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Häufig gestellte Fragen zu Sprachen in Europa

European Commission - MEMO/13/825   26/09/2013

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Europäische Kommission

MEMO

Brüssel, 26. September 2013

Häufig gestellte Fragen zu Sprachen in Europa

IP/13/875

Was bedeutet „Mehrsprachigkeit“?

  • Das Nebeneinander mehrerer Sprachen in einem geografischen Gebiet

  • Die Fähigkeit einer Person, mehrere Sprachen zu sprechen

  • Die Vorgabe, dass eine Organisation, ein Unternehmen oder eine Institution für die interne und/oder externe Kommunikation mehrere Sprachen zu verwenden hat

In all diesen Bedeutungen ist Mehrsprachigkeit ein Wesensmerkmal Europas.

Sprachenlernen und sprachliche Vielfalt zählen zu den Schwerpunkten des neuen EU-Programms Erasmus+ für allgemeine und berufliche Bildung und Sport im Zeitraum 2014-2020.

Welches sind die Amtssprachen der EU?

Die 24 Amtssprachen der EU-Institutionen sind Bulgarisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Estnisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Irisch, Italienisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Maltesisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch und Ungarisch.

Wer entscheidet, welche Sprachen Amtssprachen der EU sind?

Der Rat der EU, in dem alle EU-Mitgliedstaaten vertreten sind, entscheidet diese Frage einstimmig. Jedes Land gibt vor seinem Beitritt zur EU an, welche Sprache(n) es als Amtssprache(n) in der EU verwenden möchte. Etwaige spätere Änderungen – Aufnahme einer neuen oder Streichen einer bestehenden Amtssprache – müssen einstimmig von allen Mitgliedstaaten im Rat bewilligt werden.

Was ist mit den Regionalsprachen in den Mitgliedstaaten?

Der Rat der EU, also die Gesamtheit der Mitgliedstaaten, hat entschieden, dass EU-Institutionen auch Sprachen verwenden können, die in der Verfassung eines Mitgliedstaates anerkannt sind, selbst wenn sie keine EU-Amtssprache sind. Die EU-Institutionen haben mit der spanischen Regierung eine Vereinbarung über die Verwendung von Baskisch, Galicisch und Katalanisch in ihren Dokumenten getroffen. Für die Verwendung des Walisischen und Schottisch-Gälischen besteht eine ähnliche Vereinbarung mit der Regierung des Vereinigten Königreichs. In beiden Fällen stellt die Regierung des Mitgliedstaats gegebenenfalls auf eigene Kosten Übersetzungen bereit.

Eine Verdolmetschung aus dem Baskischen, Katalanischen/Valencianischen/Balearischen und Galicischen (aber nicht in diese Sprachen) gibt es auf Anfrage für bestimmte Ratstagungen mit Vertretern dieser Regionen sowie für die Plenartagungen des Ausschusses der Regionen und des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses. Für Kommissionssitzungen sind keine spanischen Regionalsprachen vorgesehen. Die Kosten für solche Verdolmetschungen trägt der jeweilige Mitgliedstaat. Mit den walisischen und schottischen Behörden besteht eine ähnliche Vereinbarung.

Warum fördert die Europäische Kommission die Mehrsprachigkeit?

Weil sie 1) den interkulturellen Dialog und eine inklusivere Gesellschaft fördern möchte, weil sie 2) den Bürgerinnen und Bürgern der 28 Mitgliedstaaten ein Gefühl für die Unionsbürgerschaft vermitteln möchte, weil sie 3) jungen Menschen die Möglichkeit eröffnen möchte, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, und weil sie 4) global operierenden EU-Unternehmen neue Märkte erschließen möchte.

Kurz gesagt, welches Ziel hat die Sprachenpolitik der EU?

Mit ihrer Sprachenpolitik schützt die EU die Sprachenvielfalt und fördert das Sprachenlernen. Hiermit will sie die kulturelle Identität und die gesellschaftliche Integration stärken. Ein weiterer Beweggrund ist, dass mehrsprachige Bürgerinnen und Bürger stärker von den Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Binnenmarkt profitieren können.

Angestrebt wird ein Europa, in dem alle neben ihrer Muttersprache bereits im frühen Alter mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Die Vorgabe „Muttersprache + 2“ wurde von den EU-Staats- und Regierungschefs im März 2002 auf dem Gipfel in Barcelona vereinbart.

