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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 8. November 2013

EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugend-arbeitslosigkeit

Wie ist die derzeitige Lage?

Im September 2013 waren 5,6 Millionen junge Menschen in den 28 EU-Mitgliedstaaten arbeitslos.

Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 23,5 % (24,1 % im Euroraum). Mehr als einer von fünf jungen Menschen in Europa kann auf dem Arbeitsmarkt keine Beschäftigung finden, in Griechenland und Spanien sogar jeder zweite.

7,5 Millionen junge Europäerinnen und Europäer zwischen 15 und 24 Jahren haben weder eine Arbeit noch absolvieren sie eine schulische oder berufliche Ausbildung (NEETs).

In den letzten vier Jahren sind die allgemeinen Erwerbsquoten bei jungen Menschen dreimal schneller gesunken als bei Erwachsenen.

Der Abstand zwischen den Ländern mit der höchsten und der niedrigsten Jugendarbeitslosenquote ist nach wie vor enorm. Der Unterschied zwischen dem Mitgliedstaat mit dem geringsten Wert (Deutschland mit 7,7 % im September 2013) und dem Mitgliedstaat mit der größten Jugendarbeitslosigkeit (Griechenland mit 57,3 % im Juli 2013) beträgt fast 50 Prozentpunkte. Hinter Griechenland folgen Spanien (56,5 %), Kroatien (52,8 %), Zypern (43,9 %), Italien (40,4 %) und Portugal (36,9 %).

Das Potenzial der beruflichen Mobilität zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit ließe sich weiter ausbauen: Insgesamt sind in der EU etwa 216,1 Millionen Personen erwerbstätig, von denen jedoch nur 7,5 Millionen (3,1 %) in einem anderen Mitgliedstaat arbeiten. EU-Studien zeigen, dass die Mobilitätswahrscheinlichkeit bei jungen Menschen am größten ist.

Die Situation ist eindeutig nicht hinnehmbar. Daher arbeitet die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten an der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

Was tut die EU?

Investitionen in die Jugend: die Jugendgarantie

Mit der Jugendgarantie soll gewährleistet sein, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten nach Verlassen der Schule oder Verlust des Arbeitsplatzes ein gutes Angebot für einen Arbeitsplatz, eine Weiterbildung, einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz erhalten. Die Jugendgarantie ist eine der wichtigsten und dringendsten Strukturreformen, die die Mitgliedstaaten zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit durchführen müssen, um jungen Menschen den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern.

Die Logik der Jugendgarantie ist ganz einfach: Junge Menschen sollen von den öffentlichen Arbeitsverwaltungen aktiv dabei unterstützt werden, entweder einen Arbeitsplatz zu finden, der zu ihrer Bildung, ihren Qualifikationen und Erfahrungen passt, oder die Bildung, Qualifikationen und Erfahrungen zu erwerben, die von Arbeitgebern nachgefragt werden und sich daher direkt in besseren Berufsaussichten niederschlagen.

Dieses Konzept stützt sich zum Teil auf den eindeutigen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Jugendarbeitslosigkeit:

Jugendarbeitslosigkeit nach Bildungsgrad, EU-27, 2000 – 2012

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Quelle: Eurostat 2013

Die Jugendgarantie stützt sich auf Erfahrungen aus Österreich und Finnland, die zeigen, dass sich Investitionen in junge Menschen lohnen. So hat die finnische Jugendgarantie beispielsweise zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen geführt, die zu 83,5 % innerhalb von drei Monaten nach der Anmeldung erfolgreich in eine Beschäftigung, ein Praktikum, eine Ausbildung oder eine Weiterbildung vermittelt wurden.

Auf der Grundlage eines Vorschlags der Kommission vom Dezember 2012 (siehe IP/12/1311 und MEMO/12/938) hat der EU-Ministerrat am 22. April 2013 formal eine Empfehlung zur Jugendgarantie angenommen (siehe MEMO/13/152), die vom Europäischen Rat im Juni 2013 gebilligt wurde.

