und umzusetzen, die verfügbaren Mittel zu nutzen und bewährte Praktiken auszutauschen.

Mit der Strategie wird versucht, Partnerschaft, Dialog und Zusammenarbeit über Länder- und Regionsgrenzen hinweg zu fördern und Fragen des Küsten- und Meerestourismus in bestehende Programme und Maßnahmen einzubinden.

Die Wirtschaft und die Interessenträger werden aufgerufen, neue Geschäftsmodelle sowie innovative und vielseitige Angebote zu entwickeln, um die Reaktionsfähigkeit und das Wachstumspotenzial des Sektors zu stärken. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen auch darauf ab, die Zugänglichkeit, Anbindung und Sichtbarkeit des touristischen Angebots zu verbessern und die Nachhaltigkeit durch Eindämmung der Umweltauswirkungen des Fremdenverkehrs zu fördern.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat Küsten- und Meerestourismus?

Der Küsten- und Meerestourismus ist der größte Teilbereich im Tourismussektor, der größte einzelne maritime Wirtschaftszweig und der wichtigste Wirtschaftsfaktor für viele Küstenregionen und Inseln in Europa. Er bietet beinahe 3,2 Millionen Menschen Beschäftigung, schafft eine EU-weite Bruttowertschöpfung von insgesamt 183 Mrd. EUR (Zahlen aus dem Jahr 2011 für die 22 EU-Mitgliedstaaten mit Küste, ohne Kroatien).

Nahezu ein Drittel des gesamten Tourismus in Europa spielt sich in Küstenregionen ab, und rund 51 % des europaweiten Bettenangebots in Hotels konzentriert sich auf Regionen mit Meerzugang.

Im Jahr 2012 erwirtschaftete allein der Kreuzfahrttourismus einen Direktumsatz in Höhe von 15,5 Mrd. EUR und beschäftigte 330 000 Menschen, während in den europäischen Häfen 29,3 Millionen Passagiere zu verzeichnen waren. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die weltweite Nachfrage nach Kreuzfahrten ungefähr verdoppelt, während die Kreuzfahrtindustrie in Europa ein Wachstum von mehr als 10 % jährlich verzeichnete.

Im Jahr 2012 setzte sich die Bootsindustrie (Bootshersteller, Hersteller von Ausrüstung für Boots- und Wassersport, Handel und Dienstleistungen, wie z. B. Befrachtung) in Europa (EU ohne Kroatien, Europäischer Wirtschaftsraum und Schweiz) aus mehr als 32 000 Unternehmen zusammen, die 280 000 direkte Arbeitsplätze boten.

Ost-see

Nord-see

Atlantik

Mittelmeer

Schwar-zes Meer

Insgesamt

Bruttowertschöp-fung insgesamt

18

31,1

34,5

90,3

1,3

183

Küstentourismus

11,7

20,8

26

62,3

1,3

130 a)

Kreuzfahrttourismus

1,7

1,9

1,8

9,0

0,0

15

Segelsport und Jachthäfen

4,6

8,4

6,7

19,0

0,0

38

Gesamtbeschäfti-gung

306,2

564,3

594,5

1540,8

26

3182

Küstentourismus

226

401

502

1 203

25

2 507 a)

Kreuzfahrttourismus

36

83

28

155

1

303

Segelsport und Jachthäfen

44,2

80,3

64,5

182,8

0,0

371,9

Gesamte Bruttowertschöpfung (BWS, in Mrd. EUR) und Beschäftigung (x 1000) im Küsten- und Meerestourismus in der EU im Jahr 2011 (ohne Kroatien).

Der Tourismus ist eine Wachstumsbranche, und Europa ist weltweit das Reiseziel Nr. 1. Im Jahr 2012 belief sich die Zahl der Touristen in Europa auf 534 Millionen, ein Zuwachs von 17 Millionen (52 % der Gäste weltweit) im Vergleich zu 2011. Gleichzeitig beliefen sich die Einnahmen auf 356 Mrd. EUR (43 % der weltweiten Einnahmen)5.


Internationale Gäste in Europa (in Mio.)6

Wie kann diese Strategie dazu beitragen, dass die EU-2020-Ziele erreicht werden?

Die Entwicklung des Küsten- und Meerestourismus trägt in mehrfacher Weise zur Verwirklichung der EU-2020-Ziele bei:

  • Die Strategie kann dazu beitragen, dass der Sektor sein Potenzial als Motor für Wachstum und Beschäftigung ausschöpft, insbesondere für junge Menschen und vor allem in Küstenregionen.

  • Die Bewertung der beruflichen Fähigkeiten und Qualifikationen in der Branche wird für einen besseren Überblick über die Erfordernisse des Sektors sorgen und dazu beitragen, die Aus- und Weiterbildung zielgerichteter zu gestalten, um flexiblere und qualifiziertere Arbeitskräfte hervorzubringen.

  • Durch Förderung von Ökotourismus und Abfallvermeidung kann die Strategie dazu beitragen, die Umweltauswirkungen des Sektors zu verringern.

Weitere Informationen

Website Küsten- und Meerestourismus auf der Internetseite der Generaldirektion Maritime Angelegenheiten:

http://ec.europa.eu/maritimeaffairs/policy/coastal_tourism/index_de.htm

Tourismus-Website auf der Internetseite der Generaldirektion Unternehmen und Industrie:

http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/tourism/index_en.htm

Siehe auch IP/14/171

1 :

Gemäß Definition von Eurostat.

2 :

COM(2012) 494 vom 13.9.2012.

3 :

Z. B. das „Enterprise Europe Network“. Im Herbst 2013 wurde eine Studie über die Perspektiven für die Bildung von Clustern im Mittelmeerraum eingeleitet.

4 :

Zu den konkret verfügbaren IKT-Instrumenten gehören u. a. die Virtuelle Tourismus-Beobachtungsstelle (http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/tourism/vto/index_en.htm); die Plattform „TourismLink“ (http://www.tourismlink.eu/tourism-link) und die Plattform „eCalypso“ (http://www.ecalypso.eu/steep/public/index.jsf).

5 :

Jahresbericht 2012 der UNWTO (United Nations World Tourism Organization).

http://dtxtq4w60xqpw.cloudfront.net/sites/all/files/pdf/annual_report_2012.pdf

6 :

Quelle: UNWTO (Tourism 2020 Vision). Verfügbare Daten für alle Touristen, nicht nur für die Küstenregionen.


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