Was kostet die Mehrsprachigkeit in den EU-Institutionen?

Die Kosten für Übersetzen und Dolmetschen in allen EU-Institutionen (darunter die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, der Rat, der Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof, der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss und der Ausschuss der Regionen) belaufen sich jährlich auf etwa 1 Mrd. EUR. Dies entspricht weniger als 1 % des EU-Haushalts bzw. etwas mehr als 2 EUR je EU-Bürger. Die Europäische Kommission beschäftigt rund 3000 Übersetzer und Dolmetscher.

Schützt EU-Recht die Verwendung von Sprachen?

Die Rechte und Pflichten der EU im Rahmen der Sprachenpolitik sind in den EU-Rechtsvorschriften niedergelegt. Im EU-Vertrag (Artikel 3) und in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Artikel 21 und 22) ist beispielsweise festgelegt, dass Diskriminierungen aufgrund der Sprache verboten sind und dass die Union die Vielfalt der Sprachen achtet.

Gemäß der ersten Gemeinschaftsverordnung aus dem Jahr 1958 sind die Europäischen Institutionen gehalten, Rechtsvorschriften in alle Amtssprachen zu übersetzen und Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern in derselben Sprache zu beantworten, in der sie gestellt wurden (Artikel 2 sowie Artikel 20 und 24 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union).

Plant die EU, die Zahl ihrer Amtssprachen zu reduzieren?

Nein, denn das gegenwärtige System liegt im Interesse von Demokratie und Transparenz. Kein Mitgliedstaat ist bereit, auf seine eigene Sprache zu verzichten, und die Kandidatenländer möchten, dass ihre Sprachen in die Liste der Amtssprachen aufgenommen werden.

Wäre eine einzige Sprache für alle eine Lösung?

Hin und wieder werden Latein oder Esperanto als einzige, europaweite Sprache für die EU vorgeschlagen. Da allerdings beinahe jeder diese Sprachen von Grund auf neu lernen müsste, wäre diese Lösung sowohl unpraktisch als auch für die Beziehungen zum Rest der Welt nicht sonderlich hilfreich. Die Lehrerausbildung und der Sprachunterricht für fast 500 Millionen Europäerinnen und Europäer würden außerdem sehr viel Zeit und Geld kosten. Die Idee, dass eine einzige Sprache die Lösung für alle sprachlichen Probleme wäre, ist zu simpel. Mit ihrem Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit macht sich die Europäische Kommission daher für Vielfalt statt für Einförmigkeit stark.

Welche Rolle spielen Übersetzungen und Verdolmetschungen?

Die Aufgabe der Übersetzungs- und Dolmetschdienste der Europäischen Union besteht darin, die Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union zu unterstützen und zu stärken und die EU-Bürgerinnen und -Bürger mit der EU-Politik besser vertraut zu machen. Für Transparenz, Legitimität und Effizienz der EU ist es von zentraler Bedeutung, dass die Bürgerinnen und Bürger in ihrer eigenen Sprache informiert und angesprochen werden – insbesondere über ihre im EU-Recht festgeschriebenen Rechte und Pflichten.

Wird jedes EU-Dokument in alle Amtssprachen übersetzt?

Nein. Die Dokumente werden nach bestimmten Prioritäten übersetzt, die sich nach Zielgruppe und Zweck richten. Rechtsvorschriften sowie andere Texte, die von großer Bedeutung oder großem Interesse für die Öffentlichkeit sind, werden in allen 24 Amtssprachen erstellt. Andere Unterlagen (z. B. Schreiben an nationale Behörden oder Beschlüsse, die an bestimmte Personen oder Organisationen gerichtet sind) werden nur in die jeweils erforderlichen Sprachen übersetzt.

Die Europäische Kommission wickelt ihr internes Geschäft in drei sogenannten „Verfahrenssprachen“ ab – Englisch, Französisch und Deutsch.

Und die Websites?

Es wird immer wichtiger, die Menschen online darüber zu informieren, was die EU tut und wie sie davon profitieren. Die Europäische Kommission ist nicht von Rechts wegen dazu verpflichtet, jede einzelne Seite ihres Internetauftritts in alle Amtssprachen zu übersetzen. Sie bietet jedoch möglichst viele Informationen in möglichst vielen Sprachen an.

Welche Sprache ist die wichtigste?