In vielen Mitgliedstaaten werden zur Durchführung der Jugendgarantie Strukturreformen notwendig sein. So müssen z. B. die öffentlichen Arbeitsverwaltungen in der Lage sein zu gewährleisten, dass junge Menschen die geeignete Beratung zu den Beschäftigungs-, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten erhalten, die am besten zu der jeweiligen persönlichen Situation passen. Der Vorschlag der Kommission von Juni 2013 für einen Beschluss, mit dem die öffentlichen Arbeitsverwaltungen dabei unterstützt werden sollen, durch eine engere Zusammenarbeit ihre Effizienz zu optimieren, kann hier eine förderliche Rolle spielen (siehe IP/13/544).

Ein weiterer Bereich, in dem Strukturreformen erforderlich sind, sind die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung, wo die Mitgliedstaaten gewährleisten müssen, dass sie jungen Menschen die Qualifikationen vermitteln, die von den Arbeitgebern nachgefragt werden. In diesem Zusammenhang kann der Dialog zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Bildungseinrichtungen und Behörden über die Struktur und den Inhalt der Bildungsgänge hilfreich sein.

Die Jugendgarantie kostet die Mitgliedstaaten Geld (die Internationale Arbeitsorganisation schätzt die Kosten der Einrichtung der Jugendgarantie im Euroraum auf 21 Mrd. EUR pro Jahr). Die Kosten von Untätigkeit wären jedoch wesentlich höher. Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) schätzt die derzeitigen Verluste, die der Wirtschaft in der EU dadurch entstehen, dass 7,5 Millionen junge Menschen keine Arbeit haben und sich nicht in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befinden, auf über 150 Mrd. EUR pro Jahr (1,2 % des BIP der EU) in Form von zu zahlenden Leistungen und Produktivitätsverlusten.

Diese Kosten fallen zusätzlich zu den langfristigen Kosten der Arbeitslosigkeit für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die betroffenen Einzelpersonen an, wie ein höheres Risiko zukünftiger Arbeitslosigkeit und Armut.

Die Kosten von Untätigkeit sind also sehr hoch, die Jugendgarantie dagegen ist eine Investition. Für die Kommission handelt es sich um eine entscheidende Ausgabe der EU zur Bewahrung ihres Wachstumspotenzials für die Zukunft. Signifikante EU-Finanzhilfen können helfen – hauptsächlich über den Europäischen Sozialfonds und im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen (siehe unten). Damit die Jugendgarantie Realität wird, müssen die Mitgliedstaaten Maßnahmen zur Jugendbeschäftigung auch in ihren nationalen Haushalten Priorität einräumen.

Unterstützung der Jugendgarantie durch den Europäischen Sozialfonds

Die weitaus wichtigste Quelle für EU-Mittel zur Unterstützung der Durchführung der Jugendgarantie und anderer Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist der Europäische Sozialfonds (ESF), über den weiterhin mehr als 10 Mrd. EUR pro Jahr im Zeitraum 2014-2020 bereitgestellt werden. Es ist wichtig, dass die Mitgliedstaaten einen Großteil der Mittel, die ihnen für den Zeitraum 2014-2020 aus dem Europäischen Sozialfonds zugewiesen werden, in die Durchführung der Jugendgarantie investieren.

Beispiele für Aktivitäten/Interventionen im Rahmen der Jugendgarantie, die mit ESF-Mitteln gefördert werden können:

Maßnahmen

Konkrete Beispiele für Aktivitäten/Interventionen, die mit ESF-Mitteln gefördert werden können:

Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und Anlaufstellen

[JG-Empfehlungen 8 und 9]

  • Besuche der öffentlichen Arbeitsverwaltungen in Schulen

  • Schulung von Lehrkräften durch öffentliche Arbeitsverwaltungen

  • Entwicklung spezieller Jugendangebote durch die öffentlichen Arbeitsverwaltungen oder beauftragte private Dienstleister

