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PIAAC-Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener – häufig gestellte Fragen

European Commission - MEMO/13/860   08/10/2013

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Europäische Kommission

Brüssel, 8. Oktober 2013

PIAAC-Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener – häufig gestellte Fragen

IP/13/922

1. Was wurde in der Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener gemessen und wie wurden die Kompetenzen gemessen?

Unmittelbarer Gegenstand der Erhebung waren die Kompetenzen von ca. 5 000 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren pro Teilnehmerland, also ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Getestet wurden die Kompetenzbereiche Lesen, Rechnen und Problemlösen im Kontext neuer Technologien (Problemlösen am Computer). Weitere Fragestellungen der Erhebung waren die Nutzung von IKT am Arbeitsplatz und im Alltag, ob die Kenntnisse und Qualifikationen den Arbeitsanforderungen entsprechen, oder sie betrafen Bildung, Arbeit und den sozioökonomischen Hintergrund.

Die festgestellten Fähigkeiten der Teilnehmer wurden einer Skala von 0 bis 500 Punkten zugeordnet, die in mehrere Qualifikationsstufen eingeteilt war (von Stufe 1 oder niedriger bis 5 beim Lesen und Rechnen, von Stufe 1 oder niedriger bis 3 beim Problemlösen). Auf der Skala für Lesen und Rechnen entspricht jedes weitere Schuljahr ungefähr sieben Punkten, eine Qualifikationsstufe entspricht etwa sieben Jahren Schule. Detailliertere Informationen finden Sie hier: http://www.oecd.org/site/piaac/.

2. Welches Bild ergibt sich für die Bürgerinnen und Bürger der EU im Vergleich zu anderen führenden Volkswirtschaften wie den USA, Kanada, Australien und Japan?

Auf globaler Ebene übertrifft Japan alle anderen Länder mit seinem hohen Anteil an Personen, deren Leistungen die Stufen 3-5 erreichten, und sehr wenigen Personen mit schwachen Leistungen. Große nichteuropäische Volkswirtschaften wie Kanada und die USA erreichten kaum andere Werte als viele EU-Länder.

Abb. 1: Wie gut können Erwachsene lesen?

Anteil der Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren an jeder Qualifikationsstufe pro Land

Quelle: Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener (PIAAC), geordnet nach dem Anteil an Stufe 1 oder niedriger. „Missing“: Diese Personen nahmen nicht am Test teil.

3. Welche Unterschiede zwischen den EU-Ländern fallen besonders auf?

Die EU-Länder lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Länder mit einem hohen Anteil an Leistungsstarken und einem geringen Anteil an Leistungsschwachen wie die Niederlande, Finnland und Schweden, wobei Finnland am nächsten an Japan herankommt; Länder mit uneinheitlichen, aber kaum unterschiedlichen Ergebnissen, und schließlich Länder mit wenigen Leistungsstarken und einem hohen Anteil an Leistungsschwachen wie Spanien und Italien.

So schnitten beispielsweise bei dem Test „Lesekompetenzen im Ländervergleich” junge Hochschulabsolventen in Finnland, den Niederlanden, Schweden, Belgien (Flandern), Österreich, Estland und Deutschland besonders gut ab, wobei die finnischen Hochschulabsolventen den unteren Bereich der Stufe 4 erreichten. Absolventen der Sekundarstufe II erreichten mit 20 Punkten weniger als Hochschulabsolventen durchschnittlich die Stufe 3 (was grob drei Schuljahren entspricht). Auch hier waren die Leistungen in Finnland, den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Österreich und Deutschland besser.

Allerdings darf man das komplizierte Zusammenspiel verschiedener Faktoren nicht außer Acht lassen: Ein guter Abschluss in der formalen Bildung eröffnet auch den Zugang zu hochqualifizierten Arbeitsplätzen, was wiederum den Erhalt und Ausbau einer hohen Qualifikationsstufe erleichtert. Und es gibt andere Faktoren, die mitunter wichtiger sind als das Bildungsniveau, wie etwa Berufserfahrung, längere Arbeitslosigkeit oder nichtformale Bildung. Die interessantesten und überraschendsten Ergebnisse erbringt jedoch die Analyse der jüngeren Altersgruppe, insbesondere wenn man die Leistung der Hochschulabsolventen mit denen der Absolventen der Sekundarstufe II vergleicht.