Alle Sprachen sind gleich wichtig. Die EU-Sprache mit der größten Zahl an Muttersprachlern in der EU ist Deutsch. Außerhalb Deutschlands und Österreichs wird Deutsch jedoch nicht so häufig verwendet. Die EU-Sprachen mit der weltweit größten Zahl an Muttersprachlern sind Englisch und Spanisch – die Mehrheit dieser Sprecher lebt jedoch nicht in Europa. Französisch ist in drei Mitgliedstaaten die einzige oder eine Amtssprache (Belgien, Frankreich, Luxemburg). Es wird in vielen Teilen der Welt gesprochen und in vielen Schulen in der EU unterrichtet. Allerdings ist es als Fremdsprache in Süd- und Westeuropa wesentlich weiter verbreitet als in Nord- und Osteuropa. Englisch ist die am weitesten verbreitete Zweitsprache in der EU. Allerdings zeigen aktuelle Untersuchungen, dass selbst heute weniger als die Hälfte der EU-Bevölkerung Englisch gut genug kann, um in dieser Sprache zu kommunizieren.

Was bringt es mir, wenn ich Fremdsprachen lerne?

In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist die Fähigkeit, Fremdsprachen anzuwenden und zu verstehen, von hohem Nutzen für die persönliche Entwicklung, die Beschäftigungsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit. Wer eine Fremdsprache versteht, hat außerdem einen besseren Zugang zu verschiedenen Kulturen, und das das gegenseitige Verständnis wird gefördert.

Warum sind Sprachen wichtig fürs Geschäft?

Weil es hilfreich ist, die Sprache der Kunden zu sprechen. Im Jahr 2006 wurde im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie durchgeführt, um die Kosten fehlender Fremdsprachenkenntnisse für die Unternehmen in der EU zu beziffern. Die Ergebnisse legen nahe, dass mangelnde Fremdsprachenkenntnisse der Grund dafür sind, dass tausenden europäischen Unternehmen Jahr für Jahr Geschäfte und Aufträge entgehen. Laut der Studie könnten 11 % der im Export tätigen europäischen kleinen und mittleren Unternehmen (945 000 Betriebe) Verluste durch Kommunikationsprobleme erleiden.

Was halten die Europäerinnen und Europäer vom Sprachenlernen?

Laut einer im Juni 2012 durchgeführten Eurobarometer-Umfrage halten fast 9 von 10 EU-Bürgerinnen und -Bürgern die Fähigkeit, Fremdsprachen zu sprechen, für sehr nützlich, und 98 % meinen, das Beherrschen von Fremdsprachen sei gut für die Zukunft ihrer Kinder. Die meisten Europäerinnen und Europäer sind sich der Vorteile von Mehrsprachigkeit bewusst: 72 % sind mit dieser Zielsetzung einverstanden, und 77 % sind der Meinung, sie sollte Priorität erhalten. 53 % verwenden Fremdsprachen am Arbeitsplatz, und 45 % meinen, sie hätten dank ihrer Fremdsprachenkenntnisse eine bessere Arbeitsstelle in ihrem eigenen Land.

Wie gut sind die Sprachkenntnisse der Europäerinnen und Europäer?

Das polyglotteste EU-Land ist Luxemburg – hier beherrschen 99 % der Bürgerinnen und Bürger mindestens eine Fremdsprache. Der Anteil der Menschen in Europa, die angeben, in einer Fremdsprache kommunizieren zu können, ist leicht zurückgegangen (von 56 % auf 54 %). Tests bei Schülerinnen und Schülern im Teenageralter in 14 europäischen Ländern zeigen, dass nur 42 % ihre erste Fremdsprache wirklich beherrschen, bei der zweiten Fremdsprache sind es lediglich 25 %. Ein signifikanter Anteil, nämlich 14 % bei der ersten Fremdsprache und 20 % bei der zweiten, erreicht nicht einmal das Niveau „Grundkenntnisse“.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer ersten Fremdsprache wirklich sattelfest sind, liegt zwischen 82 % in Malta und Schweden (wo Englisch die erste Fremdsprache ist) und nur 14 % in Frankreich (Englisch) und 9 % im Vereinigten Königreich (Französisch). Dank des Internets trainieren die Menschen nun vermehrt ihr passives Lese- und Hörverständnis in Fremdsprachen. Die Anzahl der Europäerinnen und Europäer, die regelmäßig im Internet Fremdsprachen verwenden, beispielsweise über soziale Medien, ist um 10 Prozentpunkte von 26 % auf 36 % gestiegen.


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