  • Verteilung von Infomaterial in Jugendzentren und bei Jugendveranstaltungen

  • Verwendung von Internet und sozialen Netzwerken

  • Systeme zur Datensammlung

  • Wanderausstellungen

Individuelle Aktionspläne

[JG-Empfehlung 10]

  • Fortbildung des Personals der öffentlichen Arbeitsverwaltungen

  • Verträge mit spezialisierten Partnern

Wege für frühzeitige Schulabgänger und junge Geringqualifizierte zurück in die allgemeine und berufliche Bildung oder Bildungsprogramme „der zweiten Chance“, Beseitigung des Missverhältnisses zwischen Qualifikationsangebot und ‑nachfrage, Verbesserung digitaler Kompetenzen

[JG-Empfehlungen 11 bis 13]

  • Ausbildungsprogramme und Programme „der zweiten Chance“

  • Fremdsprachenlernangebote

  • Beratung und zusätzliche pädagogische Betreuung, um Jugendliche in die allgemeine und berufliche Bildung zurückzuholen

  • Unterstützung gefährdeter Jugendlicher beim Erwerb relevanter Qualifikationen und beim Abschluss der Sekundarstufe II

  • Praxisorientiertes Lernen und praktische Ausbildung

  • Angebote zum Erwerb digitaler Kompetenzen

  • Schulungsgutscheine

Unterstützung von Schulen und Arbeitsämtern bei der Förderung von Unternehmensgründungen und selbständiger Tätigkeit junger Menschen und bei der kontinuierlichen Beratung

[JG-Empfehlung 14]

  • Fortbildungen für Personal von Arbeitsämtern und Lehrkräfte

  • Entwicklung und Durchführung von Unternehmensgründungsseminaren in der Sekundarstufe

  • Fortbildungen für junge Arbeitslose

Nutzung gezielter und durchdachter Lohn-/Gehaltszuschüsse und Einstellungsanreize, um Arbeitgeber zur Schaffung neuer Möglichkeiten (Lehr- oder Arbeitsstelle) anzuregen, insbesondere für diejenigen, die am schwersten auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln sind.

[JG-Empfehlung 17]

  • Einstellungskredite für die Schaffung von Arbeits-/Ausbildungsplätzen für junge Menschen (ESF-Förderung für geförderte Kredite sollten durch Aktivierungsmaßnahmen, z. B. praktische Fortbildung, ergänzt werden)

Förderung der Arbeitskräftemobilität, indem junge Menschen über Arbeitsangebote, Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine mögliche Unterstützung in anderen Regionen und Ländern informiert werden; angemessene Unterstützung für diejenigen, die umgezogen sind

[JG-Empfehlung 18]

  • Betrieb von EURES-Kontaktstellen (die ESF-Förderung für EURES konzentriert sich auf die Personalfindung und entsprechende Informationen, Beratung auf nationaler und grenzüberschreitender Ebene)

  • Sensibilisierungskampagnen

  • Förderung von Freiwilligenorganisationen, die Mentoringprogramme anbieten

  • Förderung von Jugendorganisationen, die sich um junge Wanderarbeitnehmer bemühen

Gewährleistung der Bereitstellung von mehr Gründungshilfen

[JG-Empfehlung 19]

  • Zusammenarbeit zwischen Arbeitsverwaltungen, Unternehmensfördereinrichtungen und Finanzanbietern (z. B. regionale Jobmessen und Networking-Veranstaltungen)

  • Start-up-Förderung von KMU

  • Förderung selbständiger Tätigkeit

  • Vermittlung von unternehmerischen Fähigkeiten z. B. für Arbeitslose, ergänzt durch Unternehmensbeihilfen

Stärkung der Mechanismen zur Unterstützung junger Menschen, die Aktivierungsprogramme abbrechen und nicht länger Anspruch auf Leistungen haben

[JG-Empfehlung 20]

  • Förderung von Jugendorganisationen und Jugendwerken

  • Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die mit jungen Leuten in Kontakt kommen

  • Einrichtung von Nachverfolgungssystemen

  • Förderung von Arbeitsvermittlungsangeboten und Berufsberatungsangeboten in Schulen