Abb. 2: Leistungen junger Menschen mit kürzlich erworbenen Bildungsabschlüssen

Durchschnittliche Leistungen 16-29-Jähriger, geordnet nach ihrem höchsten Bildungsabschluss

Quelle: Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener (PIAAC), geordnet nach dem durchschnittlichen Ergebnis der Hochschulabsolventen

4. Wird es neue Daten zu den Qualifikationen in denjenigen EU-Ländern geben, die nicht an der Erhebung teilgenommen haben?

Die Erhebung besteht aus zwei komplementären Phasen.

Derzeit läuft eine zweite Phase, an der andere Länder teilnehmen, darunter auch drei weitere EU-Mitgliedstaaten, nämlich Griechenland, Litauen und Slowenien. Die Datenerhebung wird im Jahr 2014 beginnen.

Eine dritte Phase ist für 2015 geplant; die Kommission würde eine Teilnahme der noch verbliebenen EU-Länder an der Erhebung begrüßen.

Außerdem arbeiten die OECD und die Kommission zusammen, um die Kontinuität der Erhebung zu sichern und so auch künftig ein Monitoring der Fortschritte zu ermöglichen.

5. In welchem Umfang hat die Europäische Kommission die Erhebung zu den Kompetenzen Erwachsener finanziell gefördert?

Die Kommission hat die Teilnahme von Ländern an der Erhebung durch Bereitstellung von Finanzbeiträgen aus dem Programm für lebenslanges Lernen unterstützt. Die 17 teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten und Norwegen als Teilnehmerland am Programm für lebenslanges Lernen haben drei oder vier Jahre lang durchschnittlich 75 000 EUR pro Jahr erhalten. Dies ergibt einen Gesamtbetrag von 5 Mio. EUR. Auch die Generaldirektion Beschäftigung der Kommission hat das OECD-Sekretariat mit 1 Mio. EUR unterstützt. Im selben Umfang unterstützt die Kommission die kürzlich eingeleitete zweite Phase der Erhebung.

6. Wie wird das künftige Online-Tool zur Bewertung des Bildungs- und Qualifikationsniveaus in der Praxis aussehen?

Dieses Bewertungstool wird so konzipiert sein, dass es individuelle Ergebnisse für die Bereiche Rechnen und Problemlösung liefern kann. Alle Ergebnisse werden anhand der Maßstäbe der Erhebung zu den Kompetenzen von Erwachsenen mit den vorliegenden nationalen und internationalen Ergebnissen der teilnehmenden Länder vergleichbar sein.

Das Tool eignet sich für Studierende oder junge Menschen, die nicht mehr die Schule besuchen und die an einem Übergang zur Hochschule/Berufsausbildung oder ins Erwerbsleben interessiert sind. Es eignet sich aber auch für Erwachsene verschiedenen Alters, die entweder eine Weiterbildung anstreben oder ihre Fähigkeiten als Arbeitskräfte unter Beweis stellen wollen. Das Tool kann auch zur Bewertung des Humankapitals von Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder sonstigen Organisationen eingesetzt werden.

Eine Pilotversion wird Ende 2013 zur Verfügung stehen.

7. Welches Ziel verfolgen die Kommission und die OECD mit ihrer neuen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Kompetenzen?

Die Kommission koordiniert die politische Zusammenarbeit mit und unter den Mitgliedstaaten mithilfe der einschlägigen EU-Programme und –Fonds und baut derzeit ihre Kapazitäten zur Länderanalyse im Rahmen des „Europa-2020“-Prozesses aus. Die OECD schätzt die Erfahrungen und Kapazitäten der Kommission auf dem Gebiet der Analyse und Bewertung von Bildungssystemen. Die Arbeit der OECD erstreckt sich auch auf außereuropäische Länder, die für die EU strategische Bedeutung als Partner und Peers besitzen. Das Ziel besteht darin, die Arbeit beider Organisationen aufeinander abzustimmen und damit den Mitgliedstaaten einerseits bessere Leistungen zu bieten und andererseits Doppelarbeit zu vermeiden.

Eine intensivierte Zusammenarbeit ist auf folgenden Hauptgebieten geplant:

  • Qualifikationsstrategien zur Unterstützung von Ländern oder Regionen, damit diese zusammen mit den Hauptakteuren konkrete Pläne zur Verbesserung des Angebots an und des Einsatzes von Qualifikationen ausarbeiten können;

  • Länderanalysen, mit deren Hilfe die Länder Herausforderungen und Chancen auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung erkennen und geeignete Reformen einleiten können;

  • Bewertungen und Erhebungen zur Bereitstellung international vergleichbarer Informationen als Grundlage für eine evidenzbasierte Politik.


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