Überwachung und Bewertung aller Maßnahmen und Programme im Zusammenhang mit der Jugendgarantie, damit mehr faktengestützte Strategien und Maßnahmen auf der Grundlage dessen entwickelt werden können, was sich wo, wie und warum bewährt hat [JG-Empfehlung 23]

  • Ermittlung kosteneffizienter Initiativen

  • Nutzung kontrollierter Versuche

  • Einrichtung von Analysezentren

  • Entwicklung von politischen Modellen, Pilotprojekte, Tests und Mainstreaming politischer Strategien (soziale Innovationen und Experimente)

Förderung von Maßnahmen des wechselseitigen Lernens auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zwischen allen an der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit beteiligten Parteien, um die Gestaltung und die Bilanz der künftigen Jugendgarantie-Systeme zu verbessern

[JG-Empfehlung 24]

  • Nutzung des europäischen Netzwerks für Jugendbeschäftigung (der EFS fördert die transnationale Zusammenarbeit zum Austausch bewährter Verfahren zwischen Organisationen auf EU-Ebene im Rahmen der technischen ESF-Hilfe auf Kommissionsebene)

Stärkung der Kapazitäten aller Interessenträger (u. a. der zuständigen Arbeitsverwaltungen), die an der Gestaltung, Umsetzung und Bewertung von Jugendgarantie-Systemen beteiligt sind, um alle internen und externen Hindernisse in der Politik und der Art und Weise, die Systeme zu entwickeln, zu beseitigen

[JG-Empfehlung 25]

  • Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen und Workshops

  • Einführung von Austauschprogrammen und Abordnungen zwischen Organisationen im Rahmen von Aktivitäten der transnationalen Zusammenarbeit

Unterstützung der Jugendgarantie durch die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen

Um weitere EU-Finanzhilfen für die Regionen und Einzelpersonen verfügbar zu machen, die am meisten unter Jugendarbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit leiden, haben der Rat und das Europäische Parlament vereinbart, eigens zu diesem Zweck eine Beschäftigungsinitiative für junge Menschen ins Leben zu rufen. Diese Beschäftigungsinitiative soll sich auf Regionen konzentrieren, in denen die Jugendarbeitslosenquote über 25 % liegt, sowie auf junge Menschen, die keine Arbeit haben und sich nicht in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befinden (NEETs). Dadurch wird gewährleistet, dass in den Teilen Europas, in denen die Probleme besonders eklatant sind, die Höhe der Unterstützung für die einzelnen jungen Menschen hoch genug ist, um tatsächlich etwas zu bewirken.

Im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen werden 3 Mrd. EUR aus einer spezifischen neuen EU-Haushaltslinie für Jugendarbeitslosigkeit bereitgestellt, zu denen mindestens 3 Mrd. EUR an Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds hinzukommen. Indem Maßnahmen zur direkten Förderung von jungen Menschen, die keine Arbeit haben und sich nicht in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befinden (NEETs), wie Arbeitsvermittlung, Praktika und Lehrstellen, Unterstützung bei der Unternehmensgründung usw., bezuschusst werden, wird die Unterstützung aus dem Europäischen Sozialfonds für die Umsetzung der Jugendgarantie verstärkt.

Zielgruppe der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen sind ausschließlich NEETs bis zum Alter von 25 Jahren und, falls die Mitgliedstaaten dies für angezeigt halten, bis zum Alter von 30 Jahren. In diesem Fall müssen die Mitgliedstaaten jedoch zusätzliche ESF-Mittel für diese Maßnahmen bereitstellen, um eine drastische Kürzung der Unterstützung pro Person zu vermeiden (möglicherweise von 1356 EUR auf etwa 700 EUR, wenn alle NEETs berücksichtigt werden).

Generell müssen die Mitgliedstaaten die Unterstützung im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen mit substanziellen zusätzlichen ESF- und nationalen Investitionen in Strukturreformen aufstocken, um die Arbeitsvermittlungs-, Sozialdienstleistungen und Bildungsangebote für junge Menschen zu modernisieren; außerdem müssen sie den Zugang zur Bildung, deren Qualität und die Abstimmung auf die Nachfrage am Arbeitsmarkt verbessern. Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen soll im Rahmen des ESF geplant werden.

Umsetzung der Jugendgarantie

Die Europäische Kommission fordert die Mitgliedstaaten dazu auf, nun möglichst schnell die Strukturen für die Verwirklichung der Jugendgarantie einzurichten. Die Kommission hat vorgeschlagen, die 6 Mrd. EUR im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen vorrangig bereitzustellen, so dass die gesamte Summe in den Jahren 2014 und 2015 zur Verfügung steht und nicht erst über die sieben Jahre des mehrjährigen Finanzrahmens verteilt. Um einen zügigen Start zu gewährleisten, könnten die Mitgliedstaaten ausnahmsweise damit beginnen, Maßnahmen im Zusammenhang mit der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen bereits ab dem 1. September 2013 durchzuführen. Die Mittel dafür würden rückwirkend erstattet, sobald die entsprechenden Programme gebilligt worden sind. Die Mitgliedstaaten sollten ihre auf die Jugend ausgerichteten operationellen Programme so schnell wie möglich einreichen und dafür sorgen, dass diese vollständig mit den Umsetzungsplänen für die Jugendgarantie in Einklang stehen.

Parallel dazu wird die Kommission zur Unterstützung der Mitgliedstaaten einige EU-Instrumente voranbringen, wie die EU-Ausbildungsallianz (siehe unten), die Koalition für digitale Arbeitsplätze, EURES und die Initiative „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“, sowie die Maßnahmen, mit denen die Einstellung junger Menschen erleichtert werden soll. Bei all diesen Maßnahmen ist eine enge Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen und sonstigen Interessenträgern wichtig.

Mitgliedstaaten mit hoher Jugendarbeitslosigkeit (also die Länder, die im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen unterstützt werden) sind gehalten, ihre Umsetzungspläne für die Jugendgarantie bis Ende Dezember 2013 zu erstellen. Alle übrigen Mitgliedstaaten sollen ihre Pläne bis Frühjahr 2014 vorlegen.

Gleichzeitig sollen die Mitgliedstaaten so rasch wie möglich die jugendbezogenen (Teile ihrer) operationellen Programme erstellen und einreichen, die die Grundlage für die finanzielle Unterstützung der EU (ESF und Beschäftigungsinitiative) für die Umsetzung der Jugendgarantie bilden. Maßnahmen, die für eine EU-Finanzierung infrage kommen, können bereits ab dem 1. September 2013 durchgeführt werden.

Die Kommission hat ein Muster für diese Umsetzungspläne für die Jugendgarantie entwickelt und verteilt, in dem erläutert wird, wie die Jugendgarantie umgesetzt wird, welche Rolle die Behörden und sonstigen Organisationen spielen, wie die Jugendgarantie finanziert (einschließlich Nutzung von EU-Mitteln) und überwacht wird, und in dem ein Zeitplan vorgegeben wird.

Zur Förderung der Umsetzung der Jugendgarantie hat am 17. und 18. Oktober 2013 in La Hulpe ein Seminar stattgefunden, bei dem praktische Unterstützung bei der Gestaltung und Umsetzung der Jugendgarantie geboten wurde. Dabei kamen in einem neuartigen Rahmen die auf nationaler Ebene ernannten Jugendgarantie-Koordinatoren mit Vertretern der öffentlichen Arbeitsverwaltungen, Bildungsbehörden und ESF-Verwaltungsbehörden aus allen Mitgliedstaaten zusammen. Das Seminar bot den Mitgliedstaaten praktische Unterstützung bei der Erstellung ihrer Umsetzungspläne für die Jugendgarantie, wobei auch der Bedarf der Mitgliedstaaten an weiterer Unterstützung ermittelt wurde (siehe IP/13/969).

Der Beschäftigungsausschuss, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind, arbeitet ebenfalls an der Jugendgarantie, und zwar durch die multilaterale Überprüfung der Durchführung der länderspezifischen Empfehlungen im Jugendbereich und durch die Entwicklung von Datenvorgaben für die Überwachung der Umsetzung und der Durchschlagskraft der Jugendgarantie. Im Dezember dieses Jahres werden drei Mitgliedstaaten die Entwürfe ihrer Umsetzungspläne für die Jugendgarantie gegenseitig bewerten, während parallel dazu die Gespräche über die jugendbezogenen länderspezifischen Empfehlungen laufen. Der Beschäftigungsausschuss wird eng mit den öffentlichen Arbeitsverwaltungen zusammenarbeiten, die bei der Einrichtung der Jugendgarantie-Systeme eine wichtige Rolle spielen.

Am 3. Juli hat in Berlin eine Jugendkonferenz stattgefunden, an der Staats- und Regierungschefs aus 16 Mitgliedstaaten sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration László Andor teilgenommen haben. Die Leiter der öffentlichen Arbeitsverwaltungen kamen zu Sitzungen mit den zuständigen Ministern zusammen. Am 12. November findet in Paris eine weitere Konferenz der Staats- und Regierungschefs zu diesem Thema statt.

Eine Konferenz mit hochrangigen Teilnehmern unter der Schirmherrschaft von Kommissar Andor zur Frage der Umsetzung der Jugendgarantie ist für Frühjahr geplant.

Aktionsteams

Seit Beginn des laufenden Finanzierungszeitraums 2007-2013 bilden junge Menschen in allen Mitgliedstaaten eine der wichtigsten Zielgruppen des ESF. In einigen Fällen wurden seit dem Ausbruch der Krise weitere Mittel für sie mobilisiert. Beinahe 600 Mio. EUR wurden auf spezifische Maßnahmen für besonders gefährdete Zielgruppen – darunter junge Menschen – umgewidmet, und zwar in den Bereichen Bildung, Zugang zur Beschäftigung, Beratungsdienste, praktische Ausbildung in Unternehmen und Vorbeugung.

Auf Initiative der Kommission wurden im Februar 2012 Aktionsteams bestehend aus Beamten der Mitgliedstaaten und der Kommission in Zusammenarbeit mit den acht Mitgliedstaaten eingesetzt, die zu der Zeit die höchsten Jugendarbeitslosenquoten zu verzeichnen hatten, nämlich Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Portugal, die Slowakei und Spanien. Die Aktionsteams waren damit beauftragt, weitere EU-Strukturfondsmittel zu mobilisieren (auch aus dem Europäischen Sozialfonds), die im Programmplanungszeitraum 2007-2013 noch verfügbar waren, um Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen zu fördern und den Zugang von KMU zu Finanzmitteln zu erleichtern.

Im Juni wurden ermutigende Ergebnisse gemeldet: 1,14 Millionen junge Menschen wurden mit 3,7 Mrd. EUR aus ESF-Mitteln unterstützt, die auf spezifische Maßnahmen im Jugendbereich umgewidmet wurden, sowie mit 1,19 Mrd. EUR, die bereits Projekten zugewiesen waren. Über den Sommer wurde die Arbeit fortgesetzt, so dass sowohl bereits gefallene Entscheidungen umgesetzt als auch Programme gegebenenfalls angepasst wurden, nämlich in Spanien und Litauen. Im Dezember 2013 wird die Kommission erneut vor Ort den Stand der Umsetzung prüfen.

Länderspezifische Empfehlungen

In den länderspezifischen Empfehlungen für 2013, die im Mai 2013 von der Kommission vorgeschlagen und im Juli vom EU-Ministerrat im Rahmen des sogenannten Europäischen Semesters, des jährlichen Zyklus der EU für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik, angenommen wurden, werden 20 Mitgliedstaaten dringend aufgefordert, Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu ergreifen. Dazu zählen aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die Stärkung der öffentlichen Arbeitsverwaltungen, die Unterstützung für Praktika und Lehrstellen und die Bekämpfung des frühzeitigen Schulabgangs – allesamt Maßnahmen, die zum Erfolg der Jugendgarantie beitragen können. 12 Mitgliedstaaten werden direkt aufgefordert, die Jugendgarantie umzusetzen. In den Empfehlungen werden die Mitgliedstaaten außerdem aufgerufen, gegen die Segmentierung des Arbeitsmarkts vorzugehen, wo ältere, etablierte Arbeitnehmer sehr gute Beschäftigungsbedingungen vorfinden, während junge Menschen entweder arbeitslos bleiben oder nur befristete Verträge erhalten.

Übergang von der Schule ins Berufsleben

Effektive Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung, vor allem solche, die eine starke berufspraktische Komponente umfassen, erleichtern jungen Menschen den Übergang von der Schule ins Berufsleben. Aus diesem Grund hat die Kommission am 2. Juli eine Europäische Ausbildungsallianz ins Leben gerufen, um die Qualität und das Angebot von Lehrstellen EU-weit zu verbessern und die Einstellung zu einer Ausbildung nach dem Vorbild der Lehrlingsausbildung zu ändern (siehe IP/13/634). Gestützt wird die Arbeit der Allianz durch die allererste gemeinsame Erklärung der Europäischen Kommission, des Vorsitzes des EU-Ministerrats und der Sozialpartner auf europäischer Ebene (Europäischer Gewerkschaftsbund (EGB), BusinessEurope, Europäischer Zentralverband der öffentlichen Wirtschaft (CEEP) und Europäische Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe (UEAPME)). Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, die Reform der Lehrlingsausbildung im Rahmen der Umsetzung ihrer Pläne für die Jugendgarantie zu berücksichtigen und EU-Mittel und verfügbare Fachkenntnisse zu nutzen, um ihre Systeme gegebenenfalls zu verbessern.

Damit junge Menschen unter sicheren Bedingungen hochwertige Arbeitserfahrung sammeln und ihre Beschäftigungsfähigkeit verbessern können, wird die Kommission im Dezember außerdem einen Vorschlag für einen Qualitätsrahmen für Praktika vorlegen. Die Kommission wird den Rat ersuchen, die auf der Grundlage dieses Vorschlags erstellten Empfehlungen zu Beginn des Jahres 2014 anzunehmen – dies entspricht den Schlussfolgerungen des Europäischen Rats vom Juni.

Berufliche Mobilität

Die Kommission unterstützt junge Menschen bei der Arbeitssuche auch durch die Erleichterung der beruflichen Mobilität, insbesondere indem sie junge Menschen auf Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen EU-Ländern aufmerksam macht. Das Netzwerk für die Arbeitssuche EURES ermöglicht den Zugriff auf mehr als 1,4 Millionen Stellenangebote von fast 31 000 registrierten Arbeitgebern auf der Suche nach begabten und mobilen Arbeitsuchenden.

Zurzeit wird das EURES-Portal nutzerfreundlicher gestaltet, und bis Ende dieses Jahres soll eine EURES-Charta vorgelegt werden, in der auf EU-Ebene abgestimmte Leitlinien für die nationalen EURES-Leistungen festgelegt werden. Die Kommission arbeitet daran, die EURES-Dienste für Arbeitsuchende und Arbeitgeber auszubauen (siehe IP/12/1262, MEMO/12/896, MEMO/12/897) und wird vor Ende 2013 einen weiteren Vorschlag vorlegen.

Die Mobilitätsinitiative der Kommission „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“ ist ein Pilotprojekt, mit dem die Wirksamkeit maßgeschneiderter Dienstleistungen in Kombination mit finanzieller Unterstützung getestet werden soll, die jungen Menschen im Alter von 18-30 Jahren bei der Suche nach einer Arbeit in einem anderen Mitgliedstaat helfen soll (Vertrag über mindestens sechs Monate gemäß den nationalen arbeitsrechtlichen Bestimmungen). Angeboten werden Informationen zu Arbeitssuche, Einstellungsverfahren und Finanzierungsmöglichkeiten. Finanziert werden Sprachkurse oder andere Fortbildungsbedürfnisse sowie Reisekosten für junge Stellenwerber (für Bewerbungsgespräche oder Umzugskosten bei Antritt einer neuen Stelle) in einem anderen EU-Mitgliedstaat. Für KMU kann eine finanzielle Unterstützung zur teilweisen Deckung ihrer Kosten für die Eingewöhnung neuer Mitarbeiter gewährt werden.

Im Rahmen des nächsten MFR wird das neue Programm für Beschäftigung und soziale Innovation zusätzliche Direktbeihilfen in Höhe von 5 bis 9 Mio. EUR pro Jahr zur Unterstützung derartiger, gezielt ausgerichteter Systeme bereitstellen (siehe MEMO/13/628). Mithilfe kleinerer Initiativen soll die Besetzung freier Stellen in bestimmten Berufssparten, Branchen oder Mitgliedstaaten durch maßgeschneiderte Einstellungskampagnen, die eine gezielte Arbeitsvermittlung innerhalb der EU erleichtern, ermöglicht werden. Die Beschäftigung von Jugendlichen ist in diesem Zusammenhang weiterhin der wichtigste Schwerpunkt.

Angesichts der Größe der Herausforderung wird es jedoch in erster Linie an den Mitgliedstaaten – also deren öffentlichen Arbeitsverwaltungen mit Zugriff auf ESF-Mittel – und den Arbeitgebern sein, aufbauend auf den mit „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“ gewonnenen Erfahrungen die Arbeitsvermittlung durch Mobilität innerhalb der EU stärker finanziell zu unterstützen.

Wie werden junge Menschen bereits heute durch den Europäischen Sozialfonds unterstützt?

Der Europäische Sozialfonds, der zurzeit mit 10 Mrd. EUR pro Jahr ausgestattet ist, hat bereits lange vor der Krise gezielte Unterstützung für die Jugendbeschäftigung geleistet und sich bei der Bekämpfung des derzeitigen Anstiegs der Jugendarbeitslosigkeit als unverzichtbar erwiesen.

68 % der ESF-Mittel fließen in Projekte, die auch jungen Menschen zugute kommen.

Von 2007-2012 erhielten 20 Millionen junge Menschen unter 25 Jahren Unterstützung aus dem ESF im Rahmen von Ausbildungs- oder Mentoringmaßnahmen. In einigen Ländern (Deutschland, Frankreich, Ungarn) stellten junge Menschen 40 % oder mehr aller Teilnehmer.

ESF-Projekte sind darauf ausgerichtet, junge Menschen im Bildungssystem zu halten, indem frühzeitigem Schulabgang vorgebeugt wird und Möglichkeiten für den Wiedereintritt in die formale allgemeine oder berufliche Bildung angeboten werden. Der Übergang von der Schule ins Berufsleben wird durch Mentoring und individuelle Beratung, zusätzliche Ausbildung und Praktika sowie Lehrstellenangebote erleichtert.

Viele Mitgliedstaaten nutzen ESF-Investitionen zur Modernisierung der allgemeinen Bildung und zum Ausbau der beruflichen Bildung. Soziale, auf Inklusion ausgerichtete Projekte befassen sich mit der Eingliederung junger Menschen aus benachteiligten Gruppen in den Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem. Transnationalität ist ein operationeller Grundsatz des ESF und die Mobilität von Studierenden und Forschenden ein sehr gut entwickelter Faktor.

Der ESF wird auch im neuen Finanzierungszeitraum eine entscheidende Rolle bei der Förderung junger Menschen, der Durchführung der Jugendgarantie und der Umsetzung der entsprechenden länderspezifischen Empfehlungen im Rahmen des Europäischen Semesters spielen. Dazu benötigt der Fonds angemessene Mittel, wie die Kommission immer wieder betont hat, seit sie vorgeschlagen hat, dass der ESF mindestens 25 % der Kohäsionspolitik im Zeitraum 2014-2020 tragen soll.

Weitere Informationen

Siehe auch:


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